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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-06-13 · Heft 24 (13.6.1919) · p. Seite 260

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 24 (13.6.1919)
Date
1919-06-13
Page
Seite 260 (sequence 8)
Language
German
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260 Medaille, gestiftet vom Deutschen Hilfkomitee für Süditalien. Medaille auf das erste deutsche Unterseehandelsboot u. a.) oder die Bildnisse bedeutender Menschen (Goethe, Krau Rat, Virchow, Böcklin, Liebermann. Willamowitz). Eine seiner letzten und besten Arbeiten dieser Art (1917) war eine Porträtplakette auf Scheidemann, mit dem einfach und kraftvoll wirkenden Symbol zweier gekreuzter Arbeiterhände über einem Amboß auf der Rückseite. Zu erwähnen ist auch Kaufmanns Beteiligung an dem Ringen nach der so wünschenswerten künstlerischen Gestaltung unserer Geldmünzen. Zu dem Wettbewerb um ein Fünsundzwanzigpsennigstück steuerte ,er einen anmutigen Entwurf mit einem sitzenden Merkur bei. der großen Beifall fand und der Ausführung sehr würdig gewesen wäre. Schlichtes sympathisches Wesen, vornehme Gesinnung und treue Anhänglichkeit an den Väterglauben zeichneten den Menschen aus, dessen Verlust die deutsche Kunst, seine Familie, nicht minder die Gemeinde seiner Freunde schmerzlich betrauert. <£r. PH. Lederer. Nus hrUdronns Milcher Vergangenheit. Don Bezirksrabbiner Tr. Beer m a n n (Hcrlbronn). ©neben ist der 19. Band des großen Werkes „ Württemberg is che Gesch ichtsquellen" erschienen, den die Königliche Kommission für Landesgeschichte herausgibt. Auch der Geschichtsschreiber des Judentums wird das . stattliche Buch von fast 890 Seiten gern befragen und hier wie bei den vorhergehenden Zeilen des „Urkundenbuches der Stadt Heilbronn" von der zuverlässigen Darbietung Dr. Moritz v. Rauchs mancherlei Förderliches erfahren. Der 3. Band umfaßt etwa die ersten 30 Jahre des 16. Jahrhunderts. — Ehe wir hier die neu gebotenen Tatsachen aus der jüdischen Geschichte Heilbronns bieten, wollen wir die wesentlichen Einzelheiten, die man über Juden in Hcilbronn bis zu dieser Zeit hat feststellen können, kurz skizzieren. Ein Grabstein der Gutlis beweist, daß Juden bereits zur Römerzeit in der Gegend Heilbronns wohnten. GeltzgenÄich der Judenverfolgung unter Rindfleisch (1298) wird Heilbronn im Mainzer Memoirenbuch erwähnt. 1316 schenkt Ludwig der Bayer das an Juden Heilbronns geschuldete Geld der Stadt Heilbronn. 1348 während des Schwarzen Todes werden Juden in der Lohthorstraße verbrannt und ihre Synagoge zerstört. 1385 nimmt König Wenzel Heilbronner Juden gefangen und erpreßt ihnen Geld. 1414 scheinen nur drei Juden in Heilbronn gelebt zu haben. 1467 wird einem Juden Mose von Augsburg mit Gesinde (Schulklopfer und Totengräber) die Aufenthaltserlaubnis gegeben und zu gleicher Zeit werden in rabbinischen Quellen Professor Hugo Raufmann. ein Rabbi Spiro und die jüdischen Bewohner Heilpruns erwähnt. 1482 empfiehlt Kaiser Friedrich, dem Juden Levi das Wohnrecht in Heilbronn zu geben- So spärlich die Quellen fließen, sie zeigen, wie sehr die Juden Heilbronns an dem schweren Schicksal teilhatten, das ihre Geschichte im mittelalterlichen Deutschland so tief traurig gestaltete- Weiter: 1502 werden zwei Talheimer Juden mißhandelt und die Täter beim Torwart des Meiner Tors gefangen gesetzt. 1521 beklagt sich ein Jude Abraham, daß man ihn nicht in Heilbronn einlasse. Berhard von Liebenstein bittet den Rat von Heilbronn, diesem Juden Wohnrecht zu geben, da dieser Jude bei 30 Jahren im Lande gesessen sei und sich keines Wuchers schuldig gemacht habe. Ebenso bittet Kunigunde von Heimberg, ihre Juden in die Stadt zu lassen. Desgleichen verhandelt Eberhard von Frauenberg seiner Juden halber mit dem Rat. die Juden an Markttagen einzulassen, während die Juden gehalten seien, ihre Abzeichen öffentlich zu tragen und das bestimmte Schirmgeld zu geben. 1523 soll nur noch der Jude Aron von Wimpfen in die Stadt gelassen werden; zu dieser Zeit scheinen Juden als ständige Bewohner in Heilbronn nicht Vorhanden gewesen zu sein, denn der Rat erklärt, an Kaiser Karl kein Judengeld mehr geben zu müssen. 1529 müssen aber schon wieder Juden dort gewesen sein, denn die Barfüßer beklagen sich über sie; ein jüdischer Arzt Gumprecht von Löwenstein wird ausdrücklich erwähnt. Der Vollständigkeit halber auch ein paar Data aus späterer Zeit: 1540 erfolgt eine Beschwerde an Kaiser Ferdinand gegen die unverschämte und gräuliche Judenheit. 1712 schreibt der Rat, daß seit Menschengedenken keine Juden in Heilbronn wohnen. 5. Mai 1831 wird der erste Jude wieder Bürger, am 23. November 1861 werden 21 Familien erwähnt mit einem Synagogensaal im Deutsch-Ordens-Kommando. 1865 schreibt Dr. Wiener im Jahrbuch „Achawa" über die Juden in Heilbronn: „Hoffentlich gelingt es der Gemeinde, eine selbständige Synagoge zu errichten, um Gott in seiner heiligen Wohnung zu preisen, der die Vereinsamten zur Heimat zurückbringt." Heute hat die Gemeinde Heilbronns nicht nur eine Prachtsynagoge, eine der schönsten in ganz Deutschland, sondern sie ist zu derst attlichen Seel eu za hl von 1200 und zu 320 Familien a n g e w a ch s e n und zeichnet sich durch ein vorbildliches Interesse auf allen Gebieten jüdischen Lebens und durch rege Mitarbeit an allenvaterländischenAufgabenaus.

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