Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1919)
- Date
- 1919-06-27
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 streichen, bn dieselben durch den Mißbrauch, den die Antisemiten damit getrieben haben, nicht entweiht werben könnten. Dr. A Pfel tBcrlin) erwidert den Gegnern seines Antrages mit bewerten Worten. „Die A ussproche hat bewiesen, daß die Reu trat itütsidoe im Jngendbund lebt uud auch von denen oerteidrgt wird, die sie früher als matt und unpositiv ablehnten. Es lag mir fern, irgendeine Richtung im deutschen Judentum von der Mitarbeit in unserem Verbände miszuschließen. Ich war im Kriege immer wieder angezogen von der nmndervollen Schwungkraft, mit welcher der Zionismus seine Anhänger beseelt, aber in der Stunde, in der es dem Baterlande schlecht ging, fand ich den Weg zu ihm allein zurück. Ich glaube auch nicht, daß die deutschen Zionisten aus unserem Berbande austreten werden, weil er feine vaterländische Gesinnung programmatisch bekundet." Tr. A p fe l empfahl schließlich, die bei den Logen geübte Ausdrucksweisei „Pflege reiner Grundsätze des Patriotismus" 311 wühlen, und rettete mit dem Vorschläge die Situation. Diese Fassung wird unter allgemeinem Jubel mit allen gegen 5 Stimmen angenommen. Tr. Apfel gibt auf Befragen die feierliche Erklärung ab, daß der Jugendverband nach wie vor in unbedingter Remralität die gesamte jüdische Jugend umfassen und gegen keine Partei im Judentum Stellung nehmen wird, lieber den zweiten Tag, der interessante Referate lmd lebhafte Statutendebatten beachte, werden lvir noch besonders berichten. '22 Berlin, 24. Juni. Tie zahlreichen Lcheervakanzen iu fletnen Gemeinden und die Schwierigkeiten oer Berkehrsverhaltnisse, die sich der Erteilung des Wanderunterrichtes entgegenstellen, haben es mit sich gebracht, daß die Zahl der Subventivltsgesnche, die der Gemeindeunterstützungskommission des T. I. G. P. in diesem Jahre vorliegen, merklich zurückgegangen ist. Tie genannte Kommission steht auf dem Standpunkte, daß es nicht ihre Aufgabe ist, Ersparnisse zu macken: sie hat daher beim Ausschuß beantragt, den Etatstitel „Unterstützung des Religionsamterrichles in kleinen Gemeinden", der bisher 20 000 Mart betrug, nicht herabzufetzen und sie 31t ermächtigen, über den Betrag von 2000 Mark zugunsten von Teuerungszulagen solcher Wanderlehrer, die jetzt nicht nur unter erschwerten Umständen, sondern auch mit großen Kosten ihre Reisen nach den Rachbargemeinden ausführen, und die sonst in feiner Wei.se Teuerungszulagen beziehen, 31t verfügen. Ter Ausschuß hat diesem Anliegen entsprochen, ilNd die Verteilung der Beträge hat bereits zur Freude der Bedachten stattgefunden. Das Kuratorium der Brünn-Stiftung, das gleichfalls in einer Anzahl von Gemeinden den Religionsunterricht subventioniert, hat in gleicher Weise an ihre Wanderlehrer Teuerungszulagen verteilt. 22 Berlin, 24. Juni. Gin „Vaterländischer Bund jüdischer Frontsoldaten" wurde vor kurzem gegründet. Er bezweckt den Zusammenschluß der jüdischen Frontsoldaten Teutschlands zur gemeinsamen Abtvehr aller Angriffe, die auf eine Herabsetzung ihres Verhaltens im Kriege gerichtet sind. Er will ferner die Ansiedlung jüdischer Krieger auf deutschem Boden in jeder Beziehung fördern. Er rvird die Kameradschaft pflegen und in Fragen der Kriegssürsorge beraten. Tabei tvill der Bund keine nene Scheidewand gegenüber den nichtjüdischen Bolksgenossen ausrichteu, sondern vielnidn* die bestehenden Scheidewände Umstürzen. Ter Bund fragt nicht nach politischen 'Anschauungen und religiöser Richtung seiner Mitglieder. Ztl ihm gehört jeder deutsche Jude, der fein Leben un Kampfe für das Balerland eingesetzt hat und sich das Recht auif das gemeinsame deutsche Vaterland von niemand rauben lassen tvill. Mitglied des Bundes kann jeder jüdische Kriegsteilnehmer lverden, der 3iir kämpfenden Truppe gehört hat. Ein Frontdienst von nur vorübergehender Tauer genügt nicht. . lieber die Ausnahme entjck-eidet eine Kommission, die das Aufnahmegesnch prüft. Dieses har sachliche Angaben über Art und Tauer des Frontdienstes zu enthalten, die auf Verlangen zu belegen sind. Ter Beitrag betrügt lährlich mindestens 3 Mark. — Ter Bund erfreut .sich trotz seines ttrrzen Bestehens eines großen Zitstromes. Es sollen überall in ganz Deutschland Ortsgruppen gegründet werden. Rähere Auskunft erteilt der Vorsitzende Tr. Leo Löwenstein, Berlin- ^ichterselde, Karlstraße 80. 22 Berlin, 24. Jum. Ter Jüdische Sportverein „Tie Kameraden", der auf dem Boden des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens steht und schon trotz der kurzen Zeit seines Bestehens hier in Berlin Hunderte von Mitgliedern hat, veranstaltete am 12. Juni einen Vortragsabend, der sehr rege besucht war. Prediger Tr. L e h in a n ri hielt einen Vortrag über „Na-tioitates uud universales Judentum in der Bibel". Der Redner zeigte, tvie in der Bibel das Judentum in doppelter Gestalt vertreten ist, sowohl als nationales wie als universales Judentum, und zwar beide in engster Verbindung, aber nicht so unlöslich verknüpft, daß das Schicksal des einen mit dem des anderen für immer bestimmt war. Tas Rationale war der Nährboden für das Universale, ohne daß solches unbedingt erforderlich ist. Aber es kam die Zeit, wo die Frucht die Schale sprengte und dem, universalen Jndentum in der jüdischen Gemeinde ein neuer Körper erwuchs. Und wie die Idee über die nationalen Schranken hinauswuchs, waren auch die Träger dieser Idee nicht mehr national beschränkt. Menschen fremder Raffe und srelnder Rationalität wurden durch Anschluß an die Idee zu Volljuden, wie der Abfall von der Idee, selbst bei Stammes- und Blutsgleichheit, mt§ dein Judentum ausschloß. Tie Höhepunkte des nationalen und universalen Judentums in der Bibel fallen nicht zusammen. Tas universale Judentum entfaltete sich, als das nationale schon im Abstieg war, und der Höhepunkt des universalen Judentums fällt in die Zeit, in der das nationale Judentum zusammen brach. Das nationale Dasein und die nationale Kultur hätten dein Judentum der Bibelzeit keine sonderliche Bedeutung gegeben und hätten nicht verhindert, daß das Judenmm.spurlos wie andere Rationalgebilde des Altertums verschwunden wäre. Ter Ruhm des Judentums, seine einzige originelle Schöpfung, ist das Universale. Das Bewußtsein hierfür in der Jndenheit zeigte sich in der Rettung der Bibel als des einzig wertvollen Erbes der Vergangenheit. Und die Bibel wiederum rettete die Inden über alle Katastrophen hinweg und erhielt sie frisch und fähig für die Ansgaben der Welt. — Ter Vortrag, an den sich eine kurze Diskussion auschloß, fand allgemeinen lebhaften Beifall. Berlin, 24. Juni. Ter Strom der vertriebenen Ausländsdeutschen hat sein Ende noch nicht erreicht. Täglich kehren deutsche Rückwanderer in ihre Heimat zurück. In schamloser Weife sind sie in den feindlichen Ländern behandelt worden. Kostbare Alenschenleben sind zugrunde gegangen; ihr Hab und Gut, ihre mühsamen Ersparnisse wurden zwangsweise verwaltet und verschleudert. Ter Rückwandererhilse E. B., Berlin, Schöneberger Ufer 21, ist vom Staatskommissar für die Regelung der Kriegswohl sahrtspflege in Preußen die Genehmigung zur Veranstaltung einer öffentlichen Sammlung, beginnend am 1. Juni 1019, gegeben worden. Tie Vereinigungen, die sich in den Dienst der Rückwandererhilfe gestellt haben, benötigen erheblicher Geldmittel. Es gilt. Gebrechlichen, Schwachen und Greisen, die aller Hoffnungen bar nach Deutschland zurückkehren, eine angemessene Unterstützung zu gewähren. Es gilt, treue, starke Arbeiter, die um ihr Lebenswerk gebracht worden sind, zu neuem Schaffen zu stärken. — Dieser Appell wird sicherlich in allen deutschen Herzen seinen Widerhall finden. m. Hamburg., 10. Juni. (57. Sitzung des Repräsentant e n k 0 l l e g i u m s der Deutsch-Israel i, tischen G e mein d e.) Für den in den Gemeindevorstand berufenen Herrn Joseph L i p P m a n n wurde der bisherige zweite Vorsitzende Alfred Lisser zum ersten und Herr Emil Helft zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Mit dem Amt eines zweiten Vorsitzenden wurde Herr Karlsber g betraut. Der in der Gemeinde schon feil langer Zeit gehegte Wunsch auf Errichtung, eines Israelitischen Kinderheims wird nun in allernächster Zeit erfüllt werden. Der diesbezügliche Antrag des Gemeindevorstandes fand einstimmige Annahme. Rach den Satzungen bezweckt das neue Heun die Aufnahme ganz oder teilweise unversorgter jüdischer Säuglinge und Kinder bis zu ihrer Entlassung aus der Schule unter unentgeltlicher Uebernahme der Kinderstube des Israelitisch-Humanitären Frauenvereins. Zu diesem Zwecke überantworten die Testamentsvollstrecker des Jsaac Hartwig v. Essen der Gemeinde als unantastbaren Fonds das zur Begründung und Unterhaltung, der Jsaac Hartwig v. Essenschen Warteschule angesammelte Kapital. Zur Unterhaltung des Heims dienen außer dem alljährlich von der Gemeinde zu bewilligenden Betrag und dem obigen Vermächtnis der mindestens 3000 Mark 'betragende Jahresbeitrag -des Israelitisch- Humanitäre Frauenvercins. Das in dem Kinderheim zu beschäftigende Haus- und Pflegepersonal wird von der Verwaltung, die