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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-08-15 · Heft 33 (15.8.1919) · p. Seite 372

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 33 (15.8.1919)
Date
1919-08-15
Page
Seite 372 (sequence 12)
Language
German
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372 unseren Benjamin ein wenig in gelehrten und weltlichen Dingen prüfen wird. Zwar bei unserem Benjamin bedarf es einer solchen ^Prüfung' nicht, aber, Ihr wißt ja, alter Brauch gilt wie geschriebenes Gesetz. Ich hoff', daß mit Gott seiner Hilf' alles zu einem glücklichen Abschluß kommt. Ihr werdet miteinand' alles besprechen und auch den Tag der Verlobung festsetzen." Onkel Chajim nahm die Botschaft sichtlich erfreut auf, Tante Mirl lächelte gutherzig, und Menachom war vergnügt in der sicheren Erwartung, daß er bald für seine Mühe klingenden Lohn einheimsen werde. Die täglichen Besuche Menachems und die indirekten Unterhandlungen' mit dem Hause Krummholz riefen bei Benjamin die zwiespältigsten Gefühle hervor. Jetzt zum erstenmal ward er sich bewußt, daß er eine Bedeutung, einen Wert besitze; er stand ja in einem Mittelpunkt und alles drehte sich um ihn, um seine wertgeschätzte Person. Anderseits schmerzte es ihn, daß er, er ganz allein in diesem Dvehzirkel unbeweglich dastehen mußte und in einer Angelegenheit, die ihn besonders anging, nicht mitsprechen durfte. Seit der ersten Unterredung mit Onkel Chajim wurde er nicht mehr um seine Meinung befragt; über seinen Kopf hinweg wurde unterhandelt, hin und her geschrieben, Präliminarien festgesetzt. Besuche angesagt und zu deren Empfang Vorbereitungen getroffen. Er war ja kein Kind mehr, hatte außer in den Talmud auch in die Welt und in das profane Buch geblickt und dachte bereits modern genug, um nicht diese Art der Behandlung als Zurücksetzung, als einen Eingriff in seine persönlichsten Rechte zu empfinden. Im übrigen — was wollten sie denn von ihm? Er kannte das Haus des Jankel Krummholz, kannte ihn und seine Verwandtschaft, der rundgeformten Maid war er öfter am Kai auf den Spaziergängen begegnet, er kannte also auch sie — der Gedanke, an der Seite dieses glotzäugigen Weibsbildes im Hause des verbohrten Chassid zu leben, erfüllte ihn mit Entsetzen. Nein, nein, nie wird er der Eidam Jankels, der Schwager Feiwisch Narrs, nimmer der Ehegatte der rundgeformten Maid mit den Flachszöpfen werden. Das stand bei ihm fest, dennoch wagte er es nicht, es offen auszusprechen. (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. — Eugen Fuchs: U in Deutschtum und Judentum. Gesammelte Reden' und Aussätze. He r ausgegeben im Aufträge des Eentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens von Dr. Leo Hirschfeld, Frankfurt a. M. Verlag von I. Kausfmann, 1919. Ter schön aus gestattete, zirka 400 Seiten umfassende Band bildet eine unerschöpfliche Quelle für die Kenntnis der inneren und äußeren Kämpfe des Judentums in den Letzten so reich bewegten 25 Jahren, vor 'allem des deutschen Judentums. Da aber infolge der geographischen Lage Deutschlands sowie infolge der historischen Entwicklung der letzten anderthalb Jahrhunderte das deutsche Judentum zum Zentrat'punkt und Sammelbecken aller geistigen und knlturclten Strömungen der Gesnmtjudenheit in Europa und sogar in Amerika geworden ist, 'so gewinnen die vorliegenden Reden und Aussätze eine Bedeutsamkeit für die gesnlntjüdische Kultur- und Sozialgeschicht-e des letzten Vierteljahrhunderts. Die erste Gruppe, aus zehn Kapiteln bestehend, ist überschrieb-en: „Zur Geschichte des Eentralvereins". Die Ueberschrist ist jedoch nicht erschöpfend, denn gleich die erste Abhandlung „ Rechtsschutz und R echt sfrreden", die aus dem Jahre 1894 stammt und gleichsam an der Eingangspforte des Eentralvereins steht, bietet eine weit über den Rahmen einer Geschichte des Eentralvereins hinausgreifende Analyse aller gegen das Judentum gerichteten Anw-ürfe in ihrer damals üblichen Formulierung, die mit der Zeit gewechselt hat, aber einen dauernden, unveränderlichen Kern deckt. Besonders lesenswert ist in dieser Gruppe der Vortrag „S o m b a r t und die Zukunft der I u d e n", da dieses Problem jetzt so eifrig erörtert wird. In der zweiten Gruppe, „Antisemitismus" üiberschrieben, gewinnt die Rede über die russischen Pogrome vom Herbst 1905 eine düstere, aktuelle Bedeutung angesichts der seit einem Jahre tobenden polnischen Judenpogrome. Die Abhandlung „Jüdischer Meineidsaberglaube" bietet in knapper Form eine prachtvolle Zurückweisung der Verdächtigung des jüdischen Eides, welche in der letzten Zeit wieder eifrig kolportiert wird. Die drei Abhandlungenüber den Zionismus, von denen die erste aus dem Jahre 1897, die letzte aus dem Jahre 1917 stammt, spiegeln so recht die Wandlungen wider die der Zionismus im Laufe der letzten zwanzig Jahre durchgemacht hat. Aus den in den anderen drei Gruppen vereinten Aufsätzen sei besonders hervorgehoben: „Jüdische Organisationen in Deutschland", ein Problem, welches in der nächsten Zukunft für die deutsche Judenheit besondere Wichtigkeit erlangen wird; ferner „Erstrebtes und Erreichtes", der im Rahmen einer Jubiläumsrede einen klaren Ueberblick über die Geschichte der Bestrebungen und Errungenschaften des Eentralvereins bietet; schließlich der Aufsatz „Deutschtum und E h r i st e n t u m", der das Verhältnis zwischen Konfession und Nationalität beleuchtet. Den Band beschließt der Aussatz „Was nun geschrieben nach dem Zusammenbruch. Bei allem tiefen Empfinden für die Schwere und Tragik der Lage läßt der Verfasser den Mut nicht sinken: „Und wenn man mich fragt, wie ich mir die Zukunft denke, so kann ich nur sagen, daß ich ein unverbesserlicher Optimist bin, und daß ich der Zukunft vollen Vertrauens entgegensehe. Wenn wir frei, selbstbewußt und einig sein werden, so ist mir um die Zukunft nicht bange." So spricht ein Mann, der in seiner Person jüdisches und deutsches Wesen in ihren edelsten Elementen zur harmonischen Ausgleichung gebracht hat. — Die gemeinsaßliche Darstellung macht die gesammelten Reden und Aussätze zu einer anregenden Lektüre; ein sorgfältiges Register macht den Band zu einem brauchbaren Nachschlagebuch für alle, die sich sür die brennenden Fragen der Judenheit interessieren. &&& Mcherrmlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Deutschland und Armenien, 1914/1918. Sammlung diplomatischer Aktenstücke. Herausgegeben- und eingeleitet von Dr. Johannes Lepsius. Templer-Verlag in Potsdam. 1919.' Edom, Berichte jüdischer Zeugen und Zeitgenossen über die Judenverfolgung während der Kreuzzüge. Aus dem Hebräischen von Nathan Birnbaum und Hugo Herrmann. Jüdischer Verlag, Berlin 1919. Judentum und Zionismus. Von Ed. Strauß. 1919. I. Kaufsmann, Verlag, Frankfurt a. M. Preis 1,80 Mark plus 10 Prozent Teuerungszuschlag. Hamburger Gemeindeangelegenheiten. Von Dr. N. M. Nathan, Syndikus der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg. Frankfurt a. M., I. Kausfmann. 1919. Zum Gedächtnis an Dr. Meyer Appel, Stadt- und Konferenzrabbiner in Karlsruhe, gestorben 8. Februar 1919, und seine Gattin Emma Appel geborene Willstedter, gestorben 31. Dezember 1918. Karlsruhe, Buchdruckerei von Malsch & Vogel. 1919. Felix Egon Brodfky: „Die Namenlosen". H. N o s e n b e r g, Berlin W 9. 1919. Schief Levinche mit feiner Kalle oder Polnische Wirtschaft. Ein komischer Roman von Hermann Schiff, nebst einer empfehlenden Erklärung von Heinrich Heine. 2. Auflage, mit einem Vorwort des Verlages, einem offenen Brief des Verfassers an Heine und seiner Vorrede als Nachwort. Hamburg 1919. Berlin, Hofsmann L Campe, Verlag. Umsturz und Aufbau. Karl Marx: Zur Judenfrage. Ernst Rowohlt, Verlag, Berlin. 1919. Die Sexualethik der jüdischen Wiedergeburt. Ein Wort an unsere Jugend. Von Hans Goslar. 1919. Jüdischer Verlag, Berlin W 15. Bar Kochba, Blätter für die Heranwachsende jüdische Jugend. Herausgegeben von C. 3, Klötzel. Nr. 3, 1919. Erscheint zweimal im Monat in 16 Seiten starken Heften mit wechselndem Titelbild, Textzeichnungen und Illustrationen. Welt-Verlag, Berlin NW 7.

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