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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-08-15 · Heft 33 (15.8.1919) · p. Seite 362

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 33 (15.8.1919)
Date
1919-08-15
Page
Seite 362 (sequence 2)
Language
German
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362 Düne bilden gegen die judenfeindliche Hochflut, wir trugen das adelnde Bewußtsein in uns, der Menschheit höchste Güter zu wahren im Gottgedanken, in der Gerechtigkeitssorderung, im Friedvnsideal. Hier guillt unser Drost, hier rauscht die Kraft, die uns aus den Niederungen des Erdenlebens immer wieder erhebt zu den Höhen des Gottes, von dem das Lied singt: „Panzer und Harnisch ist seine Treue!" Bit Woche. Berlin, 11. August. ie bemerkenswerten Ausführungen, die der Reichswehrminister Noske in der Sitzung der Nationalversammluung vom 27. Juli über die antisemitische Hetzpropaganda gemacht hat, knüpften bekanntlich an eine Rede des unabhängigen Sozialisten Haase an. Dieser führte nach dem Stenogramm seiner Rede über die antisemitische Hetze folgendes aus: „Ans allen Gebieten sehen wir nicht Fortschritte, sondern Rückschritte. Die Reaktion erhebt ihr Haupt kühner, die Gegenrevolution marschiert. Die Offiziere wollen das Progranim, das ihnen die Herren Hehdebrand und Westarp gegeben haben, die Hohcnzollern zurückzurusen, durchführen. Sie werden es nicht durchführen können, weil ihnen die Kraft fehlt. Aber inzwischen verbreiten sie das Gift im Volke. Gegen die Juden wird gehetzt in einer geradezu infamen Weise. Der Ausschuß für Volksaufklarung, die Deutsche Ernenerungsgemeinde, der Deutsch-Völkische Bund, der Reichshammerbund verbreiten üi Massen Flugblätter in der Eisenbahn, auch in Kasernen. In diesen Flugblättern wird direkt ausgefordert, „die Juden zu vernichten, alle zu töten, die sich gegen die göttliche Ordnung erhebe n". Gegen Zeitungen der Arbeiter, gegen komnuinistische, gegen unabhängige Druckschriften ist man schnell bei der Hand. Daß dieselbe Tatkraft ansgeboten worden ist gegen diejenigen, die eine Pogromhetze in Szene setzen wollen, davon haben wir nichts bemerkt." Der Reichswehrminister, dessen Erwiderung wir bereits im Wortlaut mitgeteilt haben, hat in dieser nach seiner entschiedenen Verurteilung der antisemitischen Treibereien u. a. noch erklärt: „Erst in den letzten Tagen habe ich s ch l eu n i gst e i n e n M a n n w e g e n a nt i s e mi ti s che r Hetze entfernt." Wir sind heute i» der Lage mitzuteilen, iver dieser Mann gewesen ist. Es handelt sich um d e n e h e - maligen Eis e n b a h n p i o n i e r Joseph K n a u e r, den einstigen Ha u p t g e s ch ü f t s f ü h r e r des antise m i tisch e n Deutschen V o lksbu ndes in Berlin-S ch ö n e b er g , einen der Unterzeichner der beiden antisemitischen und pogromhetzerischen Flugblätter „Ende d e s M i l i t a r i s m u s — A n f a n g d e r Iudenherr - s ch a f t" und „D i« I u d c n — Deutsch l a n d s V a m - pire." Diesem Manne ist später — man höre und staune! — die L e i tu n g des politisch e n Aufk l ä r u n g s d i e n st e s bei einem großen Teile der Brigade Lettow-Vorbeck übertragen worden und er hat dann erklärlicherweise seine Stellung dazu benützt, um bei dieser Truppe die w üste ste I u d e n h etz e zu betreiben. Vielleicht aber befände sich dieser antisemitische Hetzapostel noch heute in seiner Stellung, wenn der P r o z e ß g e g e n d e n A r b e i t e r KarlRietze, der am 14. Juli d. I. vor der 4. Strafkammer des Berliner Landgerichts verhandelt wurde und über den wir in Nr. 30 unseres Blattes („Gemeindebote") eingehend berichtet haben, nicht enthüllt hätte, wes Geistes Kind dieser Herr Knauer ist. Der Arbeiter Rietze ist in dieser Verhandlung wegen zweierErpresserbriese, die er an zwei jüdische Kaufleute in Berlin gerichtet hatte und in denen die Adressaten sogar mit Mord bedroht wurden, wenn nicht ein jeder von ihnen 20 000 Mark an den „Politischen Geheimbund" zahle, zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Der ehemalige Eisenbahnpionier Joseph Knauer war zu der Verhandlung als Zeuge geladen worden, war aber nicht erschienen. Der 41jährige Arbeiter Rietze, der einen sehr elenden und kranken Eindruck machte, erzählte in der Verhandlung, er sei im Dezember v. I. wegen Krankheit vom Militär entlassen worden; als er keine Beschäftigung hatte und sich daher in Not befand, seien ihm die beiden Flugblätter in die Hand geraten, diese hätten ihn in große Aufregung versetzt, und da auf einem von ihnen die Wohnung eines der Unterzeichner in Schöneberg, Hauptstraße, angegeben war, habe er sich dorthin von seiner im Norden Berlins belegeneu Wohnung zu Fuß begeben, da er kein Fahrgeld besaß. Dort habe er gegen 20 Personen angetrosfen, die scharfe, judenhetzerische Reden geführt haben. Man habe von ihm Geld verlangt; daer keines besaß, sei ihm gesagt worden, er solle sich welches besorgen, um die Bewegung zu unterstützen. Hier sei er auf den Gedanken gekommen, die Briefe zu schreiben; das davon erhoffte Geld wollte er der Bewegung zukommen lassen; einen Teil davon aber wollte er für sich behalten, um seiner bedrängten Lage aufzuhelfen. Der Angeklagte gab nicht an, ob er von selbst auf diesen Gedanken gekommen oder ob er bei der Zusammenkunft in Schöneberg dazu angestiftet worden sei. Sicherlich hat man das letztere anzunehmen; jedenfalls hat der Gerichtshof, wie der Vorsitzende bei der Verkündigung des Urteils mitteilte, dem Angeklagten deswegen mildernde Umstände zuerkannt, weil er die Ansicht vertrat, daß er zu feinen Straftaten von anderer Seite a n g e st i f t e t worden sei. Der Angeklagte Rietze konnte sich auf den Namen des Mannes, dessen Wohnung in Schöneberg, Hauptstraße, er laufgesucht hatte, nicht entsinnen; da aber in dem in Rede stehenden Flugblatte nur eine einzige Wohnung, und zwar die des damaligen Eisenbahnpioniers Joseph Knauer, Schöneberg, H a u p t st r a ß e 19 II, angegeben war, so ist also niemand anders als dieser Knauer der Mann, der dem wegen Erpressungsversuches mit Mordandrohung bestraften Arbeiter Rietze die entsprechenden Belehrungen hat zuteil werden lassen. Da ohne Zweifel bereits die Staatsanwaltschaft nach dem Ergebnis dieser Gerichtsverhandlung die Untersuchung gegen Knauer eingeleitet hat, wird ja diese Untersuchung ergeben, wie weit die von ihm dem Arbeiter Rietze erteilten Belehrungen gingen. Knauer war übrigens bereits im Dezember v. I. wegen der bereits erwähnten Pogromflugblätter — wie es damals hieß, auf Veranlassung des damaligen Berliner Polizeipräsidenten Eichhorn — verhaftet worden, und er blieb elf Tage in Haft. Ein gerichtliches Verfahren wurde aber gegen ihn, soweit uns bekannt ist, damals nicht eingeleitet. Er hat auch in Versammlungen, öffentlichen Lokalen, Geschäften usw. die wüsteste Pogromhetze getrieben. In einer im „Alten Askanier" in Berlin abgehaltenen Versammlung forderte er direkt zum Judenpogrom auf, und in einem Geschäft in der Reichenberger Straße brüstete er sich damit, er w olle alle Juden totmachen; sie kämen alle an die Reihe. Dieser Knauer bekam dann Differenzen mit dem Vorstände des „Deutschen Volksbundes", in deren Verlauf er von diesem an die Lust gesetzt wurde; er selbst freilich nannte sich weiter Hauptgeschäftsführer dieses Bundes und erklärte, er erkenne den Vorstand nicht an. In dieser seiner Eigenschaft als Hauptgeschäftsführer des Deutschen Volksbundes wandte er sich am 11. Februar d. I. an das Bureau des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus in Berlin mit einem Schreiben, aus dem wir hier folgendes wiedergeben wollen:

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