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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-08-22 · Heft 34 (22.8.1919) · p. Seite 377

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 34 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
Seite 377 (sequence 5)
Language
German
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worden, genau wie die Griechen, Armenier und Araber. Bei ihnen treffen auch alle Kriterien einer eigenen Nation zu, auch die besondere Sprache, denn sie sprachen und sprechen Spaniolisch, und es fehlt ihnen — wie übrigens ebenfalls den anderen der türkischen Herrschaft unterworfenen Völkerschaften — auch der Wille zur kulturellen Assimilation an das herrschende Staatsvolk. Infolge des Zusammenbruchs -der osmani scheu Herrschaft hat das Nationalgefühl.der in der Türkei lebenden Juden natürlich eine gewaltige Stärkung erfahren, ebenso auch der Wunsch, sich politisch so selbständig wie möglich zu machen. In erster Linie zielt diese Arbeit darauf hin, in Palästina ein selbständiges jüdisches Reich im Sinne der Zionisten wieder zu errichten. Das Verwaltungskomitee des „Jüdischen Nation also n-ds", das in Haag seinen Sitz hat, benutzte den eben stattgefu'ndenen 70. Geburtstag des bekannten zionistischen Schriftstellers Max Nordau zu einem ersten Schritt nach dieser Richtung. In einem Aufruf an alle Juden feiert es Nordau (der eigentlich Südfeld heißt) als den nächst Theodor Herzl bedeutendsten Führer der Zionisten und .erklärt seine Absicht, aus diesem Anlasse zwölf Millionen Franken zusamnienzubringen, um in Palästina eine Gartensiedlung, die „Nordau-Stadt", zu errichten, die Wohnungen für eine große Menge von glücklich nach Palästina heimgekehrten Inden enthalten soll. Der Aufruf trägt das Datum: „Den Haag, Tamus 5679", und beginnt mit der Erklärung, daß „jetzt der Traum zweier Jahrtausende (d. h. die Rückkehr der Juden nach Palästina) Leben wird". Dann heißt es weiter von denr Boden Palästinas, dein „Lande unserer Zukunft": Dieser Boden, der für alle Zeit nationaler Besitz bleiben wird, soll uns aber nicht nur Erinnerungen an eine große und unvergeßliche Vergangenheit geben, sondern er fvll eine neue Blüte unseres Volkstums erzeugen. Deshalb wollen wir die neuesten Errungenschaften europäischer Lebensführung nach dem Osten tragen in die neue, alte Heimat, nach Attneuland. Unsere Volksgenossen sollen wieder die Fühlung mit der Natur finden. Das Heimatgefühl muß mächtig erblühen durch die Liebe zur Scholle. Unid diese Liebe wollen wir nicht nur den Söhnen der Bauern einpflanzen, sondern auch den Kindern der Städte, die lebendigen Erdgeruch atmen werden. Es ist bemerkenswert, mit welcher Unzweideutigkeit das Komitee in seinem Aufruf proklamiert, daß die Juden eine besondere „Nation" seien. Nicht als „Glaubensgenossen" werden die Juden nngeredet. sondern als „Volksgenossen" wub Palästina soll ihr „nationaler Besitz" werden. Man kann gespannt sein, ob die Verbandsmächte Neigung zeigen, diesen Forderungen entgegenzukommen. In England und Amerika gilbt es verschiedene Kreise. die das befürworten, und es wird abzuwarten sein, ob sie einflußreich genug sind, die Regierungen zu gewinnen. * Die amerikanische Kommission in Palästina. Dem Kopenhagener Zionistischen Bureau wird aus Palästina berichtet: Der Besuch der amerikanischen Sektion der interalliierten Kommission, worüber bereits berichtet wurde, hat in das gesamte politische Leben des Landes einen neuen Schwung gebracht. Die amerikanischen Herren habeil mit den verschiedenen Kreisen lind Parteien der gesamten Bevölkerung engste Fühlung genommen. Sie besuchten verschiedene Institutionell und empfingen zahlreiche Deplltativllen in Judäa und Galiläa. Zurzeit halten sie sich in Damaskus auf. Anfangs waren mx ein wenig im Zweifel, ob die Haltung gewisser jüdischer Kreise in Jerusalem den jüdisch-nationalen Wünschen entsprechen werde. Es hieß nämlich, daß orthodoxe Elemente die Absicht geäußert hatten, bei ihrer Besprechllng mit der amerikanischen Sektion Sonderwünsche der Orthodoxie vorzutragen. von denen man befürchten konnte, daß sie eine Schwächung der Forderungen der gesaniten Judenheit zur Folge haben werdeil. Erfreulicherweise haben sich diese Gerüchte als unbegründet herallsgestellt. Tie Vertreter der sefardischen wie der aichkenafischen Juden trllgen der Kommission ihre Wünsche mit größter Würde und nationalem Stotze vor. An der Spitze der sefardischen Kommission erschien der Großrabbiner von Saloniki, Rabbi Jacob Meir, der die Kommission mit einem Segensspruch begrüßte und die Forderungen der historischen Rechte des jüdischen Volkes auf Palästina in hebräischer Sprache vortrug. Seine Rede wurde ins Englifche übersetzt. Die meisten Fragen, die der Borsitzende der Kolllmission an die Deplltation richtete, bezogen sich auf die kommende jüdische Jnnnigration und auf die gegenseitigen Beziehungen zwischen den Judell und den anderen Bevötkerungstei(cn. Nach der sefardischen Deputation wurde die aschkena fische mit Rabbiner Chailn Sonnenfeld an der Spitze voll der Koillmission empfangen. In einer Sitzung der Provisorischen Exekutive berichtete Dr. Eder über die Empfänge der Kommission in Galiläa. Die griechisch-orthodoxe Deputation erklärte, daß di.e Judell dem Laude großen Nutzen gebracht haben und eine Masseneinwauderung voll Inden erwünscht sei. Auch die aräbischi-mohammedanische Deputation in Nazareth bekundete vor der Konlmission eine günstige Stellung gegenüber den Juden, und mehrere Vertreter der Dorfgemeinden des Kreises Haifa sprachen sich gleichfalls zugunsten einer jüdischen Immigration aus. In Judäa haben sich die arabischen Deputationen teils günstig, teils neutral zur Judenfrage verhalten. Herr Braunstein berichtete in einer Versammlung in Safed über die Empfänge der Vertreter aus denr oberen und unteren Galiläa dlrrch die amerikanische Kommission in Nazareth. Aus dem Bericht ging hervor, daß eine große Anzahl nichtjüdischer Vertreter die großen Verdienste der jüdischen Immigranten für die ökonoulische und kulturelle Entwicklung des Landes betont hat. Viele von ihnen baten die Kommission, für eine große jüdische Ansiedlung einzntreteu, und betonten, daß sich die arabische Masse den Juden gegenüber freundlich verhält. Hinsichtlich der Memoranden arabischer Einwohner, die sich gegen die Juden richteten, erklärten sie, daß es sich um Aktionen unberufener Einzelpersonen handelt, die im Gegensatz zu den Interessen des Landes eine antijüdische Propaganda entwickeln. Jll sämtlichen Kolonien ist die Komulission feierlich begrüßt worden. Besonders feierlich gestaltete sich der Elllpfang in R i schon-le- Ziou, au deln sich die Vertreter der judäischen Kolonien, führende Persöillichkeiten aus Jaffa und Jerusalem und die Vertreter der Zionistischen Palästinakommissiolr beteiligten. Nach dem Empfallg fand ein Frühstück im Palmengarten statt. Die Amerikaner betonten, daß sie einen guten Eindruck von den jüdischen. Bauern gewonnen hätten. Jll Sichron Jakob unterhielten sich die Amerikaner besonders eingehend mit dem Leutnant Aaronsohn (Bruder des verstorbenen Agronomen). der in englischer Sprache einen erschöpfenden Bericht über die Leistungen der jüdischen Kolonisation gab. Der Besuch der Koinmissiou in Damaskus hat die dortige Bevölkerung in starte Erregllug versetzt. In Syrien machen sich mehrere politische Tendenzen geltend, namentlich in bezug ans die Protektoratsfrage. Die einen lvolleu ein autonomes Syrien, unabhängig, vonl Hedschas, haben. Andere erklären, Syrien könne ohne das Protektorat einer Großmacht unmöglich existieren, ltnb wieder andere verlangen die Bereinigung Syriens und des Hedschas. Der Redakteur der arabischen Zeitllng in Damaskus ,,Muktabas", der christliche Araber Achmed Kurd Ali, wurde in einer Versammlung verprügelt, weil er einen Artikel mit der Ueberschrist „Syrien und das Protektorat einer Großlllacht" veröffentlicht hatte. Ein eifriger Gegner jedell Protektorates ist Ibrahim Hilmi, der Redakteur des „Lischau-el--arab", ker wegen eines Artikels bereits zu einer Geldstrafe voll 100 Pfund verurteilt wurde und jetzt wegen seiner aufreizenden Tätigkeit vor ein Kriegsgericht gestellt werden soll. Gleich nach Eiutressell der Kommission in Damaskus erschienen Plakate auf den Straßen in arabischer und englischer Lprache mit den Aufschristen: ,,Wir verlangen eine absolute Autononlie!" Am nächsten Tage forderten berittene arabische Polizisten die Entfernung dieser Plakate. Der Sekretär der amerikanischen Kouuuissivu stattete sofort llach deren Eintreffen in Daumskus dem Ebacham Baschi einen Besuch ab. mit mit ihm gemeinsam die Reihenfolge der Deputativnsempfänge festzusetzen. Am Freitag, den -9. Sivan, wurde die Deputation der Jüdischen Gemeinde in "Damaskus voll der amerikanifchen.Konlmission empfangen. Tie Ausführungen des Advokatell Josef Abadi (Mitglied des Stadtrates) und des Ehacham Baschi machten eineil günstigen Eindruck auf die Mitglieder der Koululissiou. Die llrrterhaltung drehte sich in der Hauptsache um das Verhältnis zwischen Syrien und Palästina. Der Vorsitzende der aulerikauischeu Komnlissioil bemerkte, daß die Juden die einzigen seien, die die Trennung Palästinas von Syrien fordern. Die indischen Vertreter erklärten, daß sie als Bewohner Syriens für die Wünsche ihrer Landsleute volles Verständnis habeil. aber als Judell die Trennung Syriens von Palästina verlangen. Herr Abadi führte aus. daß Palästina niemals init Syrien vereinigt war. Selbst unter dein türkischeil Regime bildete Palästina

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