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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-06-13 · Heft 24 (13.6.1919) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 24 (13.6.1919)
Date
1919-06-13
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 li-che Teil dex Feier stand unter der bewährten Leitung des Oberkantors N. Nathansohn. Dem Jubilar wurden noch viele Ehrungen zuteil, von nah und fern liefen Ehrengeschenke und Glückwunschtelegramme ein. Eine Anzahl von Freunden -und Gemeittdemitgliedern überreichte als Ehrengabe einen größeren Geldbetrag für eine Oberrabbiner-Dr.-Lerner-Stiftung. Der Zweck der Stiftung soll den Bestimmungen des- Jubilars überlassen bleiben. — Leipzig, 6. Juni. Die Eröffnung eines Jüdischen Kran ken h e i m s, über dessen Begründung wir bereits berichtet haben, fand am Sonntag in der Au ln der Israelitischen Höheren Schule statt. Im -Aufträge des Notes der Stadt wohnte Stadtrat Kommerzienrat Seifert der Feier bei. Noch einem einleitenden Gesang des Kontors Schneider erläuterte Gehe im ra t Dr. Adler in einer Anspra-cke Entstehung und Zweck des Krankenbeims. Hierauf folgten die Anip racken der Robbin er Dr. Goldm a n n und Carlebach sowie des Magistratsvertreters Stadtrots Seifert. Ein Gesang des Houptkantors Frank beschloß die Feier, an die sich eine Besichtigung des Krankenheims in der König-Jobann-Straße anschloß. Bei der Besichtigung wurden für die -neue Anstalt, die einem in unserer Gemeinde oft empfundenen Bedürfnis entspricht, namhafte Beträge gespendet. — Nürnberg, 6. Juni. In den beiden Klubsälen des Lebrerheims wurde am 20. vorigen Monats die Konstituierung eines Bundes jüdischer Frontsoldaten vollzogen. Die Teilnehmer-?ahl war so stark, daß sich die Räume als zu klein erwiesen. ftoxx Dr. Rauh legte dar, daß der Zusammenschluß im Bewußtsein des gemeinsamen Erlebens an der Front erfolgen solle. Neben dein Undank des Vaterlandes, den alle Kriegsteilnehmer erfahren hätten, wären die jüdischen -ehemaligen- Soldaten noch besonderen Angriffen ausgdetzt, die nicht nur in der Stadt, sondernauch auf dem Lande Formen annehmen, die das Schlimmste befürchten lassen. Mag der Friede geschlossen werden oder nicht, so wird doch die Hetze immer ärger werden. Deshalb sei die zu gründende Organisation nötig, die sich dagegen auflehne. Mitglieder könnten nur Leute werden, die nicht kompromittiert sind, lue der als Kriegsgewinnler noch -als Drückeberger, und als Frontsoldaten i-m Felde standen. In politischer Hinsicht wie in religiöser, ob liberal oder orthodox, werde der Bund volle Neutralität wahren. Neben der Aufgabe der Abwehr werde der Bund die Interessen der jüdischen Kriegsteilnehmer vertreten und sich insbesondere auch der Kriegsgefangenen annehmen. — In der Aussprache wurde beantragt, die Mitgliedschaft von der Zugehörigkeit zu einer Kampfdivision mit mindestens einjährigem Frontdienst labhängig zu machen. Doch konnte über den Begriff „Frontsoldat" keine Einigung erzielt werden. Schließlich wurde die Bestimmung gutgeheißen, daß Aufnahme in den Bund finden kann, wer vorwärts eines Regimentsstabes Kriegsteilnehmer -gewesen ist. In besonders gelagerten Fällen liegt die Entscheidung bei einer neungliedrigen Kommission, die gewählt wurde. Die engere Borstandsschaft besteht aus den Herren Dr. R-a uh als- 1. Vorsitzenden, Friedman nals 2. Vorsitzenden, Dr. L a n d e n b e r g e r -als 1. Schriftführer, Dr. 'G r ü n b a nm als 2. Schriftführer, M-eth als -Kassierer. Barmen, 6i. Juni. A u s A n la ß de s 2 5 j ä h r i ge n Best e h e n s d-e r S y n a go g-e n>-g--e me i n. de Barmen fand am Sonntag, den 1. d. M., vormittags ein Festgottesdienst statt, an welchem als Vertreter der Stadt Herr Beigeordneter z u r N i e d e n teilnahm. Nach dem Largo von. Händel und einem von Herrn Sanitätsrat Dr. Ollendorss verfaßten und durch Herrn Kantor Rosenbaum eindrucksvoll vorgetragenen Vorspruch fand die Enthüllung der Gedenktafel für die im Kriege gefallenen Söhne der Synagogengemeind-e statt. Nach Vortrag des „Wal j’de awodecho" von Lewandowski dur-ch Herrn Kantor Rosenbaum. gedachte Herr Rabbiner Dr. Grabow skr in der Festpredigt der Entwickelung der Gemeinde in den verflossenen 25 Jahren, insbesondere der verdienstvolleni Männer um diese. Alsdann hielt Herr Rabbiner Dr. Auerbach (Elberfeld), der vor Gründung der Gemeinde 28 Jahre Seelsorger in der Gemeinde Elberfeld-Barmen war, eine Ansprache, in welcher er der Gemeinde die Glück- und Segenswünsche überbrachte. Wechselseitige Gesänge der Synagogenchpre Elberfeld- Barmen unter Leitung des Herrn Oberkantors Zivi (Elberfeld) verschönten die eindrucksvolle Feier. Am Nachmittage versammelten sich die Gemeindelnitglieder im Saale des Vereins für Kunst und Gewerbe, wo der Borsitzende der Geureinde, Herr Sanitätsrat Dr. Ollendorss, die Festrede hielt, die ein Bild der überaus segensreichen Tätigkeit der Gemeinde veranschaulichte. Namens der Elberfelder Synagogengemeinde überbrachte Herr Wehl deren Glückwünsche, Herr Rabbiner Dr. Norden (Elberfeld), die der Loge ltnb anderer Wohltätigkeitsvereine, Herr I. Siegel die der Chewra Kabischa und Frau B. Mosheim die des Israelitischen Frauen- Veveins. Es waren verschiedene Glückwünsche eingelausen, u. a. von der evangelischen Gemeinde. Als Vertreter der katholischen Kirchengemeinde überbrachte Herr Dechant T a e P P e r die herzlichen Glückwünsche. Er betonte die guten Beziel-ungen, die zwischen den beiden Konfessionen herrschen und die ihre Aufgabe fänden in dem Kampf gegen den Unglauben; "Getrennt marschieren und vereint schlagen" müsse auch weiter der Wahrspruch bleiben. Zur Verschönerung der Feier trugen die Herren: Konzertmeister Conrad, Violine; A'r thur Glaser, Cello; Victor K a h l, Klavier; Opernsänger A r n o l d Altwell, Gesang, und Kantor Rosenbaum, Rezitationen, bei, aus denen „Aus Sturmes Not" von Julius Wolfs und „Gute Nacht" von Löwenberg einen nachhaltigen Eindruck aus die Zuhörer ausübten. Dem Vorstand und der Revräsenitanz sprach Herr Stadtverordneter Bendix Meyer den Dank für ihre Tätigkeit aus und ließ feinen Wunsch auf weiteres Wachsen, Mühen und Gedeihender Gemeinde in -ein Hoch ansklingen. er. Kassel, 6. Juni-. D i-e G e sch i ch t e u n f e r e r S y n ag o g e beschäftigte den „Hessischen Geschicktsverein", der für seine Mitglieder eine Führung durch das Gotteshaus veranstaltete. Kantor Horwrtz informierte die Versam-inlung über die Entstehung unserer Geme'i-n-de und die Erbauung der Synagoge. Schon- 1848 wird em Bethaus in Kassel -erwähnt, in den. folgenden Jahren j-eooch fand man sich in der Wohnung eines Gemeind emitgliedes* zusammen. Msl zum 18. Jahrhundert bestand in der Landeshauptstadt Lein jüdisches Gotteshaus. -Erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die landgräfliche Erlaubnis zum Bau ei-ner Synagoge erteilt. Als diese Synagoge im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts baufällig gewordenwar, wurde ein Neubau beschlossen-, der nach den Entwürfen von Albrecht R oseng ar t mit einem Kostenaufwand von 42 000 Talern 1830 vollendet wurde. Der schöne Ban ist im romanischen Stil mit byzantinischen Anklängen -allsgeführt. An die Teilnehmer der Freiheitskriege erinnern mehrere -Gedenktafeln, und -auch sonst spiegelt die Synagoge die Geschichte der Gemeinde wider. Biblio-th-eksdir-ektor Professor Dr. Brunner sprach im Namen des Vorstandes den Dank für feine umsichtige Führung aus. Kuhland. Z. Warschau, im Mai. Unter der Ueberschrist: ..Aus der jüdischen Hölle in Polen" bringt das hiesige „Jüdische Volk" folgenden Bericht eines Reisenden über seine Beobachtungen- und Erlebnisse im Bezirk Hrubeschaw des Gouvernements Cholm. „Ein herzzerreißendes Wehgeschrei entringt sich dem Herzen eines jeden Juden, der in dem Landstrich entlang der Eisenbahnlinie Nejawetz — Hrubeschaw wohnt. Die Juden dieses Gebietes hatten in letzter Zeit fortgesetzte Todesangst und ein furchtbares Martyrium seitens der bewaffneten Gäste zuerdulden. Als ich vorigen Mittwoch die Bahn benutzte, konnte ich mit eigenen Augen sehen, wie in der Station Zawarh (bei Zamosc) ' eine Bande durchreisender Bewaffneter sichauf die ans die Ankunft des Zuges harrenden Juden mit Hurrarufen warf; im Nu waren zahlreiche Juden zu Boden geworfen, die mit den Füßen getreten itnb mit Bajonetten so lange bearbeitet wurden, bis Blut floß. Damit ni-cht genug, zogen die Bewaffneten von Wagen zu Wagen, aus denen sie die Juden herauszerrt-en. Unbegreiflich war dabei die Gleichgültigkeit, ja die offene Genugtuung aller christlichen Mitreisenden und der höh er eil Militärpersonen.. Ich wandte mich an einen katholischen Geistlichen aus der Nähe von Wladimir-Wohli-nsk, der sich auf der Station befand, und ersuchte ihn, zug-unften der mißhandelten Juden einzugreifen. Er wandte sich jedoch lächelnd ab und -machte sich nichts daraus-. Am Büfett standen, höhere Chargen und wälzten sich förmlich vor Lachen, indem sie -auf die Un'beholfenheit der Juden hinz-eigten. Ich sah, wie man neben dem Fenster einem

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