Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1919)
- Date
- 1919-07-25
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 Herr Lehrer ü&cifs tu einigen jüdischeu Blättern über die Notlage der jüdischen Nkeligionslehrer in Berlin veröffentlicht hat. Wenn sie auch in vieler Beziehung sich die Ausführungen des Verfassers nicht zu eigen machen kann, so hält sie es doch für notwendig, die Berliner jüdischen Gemeindebehörden fortgesetzt auf einzelne in den Artikeln gerügte Mißstände hinzuweisen, deren Abstellung die Wissenschaftliche Bereinigung seit Jahren erstrebt. Ganz besonders vermißt die Berliner jüdische Lehrerschaft immer noch eine einheitliche Organisation des Religionsunterrichts mit Einschluß der an öffentlichen und Privaten Profanschulen erteilten Religionsstunden, und die Schaffung eines jüdischen Religionslehrerstandes, der im Hauptamt und in fester Anstellung sich mit Frische und Berufsfreudigkeit der religiösen Unterweisung der Heranwachsenden Jugend widmen könne. Der Vorstand der Wissenschaftlichen Bereinigung hat deshalb in Verbindung mit einer Reihe hauptamtlich im Religionsunterricht tätiger Kollegen eine Denkschrift ausgearbeitet, welche die Notlage der jüdischen Religionslehrer, die Ursachen dieses Notstandes und die Mittel zu seiner Behebung darlegt. Diese Denkschrift wird in kurzen! den Gemeindebehörden übergeben werden. An die Ueberreichung wird die Wissenschaftliche Bereinigung die Bitte knüpfen, der Gemeindevorstand möge in Verbindung mit Vertretern des Lehrerstandes die vorgeschlagenen Mittel und Wege prüfen und für den jüdischen Religionsunterricht und die ihn erteilende Lehrerschaft Zustände schassen, die dieser und einer Groszgemeinde würdig sind. J. V. Breslau, 18. Juli. In wie weitem Ata sie sich Prof. Dr. Braun der Dichtung und Wertschätzung seiner Mitmenschen erfreut, war wohl anr besten aus der großen Anzahl der Gratulanten und e-er Fülle der Geschenke ersichtlich, die ihm au seinem Ehrentage zuteil wurden. Schon anr zeitigen Vormittage fanden sich Freunde llnd Bekannte ein, um ihre Glückwünsche zum Ausdruck zu bringen. Es folgten alsdann die Vertreter der vielen Vereine und Korporationen, denen es zur Ehre gereicht, den hochverdienten Gelehrten zu ihreur Mitgliede und Mitarbeiter zu Zählen. Neben dem Kuratorium der Fräukelschen Stiftung sprachen für den Vorstand der Shnagogengemeinde die Herren Handelsrichter. Al ugd a n und Max Markus, für die Repräseutanteuversammlnng die Herren Studienrat Dr. Woh lan er und S. W. Meyer vor. Für die Gesellschaft der Wissenschaft des Judentums gratulierte Herr Gerneinderabbiner Prof. Tr. G u t t m a n n, der eine Jestnummer der „Monatsschrift der Wissenschaft des Judentums" überreichen konnte; ferner sprach eine Deputation der Unterstützungstässe des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen, die dein Jubilar einen Fonds von nahezu 6000 Mark zur Verfügung stellen konnte; dann gratulierten die Haushclltuugs- und Industrieschulen für israelitische Mädchen durch den Mund des Herrn Justizrat Hirschberg, Schriftleitung und Verlag der „Jüdischen Volkszeitung", die Lessingloge durch ihren Präsidenten und viele andere Korporationen. Bon den übrigen Gratulanten seien noch Herr Gemeinderabbiuer Tr. Rosenthal und die beiden stellvertretenden Gemeinderabbiuer, die Herren Tr. S i m o nsohu und Dr. Sänger, erwähnt. Am Mittwochabend fand auf Veranlassung der „Amicitia", deren Gründer Pros. Braun ist und die ihn gleichfalls in herzlichen Worten durch eine Abordnung ge]eiert hatte, in der Lessingloge ein Kommers statt, der einen angeregten Verlauf nahm und aus dem immer und immer wieder der Wunsch zum Ausdruck kam, Pros. Braun noch recht lauge zu den Unseren zählen zu können. er. Zossen, 18. Juli. Die Pogromhetze hat auch unseren Ort ergriffen. Der sattsam bekannte „A u s s ch u ß f ü r V o l k s a u f k l ä - r uug" schürt weiter den Haß mit den üblichen Mitteln. Hier wurden Flugschriften von Militärpersonen verteilt und als Plakate nngeheftet, wobei der Hauptbeteiligte, ein Portepeeträger, sich zur Herb-eischaffung der kulturhistorischen Dokumente noch eines Militärf u h r w e r k s bediente. Während das eine Flugblatt „vertraulich" au Frauen und Mädchen appelliert, sich von Inden, Ungarn, Russen und Mongolen seruzuhalten, schiebt das andere alle Verstöße gegen die Wuchergesetze den Juden in die Schuhe und hetzt so unter b:r scheinheiligen Maste des Votksbeglückers. Diese Kostproben sind ja noch verhältnisiuäßig harmlos. Sie verheißen nur demjenigen mehr, der sich um die „totgeschwiegene Literatur" des sauberen Verbandes bemüht. — Gibt es aber wirklich kein Mittel, um die Hetztätigkeit mit Hilfe von Militärpersoneu zu unterbinden? Diese Frage dürste sich das Reichswehrministeriitm 'endlich einmal ernstlich angelegensein lassen. — Hamburg, 18. Juli. Das „Hamburger Echo" vom 1&. d. M. schreibt: Unsere Leser werden sich erinnern, daß in einem von uns -erwähnten Flugblatt der Vereine „Deutscher Schutz- und Trutzverband", Ortsgruppe Hamburg, und- „Reichshammerbund", Ortsgruppe Hamburg, behauptet ward, der Sülzefabrikant Heil sei ein Jude, woran bann die üblichen antisemitischen Schimpfereien« geknüpft wurden. Von unserem Gewährsmann >ausgesordert, für diese Behauptung einen Beweis zu erbringen, schwieg sich der Reichshammerbund vollkommen aus, während der Deutsche Schutz«- und Trutzbund zuerst bie lendenlahme Ausrede versuchte, aus eine Behauptung des Verbandes deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Heit sei kein Jude, -es auch nienmls gewesen, sei schon deshalb nichts zu geben, weil jener Verband auch gesagt hätte, Heil stammt aus Essen, während er aus Butzbach sei. Nachdem unser Gewährsmann den betreffenden Herrn daraus aufmerksam gemacht hat, daß er mit tiefer Ausrede den Beweis, daß Heil Jude sei, nicht erbracht hat, meinte jener famose deutsche Schutz- und Trutzbündler, es sei auch c.:ir nicht nötig, daß Heil Jude sei, «denn seine Gesinnung, d. h. -die Gesinnung, mit der er Kadaver zur Sülzefabrikation benutzte, sei — - - eine jüdische, und daher wäre Heil im Sinne der Antisemiten ein Jude, auch wenn er Ehrist oder Mohammedaner sei. Also: erst wird einmal frisch daraus los behauptet, Heil sei Jude; an diese Behauptung wird eine fluchwürdige, gemeine Hetze geknüpft, und wenn die Herren nicht in der Lage sind, ihre Behauptung zu beweisen, reden sie sich heraus, auch wenn Heil kein Jude sei, für sie ist er .dennoch einer. Mittelalter in der traurigsten Form. Kolderg, 18. Juli. An die hiesige „Kolberger Zeitung" sandte etn Kolberger Israelit ein Schreiben, in dem er sich darüber beschwerte, daß die jüdischen Badegäste in den letzten acht Tagen dauernd durch Plakate «antisemitischen Inhalts in der Nähe des Bades und der Promenadenwege beunruhigt werden. Er appelliert an die Stadt, rechtzeitige Maßnahmen zu treffen, um die jüdischen Badegäste und die jüdische Bevölkerung zu schützen. Vermutlich seien diese Plakate veranlaßt von lichtscheuem Gesindel. Darauf fand ein Umzug von Soldaten, Verwundeten und anderen statt, die vor die Redaktion der Zeitung zogen und die Nennung des Verfassers verlangten. Eine gleiche Kundgebung fand vor den Räumen des Spielklubs und einer jüdischen Pension statt. Es gelang der Polizei und Militärpatrouillen, die Menge zu zerstreuen und zu beruhigen. Rostock, 18. Juli. Tie Judenhetze, die seit einiger Zeit von einem Teile der hiesigen Studentenschaft durch Ankleben von Flugschriften d-es Bundes für Volksausklürung an allen Straßenecken der Stadt unentwegt ausgeführt wird, führte zu einer scharfen Interpellation in der Rostocker Bürgervertretung. Prof. Dr. Reincke- B l o ch führte in Erwiderung der Interpellation aus, die Universität und die Dozenten mißbilligen diese Ausschreitungen und hätten der. Studentenschaft ihre Ansicht vorgehalten. Einen Einfluß auf das Verhalten der Studenten auf der Straße könne die Universität aber nicht ausüben, dazu fehle es an disziplinarischer Gewalt. Die freien Menschenrechte der Gegenwart gestatten solche Agitationen, deren Form als eine Folge der Revolution anzu sehen sei. Leipzig, 18. Juli. Eine wüste Pogromstimmung gegen die Juden, schreibt die „Leipziger Volkszeitung" vom 10. d. M., wird absichtlich von den Kriegshetzern zu erzeugen versucht. An verschiedenen Stellen hat dieses Vorgehen schon Erfolg gehabt. Deshalb kann nicht nachdrücklich genug dagegen Stellung genommen werden. Aus leicht begreiflichen Gründen ist man bemüht, den Haß der Bevölkerung ans die jüdische Bevölkerung zu lenken. Die armen Volksschichten leiden schwer an den Folgen des Krieges; die kapitalistische Raffgier hat sie ausgesogen. Da ist es sehr bequem, alle Schuld ans die Juden zu wälzen und sich dadurch in Sicherheit zu bringen. Leider gibt es noch Personen, die auf den großen Schwindel hineinfallen, die nicht einsehen, daß zu den Ausbeutern nicht nur reiche Juden, sondern auch wohlhabende Christen und Atheisten gehören und daß die arme jüdische Bevölkerung, die in der Regel Zuerst den Wutausbrüchen der verhetzten unwissenden Menge zum Opfer fällt, ebenso leidet und hungert wie der andere Teil der Minderbemittelten. — In Leipzig befindet sich eine Zentrale für Hetze auf die Inden. Dr. Heinrich Pudor, Leipzig, Elisenstraße 34, ist Leiter einer Wochenschrift „Der Deutsche Volksrat", in der für alles Unheil, das Deutschland getroffen hak, die Juden verantwortlich gemacht