Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1919)
- Date
- 1919-08-08
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3229392-3229422--75085-3287572- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
83. Jahrgang. Nr. 32 Berlin, 8. Huguftl9l9. Der Gemeindebote. Vellage zur ,,?l>Igcmelmn Lelkung deK Judentums". Korrrspondkimn und Kachrichtru. Dkutschlsnd. §2 Berlin, 5. August. Anläßlich des Todes des Rabbiners Professor Tr. M a y b a u m hat der A u s sch ü ß des B e r - b a n d e s der D c u t s ch e n Juden, dessen Ehrerrmitglied der Verstorbene war, der Witwe ein Beileidsschreiben zugehen lassen, in dem er sagt: Der Ausschuß des Verbandes der Deutschen Juden hat von dessen Begründung an mit Stdlz den Verewigten zu seinem Mitglicde gezählt. Mit der seltenen Beredsamkeit, -mit der der vielbewunderte Kanzelredner begnadet war. hat er die Teilnehmer an der ersten Hauptversammlung des Verbandes erbaut und begeistert: -mit seinem umfassenden Wissen und seiner reichen Erfahrung hat er jahrelang die Arbeit der li-terarisch-apologetischen Kommission des Verbandes geleitet, und als ihm seine Krankheit leider die ihm zukommende Führeraufgabe zu erfüllen versagte, hat er noch lange mit aufopfernder Treue und Hingebung an dem Wirken des Verbandes tätigen Anteil genommen. Durch die Ernennung zum Ehrenmitgliede konnte ihm der Ausschuß wohl seine Dankbarkeit bekunden, nicht aber seine Dankesschuld abtraaen; mir werden das Andenken des ausgezeichneten und verehrten. Mannes in hohen Ehren halten. — Die Tranerfeier für Rabbiner Professor Dr. Siegmund M a y b a u m fand Montag mittag unter zahlreicher Beteiliguna in der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße statt. Die Feier wurde durch Gesangdes Synagoaenchors eingeleitet, worauf Rabbiner Dr. H och selb die Gedächtnisrede hielt. Mit einem Gesänge des Obertantors A sch schloß der Trauerakt. Im Anschluß daran fand die Ueberführuna der Leiche nach dem jüdischen Friedhose in Weißensee statt. Hier sprachen Professor Guttmann für die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums und Rabbiner Dr. Rose nt hat aus Köln für den Rabbinerverband in Deutschland. Rabbiner Dr. V -o g e l st ein (Königsbergs rief dem scheidenden Lehrer tiefempfundene Abschiedsgrüße nach. Nach einem- Schlußgefana wurde die Leiche in der Ebrenreihe beigeseht. B. T. Berlin, 5. August. In der preußischen Akademie der Wissenschaften legte Professor Eduard Meyer eine Abhandlung vor: „Tie Gemeinde des neuen -Bundes im Lande Damaskus, eine jüdische Schrift aus der Selenkidenzeit". Die von Schechter 1910 veröffentlichten, in zwei Handschriften in der Synagoge von Kairo gefundenen Schriftstücke sind kein Erzeugnis einer Sekte, sondern völlig orthodox. Sie entstammen aus den Kreisen der Frommen, die in scharfem Gegensatz gegen das hellenisierende Reformjudentum der Seleukidenzeit standen und sich -um 170 v. Ehr., vor dem entscheidenden Eingreifen des Antiochos Epiphanes, von der abtrünnigen Judenschaft Palästinas trennten und eine Diasporagenuinde in Damaskus begründeten, die den alten Bund der Vorfahren erneuert hat unddas unmittelbar bevorstehende Kommen des Weltgerichts und des Messias erwartet. Ihre Schriften, eine prophetische, in zwei Fassungen erhaltene Mahnrede und ein Gesetzbuch, stehen in engstem Zusammenhang mit den ältesten Bestandteilen des Henoch des Jub-iläenbuchs und der Testamente der . zwölf Patriarchen, deren Zeit dadurch bestimmt wird. Von besonderer ' Bedeutung sind sie dadurch, daß in ihnen eine rein -aus jüdischen! Boden verlaufene Entwicklung, ohne hellenistische Einwirkungen, zum Ausdruck gelangt. Auch die dem Daniel-Buch eigentümlichen, auf p>arfischen Einfluß zurückgehenden eschatologischen Anschauungen fehlen in ihnen noch völlig. E. M. Berlin, 5. August. D i e S ch u l f ü r s o r g e and e n Unterr i ch t s a n st a l t e n der Jüdischen Gemeinde, welche im Jahre 1916 nach dein Vorbilde der Stadt Charlottenburg durch die Ortsgruppe Berlin des I ü d i s ch e n F r a u e n b n n d e s eingerichtet worden war, hat eine sehr befriedigende Entwicklung genommen. Die Leiter und Lehrer der Anstalten erkennen die Wichtigkeit dieser segensreichen Einrichtung bereitwilligst an. Die Tätigkeit der Schulpflegerinnen erstreckt sich auf die Persönliche Fühlungsnahme mit dem einzelnen Kinde. Manches schwer erziehbare Kind vertraut sich der gütig vermittelnden Einwirkung der Fürsorgerin leichter au als dem Lehrer oder den Eltern. Tie Eltern sind dankbar, wenn sich die Schulpflegerin ihres Kindes besonders annimmt, bei geschwächter Gesundheit nach Rücksprache mit dem Schularzt oder Vertrauensarzt für einen Erholungsaufenthalt oder für bessere Pslege sorgt. Zur Ergänzung dieser zwischen Schule und Haus vermittelnden Fürsorge dienen Elternabende, an denen die bestehenden Beziehungen vertieft und neue angebahnt werden. Die sehr erfreulichen Ergebnisse der Schulfürsorge an der Knabenschule in der Großen Hamburger Straße und der M ä d ch e n - schule in der Kaiserstraße haben den Frauenbünd veranlaßt, die vielversprechende vorbeugende Art der Jugendpflege auch an den Religionsschulen der Gemeinde einzuführen. Mit Zustimmung des Gemeindevorstandes wurde mit den Anstalten in Neukölln, in der Rykestraße. in der Strausberaer Straße und in der Annenstraße der Anfang gemacht. Auch an diesen Schulen hat sich die Einrichtung bewährt, so daß die Ausdehnung der Sckul für sorge auch auf die anderen Lehranstalten ins Auge gefaßt ist. Beelin. 5. August. Die Vertretungen der Beamten, der Jüdischen Gemeinde haben eine Vorlage für die Re so rin der Besold ungsskala ausaearbeitet und dem Gemeindevorstand unterbreitet. Ter neue Entwurf umfaßt die Forderungen der gesamten Anaestelltenschaft mit Ausnahme der Gruppen Rabbiner. Kantoren, Oberbeamte, Baumeister und Bibliothekare. Die Vertreter dieser Kategorien wollen ihre Wünsche bezüglich der -anderweitigen Normierung ihrer Gehaltsbe^üae selbst dem Ge me in bevor stände unterbreiten. Der Entwurf enthält die Skalen für die einzelnen Benintengrnvven und d-e allgemeinen Grundsätze, die für die Durchführung dieser Gehalts'äße in Anwendung, zu bringen sind. Unter diesen Forderungen sind a'ls besonders wichtig die folgenden hervorzuheben: Die ATersznlagen erfolgen von 2 zu 2 Jahren, das Endaehalt ist in 14 Jahren erreichbar. Es werden Kinder Zulagen .gewährt, und zwar für jedes Kind, das noch nicht mündig ist und' ein Jahreseinkommen unter 1200 Mark hat, 600 Mark iährlick. Männliche und weibliche Angestellte werden gleich besoldet. Als Besoldungsdienstalter gilt der Tag des Diensteintritts. Abweichungen sind nur mit Zustimmung der Vertretung der Angestelltenschaft gestattet. ' Die Anrechnung freier Wohnuna und freier Station innerhalb derselben Anaesielltengruvpe erfolgt in gleicher Höhe. Die Pensionierten Angestellten und Relikten haben an den neuen Säßen im Verhältnis *ii den. bisherigen Gehaltssätzen Anteil. Den aus Privatdienstvertrag beschäftigten Angestellten wird nach zehnjähriger Tätigkeit Ruhegehalt und Reliktenversoraung nach zu erlassenden Bestimmungen gewährt. Die neue Gehaltsordnung hat vom 1. Avril 1919 ab Geltung. Wie wir erfahren, hat der Vorstand, der Jüdischen Gemeinde einer Anzahl dieser Forderungen bereits zugestimmi: iiftnr die einzelnen Sätze soll in einer mündlichen Beratung zwischen Vertretern des Gemeindevorstandes und der Beamten verhandelt werden. 2/D Berlin, 5. Au au st. Am 24. d. M. veranstaltet der Jüdische Turnverein Bar-Kockba (Berlin) ein Turn- und Sportfest. Das Interesse an dieser Veranstaltung wird noch besonders durch d'-e schon bereits erfolgte Zusage auswärtiger Vereine mie des Sportklubs „Hak-oach" (Wien), der Jüdischen Turnvereine zu München und Stettin und anderer Vereine gehoben. Die Wettkämpfe sind offen für Mitglieder einer nationaliüdischen Organisation. Jeder Verein kann zu den einzelnen Wettbewerben des Sechs ka in pfes beliebig viel Bewerber stellen. Gewertet wird der Beste jedes Vereins. Ter Sieger in jedem Punkte dieser Wettbewerbe erhält so viel Punkte, wie Vereine den Sechskampf bestreiten. Ter Zweite erhält einen Punkt, der Dritte zwei Punkte weniger. Sieger ist die Mannschaft, die insgesamt die höchste Punktzahl erreicht hat. Meldungen sind bis spätestens 12. August d. I. an Ernst Simon, Berlin-Halensee, Kurfürstendamm 76, zu richten. Tie'er erteilt auch jede "Auskunft, auch über die Ausschreibung. Bei- Meldungen zu Wettbewerbungen, mit Altersgrenzen ist das Geburtsdatum des Startenden anzugeben. Meldungen, die nach dem 12. August einlausen, bleiben unberücksichtigt. Alles Nähere wird nach erfolgter Meldung bekanntaegeben. 2/D Königsberg i. Pr., 1. August. Die im letzten Bericht des I ü d i s ch c n I u g e nd v e re i n s z u K ö n i g s b e r g i. Pr., Jugend-