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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-06-20 · Heft 25 (20.6.1919) · p. Seite 271

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 25 (20.6.1919)
Date
1919-06-20
Page
Seite 271 (sequence 7)
Language
German
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271 und nach Anhörung eines Referates von Prof. Colombo über die Pariser Konferenzen und über die Verhandlungen -mit dem Joint Distribution Committee und der Alliance Israelite Universelle, wonach dieftlben das Balsoursche Programm akzeptierten und Sokolvw und Weizmann die gelneinfamen Vorschläge der Friedenskonferenz überreichen werden, beschäftigten sich die drei italienischen Organisationen mit den Forderungen der Juden von Saloniki wie auch der Juden der Mittelmeerländer und beschlossen, der Friedenskonferenz ebenfalls ein Memorandum über ihre Forderungen vorzulegen. Zu>m Schill sie wurde noch die Besetzung der vakanten Lehrstühle in den rabbinischen Seminarien und die Gründung von Seminarien in Tripolis und Triest besprochen. * Das Hilfswerk der amerikanischen Juden. Wiederaufbau der zerstörten jüdischen Gemeinden. Das -amerikanische Joint Distribution Committee unterhält seit Ende Mürz ein besonderes Bureall in Paris, in dem provisorisch alle Fäden seiner Hilfstätigkeit zufammenlaufen. Das Bureau entfaltet eine sehr energische Hilfstätigkeit zugunsten der jüdischen Kriegsopfer. Außer mehreren Mitgliedern des Joint Distribution Committee befinden sich zurzeit in Paris allch fast alle Persönlichkeiten, die voln Joint Distribution Committee in die kriegführenden und neutralen Länder entsandt worden waren. Das Joint Distribution Committee hält hällfig Sißungen ab. an denen je nach dem Gegenstand der Beratung alich die im „Komitee der indischen Delegationen" vereinigten Abordnungen der jüdischen Nationalräte der verschiedenen Länder teilnehmen. In diesen Sitzungen werden die Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung der einzelnen Länder beraten. Man beschäftigt sich in Paris des ferneren bereits mit dem vorbereitenden Programm für die zukünftige große Hilfsaktion in Amerika, die den Wiederaufbau der zerstörten jüdischen Genieinden bezweckt, und versucht die Richtlinien zil ziehen, nach denen die Kampagne für die Aufbringung der gewaltigen Geldmittel, die hierfür nötig sind, geführt werden soll, und das System ihrer Verwendung in den in Betracht kommenden Ländern auszuarbeiten. Das Joint Distribution Committee beschloß, allch weiterhin in alle erreichbaren Länder Delegierte zu entsenden, die für die Durchführung der beschlossenen Maßnahmen Sorge tragen und den Kriegsopfern allch moralische Unterstützung bringen sollen. Zn diesem Zweck werden in diesen Tagen Delegierte nach Rumänien und den benachbarten Gebieten sowie nach Galizien und der Ukraine entsandt werden. Das ganze Problem des Wiederaufbaues wird« auch vom „Komitee der jüdischen Delegationen" in seinen nächsten Sitzllngen behandelt werden. haämsllgth lkallah. Von Bureauvorsteher Nathan Cohn (Charlottenburg) ie beiden Worte, welche die Ueberschrist zu den nachfolgenden Allsführungen bilden, waren für unsere Altvordern eine Mahnung zur Erfüllung einer ethischen, einer jüdisch-sozialen Pflicht. Es war ihnen aber auch Herzenssache, bei der Ausstattung bedürftiger Bräute nicht zuzusehen, sondern mit vollen Händen — ein jeder nach seinem Können — zu geben. Jungen Mädchen be.i 'der Gründung eines eigenen Heims hilfreich zur Seite zu stehen, war^ echte und rechte Betätigung der jüdischen werktätigen Nächstenliebe. Kaum gab es ein jüdisches Gemeinwesen, in dem nicht ein Verein vorhanden gewesen wäre, de.r diesem Zwecke diente. In der Großgemeinde Berlin 'besteht seit dem Jahre 1720 unter Aufsicht der Gemeinde die Gesellschaft „Hachnassath Kallah", welche sich jetzt rüstet, ihre zweite Säkularfeier vorzubereiten. Vielen Segen hat di,sie alte ehrwürdige Institution schon gestiftet. Und dennoch könnte noch wesentlich mehr geschehen, wenn sich nicht in den letzten Jahrzehnten eine Art Gegenströmung geltend gemacht hätte, die gerade von den wohlhabend'm Kreisen allsging. Es wurde leider vielfach behauptet, daß eine Begünstigung der Ehen in den ärmeren Klassen eine Förderung des Proletariats bedeutet, was aber in Wirklichkeit nicht zutrifft. Eine Förderung der Ehen im kleinerem und im Mittelstände ist schon wegen des allgemeinen und besonders unter unseren Gaubensgenosien eingetretenen Geburtenrückganges dringend geboten. Durch Förderung der Ehen wird aber auch die Sittlichkeit zweifellos gehoben, während umgekehrt der unehelichen Kinderzeugung Vorschub geleistet wird. Das moderne soziale Bestreben ist darauf gerichtet, junge Mädchen aus kleinen Lebensverhältnissen zürn dienenden Stande zu erziehen. Man will ihnen die Möglichkeit geben, sich zu kleinbürgerlichen Hausfrauen auszubilden. Diese Bestrebung wäre aber wenig sinnvoll, wenn man diese Mädchen nicht durch ausgiebige Unterstützung später in die Lage brächte, Hausfrau e n >,u werden. Für den kleineren Kaufmann, für den Handwerker ist es von besonderer Wichtigkeit, eine tüchtige Hausfrau heimzuführen, die die wirtschaftliche Fürsorge für ihn übernimmt und ih!n> damit zu einem schassensfrohen, wie auch nützlichen Mitgliede der Gesellschaft macht. In Nr. 1 des „Gemeindeblattes" von 1919 behandelt Herr Rechtsanwalt Dr. Georg Baum in seinem Artikel: „Neue Wirtschaft und jüdische Wohlfahrtspflege" auch diesen Gegenstand. Er sagt dort: „Das wichtigste aber ist für uns Großstadtjuden eine geeignete zielbewußte Bevölkerungspolitik. Der zunehmenden Ehelosigkeit muß durch zweckmüßige Vorbereitung und Erziehung der jungen Mädchen für den Hausstand, gleichzeitig "aber auch durchs Erleichterung der Familiengründung durch Unterstützung bei Beschaffung der Wohnung und des Harisräks'entgegengewirkt werden. Alles, was hier geschieht, nützt unmittelbar der Erhaltung der Gemeinden und des Judentums," Emil Pincus geb. 20. April 1855

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