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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-08-22 · Heft 34 (22.8.1919) · p. Seite 379

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 34 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
Seite 379 (sequence 7)
Language
German
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379 ihnen dadurch half, so habe es doch anderseits den Polnischen Stolz beleidigt. Größtes Aussehen erregten aber seine Worte, die jetzige polnische Regierung sei entschlossen, den Polnisch-jüdischen Streit zu beenden; die polnische Presse werde alsbald ihre Hetzereien gegen die Juden einstellen. Bisher ist leider noch in keinem polnischen Blatte irgendein Anzeichen von dieser Sinnes- oder wenigstens Taktikänderung zu bemerken. Und wenn es den Polen wirklich gelungen sein sollte (wie es nach dem Bericht des Bialhstoker „Neuen Lebens" klingt), Morgenthau davon zu überzeugen, daß alle Mitteilungen der jüdischen Presse über die Miß-- Handlungen der Juden Uebertreibungen seien, dann kann man es verstehen, daß das „Bialystoker Volksblatt" trotz aller Verehrung sür Morgenthau ihm den „guten Rat" gibt, doch einmal eine halbe Stunde mit künstlichem langen Barte im langen Rock und der kleinen schwarzen Mütze in irgendeiner polnischen Stadt spazierenzugehen, um selber zu spüren, wie es gegenwärtig den Juden in Polen ergeht. Die Ansicht des- Blattes, daß Morgenthau ein schiefes Bild von der Lage der Juden in Polen - gewinne, ist gewiß unberechtigt, da seine .Kommission'ja mit allem Ernste ihre untersuchende Tätigkeit ausübt. Bezüglich des jüdischpolnischen Ausgleichs wird aber sicher, wenn auch für die Vergangenheit die Schuld auf beiden Seiten liegen mag, sür die Zukunft Morgenthaus Wort an die Warschauer Pressevertreter einzige Richtschnur sein können: die Minderheitsschutzbestimruungen des Friedensvertrages müssen unbedingt die Grundlage bilden und im übrigen soll erstrebt werden, daß die polnischen Inden sich als polnische Bürger fühlen können. Daß das selbst bei den Nationalisten reinsten Wassers, den bei den Polen so ganz besonders gehaßten „Volkisten", das Ziel ist. beweist die letzte Erklärung, die Nomberg (Siehe in dieser Nummer auch „Die Woche".. Die Red.) im polnischen Reichstage zur Frage des jüdischen Minderheitsschutzes abgab und die mit den Worten'schloß: „Für die Juden wird ein neuer besserer Morgen anbrechen Zusammen mit der leuchtenden Zukunft für den polnischen Staat. Das jüdische Volk lvird zusammen mit dem polnischen Volke kämpfen sür die Freiheit und wahre Unabhängigkeit unsers Landes." K. s. d. £. Lola Lanvau-Marck. Don Dr. Willp Cohn. er heute, sei es aus Neigung, sei es aus Beruf, die Fülle der literarischen Neuerscheinungen verfolgt, weiß, wie schwer es ist, hier Spreu von Weizen zu sondern: fast alltäglich wird eine Anzahl von Gedichtbänden auf den Büchermarkt geworfen, von denen nur ein kleiner Teil imstande ist, sich durchzujetzen. Die große Menge verschwindet ebenso schnell, wie sie gekommen ist. Nicht immer haben aber gerade die besten Werke den größten buchhändlerischen Erfolg. Hier ist nicht der Ort, uni bewegliche Klagen darüber anzustimmen, warum das so ist, warum das Publikum eben das Durchschnittliche bevorzugt und das jenseits der großen Straße Liegende unbeachtet läßt. Wir wollen heute auf eine junge jüdische Dichterin Hinweisen, von der wir überzeugt sind, daß sie der Welt noch manches zu sagen hat, und die über ein starkes Können verfügt. Lola Landau ist am 3. Dezember 1892 in Berlin als Tochter des Frauenarztes Professor Landau geboren. Sie besuchte das Mädchengymnastum, hielt sich später in England mtf und heiratete daun nach bestandener Sprachlehrerinnen- Prüfnng den Privatdozenten an der Breslauer Universität Dr. Siegfried M a r ck. Wenn wir noch sagen, daß aus dieser Ehe zwei Jungen hervorgegangen sind, so haben wir die äußeren Lebensdaten erschöpft. Uns uulß an dieser Stelle mehr ihre schriftstellerische Entin i ckla mg i n ter e ssi er eu. Sch o n seit ihrer Kindheit hat Lola Landall sich mit dichterischen deschnftigt; manches frühesten Zeit, wie ein Drama „Isolde Weißhand", harrt noch der Drucklegung. erstemal trat sie mit „Der FestnngSder am Bresseine Uraufführung erlebte, an die Oeffentlichkeit. Verriet schon dies Stück ein starkes Talent, so offenbarte ihr 1916 bei Georg Müller (München) erschienener Gedichtband: „Schimmernde Gelände" die ganze Fülle ihres tiefen Empfindungslebens. Jedes dieser Gedichte zeugt von einer ringenden Seele, von der Fähigkeit, sich in Menschen und Dinge. tief hineinfühlen zu können. Diese Jungmädchenlieder geben weit mehr, als man in sülchen von vornherein vermutet; sie zeugen auch der Form nach von einem starken Verstalent. Daß in dieser Dichterin aber auch Erleben jüdischer Stoffe vorhanden ist, das beweist iihr Gedicht „Hannahs Gebet", das wir ans dein Gedichtband „Schimmernde-Gelände" mitteilen wollen: AUL der Stirn auf den harten Steinen deines Tempels Betasten meine Hände tote, kalte Fliesen. Mein Mund küßt den Staub. Wo bist du denn, Jehova, Daß du nicht hörst, wie ich mir die Seele wund schreie Nach etwas Lebendigem in meinem Arm?! Kein winziges Wesen wärme ich weich an der Brust Und dränge meine Seele in seinen Körper. Meine zärtlichen Finger streicheln nie Ueber seidige, flaumige Kinderhaare. fesp. Ver suchen ans ihrer Das einem Einakter: kommandant", lauer Lobetheater Lola Landau-Marck.

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