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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-08-01 · Heft 31 (1.8.1919) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 31 (1.8.1919)
Date
1919-08-01
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Vorschläge ein, die die gesetzliche Gewährleistung der oollständigen Gleichberechtigung und Achtung der Religion und Ueberzeuguug der ^udeu bezweckten. Trotz der genügenden Motivierung wurden jedoch sämtliche ji'ldische Anträge abgelehnt. Charakteristisch ist, daß für manchen dieser Anträge der konservative Abgeordnete Halban gestimmt hat, während der Vertreter der Polnischen Sozialisten dagegen stimmte. — Dem Kaufmännischen Verein in Warschau wird gemeldet, daß den jüdischen Kanflenten in der Provinz Beschränkungen in bezug auf den Handel auferlegt werden. So wird z. B. der Handel mit Monopolwaren wie Petroleum, Zucker, Salz usw. den Juden abgenommen und bloß Christen übergeben, die die Waren den jüdischen Kausleuten nicht verkaufen wollen. Naturgemäß leidet darunter der ganze jüdische Handel außerordentlich.' — Am 26. Juni fanden am Soliec in Warschau, unweit vom Landtagsgebäude, Aussehreitungen gegen Juden statt, denen auch ein Menschenleben zum Opfer siel. Eine Gruppe Hallerscher Soldaten unter Führung von Offizieren überfiel zunächst die Tramways, zog die jüdischen Reisenden auf die Straße und riß ihnen die Bärte aus. Alsdann begaben sich die Exzedeuteu in das in der Nähe befindliche Schlachthaus, wo sie gegen die dort beschäftigten Juden, hauptsächlich Schochtim, loszogen. "Allen Juden wurden die Bärte abgeschnitteu, worauf sie noch mit Schlägen bedacht wurden. Der 73jährige Berl G r ü n b l a t t wurde, nachdem man ihm den Bart abgeschnitteu hatte, mit einem Stock derart bearbeitet, daß er bald leblos zusammenbrach. Mehrere Juden, gegen die mit Bajonetten und Messern vorgegangen wurde, erhielten mehr oder minder ernste Verletzungen. Nach zweistündigem Wüten der „Hallerczyti" wurde der Jüdische Nationalrat von den Vorfällen in Kenntnis gesetzt, ivorauf er beim Stadtkommandanten intervenierte. Bald sind am Tatorte auch der Abgeordnete Farbstein und Ratsmaiili Ingenieur Körner erschienen, die die lleberführung der Verivuudetcn ins Kommissariat und die protokollarische Feststellung der Einzelheiten veraulaßten. Von MH und Fern. Am 20. Juli feierte Professor Tr. Otto Warburg lBerliu), Vorsitzender des zionistischen! Eugern-Akt ions-Keinitees, jenuu 60. Geburtstag. Aus allen Teilen der Welt trafen aus diesem Anlaß Glückwunschtelegramme seitens zionistischer Behörden und Landesverbände ein. Das Aktionskomitee beschloß, die Farm Hulda nach dem Namen Professor Marburgs zu benennen. - Das Züricher Komitee zur Versorgung jüdischer Kinder aus Wien hat. nunmehr noch ein Subkomitee eingesetzt, welches «die Aufgabe übernimmt, 2 50 bis 300 jüdische Kinder aus Deutschland für die Dauer von sechs Wochen in der Schweiz zu versorgen. Die Hinreise ist für Ende August in Aussicht genommen. Die Aktion soll :n Verbindung mit der allgemeinen "Aktion für die Ferienversorgung der jüdischen Kinder durchgeführt werden; mit der Auswahl der Ferienkinder wird die Zentralwohlsahrtsstelle in Berlin betraut. — Professur Dr. David Hoffmann, der Rektor des Berliner Bablunersemniars, veröffentlicht in der Monatsschrift „Jeschurun" ein Gutachten über das Wahlrecht der Frauen im jüdischen Gemeindelebeu. Auf Grund der talmudisch-rabbinijchen Bestimmungen tommt er zu der Entscheidung, daß den Frauen kein passives Wahlrecht eingeräumt werden darf. Das aktive Wahlrecht dagegen könnte den Frauen, sobald ein Beschluß der Gemeinde darüber zustande gekommen ist, zugebilligt werden. Lberrabbincr Tr. <y r e i m a n n (Posen), der mit anderen angesehenen jüdischen Führern von den Polen interniert uwrden war, ist, wie der Frankfurter „Israelit" mitteilt, auf Intervention der „Schlaume Emuue „Israel" in Warschau und des Deputierten Halperu sreigelafsen loorden. - In der Generalversammlung der Pojener Jsraeutijchen Waisentnabenanstalt, welche in diesen Tagen stattfand, wurden, von den stimmberechtigten Mitgliedern für die ausgeschiedenen Direkuonsmitglieder die Herren Justizrat Rechtsanwalt Richard B e h r, Kaufmann Albert Kaut und "Abraham Przeszewski neugewählt. Ter Rentier Ignatz E h r m a n n aus Breslau,Mitglied des Vorstandes der dortigen Israelitischen Kranken- und «Verpflegungsanstalt, ist am 15. Juli im Alter von 63 Jahren in Ba>d Reinerz plötzlich verschieden. - Der Erste Vorsteher der Shnagogengemeinde Labes i. Pomm., Herr Viktor K r o n h e i m, feierte seinen 70. Geburtstag. — Wegen Verbreitung judenhetzerischer Fluch blätter fand -in der Geschäftsstelle des Deutschvölkischen Bundes in Hamburg eine triminalpolizoiliche Durchsuchung statt. EinErluittlungsverfahren wurde daraufhin eingeleitet. — Aus Frankfurt a-. M. wird geschrieben: Der Bürgerausschuß hat an den Polizeipräsidentenfolgendes Cchreiiben gerichtet: ,-Seit Dienstagnlvrgen befinden sich an den Litfaßsäulen der Stadt antisemitische Plakate, die geeignet erscheinen, die religiösen Gegensätze zu verschärfen und Ausschreitungen gegen das Eigentum und Leben der hiesigen jüdischen Bevölkerung herbeizuführen. Der Bürgerausschuß bittet dringend, für die Folge das Anschlägen von Plakaten zu vechindern, die durch ihren verhetzenden Inhalt die Klassengegensätze verschärfen und zu Gewalttätigkeiten ausreizen, bezw. für die sofortige Entfernung der Plakate Sorge zu tragen." — Von den 17 600 jüdischen Familien in Lemberg sind 12 000 auf die Unterstützung des Jüdischen R-ektungskomitees angewiesen In der Provinz herrschen furchtbare Hnngerepideinien, besonoers .in Srauislau. Rasche Hilfe ist dringend nötig. — Der 22jährige Jan Eudz, der während des Pogroms in Kolbuszowa den Juden. Kirschen bäum erschlagen hatte, wurde in Rzeszow standrechtlich erschossen. — Rach zuverlässigen Meldungen hat ein großer Teil der :u der Hallerfchen Armee stehenden amerikanischen und franzöiMcn Soldaten den Dienstvertrag gekündigt, um in die Heimat zurücktchren zu können. Ter Grund hierfür ist, daß die Auslänoer übe: die Verhältnisse in Polen sehr enttäuscht sind. Besonders tiefen Eindruck Huben aus die Amerikaner die Judenpogrome gemacht. — rmut „Goniec Krakowski" haben die Alliierten beschlossen, alle Soldaten von 3 5 bis 45 Jahren von der Haller-Armee zurückzurusen, )re .ranzöflsche voer amerikanische Untertanen sind. — Die Konferenz der jüdischen Kausleute Polens, deren Abhaltung verboten war., ist jetzt gestattet worden. — Dr. Bogen, der Leiter der Amerikanisch-jüdischen Lebensmittelkommlssiori in Warschau, wurde telegraphifch nach Parts berufen, wohin er am 4. Juli abgereist ist. In jüdisch-polnischen Kreisen vrnlgr uiali uicre Berufung mit dem irreführenden Bericht des amerikanischen Gesandten in Warschau an seine Regierung über den bharatter der Judenpogrome in Polen in Zusammenhang,, der nt weiten Mischen wie nichtMischen Kreisen großes Aussehen erregte. — Man erinnert sich der Schwierigkeiten, die einer ausreichenden Versorgung der Mischen Bevölkerung Mitteleuropas mit bsrogim in den letzten Jahren entgegenstanden. Um eine derartige Katastrophe zu vermeiden, hat sich das Zentralbureau der Nkisrachi- Organisativn in Palästina schon jetzt mit den Vorbereitungen befaßt, uno es kann luit Bestimmtheit versichert werden, daß in einer Werse vorgesvrgt wurde, so daß nach menschlichem Ermessen eine allzu grope Knappheit vermieden werden wird. — In der ersten gesetzgeberischen Körperschaft des Staates Neiv Uork wurde ein Gesetz- Projekt betreffend das Recht der Juden, Sonnabend geschlossen zu halten und dafür Sonntag zu arbeiten, fast einstimmig angenommen. Man erwartet, daß während der nächsten Session dieses Projekt auch durch den Senat des Staates New Pork angenommen werden wird. Die Al o r g e n t h a u s ch e K o m m i s j i o n trifft die letzten Vorbereitungen für ihre Reise nach Polen. Der Generalsekretär hat sich bereits wegen entsprechender Lokalitäten nach Warschau gewendet. Die Kommission soll vorerst drei bis vier Wochen in Warschau verweilen, wo sie in Kontakt mit führenden polnischen und jüdischen Persönlichkeiten treten ward, ulu deren Meinung über die Vorfälle zu vernehmen, und dort auch Ein si cht in die Dokumente der verschioden-eirt Pogromprüfungskom- -Missionen nehmen. Von Warschau wird sich die Kommission nach -den verschiedenen Orten der Provinz begeben, wo Judenexzesse vorgekommen find. Ueberall wird die Kommission einen Aufruf erlassen, daß alle Geschädigte>u oder diejenigen, die darüber etwas zu. berichten wissen, sich bei der Kommission melden. Die Kommission, der drei jüdischsprechende Mitglieder angehören, rechnet mH einen; Aufenthalt von drei Monaten. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 38. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrn län der, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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