Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1919)
- Date
- 1919-08-22
- Page
- Seite 380 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Keines versteckt das verschämte Lachen hinter meinem Hals. Wen darf ich trdften und ihm die Tränen trocknen? Wo soll ich mit meiner Liebe hin? Sie irrt umher und findet ihr Haus nicht. Seh' ich ein fremdes Kind auf den Gaffen. Blutet mein Herz, Und die sich Mutter nennt. Muß ich verachten. Bill ich nicht viel mehr Mutter als sie. Liebebeschwert, wie Feuchtigkeit -den Himmel durchtränkt, Mitleidströnrend, wie der Regen herniederrauscht!? Hab' ich nicht Meere zu verschellken? Aber du willst mich mit meinen Schäden begraben Wie eine Heidenkönigin! Du zertrittst -die Blüte mit dem Sauren Und knickst mein Dasein um. Las; nticl) nicht so verdorren ohne Frucht, Lebendiger Gott! Keinen Abschluß bedeutet dieses Gedicht, sondern nur die frohe Hoffnung, daß noch eben so starke, fast männlich starke der Dichterin entströmen möchten. Die jüngsten Jahre ihres Schaffens haben sie nach der Seite der. sozialen Skizze geführt; hier ist mir besonders eine, die auch in einer Reihe von Blättern erschienen ist. in Erinnerung, irr der sie schildert, wie ein junges Mädchen unerkannt in die Elendsviertel einer Großstadt geht mtb innerlich und äußerlich gepackt wird vonjenem Leben der Armut, von den; sie nichts wußte. Gerade diese Skizze scheint mir ihr großes Können zu beweisen. In letzter Feit hat ein Einakter „Urlaub" arrs ihrem Einakterzyklus „Blitze" in Breslau eine erfolgreiche Uraufführung erlebt. Hier war das Problem des Anseinanderlebens der Ehegatten, wie es der lange Krieg mit sich gebracht hat, der Gegenstand der dichterischen Behandlung. Neben der gelungenen Art der Dialogführung zeichnet sich dies Stück besonders durch die feine Kunst aus. die Empfindungen der Frauenseele zu charakterisieren, die den Hörer im Baun hält. Im Herbst dieses Jahres wird bei Felir Lehmann in Berlin ein Gedichtband: „Das Lied der Mutter" erscheinen, von dem wir erwarten können, daß er den Verehrern Landauscher Kunst viele neue erwerben wird. Gedichte wollen erlebt sein, nicht bloß vom Dichter, sondern auch vom Leser. Darum ist es auch nicht leicht, Gedichte zrr lesen, rrnd darum sind es auch nur die wenigsten, die es tun; wer aber starke Gedichte in sich hat nachklingen fühlen, der hat auch einen bleibenden Gewinn davon getragen. Wenn wir am Schluß dieser Betrachtung der jüdischen Dichterin Lola Landau etwas zurufen dürften, so ist es das, daß sie ihr starkes Talent auch nicht an den vielen jüdischen Stoffen, die aus dem Leben des jüdischen Volkes geboren sind, Vorbeigehen lassen möchte, da sie irr „Hannahs Gebet" gezeigt hat, das; sie auch diese zu meistern versteht. Line ksmmumltrlche Sekte rm allen Kslaltina? Bon Lehrer A. I. I n c v b f o h n , Sunds voll (Schweden). s ist dem in Ruhe lebenden neutralen Juden ein tiefes Weh, zrr sehen, daß die Selbstanklagesucht, die sich des deutschen Volkes bemächtigt hat, auf die des schwedischen Dichters Frödings Worte: Der Gute, er ist wohl nicht so gut. Wie selbst er glaubt in seinem Uebermut. Der Böse, er ist nicht fo bös geprägt. Wie selbst er glaubt, wenn die Qual ihn schlägt. Darum sollst du nicht viel berühmen, Nicht viel beinäugeln und Vevdamnren (übersetzt vom Schreiber dieses) passen, arrch das Judenturrr erfaßt hat. — Denn nur vondiesem Gesichtspunkte aus kann man verstehen, daß ein jüdisches Blatt solches schreibt. Das im Artikel Gesagte hat nicht nur die Schädlichkeit, eine Bestätigurrjg der antisemitischen Behauptung vom j rrd i f ch e n Kommunismus zrr sein, es trotzt auch der Wahrheit rrnd ist eine Entstellrrng der Uebermenschen — Essäer. (Siehe das unter obigem Titel Geschriebene in Nummer 27 des „Israelitischen Familienblattes".) Schon der Name Essäer, der nach vieler Meinung eine Verstümmelung von Ehassidäer Menschen, die ein hoch über dem Mas; des Rechtes und — der Pflichten stehendes Leben führerr (siehe Spr. der Väter 5. 10: „Der sagt, das Meine ist dein nn'ddas Deine auch dein, ist ein Cha s si'd") zeigt die unüberbrückbare Kluft zwischen Essäismus und Komm uni sm u s. Da letzterer in der Praxis darauf los g e h t, um mich weiter in derselben Mischna Worte auszudrücken: Das Deine i st das Meine u n d das M ei n e nr ei n (der so sagt, bildet einen Gegensatz zum Cha s sid), so ist er ein Frevler und dessen Ideal lautet, wie es weiter daselbst heißt: „Mein ist dein und dein ist mein", eine Eigenschaft, die sich nur des ungezogenen Menschen geziemt. Der Gegensatz zwischen beiden Strömungen, die nur darin das Gemeinsame haben: undurchführbar zu sein im Leben, weshalb der Essäismus vom Pharisäismus verworfen wurde, besteht auch in ihrem Ursprung. Während die sonderbare Lebensart der Essäer: ihr von der Umwelt isoliertes Leben, die Ehelosigkeit, die theosophischen Vertiefungen, die Selbstverleugnung und Verachtung aller irdischen Güter, dazu geführt haben, daß sie keine für sich selber gesammelt, und ein jeder hat ,das Erträgnis seiner Arbeit gutwillig, es als gute Tat betrachtend, zum Gemeingut der frommen Sekte gemacht (Analogie: Ebionismus in der Urkirche), göttlichen Ursprungs ist, muß der Kommunismus als Auswuchs der Gottlosigkeit gebrandmarkt werden. Während die Essäer zur Aufnahme in ihrer Sekte eine 'dreijährige Prüfungszeit, eine Art Moralsrrnd Religiositätsexamina vom Aufnahmesnchenden forderten, weiß man die Art der kommunistischen Qualifikation ganz genau. Demgegenüber finden wir in jüdischer Historie eine spezifisch jüdische Revolution! gegen den Kommunismus, nämlich in Babylon im 2. Jahrzehnt des 6. Jahrhunderts gegen den persischen König Colead, der die Lehre des Mazdock, welcher den Kommunismus auch auf das Eheleben erstreckte, in seinen Ländern ein führen wollte. Die Größe des Widerstandes jüdischerseits läßt sich an den über sie verhängten Strafen ermessen: das Haupt der Diaspora Mar-Futra II. (490 bis 520) wurde zusammen mit seinem Großvater Chanina ans der Mechusabrücke gehängt, das Vermögen der reichen jüdischen, rm Lurus strotzenden Bevölkerung konfisziert rrnd * fic selbst wurden als Gefangene verschleppt. Es ist in unserer Zeit geistiger und materieller Not dringend erforderlich, auf die Worte des großen Lehrers Abtalion zrr achten: Ihr Weisen, seid vorsichtig mit euren Worten. Neues m pmos. Von Dr. S. A s ch n t' r. s ist erstaunlich, zu sehen, wie die Metrischen Studien von Siebers 1901 f. die Textkritik «bereichert, verfeinert und lebhaft angeregt haben. Noch Strack hielt ja in seiner Einleitung zum Alten Testament die Amos-Sammlung für „im