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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-08-01 · Heft 31 (1.8.1919) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 31 (1.8.1919)
Date
1919-08-01
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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stattgesnnden. Äei der Festsetzung des- Tages für den allgemeinen Ausflug ist nach Konserenzbeschluß mit Rücksicht aus rituelle Bedenken jüdischer Schüler der sonst sehr geeignete Sonnabend nicht gewählt worden. Auch sonst wird, über die amtlichen Bestimmungen hinausgehend, auf Sonderwünsche der jüdischen Schüler Rücksicht genommen. In -bezug auf die Flugblätter ist stkstge,stellt worden, daß sie nicht öffentlich, verteilt, sondern Privatim an vier Freunde weitergegeben worden sind. Eine Werbung oder Agitation hat nicht stattgef-unden. Der in dem -Artikel erwähnte Schüler ist aus Konserenzbeschluß wegen Verstoßes gegen die Schulordnung durch Mitbrüngen nicht in die Schule gehörender Dinge bestraft worden. Die Unterstellung, daß unter den Augen von Direktor und Lehrern judenfeindliche Umtriebe stattfinden, wird daher energisch zurückgewiesen. Ob der Artikel nicht gerade den Frieden gestört und eine große Erregung in die Schule hineingetragen hat, bleibt abzuwarten, ist aber sehr zu befürchten. M. Hamburg, 25. Juli. Das Reprä s e ntante nk o l l e g i u m de r D eu t s ch - I s r a e l i t i s ch en G em e i n d e hielt eine Sitzung unter Vorsitz des Herrn Alfred L i s s e r ab. Der Gemeindevvrstand beantragt die Zustimmung des Repräsentantenkollegiums dazu, daß die Ergänzungswahl sür den zum Gemeindevorsteher gewählten Herrn Jos. L ip P m a n n bis zur nächsten Neuwahl des Reprüsentantenkollegiums ausgesetzt werde. Die Versammlung erklärte sich damit einverstanden. — Betresss Einberufung einer Protestversammlung gegen die polnischen Judenpogrome hat der Gemeindevorstand beschlossen, sich all der Bildung des Ausschusses zur Einberufung dieser Versammlung nicht zu beteiligen. Der Vorstand hat an den maßgebenden Stellen Protest gegen die Pogrome eingelegt und zugleich um Maßnahmen ersucht zwecks Vermeidung künftiger ähnlicher Greuel. — Zur Aenderung der Gemeindeverfassüng lehnt der Gemeindevorstand die vom Repräsentantenkollegium beschlossene Bestimmung, lvonach in das Repräsentantenkollegium nur wählbar sein soll, wer der Gemeinde mindestens ein Jahr angehört, a b. Der Borstand muß sich grundsätzlich gegen jede Karenzzeit hinsichtlich des aktiven und passiven Wahlrechts aussprechen, zumal in der Hamburger Gemeinde, in welcher die Gemeindeangehörigkeit durch den freiwilligen Beitritt der Mitglieder erworben wird. Der Vorstand hat ferner beschlossen, daß alle männlichen und weiblichen Mitglieder, lvelche das Wahlrecht ausüben wollen, mindestens 25 Jahre alt sein müssen (früherer Antrag 20 Jahre), ferner soll das Alter sür die zu Repräsentanten zu wühlenden Mitglieder von 25 Jahre auf 30 Jahre heraufgesetzt werden. Herr L a s k a r beantragt nun, daß auch weibliche Mitglieder in das Repräsentantenkollegium gewählt werden tvun-en. Zur Begründung führt er aus, daß die deutschen Juden sich dem Zuge der Zeit nicht verschließen dürfen. Wenn weibliche Vertreter in die Nationalversammlung und in die Hamburger Bürgerschaft gewühlt werden können, dann darf ihnen auch der Weg zur Gemeindevertretung nicht verschlossen sein. Der Gemeindetonumssar spricht sich entschieden gegen den Antrag aus. Herr Dr. L ii uz t r v u >detaiup,l om Am rag, vom gei ehe streuen Staudpuntl, die Vertreter der Orthodoxie würden gegen die Wählbarkeit der Frauen Protest einlegen. Der Antrag Laskar wird hieraus mit großer Mehrheit abgelehnt, die Verfassungsänderung nach den Anträgen des Gemeindevorstandes genehmigt. Für vorzunehmende Veränderungen und Reparaturen der Leichenhalle aus dem Ohlsb.il.er Friedhof werden k0 000 Mark bewilligt. Es tritt hierauf geheime Sitzung ein. £2 Hannover, 25. Juli. Am 22. d. M. beging in Rüstigkeit und Geistesfrische Herr Siegmund Federlein seinen 80. Geburtstag. Die Beglückwünschung durch Vereine und zahlreiche Freunde des Gefeierten legte Zeugnis von der großen Wertschätzung und Verehrung ab, deren er sich allgemein erfreut. Im Flamen des Vereines „Israelitischer Kinderhort" begrüßte Seminardirektor Dr. K n o l l e r den Jubilar und feierte ihn als einen Lebenstünstler, der es verstanden habe, sich dank seiner ungewöhnlich hohen ästhetischen uud ethischen Veranlagung die reinsten und edelsten -Genüsse und Freuden zu verschaffen, besonders, auch die Freude, andere zu erfreuen, wohlzutun und Werke der Menschenliebe von dauerndem Werte, wie den Kinderhort, ins Leben zu rufen. Ein sich anschließender Gesang der Kinder des Hortes erfreute und rührte den Jubilar, der bewegten Herzens dankte, sichtlich. Danach, begrüßte Herr M. Jaffo Herrn Federlein als bewährtes Mitglied des Vorstandes der „Alexander-und-Fanny-Simon-Stiftung" und dankte ihm für seine eifrige und bewährte Mitarbeit. Herr M. Berliner überbrachte die Wünsche der Erziehungsanstalt Ahlten, deren Kuratorium Herr Federlein seit Gründung der Anstalt angehöre, und in dem er sich immer mit klugem Rat und mit jugendlicher Energie betätigt habe. Der Vorstand der Sy na gogengemein de brachte dem Jubilar Dank und Anerkennung für seine frühere, langjährige, segensreiche Tätigkeit als Repräsentant der Gemeinde zum Ausdruck. Zahlreiche kostbare Blumenspenden füllten die Wohnräume im Hause des Jubilars. Möge es dem trefflichen Manne noch lange vergönnt sein, sich im Kreise seiner Familie dessen zu erfreuen, was er in seinem gesegneten Leben erstrebt und erreicht hat. Stuttgart, 25. Juli. Die diesjährige H a u p t v e r s a m m - lang des Vereins w ü r t t e rn b e r g i s ch e r R a b b i n c r tagte hier unter dem Vorsitz des Oberkirchenrats Dr. Kroner. In dem Geschäftsbericht gedachte der Vorsitzende des Ablebens des Ausschußmitgliedes Bezirksrabbiners Tr. Stößel (Stuttgart). Sodann wies der Vorsitzende auf die folgenschwere Zeit hin, die wir alle durchleben-, insbesondere ans die seit der vorjährigen Tagung so ganz anders gestalteten Politischen Verhältnisse, die auch den Verein württembergischer Rabbiner tief erschi'ltterten und zu einer außerordentlichen Tagung im Dezember v. I. geführt hatten. An Stelle Dr. Stößels wurde Rabbiner Dr. Schweizer (Horb) in den Ausschuß des Vereins gewählt, den: außer dem Vorsitzenden noch Rabbiner Dr. Berling-er (Hall) angehört. Nach 'ebnem Referate des Rabbiners Dr. Kahn (Mergentheim) über die rechtliche Stellung des Rabbiners in der neuen Kirchenverfassung hielt Rabbiner Dr. T r e i t e l (Laupheim) einen religionsgeschichtlich interessanten Vortrag über Mischna Megillah. 1, 8. Sodann erfreute der Vorsitzende Oberkirchenrat Dr. Kroner die Versammlung durch einen längeren Zeitgemäßen Vortrag über die Gleichstellung von Alaun und Frau im jüdischen Schrifttum. Die Rechte der Frau und die Fürsorge für das weibliche Geschlecht wurden nach allen Seiten beleuchtet. Das Frauenwahlrecht in der Kirchenverfassung sei in der Aktivität nicht Zu beanstanden, in der Passivität aber beschränkt. Bei den wissenschaftlichen Vorträgen waren auch verschiedene Lehrer und Vorsänger aus Stuttgart und- Umgebung erschienen, die vom Vorsitzenden begrüßt worden waren. Es lvurd-e beschlossen, anläßlich des bevorstehenden 25jährigen Jubiläums des Vereins württembergischer Rabbiner durch die Kollegen S ch tu c i z e r und Tänzer eine Denkschrift ausarbeiten zu lassen. Die Versammlung wurde geschlossen unter Beglückwünschung des Vorsitzenden Oberkirchenrats Dr.K r o u e r, der. demnächst 25 Jahre dem von ihm selbst begründeten Verein m i't r t te inbe r g i.sche r Rabbi ne r p rä si di er t. Göppingen (Württemberg), 25. Juki. Ein großes Trauergefolge war es, das dem im 81. Lebensjahre verstorbenen Senior der Gemeinde, Herrn Moritz Oberndörser, das letzte Geleit gab. Mit ihm ist wieder einer der immer seltener werdenden Männer von altem Schrot und Korn von uns geschieden. Diesem Gefühle gab in längerer, gehaltvoller Rede Herr Lehrer Preß b ll r g c r treffenden Ausdruck. Treu bewährt hat sich der Verblichene im Familienleben, in der Gemeinde, der er als Mitglied des VorsteheramteS 25 Jahre seine Dienste widmete, im geschäftlichen Verkehr nicht minder wie in all seinen Beziehungen zu der Mitwelt. Herr Lehrer Oberndorfer (Braunsbach), ein Sohn des Verstorbenen, beklagte tief bewegt in.ergreifenden Worten den. schweren Verlust der Kinder, deren letzter Elternteil, nachdem die teure Mutter schon fast zwölf Jahre im Tode vorangegangen, mit dem treubesorgten Vater dahingegangen war. Sein Dank galt im besonderen der geistigen Fürsorge der geliebten Eltern für ihre Kinder, die sie durch Lehre und Leben zum religiösen Pslichtenleben erzogen. Hierauf nahm der Schwiegersohn, Herr Ludwig K o h n aus Nürnberg, das Wort und beleuchtete m geistreichen Ausführungen das verdienstvolle Leben des geschütztere Schwiegervaters. Mtrn. z. Warschau, im Juli. Auf der Tagesordnung der letzten Sitzung der Könstitutionskommission des. Polnischen Landtages stand unter anderem auch die Frage der religiösen Freiheit und des Verhältnisses des Staates zu den verschiedenen Konfessionen. Abgeordneter Grün bäum als das einzige jüdische Mitglied dieser Komurission brachte nach vorherigem Einvernehmen mit den übrigen jüdischen Abgeordneten verschiedene Abänderungs- bzw. Ergänzuugs-

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