Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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6L. Jahrgang. Nr. Li Berlin, 1. Huguft 1919 Der Gemeindebote. Xtilage zur „Allgemeinen Zeitung des IndentumK". karrrspondkn?en und Kschrichtrn. Seutschlsnd. E. M. Berlin, 27. Juli. Die Rep r ä s e n t a n te n v e r s a m m - l u n g trat heute zu einer Feriensitzung zus.uume r, deren umfangreiche Tagesordnung m kurzer Zeit erledigt wurde. Geheimrat Dr. Minden dankte den Teilnehmern mit herzlichen Worten für ihr Erscheinen, welches beweise, daß das alte preußische Pflichtbewußtsein, das jetzt so oft verlästert wird, irr unserer Mitte noch levendig sei. Einige Zuwendungen leiten die Tagesordnung ein: Amtsgerichtsrat a. D. Paul Rieß hat der Gemeinde testamentarisch ein Marmorbild hinterlassen, dessen Erlös mit 3100 Ntark für die Armenkommission bestimmt ist. Herr S. Robb in e r s o n hat der Edmund-Lachmanu-Stiftung bei der Armenkommisfion 2000 Mark überwiesen. Fräulein Jda Hnsfmann hat zur Erhaltung ihres Grabes 2300 Mark gespendet, Frau Rosalie Tobias hat für Grabpslege 300 Mark gewidmet. — Der Bor stand hat der Versammlung eine Zusammenstellung über die Neuverteilung der Geschäfte unter den Vorstandsmitgliedern zur Kenntnisnahme unterbreitet. Bon prinzipieller Bedeutung ist der Vorstandsantrag, die Kommission zur Auswahl von Ehrenbeamteu aufzuheben. Der Vorstand steht auf dem Standpunkt, daß die der Kommission zugewiesene Aufgabe, die für die einzelnen Berwaltungskomnlissiouen erforderlichen Mitglieder den Gemeindebehörden vvrzuschlagen, in der Zeit ihres Bestehens nicht immer in allseitig befriedigender Weise gelöst worden ist. Die Verwaltungskommissionen haben sich wird,erholt gegen die ihnen durch die Kommission zugewiesenen neuen Mitglieder gewehrt, da sie nicht den Anforderungen der einzelnen Verwaltungszweige entsprachen. Es wurde auch geltend gemacht, daß eine 'bedeutende Verzögerung des Geschäftsganges dadurch entstanden ist, daß die von den Verrvaltungskonrmissionen direkt vorgeschlagenen Kandidaten stets der Kommission zur Auswahl von Ehrenbeamten zur Prüfung und Antragstellung überwiesen werden mußten. Diese im Laufe der Jahre gemachten Erfahrungen sowie die immer wieder erhobene Forderung der einzelnen Verwaltungskommissionen, für den nötigen Mitgliederersatz selbständig zu sorgen, veranlaßten den Gemeindevorstand, bei der Repräsentantenoersammlung die Aufhebung der Kommission zur Auswahl von Ehrenbeamten zu beantragen. Herr Gewerberar Plotke berichtet für Len zuständigen Ausschuß und betont, daß. die Arbeit der Ehrenbeamtenkonunission zwar häufig die Unzufriedenheit der einzelnen Fach- und B e r l v a Un ng sr v u m ri s j i one erregt habe, trotzdem tonnte bet der Ausschußberatung keine Mehrheit für den Vorstandsantrag zustande kommen. Es wurde der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Ehrenbeamtenkonimission in zahlreichen Fällen vorzügliche Dienste -geleistet hat, und daß «die bestehenden Mängel durch bestimmte Aenderungen in der Zusammensetzung der Kommission beseitigt werden tonnen. Zur Vorberatung dieser Aenderungen beantragt die Repräsentantenversammlung die Einsetzung einer gemischten Deputation. Von Herrn Kommerzienrat Dr. Netter wird namens des Gemeindevorstandes die Bereitwilligkeit zu gemeinsamen Verhandlungen erklärt. Der Redner ist der Meinung, daß eine Aussprache im kleinen Kreise die Beseitigung der bestehenden Schwierigleiten und Beschwerern unschwer ermöglichen wird. Hierauf wird die Verweisung der Vorlage an eine gemischte Deputation beschlossen. — Nunmehr wird eine Reihe von Wahlen in verschiedene Verwaltungskommisstonen erledigt. In die Fürsorgekommission werden die Herren Sanitätsrat Tr. S t e l n t h a t, Julius L e v i n , Willy Sch l e s i n g e r, Professor Dr. Schäfer, M. R o e de l h e i m e r , Dr. Lam m und, Emil H e i l b r u n n wieder gewählt. An Stelle des Herrn Gustav S a chs, der eine Wiederwahl abgelehnt hat, wird Herr Dr. Arthur Schi ndl e r in die Fürsorgekommission abgeordnet. Herr Rechtsanwalt Dr. Richard Calo wird in die Festgottiesdienstkomntission gewählt. — Mit bem Verein für jüdische Krankenpflegerinnen wird ein Vertrag abgeschlossen, der die Rechtsverhältnisse Zwischen den: Verein und der Jüdischen Gemeinde in bezug auf die Vermietung des Gebäudes, in denr das Schwesternheim auf dem Krankenhausgrundstück in der Exerzierstraße untergebracht ist, neu geregelt. Die Gemeinde vermietet dieses Gebäude an den Verein für jüdische Kraukenpslegeriunen zur Einrichtung eines Schwesternheims, wofür der Verein sein früheres Heim in der Auguststraße, eine Stiftung des langjährigen verdienten Vorsitzenden und Mitbegründer des Vereins, Herrn Stadtverordneten Louis S a ch s, der Jüdischen Gemeinde zur beliebigen Benutzung unentgeltlich überläßt. Weiter setzt der Vertrag die Be- ' dingungen für die eventuelle Veräußerung des alten Schwesternheims fest. Der Vertrag wird ohne Debatte genehmigt. — Zur Ehrung der verstorbenen langjährigen Vorsitzenden des Gemeindevorstandes, des am 17. Januar 1915 verstorbenen Julius Jacoby und des am 12. August 1918 verstorbenen Kommerzienrats Heinrich Eisner, sollen an ihren Gräbern Erinnerungstafeln angebracht werden, die auf die Wirksamkeit der Verstorbenen int Ehrendienste der Gemeinde Hinweisen. Die zur Anbringung von Bronzetaseln erforderlichen Drittel lverden bewilligt. — Zur Anschaffung von Gebetbüchern für die Synagoge Fasanenstraße werden 1000 Mark gefordert. Hierbei regt Herr Benas Le v y an, von der bisher üblichen leihweisen Ueberlasstmg von Gebetbüchern an diejenigen Synagogenbesucher, die das Gotteshaus ohne Gebetordnung aufsuchen, äbzu sehen, da die Synagogendiener durch die Verteilung der Gebetbücher ihren eigentlichen Obliegenheiten entzogen werden. — Herr Gewerbe rat Plotke richtet an den Gemeindevorstand die Anfrage, ob derselbe bereits zu dem Aulrage der vereinigten Synagogenvorstände auf Schaffung eines einheitlichen Gebetbuches für alle Berliner Synagogen um Orgel Stellung genommen hat. Esset auch dringend zu wünschen, daß eine einheitliche Gottesdienstordnung für sämtliche Synagogen ohne Orgel geschaffen wird. Herr Plotke empfiehlt, zu diesem Zwecke Beratungen mit allen Gemeinden Deutschlands, in denen Orgelsynagogen bestehen, -einzuleiten. Tie Schaffung eines -einheitlichen' Ritus für die liberalen Synagogen würde für die Entwicklung des Kultus von hoher Bedeutung. sein. Herr Kommerzienrat Dr. Netter begrüßt diese Anregung und glaubt, daß eine Verständigung mit den anderen großen Gemeinden in einer demnächst bevorstehenden gemeinsamen Sitzung unschwer herb ei geführt lverden könnte. Obdie praktische Durchführung etwaiger Beschlüsse bei der großen Belastung aller Verwaltungszweige und denbestehenden großen Sorgen aller Gemeinden jetzt zur Ausführung kommen werde, ser zweifelhaft. Die Herren Professor Dr. Kalis ch e r und Emil Co h n treten energisch für die Abschaffung des Berteilens von Gebetbüchern in Synagogen ein, wodurch lediglich dauernde Unzusriedenheit über angebliel-e Bevorzugung geschasstu werde. Herr Benas L e v y regt int Verlaufe der Aussprache an, ein besonderes kleines Gebetbuch für Freitagabend und Sabbat zu schassen, das jeder Synagogenbesucher ohne weiteres mit sich führen könnte. Herr Zahnarzt Lipschütz spricht sich gegen den Antrag Plotke aus, da die Jüdische Gemeinde jetzt dringendere Sorgen habe. Außerdem müsse man zunächst einmal in Berlin ein einheitliches Gebetbuch und eine einheitliche Gebetordnung schassen. Herr Plotke verteidigt seinen Antrag damit, daß es äußerst wichtig sei, ein Gegengewicht gegen die Unruhen des äußeren Lebens -in einem intensiveren Ztrsammenschtuß der religiösen Gemeinschaften zu schassen, der durch einen einheitlichen Kultus ermöglicht würde. Vorsitzender Geheimrat Tr. Minden hält die Zusammenfassung alles geistigen Besitzes in gegenwärtiger Zeit für alle Deutschen für außerordentlich wichtig. In diesem Sinne sei alles bedeutungsvoll, was ganz Deutschland 'umfassen -und einigen könnte. Nachdem festgesetzt worden war, daß es sich in der Vorlage nicht um Gebetbücher zur Verteilung an die Synagogen böslicher, sondern um Geschenke für Barmizwahknaben handelt, wurde die Vortage angenommen. — Einer großen Anzahl von Wohltätigteitsvereinen, sozialen Organisationen -und Religionsvereineit werden. Beihilfen aus dem Gemeindesäckel bewilligt. Es erhalten: Religions- Verein A h a w a s S ch o l a u m 500, der Synagogenverein B e t h Zion 1490 0, der Jüdische Botksverein 13 500 Mark, die Jüdische Lesehalle und Bibliothek 500 und 300, die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums 2 5 00, die Jsraelitischie Erziehungsanstalt Ahlem 1000, die Witwen- und Waisenkasse der Rabbiner Deutschlands 300, der Hilfsverein für Taubstumme Deutschlands 500, die Hitsskasse für israelitische Kantoren und Kultusbeamte 3 0 0, das Israelitische Frauen- und Kinderheini in Bad