Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1919)
- Date
- 1919-06-20
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Vorsitzende, sind. jur. Martin Sobotker, eröffnet? die Sitzung mit einem Treugelöbnis für das deutsch? Vaterland in den Tagen des Unglücks und der Not. Tie äußerst zahlreich erschienenen Mitglieder hatten sich von ihren Plätzen erhoben und stimmten dem Bekenntnis mit lebhaftem Beifall zu. Nach dem Tütigteitsbericht zählt der Verein nach viermonatigem Bestehen bereits über 350 Mitglieder. eine Zahl, die durch die Ortsgruppen in Groß-Berlin aus 600 anwüchst. Ter große Erfolg, der dem jungen Verein beschieden ist, zeugt von der lebhaften Aufnahme in der Jugend und vondurchgreifender Arbeit. Ter Verein, der die körperliche Ertüchtigung der jüdischen Jugend, auch der jüngsten, ihre Erziehung zu selbstbewußten Juden, Stärkung ihrer L-iebe zur deutschen Heimat und ihren .geselligen Zusammenschluß bezweckt, nimmt zu den religiösen Parteirichtuugen innerhalb des Judentums keine Stellung, lehnt aberdaß Nationaljudentum entschieden ab. Aus den Heimabenden fanden Vorträge verschiedenen Charakters statt. Unter anderem: „Tie Jugend und der Antisemitismus", „Moderne Theaterregie", „Ter Bilderschmuck der Hagada", „Universales und nationales Judentum in der Bibel" und „Werden und Wesen des deutschen Volksliedes". Besonderer Wert ist auf die Ausbildung der Mitglieder zu körperlich tüchtigen Menschen gelegt lvorden. Allster den (Kruppen im Wanderlvesen, die über ganz Berlin und Vororte verteilt sind, bestehen Abteilungen für Lawn-Tennis, Turnen, Leichtathletik und Schlvilnmen. Weitere Abteilimgen sind illi Aufbau. Tlirch rege Propaganda sind im Reiche an vielen Orten 'llanleradenvereine entstanden, die die gleiche Telldenz haben. Zlirzcit lvird ander Gründullg eures Bundes über das ganze Gleich wirksam gearbeitet. Ter Verein hat sich ferner an der Grülldung der SKrbeitsgemeinschaft jüdiseher Iug,elldorganisationen Groß-Berlins beteiligt. Eine lebhafte Debatte über Wandern,, Tlnureir, Spiel und Sport beschloß die Sitzung. Anfragen sind zu richtenau Herrn stuck, jur. et rer. pol. So bot kor, Berlin NO 55, Wills st raste 31. OD Berlin, 17. Juni. Tie erste (veileralversanulltn ng nach erfolgter (vrüudliilg der Genossenschaft der jüdischen Gartenstadt in Berlin am 28. Mai ergab die völlige Uebereinstimmung aller alllvesendell Genossenschaftler, daß lUlter dell Jllden das Interesse für eun' (Gartenstadt, für alle Probleme der Selbstgelvillnung der Naturalien natnrgernäß überall gestiegell ist luld die Bedentnllg der hhgienischen. Wohnnng, der gesliudheitlichen Gartenarbeit uslv. lllehr tonn je gewürdigt lvird. Ter Zug nach der Großstadt bei den Inden wäre dllrch diese Tendenz irr angenehmere Formen gebettet. Tie erste jüdische Ge i, o stell schuft in Telitschland, welche in. den Wirren des .Krieges lind der Revolution geboren ist, hat die schwere Zeit gut überstanden und tritt nunmehr in ihr zlveites Jahr ein. An der Spitze des Anfsickstsrates und Borstandes stehen: Moritz A. Löb, Professor Tr. Heillrich Löwe, Frau Klara Boschlvitz, Lew in ftp, Wölpe, Schrageuheim, Klein, K nutzer, Leo Förder uud Tr. Felix Teilhaber. Eine ansehnliche Zahl von Interessenten trat im Lause des Grüudungsjahres ein. Einige erlisthafte Projekte, lvelche der Genossenschaft vorliegen, sind zutöftll, falls die Jdce rasch noch lveitere Kreise des jüdischen PllblitnmS zmn Anschluß bringt. Tie Negierling unterstützt gerade jetzt die gemeinnützigen Gesellschaften' in ausgiebiger Weife. Tie jüdische Gartenstadtbelvegung tritt aber auch in anderer Hinsicht hoffnungsvoll in das zlveite Jahr ihres Bestehens, als die Umstellung der Jüdischen Gemeinde, die deulnächst erfolgen dürfte, eine Unterstützung dieser großen sozialen Tat erwarten läßt. Alle näheren Mitteilungen über die jüdische Gartenstadtbelvegung erteilt der Borsitzende der Propagandakommissivn Herr Zahnarzt Siegfried Stern, Berlin-Wilmersdorf, Uhlandftraße 127, Ecke Güntzelstraße; Telephon Pfalzburg 6115. f Eni. Berlin, 17. Juni. E i n groteske s S ch l a g l i ch r auf di e Folgen a n t i s e m i t i s ch er Verhetz u n g wirft eiile Erklär ung Berliner Z i e g e n w ll r st f a b r i k a n t e n, lvelche gegen die ungeheuerliche Behauptung der Antisemiten Stellung nehmen, daß in Berlin Hunderte von Kindern von Juden beseitigt und zu Ziegenwnrst verarbeitet lvorden wären. Tie Erklärung der Fabrikanten lautet: „Tie Unterzeichneten im Lehrer-Bereinshaus versammelten Ziegenwllrstfabritällten protestieren energisch gegen die von gennsser Seite ausgestellte lind durch Flugblätter verbreitete Behauptung, es lvürde Kinder-, Hundeunb Katzeusleisch in der Ziegenlvurst verarbeitet. Das ist eine bewußte Lüge Zllr Aufhetzung des Publikums. Wir erklären hiermit, daß wir niemals anderes als reines Ziegenfleisch mit reinen Zutaten in die Ziegenwurst verarbeitet haben. Unsere Betriebe werdeil dauernd von der Ersatzmittelstelle a>ls Vorgesetzte Behörde kontrolliert." Auf den Einwurf, es gäbe nicht so viel Ziegell, wird erwidert: „Auf dem Berliner Schlachthof werden etwa 6000 bis 7000 Ziegen wöchentlich geschlachtet. Bon außerhalb kommt wöchentlich das gleiche Quantum herein. Durch den freien Handel hat sich der kleine Besitzer auf die Ziegenzucht gelegt, und es sind in Deutschland ilvch Millionen Ziegen schlachtreif vorhanden." Diese Publikation spricht Bände von der Gemütsverfassung weiter Kreise der Reichshauptstadt. Wo bleibt die sozialistische Regierung? E. M. Halbe (Mark), 13. Juni. Eine moderne j tt d i s ch e I u g ende r z i e h u n g s a n st a l t ist von einer Anzahl warmherziger Förderer der jüdischen Jugendfürsorge ins Leben ger.nfen lvorden,, die im Rahmen einer modernen jüdischen Siedlungsgenosse n s ch a f t eingerichtet wurde. Die Genossenschaft har hier einen Gutshof erworben, in dem zloei große geräumige Wohnhäuser für die Zwecke ansgebaut werden. Während in dem emen Harise eine Erziehrrngsgemeinschaft für schulpflichtige Knaben eingerichtet lvird, soll das andere der Arbeitsgellleinschaft schulentlassener Knaben dienen. Zur Aufnahme kommen Waisenkinder, außereheliche Knaben und Kinder, deren Erziehung gefährdet oder aus anderweitigen Gründen behindert ist. Zur Besetzung des Hauses gehören dreißig Morgen Ackerland, großer Gemüse- und Obstgarten, Schulgarten und Schulwert. Erschreckend sind nach den Berichten der einschlägigen Organisationen, nicht zuletzt der Fitrsorgekomulission der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, die Kriegsverwüstungen an dem Seelenleben unserer Jugend; unsagbar traurig ist das Los vieler Frauen, Mädchen ilnd Kriegsverletzten. In engem Rahmen, aber vorbildlich und daher bahnbrechend eiuzugreifen, ist die vornehme Aufgabe, der sich die Jüdische Siedlungsgenossenschaft ui Halbe widmet. Anfragen sind zu richten an die Jüdische Siedlungsgenossenschast, Halbe i. d. Mark (Kreis Teltow), oder an die Geschästsleitnng: Kirschstein, Berlin C, Rosen st raste 17, die bereitwilligst jebe Alis tun st über diese nachahmensiverte Neugründnng erteilen. J. G. Köln, 13. Juni. Ter Tod des Herrn Louis Eliel bedeutet für unsere Vaterstadt einen schmerzlichen Verlust. Wellige Männer gibt es, die in solchem Blaste lvie er ihre reichen Kräfte in den Tienst des Gemeinwohls gestellt hatten. Besondere Trauer empfindet um den Heiuigallg dieses vortrefflichen Atannes aber unsere Gemeinde, der er so vieles gab, und die ihm so vieles dankt. 27 Jahre lang gehörte er der Verwaltung an, davon 15 Jahre lang als Vorsitzender des Vorstandes. Bei ihm verband sich in schönster Weife die BcstillUlltheit des Wesens mit liebenswürdigen Formen. Sein reiches Wissen unb die Lauterkeit seines Charakters befähigten ihn, wie selten jeumndell, für die zahlreichen Ehrenämter, für deren Ausfülluilg er, tretzdeln er ein großes Geschäft zu leiten hatte, doch ilnlner noch Zeit fand. Er verstand es, seinen Parteistandpuntt zurücktreten zu lassen gegen die großen Allfgaben, die er zil erfüllen hatte, und in einer Zeit, da die Wogen des Gemeindelebens hoch gingen und die Gegensätze hart gegeneinanderprallten, lvar es za einem nicht geringen Teil seiner maßvollen Tätigkeit zu danken, daß der Friede keine Störungerfuhr. Tafür schuldet die Gemeinde ihlir Tank über das Grab hinaus, und fein Nailie lvird mit Stolz genannt bleiben als der eines der besten Männer unserer Gemeinde. er. München, 13. Juni-. D i e B e i s e tz u n g d e s e r s ch o s s e - n e ll M ü n ch e n e r K o m m ll n i st e ll s ü h r e r s L e v i n e erfolgte am Freitag, den 6. Juni, auf dem neuen jüdischen Friedhose in Schwabing nachmittags itnt 2 Uhr. Der Verteidiger Levines, Rechtsanwalt Gras Pestalozza, hatte sich bemüht, die Mitteilulig von Ort und Stunde der Beisetzung rechtzeitig zu erhalten. Aber erst ganz kurz vorher lvurden ihm die entsprechendell Mitteilmlgen ilnter der Bedingung gemacht, nur die allernächsten Familiennlitglieder und wenige Freunde zu benachrichtigen. Nur wenige Personen wohnten deshalb der Beisetzung bei, bei der U n t e r l e i t n e r , der frühere Minister für soziale Angelegenheiten, eine kurze, die Persönlichkeit Levines lvurdigende Ansprache hielt. ev. Nürnberg, 13. Juni. In der letzten Magistratssitznng gelangte ein Gesuch des hiesigen Rabbinats zur Beratung-, das beantragt, für die rituell lebenden Inden als Ersatz für das amerikailifche