Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-06-20 · Heft 25 (20.6.1919) · p. Seite 270

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 25 (20.6.1919)
Date
1919-06-20
Page
Seite 270 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3224737-3229392-3229415--74959-3287439
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

270 auf gilben itni> Plünderungen j,Wischer Geschäfte statt. Alleinder jüdische Juwelier Zipper erlitt einen Schaden von mehr als! einer halben Million Kronen. Es ereignen sich auch öfters Fälle von gewaltsamem Bartabschn-eiden durch polnische Soldaten. Letztens wurden sogar jüdische Loichenzüge überfallen. Einem Bericht der „Chwil-a" zufolge fanden auch anr 1. d. M. nachmittags juden feindliche Ausschreitungen statt, beidenen viele Juden geprügelt und verwundet wu-rdeu. Es sind auch Fälle von Raub zu verzeichnen. Im Namen des Jüdischen Rettungskomitees intervenierten die Herren Dr. Josef Pnrnest und Dr. Heinrich Rosmarien bei den zuständigen Behörden. Die herbeigeeilte Nc-ili-tärpatroiu!ille stellte die Ordnung wieder her. Lemberg, im Juni. Der Ukrainische Pressedienst meldet: Sechs Stunden nach der Ueberreichung der Note andie ukrainische Regierung — ohne eine Antwort abzuwarten — -überfielen' die Rumänen in der Nacht vom 23. auf den 24. Ntai das ukrainische Territorium. Als Vorhut ließen die Rumänen polnische Abteilungen, die seinerzeit bei> Odessa im Kampfe gegen - die Bolschewisten versagten und ans das rumänische Territorfum übergegangen waren, einmarschieren, die ein Blutbad unter > der ukrainischen und jüdischen Bevölkerung der nichtsahnenden Äadt Kolomea veranstalteten. •> JndennnMandlnng — eilte militärische Angelegenheit. W a r s ch a u , im Juni. Auf der Rückreise , von stziner Lubliilrer Audienz beim General Haller bemerkte der Abgeordnete Rabbiner Halpern, wie -am. Bahnhof in Pulawa und Otwozk Juden durch polnische Soldaten mißhandelt wurden. In Olwozk stieg er aus dem Eisenbahnzug und intervenierte zugunsten' der mißhandelten Juden, worauf ihm von einem Chargierten erwDert wurde, er solle sich -in „militärische Angelegenheiten" nicht mengen. Erst der daraufhin erschierwne Bahnhöfskomm-andant bereitete bem a nt ifein.i tischen Treiben der Soldaten ein Ende. Die Jüdische Preßzentrale in Zürich bevichtet: Krakau. Infolge der Ausschreitungen gegen die Juden würde in ganz Galizien das Standrecht verhängt.; 2 e m b e r g. Die hiesige Postdirektwn hat allen. Postbeamtem die sich zur jüdischen Nationalität bekannt haben, gekündigt. Eine Delegation der Lemberger Zionisten intervenierte diesbezüglich -hei?, der polnischen Regierung in Warschau, und es wurde ihr versprochen, daß dieser Mas der Lentberger Postdirektion rückgängig gemacht werde. Der Postdirektor, fügte sich jedoch vorderhand nicht der Entscheidung der Warschauer Regierung itifb die jüdischen Postbeamten bleiben brotlos. Der sozialistische, nichtjüdische „Nobotnik" schreibt: „Die^ in Slupi-ec stationierende Gendarnrerieabteilung terrorisiert in^ unerhörter Weise die jüdische Ortsbevölkerung. Die Gendarmen ^verhaften harmlose Leute, schlagen und peinigen sie und kühlen an ihnen ihr Mütchen auf raffinierteste Weise. Bei der Befreiung der Verhafteten nehmen sie denselben ihre Barschaft ab. Das rechtswidrige Vorgehelt der Gendarmerie geht so weit, daß sogar die Ortspolizei bereits mehrmals intervenieren mußte und Protokolle über das Vorgehen der Gendarmen ausgenommen hat. Die Gendarmen setzen trotzdem ihre Schandtaten fort und -drohen, daß sie sich noch im jüdischen Blute baden werden. * Gegen die Pogrome in Polen. Amsterdam, im Juni. Da hier Nachrichten über furchtbare Pogrome in Polen und Galizien eingetroffen sind, hat der Oberräbbiner von Amsterdam sich gestern telegraphisch -an Clemenceau, Lloyd- George, London, Orlando und Wilson mit der Bitte -um so-for-tige Schutzmaßregeln gewandt. Außerdem wurdendie beiden- Rothschilds in- Loudon und Paris, Jakob Schiff in New Uork und Lord Strathelyde in London telegraphisch um Unterstützung dieser Bitte ersucht. Das niederländische Antipogrom kom-itee bereitet energische Abwehr maßregeln vor. # Die Jndenfrage in Rnmänien. Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet: Vor uns liegt eine Reihe von Dvkulnenten, Briefen und Zeitungsausschnitten ans Rumänien, die sich mit den fortgesetzten Drangsalierungen der rumänischen Juden beschäftigen und deren Lektüre zur Genüge beweist, daß trotz aller Dekrete und Gesetzentwürfe den Juden gegenüber in Rumänien der alte Kurs herrscht. Wir haben da ein Mauifest des Befehlshabers einer rumänischen Truppensektion Securiano-Barnova in Beßarabien: „An die Priester, Bürgermeister, Lehrer und Lesekuudigen des Bezirkes Moldova- Naslavllä", das ganz unverhohlen gegen die Juden hetzt und mit den Worten endet: „Schließt kr ine Brüderschaft mit Juden und reiniget das heilige Kreuz!" Die Zeitung „Mantuirea" in Bukarest vom 28. März, die dieses Manifest' veröffentlicht, berichtet über die Tätigkeit dieses Armeekommandanten, des Haupimauns C h i tz u lesen, unter anderem: „Schon seit Dezember organisiert der Hauptmann Chitzulescu Patrouillen, die sich in den Bahnhöfen auf die ankonmienden Juden stürzen und. vermutlich mit die Reisenden -mit etwas Befeuchtung zu erfreuen, die Bärte der Juden mittels brennender Fackeln anzünden!" — Das Rekru tierungsburcan in T.-Severin hat ein Formular herausgegebeu, in lvelchem verschiedene Fragen an die -heüngekehrteu rumänischen Kr iegsgefan gelten gestellt werden. Die letzte Frage in diesem Formular lautet: „Was für Unatmehmlichkeiten haben Sie von den mit Ihnen internierten jüdischen Kriegsgefangenen erlitten? Kennen Sie solche Juden, und können Sie angeben, lvelchem Regimen te dieselben angehör ten?" — In einer großen Anizahl von Privatbriefen kehren immer Uneber die Klagen darüber wieder, daß die jüdischen Soldaten, die aus der Gefangenschaft koumren. anstatt die Erlaubnis zu erhallten, wie die -übrigen' zu ihren Familien zurückzukehren, verhaftet, nrißhaudelt und unter der Beschltl'di gütig, im Gefangenenlager mit irgendeinem rumänischen Mitgefangenen Händel gehabt zu haben, vor Gericht gestellt werden. — Unaufhörlich werden Inden unter Beschuldigungen, deren Richtigkeit nur sehr oberflächlich ‘ geprüft wird, und auf jede anonyme Denunziation hin wegen Desertion, Verrats oder irgendwelcher Vergehen gegen das Kriegsgesetz zu 15- bis 20jährigen Gefäuguisstrafen, aber auch zu lebenslänglicher Zwangsarbeit und zum Tode verurteilt. Ein- Beispiel für viele: Die rumänische Zeitschrift „Jzbauda" vom 20. April' veröffentlicht unter der Neberschrist „Ein Todesurteil" folgende Nachricht: „Jassy. Das Kriegsgericht des 4. Armeekorps verurteilte den Soldaten Jtic Cinbola.riu wegen Desertion zum Tode. Dieser Soldat war' sckon während des Krieges auf Grund einer fa lschen Zeugenaussage in contumaciam zu in Tode verurteilt worden. Obwohl bei der Revision des Prozesses die Falschheit jener Zeugenallssage erwiesen und der betreffende Zeuge -wegen Meineids verha-ftet wurde, bestätigte der Kassationshof das Urteil." — Die Gerichtshöfe fahren, vollständig unbekümmert um das Gesetz, mitihrer Praris fort, Einbürgerungsgesucke von Juden zurückzuweisen, im allgemeinen mit der Begründung, daß das betreffende Dekret der Regierung ungesetzlich sei, da es die Bestätigung des Parlaments nicht gefunden habe. Diese Beispiele mögen genügen. Auch der Vertrauensseligste wird allmählich einsehen müssen, daß die rumänische Regierung mit ihrem Dekret zur Lösung der Judensrage nichts anderes bezweckt h-at, -als der Oesfentlichkeit Sand in die Augen zu streuen, um mit allen Mitteln die Erörterung der jüdischen Frage vor dem Forum der Mächte aitf der Friedenskonserenz in Versailles zu verhindern. * Die einheitliche @tont der Inden Italiens. In Rom fand am 28. und 29. April eine Zusammenkunft der Israelitischen Kultusgemeinde, der Zionistischen Föderation und der Rabbinischen Föderation statt zwecks Aufstellung -eines gemeinsamen Arbeits'progranlms. Die Präsidenten genannter Organisationen erklärten, daß sie mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der gegenwärtigen jüdischen Weltprobleme im allgemeinen und die der Juden Italiens im besonderen die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit anerkennen. Nachdem der Oberrabbi n-er von Rom, Prof. Sace-rdoti, über die Beschlüsse der orthodoxen Weltkonferenz in Zürich referiert hatte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.