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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-07-11 · Heft 28 (11.7.1919) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 28 (11.7.1919)
Date
1919-07-11
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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ängenömmeu. Lie gipfeln in der Forderung des demvlrati scheu GcmeindervahLrechts, Teilnahme an den sozialeu Ansgaben der Gemeinde und Unterstützung der Jugendorganisationen durch die Gemeinden. Eine Resolution gegen die Pogrome in Polen verpflichtet die Mitglieder, mit allen Kräftenan der Heilung der durch polnische Barbarbei geschlagenen Wunden mitzuarbeiten. — In später' Stunde nimmt Tr. Apfel das Schlußwort. & $ Berlin, 8. Juli. Eine n interessanten Einblick in die jüdische Liebesarbeit bietet ein Bericht über das von bcn Berliner Logen U. O. B. B. eingerichtete Lazarett im Logenhause in der Kteiststraße. In einer Logensitzung im August 1914 wurde von 800 Brüdern des Ordens einstimmig der Beschluß gefaßt, das Logenhaus auf Kosten der Logen zum Lazarett einzurichten. Ein Aufruf an die Berliner Logenmitglieder, der Spenden für das Lazarett forderte, hatte großen Erfolg: ebenso ein zweiter Aufruf, als Hilfsschwestern, freiwillige Pfleger und Bureaukräfte für die Neueinrichtung zu wirken. Es wurden zwei Lehrkurse zur Ausbildung von Kriegsschwestern eingerichtet, und schon nach wenigen Wochen konnten 42 Helferinnen die Prüfling bestehen. Ende August wurde das Lazarett für 120 Betten eingerichtet. Die Sitzungszimmer wurden als Offiziersräume eingerichtet, die großen Säle als Mannschaftsstuben. Das Krankenheim wurde dem Reservelazarett „Garnison Eharlottenburg" angegliedert und gehörte später zum Neservelazarett „Motivhaus". Ende September war das Lazarett voll belegt, später wurde die Bettenzahl auf 138 erhöht und zuletzt, als die Erlaubnis erteilt wurde, daß ortsansässige Soldaten als Rekonvaleszenten in ihren Wohnungen schlafen dürfen, stieg die tägliche Berpflegungsziffer auf 160 bis 170 Mann. Tie niedrigste Betegzisfer war etwa 40 Patienten. Im ganzen nahm das Lazarett 2126 Patienten auf, darunter 1325 mit chirurgischen und 801 mit inneren Erkrankungen. 23 Todesfälle waren 31t verzeichnen. Die 2126 Patienten verursachten 161 727 Berp-slegungstage. Tie Unkosten des Lazaretts betrugen 767 661 Mark, von denen ein Teil von den von der Heeresverwaltung gezahlten Verpflegungsgeldern, der Nest aus Logenmitteln getragen wurde. Am 15. Dezember 1918 erfolgte nach Vereinbarung mit der Heeresverwaltung die Auflösung des Lazaretts; das Logenheim wurde nach 52 Monaten seinen alten Aufgaben zurückgegeben. Ter Orden Bne Brith und besonders seine Berliner Logen dürfen auf ihre vaterländische Tätigkeit nn Kriege mit Befriedigung und Stolz zurückblicken. L/D Berlin, 8. Juli. Die bei der Technischen Hochschule bestehende Julius-Adelheid-Stiftung hat für das Kalenderjahr 1919 Stipendien im Betrage von je 240 Mark an talentvolle, würdige und bedürftige jüdische Studierende des Baufachs zu vergeben. Geeignete Bewerber wollen ihre Gesuche bis zum 31. Juli d. I. an das Kuratorium genannter Stiftung, zu Händen des Herrn Professor Dr. S. K a l i s ch e r, W 15, Konstanzer Straße 1, einreichen, unter Beifügung eines kurzen Lebenslaufes, eines Führungsattestes der Technischen Hochschule und eines Zeugnisses über Fleiß und Fortschritte während des Studiums. K. Kattowitz, 4. Juli. Ter Verband der Rabbiner O b e r schl e si e ns hielt am 19. v. M. zu Kattowitz im Sitzungssaale der Synagogengemeinde eine Bersamnilung ab. Der Vorsitzende, Kopf st ein (Beuthen), erstattete zunächst Bericht über Verbandsangelegenheiten. Ari den Bericht schloß sich eine lebhafte Debatte. Bei dein folgenden Punkt der Tagesordnung „Wahl des Vorsitzenden", erklärte Kopfstein., daß er sein Alnt als Verbandsvorsitzender niederlege. Darauf wurde unter Aenderung der bisherigen Statuten beschlosseii, den Wahlmodus dahin umzuge stalten, daß Vorsitzender und Stellvertreter in geheiiner Abstimmung aus je ein Jahr zu wählen seien und daß sofortige Wiederwahl unzulässig sei. Zmu Vorsitzenden wurde Kaatz (Hindenburg) gewählt, der die Leitung der Versammlung übernahm. Zürn Stellvertreter wurde Dienem a n n (Ratibor) gewählt. Sodann hielt H a l p e r s 0 h n (Myslowitz) ein Referat über Mischna und Gemara Makkot 7b. Die instruktiven Allsführungen des Referenten fanden in der Diskussion die Zustimlnung der Versammlung. Darauf referierte Kaatz über das Thema „Vblksgeineinden" an der Hand einer Broschüre von Tr. Simvnsohn: „Die jüdische Volksgelneinde". Er erkennt au, daß der Verfasser deu ernsten und redlichen Willen habe, dem Judentum zu dienen, und daß die Schrift ruanche beachtungswürdige und wertvolle Anregungen und Vorschläge enthalte, zu deren Verwirklichung es aber nicht der geplanten Umwandlung in „Volksgemeinden" bedürfe. Er lehnt das Projekt ab, das unter grundsätzlicher Ausschal- | tung und Verweisung der jüdischen Religion in private Kultusvereinigungen den Zustand schaffen wolle, daß es möglich sei, Mitglied der Volksgemeinde zu sein, ohne Mitglied einer Kultusvereinigilng zu sein, daß man aber Mitglied der Kultusvereinigung nur sein könne durch das Mittel der Zugehörigkeit zur Dolksgemeinde. Die Diskussion ergab die Uebereinstimmung der Versammlung mit den Ausführungen des Referenten. Darauf wurde ein mit der politischen Lage Oberschlesiens zusammenhängender Antrag behandelt und erledigt. Halpersohn stellte Anträge bezüglich des jüdischen Religionsunterrichts an höheren Schulen. Nach kurzer Debatte wurden jedoch die Einträge zurückgezogen. Zum Schluß brachte de Haas (Kattowitz) einige antisemitische Vorkommnisse zur Sprache. Es wurde beschlossen, mit an'deren jüdischen Organisationen O'berschlesiens zwecks gemeinsamer Beratung in. Verbindung zu treten. Oppeln, 4. Juli.. Jüdische Flüchtlinge aus Kongreßpolen, hauptsächlich aus Lodz und Kalisch, die in Oppeln eingetroffen sind, erzählen: Wir nulßten flüchten, denn es -ist in Polen nicht mehr auszuhalten. Wo Hallersche Truppen hinkommen, bewaffnen sie sich mit Schere und Messer, ziehen auf den Straßen umher, schneiden der männlichen jüdischen Bevölkerung die Bärte ab, verwunden sie dabei, schneiden ihnen die Kaftane kurz und mißhandeln sie in jeder Weise. Zuweilen arten diese Mißhandlungen in große Pogrome und Schläch-- tereien aus. Wir kamen bei Praszka, wo nur schwache polnische Posten stehen, über die Grenze, indem wir dem polnischen Posten 75 Mark Bestechungsgeld gaben. Die Disziplin unter den Hallerschen Truppen und den Legionären, die die rauslustigsten sind, lockert sich immer mehr. Die Zahl der Deserteure mehrt sich mit jedem Tag trotz der schärfsten Maßnahmen, die dagegen ergriffen werden. Die Besatzungen der Grenzen werden jeden Zweiten oder dritten Tag gewechselt; alls welchem Grunde, ist nicht bekannt. Man nimmt an, daß sie nicht zuverlässig sind. Die Haupttruppenmassen sind in Ezenstochau, Herbh, Sosnowice, Zawiercie konzentriert. — Bremen, 4. Juli. „Ter Bund gegen die Ueberhebung des Judentums" überschüttet unsere Stadt mi.t Flugblättern, die das ganze Arsenal „geistiger" Waffen aufweisen, über die der deutsche Antisemitismus verfügt. Die Flugblätter werden in die Häuser gelvorfen und an allen Gebäuden angeklebt. Zur Bekämpfung dieser Hetze haben sich hier jüdische Jugendpatrouillen gebildet, welche Gegenflugblätter verteilen und vorzüglich aufklärend wirken. Der Sozialistische Parteiverein irr Bremen protestierte in einem Flugblatt „Millionäre als Volksaufklärer" gegen die antisemitischen Machenschaften. Die Vertrauensmänner der Sozialdemokratischen Partei nahmen folgende Entschließung ohne Debatte einstimmig an: „Die heute am 14. Juni im Parteitage tagende Funktionärsitzung des Sozialdemokratischen Parteivereins nimmt Kenntnis von der von den Antisemiten betriebenen Judenhetze. Sre erkennt, daß letztere sich nicht allein gegen die Juden, sondern in der Hauptsache gegen die Sozialdemokratie richtet. Die Versammelten protestieren auf das nachdrücklichste gegen die unverschämten Machenschaften der Antisemiten und erwarten vom Parteivorstand, daß er diese wüste Hetze in energischer Weise bekämpft." In der Bremer Nationalver- -sammlung vom 20. Junirichteten die beiden Mehrheitsparteien (Demokraten und Sozialdemokraten) eine auf die Judenhetze bezügliche Anfrage an den Senat, welche der Präsident an die Bremer Regierung weiterleitete. Daß die antisemitische Hetze in Bremen vollständig mißlungen und zurzeit zum Stillschweigen gebracht ist, ist dem Jüdischen Mlveh rausschuß zu verdanken. er. München, 4. Juli. D i e W 0 h n u n g s n 0 t de r j ü d i sch e n Studie r e n d e n hat die „Arbeitsgemeinschast der nichtinkorporierten jüdischen Akademiker" veranlaßt, sich mit einem Ausruf an die jüdische Bevölkerung Münchens 311t wenden, in dom um, Nachweis von Zimmern für jüdische Studierende gebeten wird. In diesem Aufrus heißt es: „Die soziale und ethische Pflicht gebietet allen jüdischen Mitbürgern, daß sie bet der zurzeit herrschenden Wohnungsnot alle verfügbaren Zimmer frei machen, um sie an jüdische Studenten und Studentinnen 3»u vermieten. Besonders notwendig ist es, jüdische Kriegsteilnehmer, die jetzt ihre Notsemester erledigen, tn dieser Weife weitestgehend zu. unterstützen. Unsere jüdischen Mitbürger helfen dadurch nicht nur jüdischen. Studenten aus einer drückenden- Not, sondern sich selbst, da sie es doch vorziehen werden, freiwillig jüdische Akademiker auszunehmen, statt die Zimmer zwangsweise zur Einquartierung zu räumen. Wir richten daher an

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