Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1919)
- Date
- 1919-07-04
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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83. Jahrgang. Nr. 27 Berlin, 4. Juli 1919 Der Gemeindeüote. Vellage zur „Allgemein«! Leitung ist§ Judentums". korrrsponÄrnHM UNÄ Nachrichten. Seutschiand. L. kl. Berlin, 29. Juni. Tie heutige Sitzung der Repräsentantenversammlung eröffnete der Vorsitzende, Geheimrat Tr. Minden, mit folgender Ansprache: „Ter Gruß, den sich unsere Vorfahren Zuriefen, lautete „Schalom alechem", „Friede sei mit d i r!" Und der Schluß des dreifachen Priestersegens, den aus unserer heiligen Thora die ganze sich gesittet nennende Menschheit übernommen hat, schließt ebenfalls «mit dem Wunsche nach Frieden! Seit dem gestrigen Tage wird kein Deutscher das Mort ohne den bitteren Gedanken hören oder aussprechen können, wie auch das Göttlichste durch inenschliche Handlungen entweiht werden kann. Und nicht nur als Deutsche, auch als Juden fühlen wir so, wenn wir vernehmen, wie als Vorboten des jetzigen Friedens Progrom über Progrom albigehalten wird. Es möge uns Trost werden durch die Lehre unserer Religion, daß alles lieble, das uns widerfährt, nur eine Prüfung ist, und daß es menschliches Geschick ist, durch Nacht Zum Licht geführt zu werden. Es sind heute 50 Jahre, daß der Deutsch-Israeli tische Gemeindebund gegründet wurde. Dankbar erkennen wir die Leistungen desselben an. Ter Ernst der Zeit hält uns von einer Feier ab. Wenn der Gemeindebund seine Ziele nicht ganz erreichen konnte, so lag das in den Schwierigkeiten der Verhältnisse. Judentum und Deutschtum sind innig miteinander verbunden. Lassen Sie uns alle fest zusammenstehen." Im Aufträge des Gemeindevorstandes widmete Herr Geheimrat Dr. Stern dem Gemeindebund einige herzliche Worte der Anerkennung. „Hoffen wir, daß wir in besseren Tagen eine Jubiläumsfeier veranstalten können." Beiden Rednern sprach Herr Prof. Kalischer als Vorsitzender des T. I. G. B. seinen Dank für die freundlichen Worte ans. — Die Versammlung beschließt die Annahme folgender Zuwendungen: Von Herrn Sanitätsrat Dr. Wilhelm Feilchenfeld 1500 Mark zur Errichtung einer Wilhelmuud-Jenny-Feilchenfeld-Stiftung bei der Ariuenkommission für schwächliche oder kranke Kinder. Von Herrn Benjamin Bor ck 2500 Mark zur Verstärkung der Benjamin-und-Gertrug-Borck- Stiftung für Kriegsteilnehmer. Von Herrn Friedrich L ach m a n n 2500 Mark zur Verstärkung der Beniamin-und-Gertrud-Borck- Stiftung bei der Armenkommission. Von Frau Laura Perls 3000 Mark zur Errichtung einer Hugo-und-Laura-Perls-Stistung für verschämte Arme. Von Frau Emilie Meyer geb. Goldschmidt 2000 Mark zur Grabpslrge. Vom Kuratorium der Oskar-und- Betty-Ti etz-Stiftung 3000 Mark zur Verstärkung ihrer Stiftung bei der Waisenkommission. Von den Herren Max und Moritz Rosenthal 15750 Mark zur Errichtung einer Zimmerstistung bei der Alterversorgungsanstalt. Von Herrn Regierungsbaumeister W o l l e n b e r g 2000 Mark zur Abhaltung von Jahrzeiten bei der Alterversorgungsanstalt. Von Frau Anna Jtzigsohn 3000 Mark zur Grabpflege. Von Herrn Julius Btanzger 1000 Mark zur Grabpflege und für hebräische und philosophische Bücher. Von Fräulein Lydia Wolffsky 2093 Abart zur Grabpflege. Von Frau Laura Jacobsohn 14 000 Mark für die 'Alterversorgungsanstalt. Von Herrn Bert-hold Tietz15 750 Mark zur Errichtung einer Leiser-und-Lina-Tietz-Stiftung bei der Alterversorgungsanstalt. Von Herrn Bernhard Cohn 5650 Mark zur Grabpflege. Von Herrn Leopold Feig 20 000 Mark zur Errichtung einer Jda-Feig-geb.-Neumann-SListung für Pfleglinge des Genesungsheims in Lehnitz. — Herr Gewerberat Plotke referierte hierauf über den Entwurf eines fünften Nachtrages zum revidierten Gemeindestatut. Der Nachtrag ist am 12. Juni in Kraft getreten. Danach müssen die nächsten Repräsentantenwahlen innerhalb von drei Monaten stattfinden, so daß, wenn ein Sonntag gewählt würde, etwa der 31. August oder der 7. September als Wahltag in Betracht käme. Der Vorstand hat sich an das Oberpräsidium für die Provinz Brandenburg gewandt, um eine Hinausschiebung des Wahltermins zu erreichen. Diese ist genehmigt worden. Die Versammlung nimmt den Nachtrag in erster und zweiter Lesung an. Zur Verlesung kommt eine Antwort des Gemeindevorstandes auf 'Nesoluti-ous- und Initiativanträge der Reprüsentantenversainiulilug im Jahre 1918, die noch keine Erledigung finden konnten. Der Referent, Herr Professor Tür k, bittet, insbesondere Punkt 1: die Satzungen der Baukondmi-ssion, recht bald zum- Abschluß zu bringen. Es fei dringend notwendig, daß auch unsere Glaubensgemeinschaft das Vorurteil aufgebe, daß Handarbeit minder einzuschätzen sei als geistige Tätigkeit. Eine große Anzahl Studierender sei schon heute nicht mehr unterzubringen, leidet sogar Not. — Zu Punkt 3: Religionsunterrichtsfragen, bemerkt Herr Professor T ü r k, ob der Vorstand auf die beleidigenden Artikel eines 'Herrn über Nichtanstellungen jüdischer Neligionslehrer in Anstalten unserer Gemeinde, welche in jüdischen Zeitungen stehen, zu antworten gedenkt. An der Hand der Statistik widerlegt Herr Amtsgerichtsrat Wolfs mit Ruhe und Klarheit diese Berichte und bezeichnet sie als Uebertreibungen. Herr Professor Türk fühlt sich durch die Erklärung des Herrn Amtsgerichtsrat Wolfs vollkommen befriedigt. Der Verfasser der beleidigenden Artikel Türk fühlte sich durch die Erklärung des Herrn Amtsgerichtsrat Wolfs vollkommen befriedigt. Ter Verfasser der beleidigen Artikel sei nur der Wortführer einer kleinen Zahl von Lehrern. In der neuen Zeit müsse die Regierung die jüdischen Religionslehrer so besolden wie die christlichen. Hierauf fand die Amtseinführung und Verpflichtung der zu Gemeindeältesten- bzw. Aeltestenstellvertretern gewählten Herrn Hugo Blankenburg und Martin Loose statt. Herr Geheimrat Dr. Minden sprach Herrn Blankenburg herzlichsten Dank für seine bisherige Tätigkeit in der Verwaltung aus. Herrn Loose hieß er herzlich willkommen, auch er habe viele Jahre in einem Kreise gearbeitet, der viel Leid birgt. Es folgten dann verschiedene.Neuwahlen. — lieber die Bewilligung einer Entschuldung an die durch Anstellungsurkunde oder Privatdienstvertrag Festangestellten referiert Herr Benas Levy. Die Verhältnisse seien schlimmer geworden. Ein- und Ausgaben stehen in keinem Einklang. Hoffentlich tritt bald eine Besserung ein. Für Unverheiratete wird die Summe von 600 Mark, für Verheiratete von 800 Mark und für jedes Kind 100 Mark bewilligt. Herr Levy verliest einen Artikel aus der letzten Nummer der „Jüdischen Presse". Er bedauert, daß durch derartiges das gute Verhältnis, welches bisher zwischen Gemeindeverwaltung und -beamten geherrscht hat, gestört wird. Ganz besonders scharf werde ein hervorragendes Mitglied des Vorstandes angegristen. Herr B a d t danktc Herrn Levy für seine Ausführungen. Er stehe schon viele Jahre im öffentlichen Leben, habe sich viele Freunde erworben und stets seine Fürsorge auf alle erstreckt. Er macht -aufmerksam, daß die Beamten Teuerungs- und Kriegszulagen erhalten haben. Ihm habe es ferngelegen, jemanden zu kränken. Er habe mit den Herren eine vertrauliche Besprechung gehalten. Da sie doch aus dem Kaufmannsstande hervorgegangen, habe er gesagt: Wenn sie bessere Stellungen fänden, mochten sie dieselben annehmen. Er wolle durchaus nicht, daß jemand ohne iveiteres abgehen solle. Wir Juden Hütten seit Jahrhunderten ohne Standesunterschied zusammengehalten, und so solle es auch bleiben. Aus den Vortrag des Herrn Referenten Benas Levy werden ferner bewilligt 36 000 Mark jährlich zur Besoldung, von Bureauhilsskräften und ein Zuschuß von 1200 Mark jährlich zu den Bezügen der Ruhegehalts-, Witwen- und Waisengeldempfünger nach Maßgabe des Verhältnisses ihrer Bezüge zu dem ursprünglichen Gehalt, den Synagogen- und Minchanleuten eine weitere einmalige Teuerungszulage von 150 Mart. Hiervon sind diejenigen ausgeschlossen, die bereits für andere Tätigkeit Teuerungszulagen erhalten. Ferner wird beschlossen, das Witwen- und Waisengeld für die Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen Gemeindeboamten so zu benressen, als wenn die Verstorbenen das Höchstpensionsalter erreicht hätten. Die Summe von 2441,50 Mark wird als einmalige Teuerungszulage für die Assistenz- und Volontärärzte des Krankenhauses ausgeworfen. 'g/s Berlin. 1. Juli. Aus Anlaß seines 50 jährigen Bestehens versandte . der Deut s ch - I f r a e l i t i s ch e Ge - m e i n d e b u n d an die ihm angeschlossenen Gemeinden folgendes Rundschreiben: Wir haben uns den Tag, an dem sich die Begründung des Teutsch-Jfraelitischen Gemeindebundes zum fünfzigsten Male führt, diesen 29. Juni, freilich anders gedacht. Wir hofften, unsere Bundesgemeinden durch ihre Vertreter U'in uns zu scharen und mit ihnen leinen Rückblick auf die Vergangenheit zu werfen, uns der Gegenwart zu freuen und einen Ausblick in die Zukunft zu tun. Das herbe Geschick, das über unser Vaterland hereingebrocheu ist, hat es ander beschlossen. Aber