Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-06-20 · Heft 25 (20.6.1919) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 25 (20.6.1919)
Date
1919-06-20
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3224737-3229392-3229415--74966-3287446
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

83. Jsbrgrmg. Nr. 25 Berlin, 20. Juni 1910 Der Gemeindeüote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung drK Judentums". korrrsponvrn?rn und pachrichtrn. SrutschlsnÄ. # # Berlin, 17. Juni. Die Amtseinführung des von der Berliner Gemeinde zum Leiter des gesamten Wohlfahrtswesens gewählten Rechtsanwalts Dr. Georg Baum fand in einer gemeinsamen Sitzung oller Wohlsahrtskommissionen -der Jüdischen Gemeinde statt. In dieser Sitzung entwickelte Dr. Baum sein Arbeitsprogramm, das in großzügiger Weise den sozialen Aufgaben der Jüdischen Gemeinde gerecht zu werden versucht. Von der Tatsache ausgehend, daß schon seit Jahrzehnten große Gebiete der Privativohltätigleit allmählich zu Staatsaufgaben sich entwickeln, wies der Redner auf die bedeutenden Ausgaben hin, die der privaten Fürsorge neben der Arbeit des Staates erwachsen werden. Die Vermeidung jeder unnützen Doppel-, Nebeneinander- und Gegeneinanderarbeit ist das oberste Gesetz aller sozialen Fürsorge. Deshalb ist eine genaue Kenntnis aller gesetzlichen Bestimmungen und der zuständigen öffentlichen Einrichtungen -erforderlich, damit ein planmäßiges Zusammenarbeiten mit den allgemeinen Institutionen erzielt wird. Wir müssen die unberechtigte Scheu unserer Glaubensgenossen vorder Inanspruchnahme der allgemeinen Institutionen bekämpfen. Wo Juden angeblich ihres Glaubens wegen benachteiligt werden, müssen wir prüfen, ob dies wirtlich der Fall ist, und gegebeneusalls energisch aus Abhilfe dringen. Wir müssen, je mehr der Aufgabenkreis anwächst, neue Kräfte heranziehen, insbesondere auch aus den Bezirken, in denen die Zahl der Bittsteller mit der der Pfleger nicht in rechtenr Verhältnis steht. Wichtig ist auch die Heranziehung jüngerer Kräfte, um so einen tüchtigen Nachwuchs für unsere Arbeit zu schaffen. Ernstester Erwägung bedarf es auch, ob wir nach den jetzt populär werdenden Gesichtspunkten des M i t b e st i m m u n g s - r e ch t s auch, die Kreise der passiv Beteiligten mehr zur Mitwirkung ui der Wohlfahrtspflege heranziehen sollen. Auch in diesen Kreisen werden sich viele zur Mitarbeit geeignete Personen finden, die uns wertvolle Ausschlüsse geben können. Die bevorstehende Abtretung großer Gebietsteile des Deutschen Reiches läßt das Zusammenströmen einer großen Anzahl von Glaubensgenossen aus diesen Gebieten in Berlin erwarten. Hier gilt es, rasch zu handeln, großzügig und entschlossen einzugreisen. Eine wichtige Ausgabe der jüdischen Fürsorge gilt dem Mittelstand. Jede Sozialisierung eines Geschäftszweiges bedeutet die Beseitigung selbständiger Kaufleute und Gewerbetreibender. Auch für Kaufleute als Angestellte wird in den sozialisierten Betrieben nicht allzuviel Raum sein. Für die Juden, oie als kaufmännische Angestellte in die Großbetriebe übergehen wollen, droht eine neue Gefahr. Wenn in den Betrieben das RÜteshstem uno oas Miwesrimmungsrecht der Angestellten ourchgeführt werden, tonnten sich auch in solchen Betrieben, die unter indischer ^eirang stehen, cuui|enutt|a)c Strömungen geltend machen, die zum Aus,chtUsj unu zur Zurucksetzung unserer Glanvensgenossen führen. tu» oisyet loii'u daher unsere Wohlfahrtspflege Mrttelsranossursvrge' sein muffen, ES wiro nötig fern, nach festen großen ^rmzipieu zu aroeuen. Hanowerreen uno Geschäftsleuten wird uci oer Regulierung ihrer nn errege ausgelaufenen Schuldenlast geholfen weroen, es iverven Kapitalien zmn AUfvan neuer Geschäfte, irret zur Anoahnung neuer Geschastsoeziehnngen zur Verfügung gejleut meroen müssen. ^ie zweite große Aufgaoe ist oie Jugend- I u r f o r g e. Angesichts oer Trennung von Kirche uiw Staat und uer Erleichterung oes Austritts aus oer Gemeinde müssen wir das Bano oes Gemeuivelebens wreoer fester schlingen. Das Endziel muß hier eine Zusa m m eufass u n g o e r gesa m t e n l it u 11 ch e n o a g c u u | u i | o i g e aauj euihettr lche»n uuu grohen Ge>iu>syuuueu sein, ttnsete Aroen baut juxj au, uem Veruntworruchlensüicfuiji u-tö -euitfcmeu gt gut über o.< r j[uoticiyert GrüneMs-chafr auf. ^iefeS Gefühl' muß alle Mitarbeiter beseelen. Das weite Gebiet bedarf e.u»gehender praotlscher und wlsstufehasrlicher Arbeit, um es zu durchdringen. Die Gebiete und das Menschenmaterial, mit dem lvir uns zu beschäftigen haben, geben in wirtschaftlicher, in sozialpolitischer und sozialhygienischer Beziehung Anlaß zu Studien aller Art. Hier gilt es, junge Gelehrte zu wissenschaftlicher Arbeit heranzuziehen und hochherzige Glaubensgenossen zu finden, die unsere wissenschaftliche Arbeit in geeigneter Weise unterstützen. Aus dem gemeinsamen Streben aller Mitarbeiter wird das Segenswerk zum Wöhle unserer Bedürftigen und zu Ehren der Gemeinde bestehen. — Mit dem Gelöbnis treuer Amtsführung zum Besten unserer Hilfsbedürftigen und zum Wöhle der Gemeinde schloß Dr. Baum seine interessanten, mit warmer Zustimmung aufgenommenen Ausführungen. 22 Berlin, 17. Juni. Tie sich häufenden Falle von 'Anfragen wo jüdische Nervon- und Geisteskranke untergebracht werden können, hat die Zentralivohlsahrtsstelle veranlaßt, sich mit diesem bisher stark vernachlässigten Gebiet jüdischer Wohl sahrtspsl ege eingehend zu beschäftigen. Als praktisches Ergebnis schwebt ein Vorschlag der Zentralwohlfahrtsstellen an den Deutsch-Jftaelitischell Gemeindebund, die Israelitische Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder in Beelitz so auszugestalten, daß Jugendliche bis zur Grenze der Nt in verjähr igkei-t ausgenommen, und für der» Berus eines Handwerkers ausgebildet werden können. Die Zentralwohlsahrtsstelle hat ihre Unterstützung bei der Ausführung dieses Vorschlages zugesagt. Tie Schaffung, einer Anstalt für erwachsene Nerven- und Gemütskranke ist zwar geplant, zurzeit aber mit zu großen Schwierigkeiten verknüpft. Immerhin sind nach diese-r Richtung hin Bestrebungen im Gange. Es besteht ein Ausschuß des Hilfsverein für unbemittelte jüdische Nerven- und Geisteskranke E. V. in Ems, der einen Ausruf zur Versendung geb'.ngen läßt. Die Zemralwohlsahrtsstelle ist in dem Ausschuß durch eine sachverständige Persönlichkeit vertreten. — Auch ihre satzungsgemäße 'Aufgabe, der Zersplitternug auf dem Gebiete der jüdischen Wohisahrlspislege entgegenzuai betten und die Tätigtoi.tsgebiete der einzelnen Organisa.rionen abzuigrenzen, hat die Zentralivohlsahrtsstelle wiederholt Praktisch betätigt. So hat sie erreicht, daß die von mehreren Seiten gesammelten Gelder für die Opfer der Pogrome ui Galizien einer Stelle zur einheitlichen und planmäßigen Verteilung überwiesen iverden, und hat so verhindert, daß sich die Mißstand-e eines zersplitterten Hilsswe-rLes bemerkbar machen. Ebenso hat die Zenrral-wohlsahrtsstelle die Arbeitsgebiete der Vereine für Arbeitsnachweis und des Indischen Arbeitsamtes abzngrenzen versucht. Die A u s k u n f r s - u n d B e r a t u n g s - stelle wurde in der kurzen Zeit ihres Bestehens m l:M> Fallen ui Anspruch genommen, die fast alle Gebiete der Wohlfahrtspflege l!m faßten. 'Auch die Zentralisier u n gsbestreb n u g e u haben tu der Zwischenzeit weitere Resultate gezeitigt. So wurde in Württemberg eine Lanoeszenirale gegründet, und es ist zu hoffen, daß die Zentralisierung oald auey in den uorigen ^andesietten ourchgeführt werden wird. Der Zentralivohlsahrtsstelle gehöreil letzt 05 Ge me i n de n an, dar unter f a |t alle G e m e i n d e n von 10 00 und mehr Seelen. Die Werbearbeit wird dauernd fortgesetzt, begegnet aber infolge der politischen Verhältnisse vielen Schwierigkeiten. — Dieser Bericht darf mit der Feststellung geschlossen werden, oaß die Zentralwohlfahrlsftelle schon letzt die ^cotwenbigleir ihrer Existenz erwiesen hat, und daß dasvon ihr zu erfüllende Vi llsgavengeviet dauernd ivächfr. M. Berlin, 17. Juni. Eine Maximili a n -Horwitz- Stlftung zur Erinnerung an den verstorbenen verdienstvollen Vorsitzenden des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat der Vorstand des Zentralvereins begründet. Der NtaxiiMli'a-n-HoVw'itz-gonds wurde mit einem Kapital von 50 000 Mart ausgesrattet; ferner fließen der neuen Stiftung die Eriragmsfe ans der unter dem Titel „Für Judentum und Deutschrum" erschienenen Sammlung der Reden und Aufsätze von Juftlzrar Eugen F li ch s zu, die vor lurzem int Verlage von I. Kauffmann m Frantfurt a. Nc. erschienen und vom Verfasser dem Andenken Maximilian Horwitz' gewidmet sind. Der Fonds wurde für die Förderung oer literarichen Zwecke des Zentralvereins bestimmt. 22 Berlin, 17. Juni. Ain 5. d. -J)l. fand im Hotel „Atlas", Friedrichstraße, eine außerordentliche Mitgliederversairlmlung des Jüdischen Sportvereins „Die Kameraden" (Berlin) statt. Der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.