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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-07-04 · Heft 27 (4.7.1919) · p. Seite 293

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 27 (4.7.1919)
Date
1919-07-04
Page
Seite 293 (sequence 5)
Language
German
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293 nichts zu spüren. Der Gebrauch der jüdischen Sprache wird in jeder Weise von den rumänischen Machthabern bekämpft. So durfte z. B. eine jüdische Lehrerkonferenz nicht in jüdischer Sprache stattfinden. Bor allem geht das Bestreben der rumänischen Behörden dahin, das Schulwesen zwangsweise zu rumünisieren. In Siebenbürgen hat sich die Lage unter der rumänischen Herrschaft in jeder Weise zum Nachteil oer Juden entwickelt, Für die Stimmung, die in diesem Laudesteil herrscht, ist folgende Tatsache interessant: Die in Sibiu (Hermannstadt) erscheinende rumänische Zeitung „Revasterea Romana" hatte zu einer in Bukarest stattgefundenen Vermählung eines jüdischen Redakteurs ihre Glückwünsche ausgesprochen. Zu dieser Angelegenheit schrieb ein anderes rumänisches Blatt „Patria" folgendes: „Zum erstenmal wird in der rumänischen Presse Siebenbürgens ein jüdischer Journalist mit der Bezeichnung „Kollege" genannt ltrtb gelegentlich seiner Vermählung beglückwünscht. Ist die „Revasterea Romana" etwa für die Aufnahme der Juden in die rumänische Presse? Eine Frage, durch die niemand beleidigt werden soll, die aber von der Tradition der rumänischen Presse aus Siebenbürgen zur Pflicht gemacht wird." Ter schreckliche Borwurf, der hier der „Revasterea Romana" gemacht wird, bat sie veranlaßt, sofort folgendermaßen zu erwidern: „Die „Patria" las mit Verwunderung eine von im§ aus Bukarester Plättern reproduzierte Notiz, in welcher wir einem jüdischen Redakteur der offiziellen „L'JndePendance rvuinaine" aus Bukarest in i r o u i - s ch e r Weise unsere Glückwünsche senden. Weit davon entfernt, uns für die Aufnahme der Juden in die rumänische Presse auszusprechen, benutzten wir eine Gelegenheit, um zu zeigen, mit was für Redakteuren sogar die Organe der Negierung ihre Redaktionen schmücken. Wenn unsere Ironie zu fein war, bedauern nur es lebhaft, denn sie ist schuld daran, daß wir mißverstanden wurden. Ein anderes Mal werden nur uns bemühen, den Punkt deutlicher aus das i zu setzen." * Aus Paris wird dem Jüdischen Preßbureau in Stockholm gedrahtet: Das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris überreichte der Friedenskonferenz ein Memorandum betreffs Schadenersatz an die von Pogromen heimgesuchte jüdische Bevölkerung. Im Aeemorundum werden die furchtbaren ökonomischen Verheerungen der Pogrome eingehend geschildert und die Ursachen der Pogrome auseinanderge'etzt. Es wird namens der verschiedenen Organisationen, die neun Millionen Juden vertreten, die Aufnahme von Bestinunungen in die Friedensverträge mit Polen, der Ukraine, Rumänien, Litauen, Rußland, Tschechoslowakien, Jugoslawien, Finnland, Griechenland, Bulgarien und anderen Ländern Ost- und Zentraleuropas gefordert, daß die Juden für die Pogrome, die seit dem 1. August 1914 bis zur Unterzeichnung der Friedensverträge stattfanden oder später Vorkommen sollten, von den betreffenden Regierungen zu entschädigen sind. * Die polnische Schreckensherrschaft in Ostgalizien. Die Ausschreitungen der polnischen Truppen gegen die jüdische Bevölkerung O st g a l i z i e n s dauern a n. Die j ü d i s ch e n N a t i v n a l rate werden von den polnischen Behörden a u f g e l ö st. Bei der gegenwärtig in Durchführung begriffenen Volkszählung werden die Juden g e - z w u n g e n, sich a l s P o l e n z u erkl ä r e n. Die jüdischen Beamte n werden von ihren Posten entfernt, die j ü d i s ch e n Schulen wurden g e s p e r r t und die A u f n a h m e von I itbc n i n die a l l g e ur e inen ö f f e n t l i ch e n Lehranstalten b e s ch r ü n k t. Die Jirden werden fortwährend zu s ch w eren Arbeiten gezwungen, jüdische F r a u e n zur Arbeit in die Kasernen, selbst an Samstagen, geschleppt. * Die antisemitischen Umtriebe in Koltschaks Generalstabe. Der „Daily Telegraph" veröffentlicht einen Bericht seines Korrespondenten in Wladiwostok über eine Konferenz der jüdischen Gemeinden in Sibirien, die vor kurzem stattsand. Die Konferenz faßte eine Protestresollution gegen die Judenhetze des offiziellen Armeeorgans, das vom Koltschakschen Generalstab in Omsk herausgegeben wird. Der Korrespondent berichtete ferner: Russische Offiziere, die ich sprechen hörte, machen kein Geheimnis daraus, daß sie den Zusammenbruch Rußlands an den Inden rächen wollten. Der Heilige Shnod m Omsk arbeitet Hand iu Hand mit dem Generalstab wxxb organisiert eine unverhüllte Hetzpropaganda gegen die Juden. Hunderte von Geistlichen finb nach allen Richtungen geschickt worden, um diese Hetze zu betreiben. O Miljukow über Jaden und Bolschewismus. Londoner Blätter melden: In einem Interview mit dem gewesenen russischen Außenminister Miljukow erklärt dieser, die Beschuldigung, daß russische Juden znm Teil bolschewistisch seien, als gemeine Lüge. Leider ist er überzeugt, daß die unschuldigen jüdischen Massen teuer bezahlen werden die Tatsache, daß unter den bolschewisti's>chen -Führernauch mehrere Juden sich befinden. „Zum Unglück für die Inden werden speziell die jüdischen Führer allein hervor gehoben, als ob sie ausschließlich die Träger des Bolschewismus wären. Daher ist der Antisemitismus auch in Kreise gedrungen, die früher iudeufrenndlich waren. In Wahrheit aber ist die Beschuldignna, daß das russische Judentum bolschewistisch sei, eine höswillige Verleumdung. Im Gegenteil, die aroßen jüdischen Massen sind stark antibolscheuüstisch, U'eil sie mit ihrem praktischen Verstände besser als alle anderen Volkselemeute die Unsinniakeit und die Schädlichkeit des Bolschewismu-s erkennen u-iib durchschauen. Diese Tatsache wird leider allerdings diese ^^nglncklicheu Massen in der Zukunft vor antisemitischen Erzessen nicht schützen." * Der Jüdischen Pressezentrale in Zürich wird aus London geschrieben: Die ^Vorbereitungen znm allgemeinen Tranertaa in London für die Pogromopfer in Polen mW in Galizien breiten sich stark ans. Es wurden zwei größer? Komitees eingesetzt, von denen das eine sich mit der rein jüdischen Protestaktion besaßt, während das andere, bestehend aus Lord R o th sch i l-d . 'Lord S \v a h thli n g , Sir Stuart S a ur n e l. dem Ehiesrabbi und anderen, sieb mit der Vorbereitung der Protestaktion der nicbtsüdischen politischen und intellektuellen Führer der enalneben Gesellschaft befaßt. Eine Deputation, bestehend ans dem Ehiesrabbi, Sir Stuart Säumet ltnb Lord Rothschild, sprach im Ministerium des Aenßern vor wegen einer offiziellen Protestdemonstration im Stadthause. Sie wurde von dem Vertreter des Ailßenministers, Eecil Harmswvrth. sehr freundlich empfangen, der ihnen u. a. erklärte, daß die englische Regierung wegen der endlosen Pogrome sehr empört fei und alles anfbieten werde, mit den Pogromen Einhalt zu gebieten. Wegen der offiziellen Demonstration will er mit Lord Eurzon. der jetzt Ehe? des Ministeriums des Aenßern ist, sprechen, und er hofft, daß sich dies arrangieren lassen werde. Es sind die besten Aussichten vorhanden, daß die offizielle Demonstration im Stadthause zu gleicher Zeit wie der jüdische Trauertag stattfinden wird. — Im englischen Nnterhause wurde eine Anfrage eingebracht, ob es wahr sei, daß viele Ausländer in Irland, meistens Juden, die Jiddisch sprechen, unter der Ausrede, Möbelt unb -anderes einzukaufen, die arme Bevölkerung aussuchen und dabei feindliche Propaganda treiben, .unb ob, wenn dies wahr sei, man die Ausländer ohne Unterschied, ob sie naturalisiert seien oder nicht, ans Irland ausweisen werde. Namens der Negierung wurde geantwortet: In Irland gibt es viele Inden, von denen auch einige Jiddisch reden und aus dern Lande dem Handel nachgeh.cn. Die Polizei hat jedoch keine Kenntnis davon, daß sie feindliche Propaganda treiben, und es liegt keine Ursache vor, sie einer solchen zu verdächtigen. Trotzdem werden Nachforschnngen angestellt. * Der antisemitische „Evening Standard" veröffentlicht ein Gespräch mit einem soeben aus Palästina zurückgekehrten englischen Offizier, der erklärt haben soll, daß sowohl die Christen wie die Mohammedaner dieses Landes den zionistischen Forderungen heftigen Widerstand entgegensetzen werden. Wie die Zeitung schreibt, werden sie bis zum letzten Mann gegen die jüdische Herrschaft oder eine jüdische Immigration, die sie zu Knechten machen würde, kämpfen. Namens die-ses Offiziers schreibt die Zeitung weiter: Man warte dort das Resultat der Kommission, die England und

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