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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-08-01 · Heft 31 (1.8.1919) · p. Seite 348

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 31 (1.8.1919)
Date
1919-08-01
Page
Seite 348 (sequence 12)
Language
German
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-348 Dieses 848 Seiterl (WrojVDftan) und litdireiT statistische Tabellen enthaltende umfangreiche Werk, an dem der Verfasser mehr als zwei Jahrzehnte gearbeitet hat, bietet weit mehr, als der Titel verspricht. So enthält das in zwei dicken Bänden jetzt vorliegende Buch auch toertvolle, aus Chroniken, U r künden nsw. geschöpfte A n - gaben über die Juden in Polen, Posen, W e st - p r e n ß e n. Dieses Gebiet bezeichnet O. G o e r k e nach den Angaben mittelalterlicher Geschichtschreiber als die Kraina, d. i. Grenzl n n d. Seite 81 heißt es n. a. über die Juden in der S\ x a i n a : „Seit dem Jahre 1500 siedelten sich im Kreise Flatow auch Inden an, die hier bis dahin fehlten . . . Sie genossen eines . ganz besonderen Rechtsschutzes. Nies ein Jude nachts um Hilfe, so zahlten alle christlichen Nachbarn, die ihn ohne Schutz gelassen, 30 Gulden Strafe . . . Alls den südlich von der Netze gelegenen Polilischen Gebieten kanten dann nach 1500 Jllden in die K r a i n a , wo sie eine Zu flnehtsstäke fanden und durch Handel vielfach zll großer Wohlhabenheit gelangten . . Noch heute hat der Kreis Fla - t o lv lulter den Kreisen des Regierungsbezirks Nt a r i e n w e r d e r die größte Anzahl von Inden. 1846 waren iln Kreise f ü n f Synagogen lind ein jüdisches Bethaus. 1864 kam eine Synagoge rmf 406, 1910 eine Synagoge ans 244 Seelen. Ein Irrtum des Verfassers ist es aber, wenn er im ersten Bande seines Werkes zll der richtigen Angabe, das; 1812 linker dem Druck der Politischen Not Preußens die Beschränkungen für die Juden aufgehoben wllrden, auf Seite 142 wörtlich hinzu fügt: „Tie Wirksamkeit der jüdischen Ritnalgesetze wllrde ebenfalls ausgehoben . . Ter Verfasser meint natürlich die juristische Verbindtichkeik im geschäftlichen Leben für Bestimmungen unserer Ritualkvdizes in Eherecht, Privatrecht usw. Auch bleibe dahingestellt, ob der christliche Autor kompetent genug ist, über die jüdischen Lehrer i'u Kreise Flatow hier folgendes Zll bemerken: „Die israelitische Jugend besuchte zum größten Teil die evangelische Stadtschule, solange eine solche bestand. Daneben gaben jüdische Kantoren und Viivattebrer Unterricht. Letztere waren häufig dazu vollständig ims^bm..An diese lännere lwch nachulprüfende Notiz über die Melamdim des vorigell Jahrhunderts, in der es beißt: „Alle diese Vrivatlebrer waren nna-wrüst und befehdeten sich in der unglaublichsten Weise", schließt sich die Angabe: „1854 kam der Rabbiner Dr. Cobn nach Ftatolv: er wurde später als Lehrer an der evangelischen Stadtschule angestetlt (bis 18711 ..Eine sehr gute Abbildung der stattlichen Synagoge in l a t o lv ist hier dem Werke ans Seite 426 beigefüat. wozu der gelehrte Verfasser noch bemerkt: „To-* Haus für den Rablüner lag an der Südseite des Jriedrichvlatzes gegen über der Synaaoae . . ." Auf Seite 461 endlich konuut der mit Bienenfleiß arbeitende Autor zur Stadt Krojanke und zeigt, daß der halb ironische Hexameter: „Bomst, Meseriü. KrotoHsVu. Schönlanke, Kraja icke, Filebne" gegenüber dielen durch Betriebsamkeit anfgeblühten Städten wie T l a t v lv und K r o i a n k e zurzeit nicht mebr zu Recht besteht. Interessant ist, daß 1826 als Grnndherren von Krojanke genannt werden und die Erben des bekannten Bankiers Lievmann Meyer Wulfs in Berlin, die. weil sie mosaisch waren, das Patronat über die dortige evangelische Kirche Gurzeit ist der jetzt in der Schweiz lebende ehemalige Prinz Friedrich Leopold von Preußen der Patron dieser Kirche) an die Regierung in Marienwerder abgetreten hatten. Diese gelegentliche Bemerluua ist deshalb von geschichtlicher Beden tu na. loeit bekanntlich die Reaktion in Preußen den Juden früher den Erlverb von Ritter guter ll verbieten loollte, da sie das Kirebenpatronatsrecht nicht ausüben könnten lott als Argument im Parlament vorgebracht). Nlir als Reirrenteu sei gestattet, hier hinzuzmügen, daß Inden oft im Posenschen soloohl lvie in Schlesien mit großen Kosteil Revaratnren in solchen Patronatskirchen ansführen ließen, sogar ans Wunsch der Gemeinde wertvolle Altargemälde ftiftcten, nsw. Sehr böse erging es den lanae um ihre Existenz kämpfenden Inden zu D o b r i n bei P r. - I r i e d - l a n d Ooie der Antor ans Seite 536 erwähnt). Obwohl sie 1791 eine Synagoge in Dobrin hatten, erging eine Königliche Kabinettsorder: „Die Juden kultivieren nicht das Land, sondern treiben Kommerze, und das gehöret in die Städte; auf dein Lande soll Ackerbau getrieben werden, s o it st e n i st d a s ei ll e v e r k e h r t e Wirts cha f t." . . . Als anr 17. Juli 1791 (sage und schreibe: 16) sechzehn Judenh ä ii s e r liiederbrannten, befahl die damalige Regierung, daß alle Jllden das Dorf räumen sollten. Nur einer von ihnen, Th. Wolfs, erhielt einen Schutzbrief für sich und seine Familie. . . . Zur Zeit der Polenherrschast war es übrigens auch den Evangelischen nicht besser ergangen; so heißt es Seite 584, daß zu Anfang des 18. Jahrhunderts den Evangelischen in der Landgemeinde Grunow der Gottesdienst bei 1000 Dukaten Strafe verboten wurde. Die Juden hatten hier eine Synagoge, denn bis in die neueste Zeit wurde Seidenbau gepflegt. 1887 ging leider ein Teil der etwa 25 000 Seidenraupen ein. Der israelitischen Gemeinde Bandsburg schenkte im Jahre 1892 David Bischofs w e r fr e r (Pensauce in England), ein geborener Baildsburger, zur Renovation ihres Gotteshauses 8000 Mark. Da der Pater dieses zunl Millionär durch Fleiß und Tüchtigkeit gelvordenen Spenders zwei Jahrzehnte lang Vorbeter der israelitischen Gemeinde in B. gewesen war, spendete B i schoss werde r allch eilte mit Gold und Edelsteinen verzierte Thorarolle im Werte von 7500 Mark. (Goerke, Seite 655.) Die eigene jüdische Gemeindeschule in V. ist leider eingegangeil: den Religionsmltereicht erhalteil die jüdischen Kinder „von ihrem Kantor" . . . Die Synagogengemeinde Zemp elburg (der das Kapitel 6 gewidmet ist) hat 1756 sehr durch Versolaung seitens der Polen gelitten. Die Juden in Z. unterhielten bis gegen Mitte des vorigen Jahrhunderts eine ansehnliche „W o l l k o m p a a n i e". Die früheren Synagogen in Z. waren 1734 und 1808 errichtet, die jetzige ist 1899 erbaut . . . Der Chronist erwähnt, daß in Z. 1820 der jüdische „Gelehrte" (warum die Anführungszeichen?) Joseph Bi item gewohnt hat. Von dem Gutsbezirk Falkendorf bei Z. erwähnt der Verfasser, daß die Juden dort „eine Molkerei besaßen, alis der nach talmndischen Vorschriften behandelte Milch abgegeben wurde". Eine solche koschere Molkerei gab es auch in Ro galin (Seite 729) und in Schönhorst. In K a m i n stand seit 1809 eine Synagoge; sie wurde aber 1869 wegen Banfälligkeit abgetragen und mit ausgedaut. . . Bezüglich des vordem erst durch die Juden in Kamin belebten Handels bezieht sich der Verfasser lder zirmeist auch Primäre Quellen neben den sekundären mit anerkennenswertem Fleiß benutzt hat) auf Dr. M. Bär, „Westpreußen unter Friedrich dem Großen". M. Friedeberg Lüchkrrinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet Oskar Rauche, Berlin-Friedenan, Handjerystraße 72. Kataloge: Nr. 75, Das alte Btlch (Drucke des 15. und 18. Jahrhunderts), Nr. 76 (als Ergänzung Zll Katalog 75): Autographen und Graphik vor 1800. Dr. S. Bernstein, Der Zionismus, sein Wesen und seine Organisation. Dritte (Volks-) Auftage. 1919. Jüdischer Verlag, Berlin. Protokoll des XV. Delegiertentages der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Berlin, den 25. bis 27. Dezember 1918. Jüdischer Verlag, Berlin. 1919. Wirtschaftsgeographie von Syrien. Mit einer Wirtschaftskarte. Von Dr. Hans Fischer. Sonderabdruck ans der „Zeitschrift des Deiltschen Palästinavereins", Band XLIJ. Jüdischer Verlag, Berlin. 1919. Dr. Arthur Rnppin, Der Aufbau des Landes Israel. Ziele ilnd Wege jüdischer Siedlungsarbeit in Palästina. 1919. Jüdischer Verlag, Berlin. Hermann Blnntenthal, Polnische Judengeschichten. M. Hickel Verlag, Wien/Brünn. Der neue Merkur. Monatshefte. Herausgeber: L. Frisch u. W. Hansenstein. 3. Jahrgang. Mai 1919. Albrecht Mendelssohn-Bartholdy, Der Volkswille. Grundzüge einer Verfassung. Verlag „Der Neue Merkur", München. 1919. Die politische Entwicklung in Kongreßpolen während der deutschen Okkupation. Unter Mitarbeit von Wilhelm Stein. Von Dr. Paul Roth. Leipzig, Verlag von K. F. Koehler. 1919. Die Sexttaleth.it der jüdischen Wiedergeburt. Ein Wort an unsere Jugend von Hans Goslar. Jüdischer Verlag, Berlin. 4919. Soziale Religion. Die Grundlage der neuen Menschheits- und Volkerentwicklung. Von Carl Harz. Dritte, völlig neubearbeitete Auflage. Verlag von Gebr. Harz, Altona-Ottensen. 1919. Hermann Cohen als Mensch, Lehrer und Forscher. Gedächtnisrede, gehalten in der Aula der Universität Marburg, 4. Juli 1918, von Paul Natorp. Mit einem Bildnis und Lebensabriß Hermann Cohens. Marburg, N. G. Elwertsche Verlagsbuchhandlung (G. Braun). 1918.

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