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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-08-01 · Heft 31 (1.8.1919) · p. Seite 347

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 31 (1.8.1919)
Date
1919-08-01
Page
Seite 347 (sequence 11)
Language
German
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-347 das hätte er nicht zu sagen vermocht - er wußte es ja selber nicht. Bald sollte es Benjamin erfahren, daß zwischen -dem gelbgetünchten Hause und 'dem hockenden Hause in der Tat eine enge „chassidische" Beziehung bestand. Es war an einem 'Sommerabend nach dem Abendgottesdienste. Der! Rabbi saß in einem alten, mit Wachstaffet überzogenen Armstuhl und war in ein kabbalistisches Buch vertieft, und rings um ihn faßen die Chassidim. Zwei brennende Kerzen, die in Messingleuchtern auf dem Tische standen, verbreiteten im Zimmer jenes träumerische Halbdunkel, das den Seelenzuständen der Wundergierigen so angemessen ist. Eine gar merkwürdige Stimmung herrschte heute unter den Ehafsidim: sie saßen stillschweigend da und blickten unverwandt auf ihren Rabbi, der sich an diesem Abend mit lautloser Weihe in die Abgrundtiefen der Kabbala zu vertiefen schien. Eine alte Wanduhr tickte heiser in die schweigende Stille, die von einer bangen Erwartung erfüllt war, und ließ schwer und langsam Minute um Minute verrinnen. Plötzlich aing eine Erschütterung durch die Reihen der frommen. Der Rabbi hatte nämlich von seinem Buch aufgeschaut, mehrmals nachdenklich das Hauvt gewiegt und — geseufzt. Das war ein recht deutliches Zeichen, eine Botschaft, die sie mit Trauer erfüllte. Bald darauf tat sich die Tür auf, und herein trat Menachem der Schammes; er meldete, daß Elie Krummholz soeben gestorben sei. Der Rabbi erhob sich, sprach mit fester Stimme: „Gesegnet sei der gerechte Richter!" und verließ das Zimmer. (Fmtsetzuna folat.) Ciläm Lesw. Boa S. Aschu-er. Heut, heut ist es geschehen; ein grauer Vorhang hängt davor, Unendlichkeit. Doch fühl'n wir auferstehen, was damals war. Ach altes Judenleid! , Seht, seht ihr wilde jammert? Es brüllt der Krieg, es loht! der heillge Tempelberg. Jäh würgt der Mord! Ein wirrer Knaul von Leibern! Weh, eines Volkes Zukunft brennt wie Werg. Und vom entweihten Zion zieht sich durch blut'ge Heide unendlich weit llnd trostlos hingedehnt Die düstre Leidensstraße, da dem tauben.Messias des ewigen Volkes Wallfahrt ow'ge Leiden stöhnt. Wo geht es hin? Wohin? Vom Weltbrand, kaum erloschen, glüht noch rot der Himmel, hängt so grau Gewölk Ins wüste Land hinunter; die steche Sonne neigt sich wie eine müde Rose entblättert, trüb und welk. Wir wandern, wandern durch zersckoßne Städte, zertretne Aecker, heisren Krähenschrei. Wir UHTU'bern, wandern! Glück und Lust und Heimat, Leben und Schicksal liegen am Wege. Vorbei! Vorbei! Vorbei! War's heute nicht, nicht Tischo Baw? Hinter uns endlos, endlos weit Flammt auf das tote Zion. Längst ausgebrannter Jammer aus unserm Herzen klagt und stöhnt und schreit; Längst ausgeweinte Zähren nehmen schmerzwollüstig wieder ihren Lauf. Noch einmal geht, versu-nken schier, der fernen süßen Heimat Sternbild vollen Glanzes auf. Der neunte jftb. Von Marek Scherlagh. us dem Staube schlägt die Klage An dem sommerschwülen Tage Schluchzend bis zu Gott empor, Weil in Staub die heillgen Hallen Solch ein Tag sah einst zerfallen, Und das Volk sein Heim verlor. Doch wenn alte Wunden bluten Und in enter Schmerzen Gluten Trän' auf Träne niederquillt. Wird von Perlen und Opalen, Heiß vermengt mit euren Oualen, Euer Leiden nicht gestillt. Brüder, laßt darum das Klagen! Und aus jenen grauen Tagen ■' Bleibt die Sehnsucht nur zurück, Eine große tränenlose, Blühend wie die Sonnrose, Die sich kehrt zu Licht und Glück. Weil die Tränen, die in Bächen, Strömen, eure Tatkraft schwächen, Fehlten Hort euch, 'Halt und Held. Hebt euch aus dem Staube, Brüder, Und es blüht der Tempel wieder! 9htr dem Mut gehört die Welt. Iankel. Bon Marek Schering'). in einsames Stämmchen am Woge im Wind. So sehe ich Jankel, das schwächliche Kind. Gebleicht sein Gesichtchen vom Raufrost der Rot. Vater und Mutter sind lange tot. Die Schute, ein feindlich geschlossener Kreis. Und er so vereinsamt, verlassen, verwaist . . . Wie Pfeilstich verletzt ihn das höhnische Wort: „Du Judenjnnge, du mache dich fort!" Er bleibt und erfleht einen einzigen Strahl Vom Licht ihrer Freundschaft fürs Grau seiner Qual. Schenkt ihnen sein Herz, sie lachen bloß. Zertreten cs spielend und ahnungslos. Da schleicht er von Hannen, verweint lind zerqnält - Ob Gvtt wohl die Tränen des Armen auch zählt? Mersrilche Mttrilungm. Der K r e i 8 F l a t o w. In geographischer, naturkundlicher und geschichtlicher Beziehung dargestellt von Otto Gverkc, Rektor. Mit 113 Abbildungen. Heransgegeben nnd verlegt vom Kreisa u s s ch u ß d c 8 K r e i s c s F l a t v w (unter Mitwirkung des Landrats Dr. Janssen). ') Aus feinein Buche „In der Fremde". Rene Judenlieder von Marek Scherlag. Zweite Auflage. Axel Junker Vertag, Berlin- Charlottenburg.

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