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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-07-18 · Heft 29 (18.7.1919) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 29 (18.7.1919)
Date
1919-07-18
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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63. Jahrgang. Nr. 29 Berlin* 16. Juli ISIS Der Gemeindevote. Beilase zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". Korrespondenzen und Kschrichten. Srutschlsnd. E. M. Berlin, 15. Juli. Die Fürsorge f ü r d i e Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen Beamten der Jüdischen Gemeinde hat eine neue Regelung gefunden. Der Angestelltenrat der Jüdischen Gemeinde hat dem Vorstand den Antrag unterbreitet, das Witwen- und Waisengeld für die Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen Gemeindebeamten so zu bemessen, als. wenn die Verstorbenen das Hoch st pensionsdien st alter erreicht hätten. Der Antrag ging von der Erwägung aus, daß die Hinterbliebenen der Gefallenen Anspruch darauf haben, besser gestellt zu werden, als wenn ihre Ernährer eines natürlichen Todes gestorben wären. Wenn auch eine pekuniäre Besserstellung nicht imstande sei, ihnen Ersatz für den Verlust zu bieten, so solle doch verhindert werden, daß die Hinterbliebenen derjenigen, die den Ueberlebenden das größte Opfer gebracht haben, in wirtschaftliche Bedrängnis geraten und dadurch täglich und stündlich auch äußerlich an die Schwere ihres Verlustes erinnert werden. Obwohl die Sorge für die Hinterbliebenen der Gefallenen grundsätzlich Aufgabe des Staates ist, hat gerade eine jüdische Gemeinde gegenüber ihren Beamten eine besondere Verpflichtung. Für die Frage, inwieweit die Erhöhung des Witwen- und Waisengeldes eintreten soll, ist zu erwägen, daß die Gefallenen als „kriegsverwendungsfähig" gesund und kräftig ivaren, und daher die Annahme berechtigt ist, daß sie, wenn der Krieg nicht dazwischen gekommen, wäre, das Lebensalter erreicht haben würden, das sie in den Genuß der Höchstpensivn gebracht hätte. In Wirklichkeit Hütten sie natürlich für den Fall des Erlebens dadurch besser gestanden, daß inzwischen ihr Gehalt entsprechend gestiegen wäre, während nunmehr die Bezüge von dem Gehalt zu berechnen sind, das ihnen bei ihrem Ableben zustand. Die Zahl der gefallenen Beamten betrügt achtdie bei Bewilligung des Antrages erforderliche Summe beläuft sich aus 3734,80 Mark jährlich. — Die Gemeindebehörden haben dem Anträge des Angestelltenrates zugestimmt. Berlin, 15. Juli. Die Sanier« ng P a l ü st i n a s, für die von den Juden der Ententeländer bereits umfassende Pläne entworfen waren, ist nunmehr auch von deutschjüdischer Seite zum Gegenstände ernstlicher Arbeit gemacht worden. Auf, dem letzten Delegiertentag der deutschen Zionisten wurde der sanitäre Aufbau Palästinas eingehend behandelt. Bis Kriegsausbruch war für die hygienischen Aufgaben in Palästina von keiner Körperschaft, sei es von der I. E. A. oder dem Nationalfonds, etwas geschehen. Was getan wurde, geschah von privater Seite aus. Im Jahre 1912 führte Nathan Strauß in Palästina die schon lange geforderte Seuchenbekämpfung ein mit Gründung des I e w i s h H e a l t h - Bureau. Diesem jüdischen Gesundheitsamt wurde dann 1913 eine Abteilung für T o l w u t schu tz angegliedert, die von der Gesellschaft jüdischer Naturforscher und Aerzte ins Leben gerufen wurde. Das Gesundheitsamt hatte die Aufgabe, den Krankheitsursachen nachzugehen und die Krankheiten an der Wurzel zu beseitigen. Es soll jetzt eine Amtsstelle geschaffen werden, in der das gesamte Gesundheitswesen zentralisiert wird. Dieser Stelle sollen unterstehen die Bekämpfung ansteckender Krankheiten, das Krankenhaus und Kasfenwesen, die medizinischen Forschungs- und diagnostischen Institute, die Herstellung, der Jmpfsera und diagnostischen Sera, die sanitäre Hafenkontrolle, "die Wohnungs-, Straßen- und Gewerbehhgiene, die Aufnahme einer Krankheits«-, Todesursachen- und Heiratsstatistik, die öffentlichen Bade- und Waschanstalten, das Impfwesen, das Aerzte-, Zahnärzte-, Apotheker- und Pflegepersonal. Auch das ganz im argen liegende Veterinärwesen soll hier angegliedert werden. Die dringlichste Aufgabe ist eine grundlegende Neugestaltung des K r a n k e n h a u s w e f e n s. Schon für die jetzige dünne Bevölkerung sind die vorhandenen Einrichtungen ganz unzureichend gewesen. In den jüdischen Krankenhäusern des ganzen Landes standen nur etwa 250 Betten zur Verfügung. Nur drei Krankenhäuser hatten einen für sie errichteten Bau inne, und fast alle existieren von freiwilligen Spenden, die aus der ganzen Welt in kleinen Summen herangeholt werden. Die sanitäre Vorbereitung Palästinas ist in der Tat die erste Voraussetzung für jede Siedlungstätigkeit. Es ist erfreulich daß sich die deutschen Zionisten mit dieser wichtigen praktischen Frage beschäftigen. E. M. Berlin, 15. Juli. Die Schaffung eines jüdisch e n B r l d - u n 'd F i l m a m t e s ist in der letzten Tagung des Verbandes jüdischer Jugendvereine angeregt worben. Dieses jüdische Bild- und Filmamt soll folgende Aufgabenerfüllen: Alle bereits existierenden jüdisch-interessierenden Lichtbi-lder und Films zu sammeln, um sie der jüdischen Oeffentlichikeit und ganz besonders den Verbandsvereinen zur Belehrung zugänglich zu machen. Das zu gründende jüdische Filmamt hat die die Lichtbilder begleitenden Vorträge auszuarbeiten und vorrätig zu halten, durch welche es kleineren Derbandsvereinen ermöglicht wird, auch wenn sie sich einen Vortragsredner der damit verbundenen Kosten wegen nicht leisten können, ein hierfür geeignetes Mitglied zur Erklärung der vorführenden Lichtbilder heranzuziehen. Die Lichtbilder und Films sind gegen ein mäßiges Entgelt den Vereinen unter Garantie der sachgemäßen- Behandlung mietweise zu überlassen. Die neue Geschäftsstelle hat zu verhindern, daß antisemitische Filme in -den Handelkommen oder aufgeführt werden. Das Filmamt soll seinen Einfluß bei den einschlägigen Industrien dahin geltend machen, daß jüdisch interessierende Filme von wirklichem Bildungswert geschaffen werden. Das Filmamt soll selbstverständlich in engstem Zusammenschluß mit denjenigen staatlichen, städtischen und privaten Organisationen arbeiten, welche sich die Hebung der Film- und Lichtbildkunst im Interesse der allgemeinen Volksbildung zürn Ziel gesetzt haben. Tie neubegründete Stelle würde in der Tat einem oft empfundenen Bedürfnis entsprechen. Der Kampf gegen antisemitische Lichtbilder, die jetzt wie Pilze aus der Erde schießen, muß ernst ausgenommen und zielbewußt durchgesetzt werden. Für unsere innerjüdischen Aufgaben ist es von großer Wichtigkeit, endlich das vorhandene Material zu sammeln und mustergültige neue Films zu schaffen. E. M. Berlin, 15. Juli. D er J üdische Frauenbund, Ortsgruppe Berlin, hielt im zweiten Verlvaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde seine 'diesjährige Hauptversammlung, ab. Frau O -l 'l >e n d o r f f eröffnete als Vorsitzen de die Verhandlungen mit einem allgemeinen Arbeitsbericht über die letzten beiden Vereinsjahre. In erster Linie wurden die durch den Krieg gebotenen Arbeiten für vaterländische und kommunale Zwecke sortgeführt. Im Nationalen Frauendienst und in den Fürsorgestellon für Kriegshinterbliebene haben sich die Verbandsmitgl.ieder an der Arbeit beteiligt; an der Sorge für die jüdischen Kranken und Verwundeten in den hiesigen Lazaretten nahm die Ortsgruppe regen Anteil, ebenso an den vom Ausschuß zur Förderung der Sittlichkeit gepflegten Bestrebungen zur Erhaltung der Gesundheit unserer Truppen. Das von der Ortsgruppe unterhaltene Abendheim erfreute sich eines starken Besuches. Kriegslvirtschaftliche Arbeiten wurden unter anderem im Sammel- und Helserdienst geleistet. Ter eigentlichen Bundesarbeit war ein Lehrgang über die jüdische Wohlfahrtspflege gewidmet, der in die Einzelgebiete der jüdischen Sozialarbeit einführte. Die Schulpslege an den beiden Mittelschulen der jüdischen Gemeinde wurde weiter ausgebaut und auch aus die Religionsschulen ausgedehnt; die soziale Krankenhaussürsorge wird durch regelmäßige Besuche in den Stationen des Jüdischen Krankenhauses ausgeübt, bei denen festgesbellt wird, wo und in welcher Weise soziale Hilfe zu leisten ist. Die Mitglieder -arbeiteten in der F ü r s o r ge k o m nt i s s i o n der Jüdischen Gemeinde mit; der Nt äd che nkl u b und das W o h n h e i m der Ortsgruppe haben sich sehr befriedigend weiter entwickelt. Die Frühe he kaffe hat an Bedeutung gewonnen. Es referierten dann Frau Henriette M a h über Tag-esfragen, Frau Helene Meyer- Stargardt über Berufsberatung, Frau Dr. Eschelbach er über Frühehekasse, Fräulein Lotte Sti-ebe'L über Jugendpflege, Wohnheim und Mädchenklub. Frau Minnie K i r s ch st e i n erstattete den Kassenbericht. E. M. Berlin, 15. Juli. Der Antisemitismus in tu i l itürischeni Dienststellen tritt ebenso unverhüllt hervor wie im „alten" Deutschland. Ein jüdischer Kriegsteilnehmer, der nach

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