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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-08-08 · Heft 32 (8.8.1919) · p. Seite 357

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 32 (8.8.1919)
Date
1919-08-08
Page
Seite 357 (sequence 9)
Language
German
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357 endeter Charaktere, die eine einheitliche Weltanschauung heischt, auch fürderhin verrammelt bleiben wird. Und ist denn anzunehmen, daß die stramm organisierte katholische Kirche so ohne weiteres zugunsten einer neuen Religion kapitulieren wird? Man sollte glauben, daß sie ihre zahlreichen und mächtigen Heerscharen mobilisieren, sich als Ecclesia militans bewähren und daß die soziale Frage durch diesen gewaltigen, furchtbaren Religionskanrpf erheblich verschärft und zugespitzt werden würde. Wie immer man sich aber auch zu Masarhks Traum stellen mag, so wird man ihm doch darin recht geben müssen, daß der Religion Änsedriek. Von Nathan Cohn (Charlottenburgl. Bad M e r g e n t h e i m (Württbrg.), den 28. Juli 1919. ährend der vier Kriegssommer habe ich meine Erholungszeit hier verlebt; also war es gewissermaßen Pflicht der Dankbarkeit, auch in diesem Jahre die Schritte hierher zu lenken. Und es ist nicht zu meinem Schaden geschehen. War es hier selbst in der Kriegszeit ruhig, so ist es jetzt noch friedlicher. Die Ernährungsverhältnisse sind noch immer relativ sehr günstige. Die erste Vorbedingung für ein friedliches Beieine hohe Stellung im Grunde des Herzens anzuweisen, daß sie als der höchste Kulturfaktor der Menschheit, als der Mittelpunkt ihres Geisteslebens zu betrachten ist. Ties ergriffen lauschen wir ihm, wenn er uns schildert, wie die Salomonische Weisheit, welche in den Worten gipfelt: „Liebe und Wahrheit verlasse mich nicht!", einen mächtigen und überwältigenden Einfluß auf sein ganzes Leben geübt, ihm einfchützender Talisman in Zeiten der Bedrängnis gewesen sind. I. B. M ü n z (Wien.) Srdrrgeltrll. as hier bildlich vorgeführte Sedergestell ist im Aufträge des Herrn Rechtsanwalt und Notar Dr. G u g g e n - h e i in in Offenbach a. M. von einem jungen jüdischen Künstler namens K a r l S ch ä f e r zu dem altjüdischen Zweck hergestellt, die Kinder am Sederabend zu Fragen anzuregen. Das Gestell ist aus Holz geschnitzt, die äußere Form vom Drechsler gedreht und dann nur mit einem Schnitzmesser geschnitzt, wodurch die charakteristische Form erzielt worden ist. Die Inschrift zivischen den Säulen lautet nach der Seligmannschen Haggadah: „Seht Kinder, das ist ein ärmlich Brot, das einst in Aegyptens drängender Not die Väter sich mußten bereiten." Auf den Säulen sind die Glasschalen für „Moror" angebracht, die zu der ganzen Form gut im Verhältnis stehen. Auf den Säulen befindet sich die Inschrift: Pesach, Mazzoth, Moror und je dazwischen auf einer Säule Sinnbilder, der Kelch des Propheten Elias, die Tafeln mit den zehn Geboten und das Davidschild. Es ist ein vorzüglich! gelungenes feinsinniges Werk, das dem Auftraggeber wie dem Künstler zur Ehre gereicht. A. K. einanderleben ist also vorhanden. Hier gab es keine Mutigen Straßenkämpfe, kein Maschinengewehrgeknatter wurde gehört. Die Oberamtsstadt sieht unter der republikanischen Regierung nicht anals unter der königlichen aus. Die einzige Aenderung, die ich konstatieren konnte, war die, daß die Aufschriften der ehemals königlichen Aemter — Post, Bezirkskommando usw. — des K. („königlich") beraubt worden sind. — Trotz der Not der Zeit ist der Kurort stark besucht, und Nord und Süd, Ost und West sind hier friedlich geeinigt. Wir müssen uns jetzt so vielfach mit Ersatz begnügen, und wahrlich, Mergentheim — das deutsche Karlsbad — ist nicht der schlechteste Ersatz für das böhmische. Ueber die K'hilla Mergentheim und über die jüdischen Gemeinden der umliegenden Ortschaften habe ich in diesen Blättern wiederholt berichtet. Es hat sich darin kaum etwas geändert. Hier pulsiert überall warmes jüdisches Leben; diese Gemeinden sind ein starker Hort des Judentums. Die territoriale Einheit wird am Sabbat noch immer durch den „Eruw" versinnbildlicht, keinerlei Annexionsgelüste noch umstürzlerische Gedanken machen sich hier geltend. In den Häusern unserer Glaubensgenossen hängen trotz der während des Krieges erfolgten Messingbeschlagnahmen nach wie vor die fünf- oder auch siebenarmigen Sabbatlampen — zum großen Teil treu gehütete, alte Erbstücke der Familien —, denen, wie uns selbst, die Nahrung, das Oel, jetzt knapp ist. Sie erinnern uns aber an die Vergangenheit; es steckt eine unbeschreibliche Poesie darin. Wenn diese Sabbatlampen Sprache gewännen, sie könnten uns gar vieles erzählen aus der Vorzeit Tagen: Freudiges und Trauriges, i über das sie ihr Licht ergossen haben/ So wie diese Lampen W '' > -MWM V’Ar* s 4 a ‘ "'f < V tv"; Jmm* t'J Offenbach a. M. Sedergestell. Karl Schäfer ,'v, Xi* *)

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