Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1919)
- Date
- 1919-08-08
- Page
- Seite 352 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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352 wollen, so werden Sie die Schuld nicht los, weder vor uns, noch vor der Geschichte, noch Vor Ihrem eigenen Gewissen." * Ein Dokument der Dnmnryeu. 7y ü v b i c j eut g e n , die nicht a l l e w erd -e n, Hut die „Deutsche Zeitung" einen herrlichen Fimdgeluncht. Sie lvarrnt, nach dem Tagebuch einer Frau V. M. in Potsdam, die alte Geschichte von der Prager Synode auf, über die sich die Frau Pastor i n -Fr. in T e t e r o lv in Ai eck teil barg in den- 70er Jahren folgende Notizen gemacht hat: „In Prag findet olle 100 Jahre in unterirdischen Gewölben auf cin-em Indentirchhof eine Bertreterversammlnug der zlvölf Stämme Israels statt/ Die beiden letzten Zusannnenkünste lonren 1700 und IM. Damals wurde nachstehendes Programm entlvorfen. 1. Rüben: Indem lvir die Börsen beherrschen, beherrschen loir den- Staat. 2. Simeon: Der Grundbesitz geht in die Hand Israels über. o. Inda: Gewerbefreiheit. Mit der Verwandlung der Handlverker und Fabrikarbeiter beherrschen loir zugleich die Massen zu politischen Zwecken. 4. Levi: Christliche Kirche untergraben. 5. Dan: Allier Handel, wobei Handel mit Spiritus, Oel, Wolle, Getreide, daün haben in der Hand den Ackerbau und das Land. 6. Naphtali: Die Justiz ist von erster Wichtigkeit für uns. Tie Advokaten sind einen große" Schritt vorwärts. 7. Benjamin: Kunst, Wissenschaft, Theater, Musik, Medizin usw. 8. Asser: Ehe zwischen Juden und Christen. 0. Manasse: Wenn Geld die erste Macht der Welt, so ist die Presse die zweite. Die Kritik, Literatllr, Telegraphie und Bücher. Wir.können erschüttern die Throne, machen Krieg, Frieden, Nlchm und Schmach. Binnen 100 Jahren sind lvir Fürsten der Welt und somit ist die Verheißung erfüllt. 10. Jsaschar: Aufhebung der 'bewaffneten Macht. Nicht das Schwert, sondern das Geld und der Geist müssen regieren. Deshalb Herabsetzung und Berdächtigung des Mititärstandes. Erregung zwischen Militär lind Volk. 11. Sebulon: Erhaltung fortwährender Unruhen.- Jede Revolution führt zum Ziele. 12. Gad: Förderung des Freigeistes, Zweifels, Unglaubens, des Streites. Trennung der Schule und Kirche. Berwandlung der christlichen Kirche, in konfessionslos. Agitation für Aufhebung des eigenen Besitzes von Kirchen und Schulen. Uebergabe des Besitzes von Kirche und Schule in die Hand des Staates, also früher oder später in die Hand Israels, daß lvir die Herrschaft über alle Böller haben. —- Zu dem famosen „Pogr-cunm" schreibt bic „Deutsche Zeitung": „Es ist völlig klar, daß vorstehende Mitteilungen von der Judenschast Entweder totgeschwiegen werden, oder aber daß man mit schönem Pathos die Wirkung zu entkräftensuchen w'.r-d bitrd> einen etwaigen Beweis, daß niemals in Prag eine solche Bersammlung stattgesunden habe. Ob sie wirklich stattgefunden hat oder nicht, ist aber an sich ebenso gleichgültig wie die Frage, ob z. B Homer, Shakespeare oder Luther wirklich gelebt haben; loir haben 'dennoch eine Ilias, die-gewaltigen englischen Dramen un-d die Segnungen einer Reformation! — Unzlveifelhaft fest aber steht es, daß vorstehende Aufzeichnungen schon vor vierzig Jahren gemacht, also nicht jetzt etwa nachträglich den Juden in die Schuhe geschoben sind: daran kann auch ein etwaiger Versuch, die. erwähnten Persönlichkeiten zu verunglimpfen oder der Unwahrheit zu zeihen, nichts ändern." Also die Ammenmärchen der Frau Pastorin als Kronzeugen wider Israel — wie traurig muß es in den Gehirnen unserer Antisemitlinge aussehen. Wir wollen der „Deutschen Zeitung" noch einen Programmpunkt 'verraten, »der -damals beschlossen, aber erst vor wenigen Jahren verwirklicht werden kennte: die Gründung der „Deutschen Zeitung" zur Verdummung des deutschen Volksgeistes. * Unter der Spitzmarke „Antisemitenkrawall in Hamburg" schreibt die „Ostfeeze'itung" (Stettin) vom 29. Juli: Tw Enthüllung der ekelhaften Schmutzereien in der Heil scheu Sülzefabrik in Hamburg haben dort Ende Juni Anlaß zu Antisemitenkraloallen gegeben. In einem gemeinsam von den Hamburger Ortsgruppen des Deutschen Schlitz- und Trutzbundes und des Reichshammerbundes herausgegebenen Flugblatt hieß es: „Hamburger! Arbeiter! Parteigenossen! Das Volk Hamburgs in allen Schichten ist berechtigterweise erregt über die Aufdeckung der ruchlosen „Sülze"-Bereitnng der Firma I. Heil, deren Inhaber, Kommerzienrat Jacob Heil, seiner wohlverdienten Bestrafung entgegensieht. Wißt ihr, wer dieser Kommerzienrat ist? Nein! Denn die Berichterstattung der gesamten Presse geht wissentlich oder unwissentlich, darüber hinweg, daß dieser „Ehrenmann" zufällig wieder ein J ude ist! . . . Wer von euch will, daß Juden und Juden genossen endlich für ihr verbrecherisches Treiben zur Verantwortung gezogen lv erden, der schließe sich uns an!" Nicht minder gehässig haben' die in Hamburg erscheinenden „ De ntschv öl tischen Blätter" den Fall ansgeschlachtet. Irr der nächsten Nummer aber brachte dann das Blatt die folgende „Richtigstellung": „In unserem Aufsatz „Jüdische Schweinereien und ihre Folgen" in der letzten Nummer waren wir von der Voraussetzung ausgcgangen, daß der verhaftete Lebensmittelfälscher Jacob H eil I u d e sei. Wir hatten von Herren, die diesen persönlich kannten, die Mitteilung in bestimmter Forur bekommen .und hatten, da der Vorname Jacob, das frühere Gewerbe eines Lederfabrikanten itnb das schnelle Umstellen auf Lebensmittelfabrikntion diese Angaben noch zll unterstützen schienen, keinen Anlaß, an der Richtigkeit der Mitteilung zu zweifeln . . . Als von anderer Seite nach Erscheineil unseres Aufsatzes die Richtigkeit unserer Behauptung bestritten wurde, haben wir sofort im Geburtsort Heils Nachforschungen veranlaßt und von dort die Mitteilung erhalten, daß dieser kein Jude sei." Ueberaus merkwürdig ist es, daß das in Hamburg erscheinende Hauptorgan des Deutschvölkischen Bundes schamhaft den Geburtsort des Fabrikanten Heit verschweigt, indem es, wie es angibt, über dessen Herkunft Erkundigungen eingezogen hat. Es handelt sich dabei nämlich lim das hessische Städtchen Butzbach, und dieses ist gleichzeitig der^Wohnort des antisemitischen Agitators Professor Werner, des Vorsitzenden des Deutschvölkischen Bundes. Wie die in Gießen erscheinende „Oberhessische Volkszeitung" und andere hessische Blätter feststellen, ist dieser Jacob Hei't auch ein Angehöriger der a n t i s e m i t i s ch e n Partei. # Dem Organ der fozialdemokvatischen Partei Deutschlands für den Kreis Tilsit, „Die Volksstimme", entnehmen wir nachstehende sehr anzuerkennende Notiz: Die letzte und krasseste Blüte der Wühler gegen unsere jüdischen Vtitbürger stellt die Ta-tsache dar, daß allen Ernstes behculptet wird, die jüdischen Kaufleute Tilsits hätten sich für die Abtretung bzw-. zur Berfügungsiellung ganz Tilsits an die Entente ausgesprochen, da dies tn ihrem geschäftlichen Interesse läge. So ist es richtig! Nachdem seinerzeit nv der Stadiverordn-etensitzung Herr Jumüsch in seiner Eigenschaft als Mitglied des Vorsteheramts der Kaufmannschaft und als 'Stadtverordneter erklärt hatte, daß es in Tilsit keinen Kaufmann gebe, der die Abtretung wünsche, blieb doch noch das eine Mittel, nämlich in der Stadt zu behaupten: Gewiß, die Tilsiter Kauften te wünschen keine Abtretung Tilsits, aber viele jüdische Geschäftsinhaber sind doch dafür zu haben. Zum Teil wurde das so hingeschwatzt, es wurde gesagt, sie sollen dafür sein; zum Teil scheute man sich nicht, als von einer positiven Tatsache zu reden und sogar Namen zu nennen. Ist noch nicht genug Zerklüftung unter uns? Hat die Verschiedenheit der politischen Anschauungender Ansichten über die Erreichung unserer Ziele zum Besten Deutschlands nicht schon genug Verheerung äu ge richt e t? Ist es nöti-g und gerecht, Rasseantipath-ie, soweit solche vorhanden fein sollte, mit politischen Fragen zu verquicken und einem Atitbürger anderer Rasse die Schuld an Deutschlands Niederbrnch aiti zubürden? Wir verlverfen diesen- Antisemitismus. Er ist eine üble Waffe. Sich ihrer zu bedienen hat niemand ein Recht. Am allerwenigsten die Rechtsfpartaci-sten, in deren Reihen ja gerade die wirtlich Schuldigen am Kriege sitzen. * Padevewski über den Schutz der jüdischen Minderheit. Vor seiner Abreise von Paris gab Paderewski ein längeres Communique über die aktuellen politischen Fragen heraus, in dem er folgende Erklärung über die Minderheitsschutzbestinmnmgen -im Friedens- Vertrag abgibt: „Ich begreife es, daß dieser Vertrag im ganzen Lande Unzufriedenheit ansgelöst hat; ich selbst hotte beim Unterzeichnen ein sehr unangenehmes Gefühl. Allein es war der einzige Ausweg. Anfangs drohte uns große Gefahr. Die jüdischen Parteien des Auslandes hatten bereits vor zwei Jahren einen derartigen Vertrag