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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-07-04 · Heft 27 (4.7.1919) · p. Seite 300

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 27 (4.7.1919)
Date
1919-07-04
Page
Seite 300 (sequence 12)
Language
German
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300 (Villipff, zu rückgebracht und geht einer, wie er hv-s-ft, glücklichen Zukunft entgegen, da ihmdie Aussicht winkt, wieder in seiner Badennstu lt angestellt, vielleicht sogar m-it seiner Buckligen vereinigt zu loerden. da diche. wie sich heraus stellt, d-ie Tochter des Red Alter und seiner nesch-ebenen Frau ist. die -dieser schmählich, verlassen hat. M^nsieht, die Borgä-noe sind tust zu durstig,, um ein Buch von 250 Seiten zu füllen. Das Oonnu' ist in Form von (besprächen?.wi''ck^n den be^n Buck-bändlern aboefasit, mit unendlichen Abstbw-eifnneeul. vbilosophil^cken Betrachtungen. Naturschildernnaen. Witzen und vielenr anderen. Die Stellen, in denen der unglückliche Tischke in Geselllchasteines noch, iämmerlickeron (Genossen', der nnr auf seinem Hinterteil rntschen kann, in Odessa weilt und diesem sein Entsetzen über das nniüdi'sche We^en der dortigen Judenans« drückt. sind von überwältigendem H-ninor. nickst 'Minder e rav blich die Art. wie Mendele. der Naturphilosoph. über Natur. Geschäft und uaiuentl-sch ü'ber die Liebe i'eine Betrachtunaen a-n-stellt. wie er seine iini-üdisch.e Empfindung erklärt, nnr geeignet für die ganz Restbew oder d'e aonz Armen. Das Cbarakteristi^che des ganzen Buches ist dre Darstellung des ü'idi-schenl Bett-lertnms. Wir kennen derartige Beschreibungen durch Franws. der in seinem ..Posaz" die Poesie des Bagobnndentnms dargellellt und gute, anständi-ae. strebsame Bettler verherrlicht hat. Im Gegen-f-gtz dazu werden hier d-'e Tvven der widrigen Lumpen, der vertierten, in Schmutz und Gemeinheit sich wälzenden. von ariinmigem Hast gegen die Neichen erfüllten, ihre Beutezüge mit sinn-lichen Ausschweifungen, wüstem Trinken und erbärmlichsten Misihandl-unaen -der Schwächeren ver-mi'schenden Bettler vorgeführt. Es sind Nachtbilder grausigster Art. durch und durch realistisch, schwerlich übertrieben., sondern wahrrcheinlich der Wirklichkeit genau noch-wb-ildet. Mit io aroster Meisterschaft der Verfasser auch die'-e Typen vorführt, so -möchte ich doch, so hoch ich auch die Wahrheit stelle und deren ungeschminkte Wahrheit empfehle. meine Bedenken ä-usiern, ob es opportun war, derartige Abscheulichkeiten dem groben Publikum darzulegen. Man gibt dadurch den Feinden ein allzu bequemes Material an die Hand. Sie könnten' auf Grund dieser Vorführungen leicht sagen: diese Inden sind sa eine wüste, gemeingefährliche Sorte der schlimmsten Verbrecher, der wahrhafte Abschaum der Menschheit. Männer und Weiber, die sich nur in Schmutz und Gemeinheit wohlfühlen. die jeder Kultur feind sind, jeder gesellschaftlichen- Ordnung widerstreben. Wenn ich auch diese Bedenken nicht zu unterdrücken vermag. 10 must ich doch bekennen: ich habe das tiefste Mitlei-d mit diesem elenden Fischte, das innigste Mitgefühl mit der rührenden Gestalt -der Buckligenempfunden, die sich bei den entsetzlichen Qualen, die sie erduldet, ein liebendes Herz wahrt. Ich habe mit innigem Behagendie witzigen Schnurren, die kleinen Abenteuer, die erquickliche Lebensphilosophie des Reb Mendele gelesen un>d an dem vielseitigen Talent des Verfassers mich ergötzt. Diese Empfindungen möchte ich auch hei vielen Lesern d'eses Blattes erwecken. L. G. Mchkrrmlauk. Besprechung der BUcher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Die Berufe der Juden in Bayern. Von Tr. Paula Weiner- Odenheimer. Heran sgegebeu vom Verein für die Statistik der Juden in München. (Veröffentlichungen des Bureaus für die Statistik der Juden, Berlin, Heft 10.) Verlag M. Schildberger, Berlin 1918. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, Heft 1/3, Januar—März 1919. Herausgegeben von Professor Tr. M. Braun. Breslau, Koebner.sche Verlagsbuchhandlung. Mitteilungen des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, Jahrg. 10. Heft 2. Geschäftsstelle: Berlin C, Burgstraße 26. Jüdische Religion. Von Tr. Moritz Spanier in Magdeburg. Sonderabdruck ans dem Pädagogischen Jahresbericht 1916/17. Verlag und Druck von B. G. Teubner in Leipzig. Durch Revolution und soziale Neligion ins Paradies. Gin Weckruf an die Menschheit. Von Carl Harz. Verlag von Gebr. Harz, Altona-Ottensen, 1919. Preis 1 Mark. Hilfsverein für jüdische Lungenkranke in der Schweiz. 2. Jahresbericht, 1918. Alter Vogel. Eine jüdische Novelle von Paul K a a tz. Verlag von Louis Lamm, Berlin 1919. Selbstbefreiung aus nervösen Leiden. Von Tr. med. W. Bergmann. Elftes bisvierzehntes Tausend. Freiburg i. Br., Herdersche Verlagsbuchhandlung. Die Kulturtat der Frau. Eine Untersuchung der geistigen Wesenheiten unserer Gegenwart. Von Fanny Künstler. Wien und Leipzig. Wilhelm Braumüller. 1916. Soll und Haben. Versuch einer unparteiischen Recht- und ' Schuld-Bilanz für den Weltkrieg. Von Dr. Mehemed Emin Efendi (Pseudonym). Bad Nassau (Lahn) und Winnenden-Stuttgart. 1919, Zentralstelle zur Verbreitung guter deutscher Literatur. Ans der Mappe eines ArmenPflegers. Von Dr. In c. Vanl 2 e ch l e r. Bad Nassau (Lahn). 1919, Zentralstelle zur Verbreitung guter deutscher Literatur. Der Nene Merkur. Monatshefte. Herausgeber: L. Frisch und W. Hausenstein. 3. Jahrgang, April 1919. Verlag: Der Nene Merkur, München. Das Nene Europa. Monatsschrift. V. Jahrg. Nr. 4. April 1919. Chefredakteur Dr. Paul Cohn. Verlag: Schweizer Drncknnd Verlaashaus, Zürich. Israelitischer Wandkalender für das Jahr 5680 (1919/20). David Droller, Frankfurt a. M. Svrrchlsal. Au die Redaktion der „Allgemeinen Zeitung des Judentums"! In dem Bericht über d'e -^anptversammlnna des Zeutralvereins auf S. 245 (vom 6. Mai 1919) beißt es in der Einleitung: ..In der äußerst lebhaften Aussprache lebte die Zumistendebatte N»r Vorkriegszeit wieder aus. Gegen den Wunsch der Berliner Leitung. , dntz darf wohl festaestellt werden, ist im Zentratverein a^nen den Zionismus in einer Weise Stellung genommen worden, wie sie bisher in indischen Oraanisationen noch nicht vorgekommen ist." Hierzu möchten wir folgendes bemerken: „Die Leitung des Zentralvereins liegt nicht nnr in den Händen der berliner Vorstandsmitglieder, sondern eines Gelamtvorstandes. der sieb ans den Mitgliedern von gllen Teilen -des Reiches ^nsammensttzt. Auch die auswärtigen Mitglieder sind;n allen entscheidenden Fragen, insbesondere der zionistischen Politik des Zentralvereins, zugezogen worden. Es hat keinerlei fachlichen Unterschied zwischen den Mitgliedern des Berliner Vorstandes, insbesondere aneb nickst zwischen dem Vorsitzenden des Zentralvereins und seinen Mitgliedern in der Frag? der Stellung zum Zionismus gegeben. Insbesondere bat der Vorsitzende. >^err Gebeimrgt Fuchs in Wort und Schrift in seinen Aufsätzen „Glaube und Heimat", „Was mm?", in seiner Antwort auf den offenen Brief des Herrn Klötzel in „ Volk und Land" usw. seine Stellungnahme und die des Zentralvereins gegenüber dem nationalen Judentum aenau präzisiert. Sie unterscheidet sich in nichts in der arnndsätzlichen Frage von der Meinung der Delegierten, wie sie übereinstimmend in der Hauptversammlung zutage getreten ist. Der Vorstand befindet sich in Nebereinstimmnnq mit der Maste der Zentralvereinsmitglieder, wenn er insbesondere den Begriff eines jüdischen Volkes in dem von den Zionisten gewünschten politischen Sinne ablehnt, wenn er ans' das entschiedenste Stellung genommen bat gegen die Nationalisierung und Hebräisierung der deutschen Juden und gegen die Versuche, die Inden in Deutschland auf den Standpunkt einer nationalen Minderheit zurückzuführen. Wenn daher die Stellungnahme in der Hauptversammlung, insbesondere durch die geschlossene Einmütigkeit sämtlicher Redner zu diesem Punkte, den besonders starken Eindruck einer nichtzionistischen Front hervorgerufen hat, so ist das für die Leitung des Zentralvereins nichts Unerwartetes und nichts Unerwünschtes. Berlin, den 24. Juni 1919. Der Vor st a n d des Z e n t r a l v e r e t n s deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens.

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