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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-07-11 · Heft 28 (11.7.1919) · p. Seite 308

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 28 (11.7.1919)
Date
1919-07-11
Page
Seite 308 (sequence 8)
Language
German
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308 profanen Wissenschaften -hatte er bedeutende Kenntnisse sich an* geeignet. Literarisch hatte er sich ftüher vielfach betätigt. So schrieb er für 'das „Literaturblatt der Israelitischen Wochenschrift" von Rabbiner Dr. Rahmer (Magdeburg), für die „Monatsblätter" von Dr. A. Brüll (Frankfurt a. M.), für die „Allqemeine Zeitung des Judentums" und für das „Israelitische Familienblatt". Seine wissenschaftlichen Abhandlungen und Aussätze sind nicht alle veröffentlicht worden. Der Gedankenreichtum Feinsteins auf allen Gebieten war den Schülern eine nie versiegende Quelle, an der der Dürstende sich immer erfrischen uni> erquicken konnte. In der Tiefe feines Wissens war die hohe sittliche Lebensauffassung und seine Weltanschauung verankert. Der Takhingeschiedene stand auf dem Boden des konservativen und orthodoxen Judentums. Form und Inhalt des Judentums waren ihm \a einer unteilbaren Einheit geworden. Die Religion war ihm Herzenssache und tiefes, inneres Erleben. An der Ueberzeugung von der Wahrheit seiner Erkenntnis konnten diejenigen keinen Augenblick zweifeln, die Gelegenheit hatten, sich mit ihm zu unterhalten, und selbst die, deren Weltanschauung anders geartet war. Dem Umfange und der Tiefe seiner Gelehrsamkeit entsprach die RKnheit seines Denkens und Wollend. Er war den Schülern ein Vorbild in der Lauterkeit der Gesinnung und der Güte des Herzens. Ebenso vortrefflich war das Verhältnis zu seinen Amtsgenossen, die in ihm den Kenner jüdischen Wissens und den ausgezeichneten Eharakter verehrten. Oeffentlich trat der einfache, bescheidene und anspruchslose Mann in den letzten Jahren wenig hervor, doch kannte man ihn in der Gemeinde und in den Gelehrtenkreifen der Universität als eine geistig hervorragende Persönlichkeit. Alles materielle Denken war chm fremd, das Hasten und Jagen nach irdischen Gütern hat er nie verstehen können. Sein Blick war auf das Erringen geistiger Werte gerichtet, für die er die Jugend zu begeistern suchte. Er war ein Idealist im besten und wahrsten Sinne des Wortes. Seine physischen Kräfte hatten zuletzt abgenommen, sein Geist jedoch war frisch und klar geblieben und sein Gedächtnis von einem erstaunlichen Umfange und von bewundernswerter Treue. Sein eisernes Pflichtgefühl, fein steter Eifer und sein volles Aufgehen in dem Lehrerberuf erfüllten ihn bis an sein Lebensende. Die Anstalt trauert um einen Mann, der ihr in einem Menschenalter sein Bestes gegeben. Sie beklagt den Heimgang eines ed-len Menschen, dessen Lebensinhalt Liebe und Treue war. In der Geschichte der Anstalt wird der Name Jakob Feinstein mit goldenen Lettern verzeichnet bleiben. -!' ' Dir Thors im Lichte Ärr UgaLs. Von Albert Kotz. IV. enesis K. 8: „Und die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes." Listiger als alle und darum öcrflu.dbit vor und von allen,Die Schlange hatte eine „böse Zunge", sie sprach Uebles über den Schöpfer der Welt und gebärdete sich in einer Weise, die bis heute vorbildlich ist den Lügnern und Verleumdern, welche sprechen: „Unsere Zunge ist mächtig, unser Mund kräftig, wer ist unser Herr?" (Ps. 12. 5, 12h Sie wendete sich mit der Frage, ob Gott von allen Bäumen des Gartens Eden zu essen verboten habe, nicht an Adam, sondern an Eva, weil sie wußte, daß ein? Frau leichter als ein Mann einem Gespräch zugänglich und auch leichter als er zu betören sei. Eva erwiderte ihr: „Gott hat nur die Frucht des Baumes verboten, der in der Mitte des Gartens steht; von diesem hat er gesagt: „Effet nicht von ihm" und — diese Worte fügte sie hinzu — „rühret ihn nicht an", „ihr möchtet sonst sterben". Da lachte die Schlange und sprach: „Nein, ihr werdet nicht sterben." DaS weiß auch Gott, der selbst, bevor er die Welt erschaffen, von dieser Frucht gegessen hat. Er weiß auch, daiß ihr, sobald ihr davon esset, die Kraft erlangen werdet, gleich ihm Welten zu schaffen und seine Alleinherrschaft zu gefährden. Das aber möchte er verhindern, denn er duldet leine Götter neben sich, und nur aus diesem Grunde hat er euch von dieser Frucht zu essen verboten. Wohl besitzt ihr, als Letztgeschaffene. die Macht, alle Wesen, die er vor euch geschaffen, zu beherrschen und auch über euren eigenen Willen zu bestimmen. Wer aber bürgt euch dafür, daß er, als Alleinherrscher, nicht neue Welten und Geschöpfe ins Leben ruft, die, vielleicht mit noch größerer Macht und Fähigkeit ausgerüstet, dann über euch regieren und selbst die Freiheit eures Willens unterbinden werden? Darum kommt ihm zuvor, esset von der Frucht, und ihr habt ihm seine alleinige Schöpferkraft entrissen: ihr seid ihm dann ähnlich, in jeder Weise gleichgestellt. Sagtest du nicht, Gott habe euch verboten, den Baum auch nur;u berühren? So sieh doch her, wie ich ihn berühre und lebe, und" — sie stieß sie plötzlich dicht an den Baum heran — „auch du hast ihn jetzt berührt und bist nicht tot . . . Nun fasse Mut und zögere nicht länger, die herrliche Frucht zu genießen; gib auch dem Adam davon, und du wirst es gleich merken, wie eure Augen sich auftun und ihr wie Gott in seiner Welt schalten und walten werdet." Eva stand ratlos da, wußte nicht, was sie der Schlange erwidern, sollte; sie erkannte nun die Wirkung des von der Schlange ihr eingeträuselten Giftes, das sie selbst durch mt' unbedachtes Wort für sich bereitet hatte. Sie glich in diesem' Augenblick einem Manne, der prächtige Blumenbeete besaß, deren Herrlichen Anblick er Fremden und Unbefugten mißgönnte. Was tat er? Er umgab sie mit einem so hohen und dichten Bretterzaun, der sie des Sonnenlichtes beraubte und, als ein bald einsetzender starker Wind ihn mederriß, mit feinen Trümmern völlig zerstörte. Eva betrachtete lange den Baum und fand, daß er „eine Lust für die Augen sei und gut zur Speise", Sollte wirklich der Genuß seiner so herrlichen Frucht den Tod in sich schließen? Sie begann zu zweifeln, aber zögerte noch immer, der Schlange zu gehorchen. Da spottete diese über ihre Unenffchloffenheit, schalt sie eine zaghafte Törin und schüttelte dabei so mächtig den Baum, daß dessen Frucht von selbst der Eva in den Schoß fiel, die sie, von nicht länger zu zähmender Begierde getrieben, hastig ergriff und aß . . . Nun gingen ihr die Augen auf — und sie sah, wie der Todesengel, dessen Gestalt die Schlange inzwischen angenommen hatte “), sie spöttisch und schadenfroh als seine unentrinnbare Beute angrinste. Jetzt wußte Eva, daß sie zum Tode verurteilt wurde, und sie jammerte: „Nun werde ich allein sterben, alle anderen Geschöpfe aber werden am Leben bleiben, und auch Adam wird fortleben und vom Herrn des Todes bald eine andere Eva zur Genossin erhalten. Allein das ertrage ich nicht; dieses Bewußtsein tötet mich, noch bevor der Tod sich meiner bemächtigt. Nein, das darf ich nicht zulaffen! Mein Geschick soll alles Lebende, die ganze Schöpfung, und in erster Reihe ihre Krone, der Adam, teilen . . ." Und sie gab von der Frucht dem Adam, reichte sie allen Tieren der Erde, allen Vögeln in der Luft und allen Fischen des Meeres, und sie alle aßen davon und wußten nicht, daß sie den Keim des Todes verschluckten. Nur der Vogel Chol (der Phönix) weigerte sich, die Frucht zu kosten, und darum stirbt er nie, sondern verwandelt sich alle tausend Jahre durch ein inneres Feuer in Asche, aus der er wieder geboren wird **) Baba batra lßa. rHöH X17k VN *12P «VT JIDITT X17I 54) Tauchuma, Genesis rabba, K. 19. Pirke d. Rabbi Elieser. 52) Tauchuma BTeseliit

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