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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-08-08 · Heft 32 (8.8.1919) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 32 (8.8.1919)
Date
1919-08-08
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Jahren gehörte i't dem Vorstand der Israelitischen Töchterschule an, and hat er hier überaus segensreich gewirkt. Zur Trauerfeier, die im Sterbehause stattfand, hatte sich eine große Zahl Leidtragender eingesunden; außer den vielen Berufsgenossen und zahlreichen Freunden waren Vertreter des Gemei-ndevorstandes und ähnlicher Körperschaften erschienen. Herr Dr. Julius Lippmann widmete im Aufträge des Schulvorstandes dem treuen Mitarbeiter einen herzlichen Nachruf, er schilderte seine unermüdliche, vorbildliche Tätigkeit für das Wohl der Heranwachsenden Jugend. Sein Alldenken wird im Schulwesen der Gemeinde stets in hohen Ehren gehalten werden. Für die Verwandten und Freunde sprach Herr Rosenbacher noch tiefempfundene Worte des Abschiedes. Die Beisetzung fand auf dem Ohlsdorfer Friedhof statt. — München, 1. August. Am ersten Jah.rzeittagie unseres unvergeßlichen Rabbiners Professor Dr. Werner fand auf dem neuen Friedhofe eine Gedenkfeier statt, zll der sich außer den nächsten Angehörigen die Mitglieder der Verwaltung. Beamte und viele Gent ein dem ikglieder einfandem In der Halle hielt Rabbiner Tr. B ä rwa ld eine geistvolle, tief erarei-fende und zuoleick tröstende Ansprache, die die hochverehrte Persönlichkeit nochmals vor unserem geistigen Auge erstehen ließ. A,m Grabe rezitierte Herr Oberkantor V-ros-estor E. Kirsckner das El-tnole-rackantiut-l^ebet, wor.a,"f die Feier mit Kaddisch schloß. Der Grabstein, vom- Erbauer der Augsburger Svnaaoge. Architekt Fri-tz Landauer, -entworfen, erinnert in seinen einfachen Farmen an -altiüdische Grabmöler. Gin M-lanzenovna>ment umrahmt die Inschrift, die ein von Herrn Dr. Eh rentreu verfaßtes Akrostichon ans den Namen des Berblickenen enthält. Die Bibliothek des öligen Rabbiners Professor Dr. Werner ist in den Hanptbestandteilen durch den letzten hochherzigen Willen des Verstorbenender hiesigen Kultusgemei-nde ^ugefallen. Die Gemeindebibliothek hat dadurch eine wertvolle Bereicherung erfahren, und die interessierten Kreise hoffen, daß die vermehrten Bücherschtttze nun auch entsprechend ihrer Bedeutung benutzt werden. — Offenbach a. M., 1. Auaust. In der Vollversammlung des Ueberwachnngsausschusses der Schuhindustrie und der Fachgruppe Schuhindustrie und Schuhmacherhandwerk erklärte in bezua auf antisemitische Angriffe gegen den Vorsitzenden der Reichsstelle für Sckuhversorguna. Kommerzienrat Wallerstein. Geheimrat Bachem außerhalb der Tagesordnung: „In einem Artikel einer Fachzeitschrift wurde dem Vorsitzenden Herrn Kommerzienrat Wallerstein vorgeworfen. er habe seine Stellung in der Kriegswirtschaft dazu ausaellützt, um sich selbst, und seinen Freunden und Verwandten Vorteile Alt verschaffen und die Allgemeinheit darüber zu benackteiliaen. Der Redner stellt demgegenüber fest, daß er auf Grund seiner lanasähriaen Zusammenarbeit mit Herrn Kommerzienrat Wallerstein die feste Ueberzeugung und absolute Gewißheit Gewonnen habe, daß Herr Wallerstein nur in der nneiaennütziasten Weise seine Aemter verwaltet. daß er seine Interessen durchaus und zu ieder Zeit den Interesten der Allgemeinheit untergeordnet habe, daß er nie davor zurückgeschreckt sei, in vielen Füllen nicht nur sein Persönliches Interesse, sondern auch das Interesse der von ihm vertretenen Schuhindustrie zurücktreten zu lassen, wenn es sich darum gehandelt habe, im allgemeinen Interesse eine Maßnahme zu treffen, die für ibu selbst und seinh Industrie hinderlich war. Er bemerkte, daß dieser Standpunkt auch von dem jetzigen Minister in vollem Umfange aeteilt werde, und erinnerte daran, daß, nachdem Herr Wallerstein sein Amt als Vorsitzender der Reichsstelle für Schuhversorguna niedergelegt habe, damals sein ministerieller Ebcf Herrn Wallerstein ans Anlaß dieser Tatsache folgendes Schreiben übersandt habe: -Mit aufrichtigem Bedauern habe ich von Ihrem Entschluß, das Fhnen übertragene Ehrenamt als erster Vorsitzender der Reichsstelle für Schuhversorgung niederzulegen, Kenntnis genommen. Ich kann mich jedoch der Triftigkeit der von Ihnen schriftlich sowie auch meinem Referenten' gegenüber mündlich vorgetragenen Gründe nicht verschließen und enthebe Sie, Ihrem Wunsche folgend, von der weiteren Amtsführung. Dabei darf ich wohl der Hoffnung Ausdruck geben, daß Sie, soweit es Ihre Zeit gestattet, auch in Zukunft der Reichsstelle für Schubversorgnng Ihren wertvollen Sachverständigenrat zur Verfügung stellen. Damit Sie in dauerndem Zusammenhänge mit der Reichsstelle oerbleiben, ernenne ich Sie hiermit zum Mitglied des Beirats dieser Reichsstelle. Es ist mir ein besonderes Bedürfnis, bei dieser Gelegenheit Ihnen meinen verbindlichsten Tank für die großen und wertvollen Dienste auszusprechen, die Sie in Pflichttreuester Arbeit in Ihrem Ambe der Allgemeinheit geleistet haben. Ich freue mich, dabei insbesondere auch feststellen zu können, daß Sie im Gegensatz zu den in der letzten Zeit vielfach erhobenen Angriffen bei der Ausübung des schwierigen und verantwortungsvollen Amtes lediglich das eine Ziel verfolgt haben, im Interesse der gesamten Bevölkerung, insbesondere aber der minderbemittelten, der großen Schuhnot zu steuern, und daß Sie dementsprechend alle Ihre Entscheidungen ohne Rücksicht auf Sonderinteresten irgendwelcher Interessentenkreise oder Einzelpersonen gefällt haben. Ich bedaure es deshalb auf das aufrichtigste, daß Ihnen Persönliche Ehrenkränkungen in der Fachpresse nicht -erspart geblieben sind. Die rückhaltlose Anerkennung aller derjenigen, die Ihr aufopferndes, erfolgreiches Wirken aus eigener Anschauung zu beurteilen in der Lage sind, sowie das eigene Bewußtsein von der Unantastbarkeit Ihres Handelns wird Ihnen volle Genugtuung dafür bieten, *gez. Dr. Aug. Müller." Herr Geheimrat Dr. Bachem erklärte, daß es deutlicher, wie es hier -getan, nicht zum Ausdruck gebracht werden könne, daß auch die gegenwärtige Leitung, des Reichswirtschaftsministerinms vollkommen davon überzeugt sei. daß hier eine Pe-'.m an die Spitze der Schuh- und zum Teil der Lederwirtschast während des Krieges berufen worden sei, die alles andere für ihre Handlungen verdiene als derartiae Angriffe, wie sie min wieder erhoben worden leien. Er selbstb-edaure es ans das allertiefste, daß diese Angriffe sieb nun wieder an das Tageslicht hervorwagen, und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß Leute, die sich nicht scheuen, die Ehre eines tadelsreien Menschen anzutasten, einer gebührenden Bestrafung zugeführt werden. — Durch diese von den maßgebenden Stellen erfolgte Abfuhr werden sich aber die antisemitischen Verleumder auch in Zukunft nicht abhalten lasten, ihre von uns schon wiederholt zurückgewiesenen Angriffe aeaen angebliche jüdische Treibereien in der Lederwirtschaft während des Krieges zu wiederholen. ■er. Mvatlksurt a. M., 1. August. Eine scharfe Resolution gegen die an t i s e nt itis ch e Hetze nahm der Konareß der D e r t r a u e n s l e u t e der La zarettin fassen D e u t s ch l ands in einer Toonng an: „Die Lazarettinsasten Deutschlands nehmen mit Entrüstung Kenntnis von den Versuchen der reoktionären Parteien, die Schuld -am Kriege und seinem Ausgange den Inden anfzubürden: die Lazaretkinsasten stellen fest, daß die jüdischen Kameraden im Felde ihre volle Schuldigkeit getan haben, und üe erklären, daß die jüdischen Aerzte und Krankenpslegerinnen an Sachkenntnis. Aufopferung und Menschlichkeit in keiner Weise von ihren christlichen Kollegen und Pflegepersonal überboten worden sind. Die Lazarettinsasten erwarten, daß die deutsche Bevölkerung der immer unverhüllter zutage tretenden Pogromhetze den schärfsten Widerstand entgegensetzt. Für die Lazarettinsassen gibt es keine konfessionellen Unterschiede, für sie ist oberstes Gesetz Pflichterfüllung." Es ist wohltuend, nach den zahlreichen Hetzaufrufen von militärischer Seite auch eine Stimme der Einsicht aus diesen Kreisen zu hören. Schweifs. M. Bern, 31. Juli. Am 14. d. M. reiften 750 jüdische Ferienkinder aus Wien, die 0 Wochen in der Schweiz zur Erholung weilten, wieder in ihre Heimat zurück. Die Kinder waren in Gruppen 'N Bern, Basel, Baden. Luzern, Genf, Lausanne, St. Gallen, Zürich, Biel, Chaur - de -Fonds und diversen kleineren Ortschaften untcrgcbracht. In Zürich bestand ein Zentralkomitee und in allen genannten Städten Lotalkomitecs.. In Wien stand an der Spitze Frau Anitta Mütter. Mitglied des Jüdischen Nationntrats und des Gemeinderats der Stadt Wien. In Zürich stand an der Spitze Herr Rabbiner Dr. Littmann.. Für Bern und Umgebung bildeten die Damen Frau Wallach, Frau Messinger. Frau Berthold Block und Frau Henneseld das Lokaltömitee. Die Kinder aus der Französische« Schweiz mußten über Bern reisen und daselbst übernachten. Die 120 Kinder aus Genf, Lausanne und Umgebung wurden in Bern (die Mädchen) im Bürgerfpital und (die Knaben) in der Kaserne untergebrackt. Die städtische Straßenbahn brachte die Kinder morgens und abends kostenlos an den Bestimmungsort. Ebenso stellte die .Kaserne 80 Einzelbetten kostenlos zur Verfügung. Von den Kindern durfte ein jedes 8 kg* Lebensmittel außer dem Mundvorrat mitn-ehmen. Außerdem, sämtliche neuen Kleidungsstücke, die sie hier be-

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