Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1919)
- Date
- 1919-06-06
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 zwölf Bundesbrüder, die der Vezirksverband in diesen fuhren verlor. Der reisehargierle ernick. nieck. John Toeplitz Widerte sodann das körperliche und geistige Erziehungsprogramm der Korporationen, deren Endziel die Heranbildung aufrechter, selbstbewußter I uriger Juden sei. Darauf folgten die offiziellen Begrüßungsreden. Es sprachen die Vertreter der U.-O.-B.-B.-Logen, des Shnagogenverbandes, der nationa(jüdischen Vereinigungen Hamburgs und der Gemeinden Schleswig-Holsteins und Wandsbeks. Die Hauptrede hielt Herr Egon Rosenberg (Berlin) als Vertreter des Präsidiums des K. I. V., der von dem neuen jüdischen Geschlecht sprach, das freudig für die große Aufgabe, den jüdischen Stamm wieder erstehen zu lassen, seine besten Kräfte hingebe. M. Hamburg, 1. Juni. An Stelle des langjährigen Vorsitzenden unserer Gemeinde, Herrn Lev in Lion, der infolge seines hohen Alters von seinem Amt zurückgetreten ist, wählte das Repräsentantenkollegium seinen Vorsitzenden Joseph L i P P m a n n (in Firma H. Lippmann) zum Mitglied des Vorstandes der Deutschisraelitischen Gemeinde. Ter neugewählte Gemeindevorsteher, der bereits seit vielen Jahren in den verschiedenen Verwaltungen der Gemeinde und in Wohltätigkeitsinstitutionen ehrenamtlich wirkt, ist n. a. Vorsitzender des Direktoriums des Tempelverbandes und Vorsitzender der Reuen Beerdi-gungsgesellschaft sowie Mitglied der Verwaltung des Siechenheims lind der Knaben- und Mädchenhorte. Zum ersten Vorsitzenden der Gemeinde wurde für Herrn Levin Lion Herr Alfred Levh gewählt, der als ältestes Vorstandsmitglied schon seit längerer Zeit Herrn Lion vertreten hat. er. Kiel, 30. Mai. R a d a u a n t i se m i t e n tobten sieh in einer Versammlung des „Volkskraftbundes" im „Colosseum" in rüpelhafter Weise aus. Ter Referent Tr. K o r s ch hielt eine Rede, die nichts Prägnantes an sich hatte, die Volks- und weltpolitisch inhaltlos war. Die Ausführungen des Redners befriedigten eigentlich kaum jemand in der spärlich besuchten Versammlung. Aber eine Schar von alldeutschen Judenfressern machte während des Vortrages einen derartigen Lärm, daß der Referent kaum weiterreden konnte. Ein antisemitischer Redner schob alle Schuld an Deutschlands Unglück den Juden zu, die auch jetzt die Macher in der Regierung seien und sie leiteten. Aehnlich geistvolle Argumente brachte .ein zweiter Antisemit. Die Revolution kann von solchen Ahlwartjüngern, mögen sie dazu beckragen wie sie wollen, nicht mißkreditiert werden. ,1. A. Nürnberg, 30. Mai. Am 20. d. M. feierte Herr Lazarus K o h l m a n n , ein um das jüdische Gemeindeleben und die jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen hochverdienter Mann, mit seiner Gattin das Fest der goldenen Hochzeit. Ter Jubilar, der sich infolge seiner unermüdlichen Tätigkeit, seines biederen Charakters und seines liebenswürdigen Wesens großer Beliebtheit in allen Kreisen erfreut, empfing vielfache Ehrungen zu dem seltenen Feste. Eine Abordnung des Gemeindevorstandes überreichte eine künstlerisch ausgestattete Adresse. Der „Wohltätigkeitsverein", dessen Kassengeschäfte Herr Kohlmann schon viele Jahre führt, ließ durch eine Abordnung die Glückwünsche der Verwaltung! aussprechen und übergab ein Blumenarrangement. Die Förderung und Unterstützung der Schwarz,scheu Altersversorgnngsanstalt lag Kohlmann ganz besonders am Herzen. Die Insassen des Altersheim übersandten die Glückwünsche in einer Widmung mit dem Motto: „Eine Ehrenkrone ist das Alter, auf dem Wege der Gerechtigkeit wird sie erworben." Herr Kohlmann gehörte mehr als 20 Jahre der Gemeindeverwaltung an, zuerst als Verwaltungsm.itglied, in den letzten fünf Jahren als Mitglied der Administration. Er war ehrenamtlicher Schätzmeister und hat auf den verschiedenen Gebieten der Gemeinde wertvolle Dienste geleistet. In Anerkennung dessen hat die Gemeindeverwaltung Herrn Kohlmann bei dessen vor kurzem erfolgten Rücktritt zum Ehrenmitglied des Shnagogenausschusses ernannt. Karlsruhe, 30. Mai. Am 2 7. v. M. fand ckn Saale der Karl-Friedrich-Loge in Karlsruhe die ,IUitgliederver\aw\mlung des „Bundes Israelitischer Wohlfahrtsvereinig.llngen in Baden" (W. B.) - der Wohlfahrtstag —- unter dem Vorsitz des Herrn Medizinalrat Tr. Rosenberg (Karlsruhe) statt. Tie Hauptaufgabe des Bundes, die Zentralisation der Wohlfahrtspflege itt Baden, kommt in der zum Wohlfahrts'tag ausgestellten Tagesordnung zum Ausdruck; diese lautete: 1. Geschäftsbericht (Berichterstatter Dr. Nathan Stein-Karlsruhe); 2. Satznngsänderurrg (Berichterstatter Dr. Fritz Straus- Karlsruhe); 3. Fürsorge für das hilfsbedürftige Kind (Berichterstatter Julius Hartog-Mannhcim); 4. Ausgestaltung der jüdischen Krankenpflege in Baden (Berichterstatter Medizinalrat Dr. Roseuberg-K'arlsruhe); 6. Wahlen; 6. Zusammenschluß der jüdischen Wohltütigkeitsvereine (Berichterstatter Oberrat Max Goldschmidt- Mannheim); 7. Mittelstandsfragen (Berichterstatter Rechtsanwalt Raphael Strauß-Karlsruhe, Jakob Oppenheiurer-Bruchsal): 8. Anträge und Verschiedenes. Aus dem Geschäftsbericht, der mit der Einladung den Mitgliedern, dem Wohlsahrtsra.t und Interessenten zugegangen war, ist folgendes hervorznheben. Dem W. B. sind 41 Gemeinden und 92 Vereine angeschlossen. An 13 Plätzen besitzt der Bund Ortsausschüsse, an 28 anderen Orten ist er durch Vertränensmänner vertreten. In den übrigen Gemeinden haben die dort ansässigen Lehrer die Erledigung der Geschäfte des Bundes übernommen. Die Tagung, die bis gegen 7 Uhr abends dauerte, verlief sehr erhebend und bot dank der vorzüglichen Referate, von denen diejenige über die Mittelstandssragen lebhafte Diskussion hervorrief, eine Fülle von Anregungen für den Bund. Der trotz der Verkehrsschwierigkeiten äußerst zahlreiche Besuch von Vertretern der Gemeinden und Korporationen ans ganz Baden bewies, daß der Gedanke des W. B. bereits in weite Kreise gedrungen ist. Es ist zu wünschen, daß diejenigen Gemeinden und Bereinigungen, die dem Bund bisher noch ferne gestanden Haben, sich zum Beitritt entschließen, um zur Verwirklichung der hohen Ideale, die sich der W. B. gesetzt hat, beizutragen. DerMi-Skltrrrkich. Z. Wien, 30. Mai. Der Vorstand der israelitischen K u l t u s g e m e i n d e Wien hat in seiner öffentlichen Plenarsitzung vom 26. Mai 1919 die nachfolgende Resolution beschlossen: „Seit Wochen wird die gesamte Knlturwelt durch Nachrichten über blutige Judenpogrome erschüttert, welche in jenen Gebieten Osteuropas, die von der polnischen Nation dauernd — oder vorübergehend — in Besitz genommen wurden, stattsinden. Ströme jüdischen Blutes bezeichnen den verheerenden Zug der polnischen Legion, der polnischen Nationalarmeen. In Wilna allein sind nach übereinstimmenden Berichten tausende Juden dem blinden Judenhaß der Polen zum Opfer gefallen. Lemberg, Pinsk, Proskurow, Kalusz und zuletzt Wilna sind die neuesten Leidensstationen unserer Glaubensnnd Stammesbrüder in Polen, deren grausamer Herrschaft mehr als ein Drittel des gesamten Judentums nunmehr ansgeliefert sind. Ohnmächtig, unseren Brüdern in ihrer verzweifelten Lage werktätige Hilfe zu leisten, vermag der Vorstand der Wiener israelitischen Kultnsgemeinde nichts anderes, als unter dem Ausdrucke seiner tiefsten Empörung über die Unmenschlichkeiten, durch welche die Polen die Wiedererlangung ihrer nationalen Freiheit, die Wiederaufrichtung ihres unabhängigen Staatswesens für alle Zeiten brandmarken, sich der gerechten Forderung anzuschließen, daß diejenigen Mächte, die über das künftige Schicksal der Völker zu entscheiden haben, auch Sicherheiten schassen, welche die Juden in Polen vor der barbarischen Behandlung seitens der Mehrheit des Landes dauernd schützen. Unseren unglücklichen Brüdern, die nach fünfjährigen unsäglichen Kriegsleiden, kaum von der jahrhrlndertelaingen Bedrückung durch den Zarismus befreit, einem neuen noch fürchterlicheren Martyrium ausgesetzt sind, sprechen wir unser tiefstes Mitgefühl mit ihrem schweren Leid aus, mit dem innigen Wunsche, daß die zu schaffende neue Weltordnung endlich auch mit Gerechtigkeit gegen das schwer geprüfte Judentum in allen Landen ohne Ausnahme erfüllt sei." Z. Wien, 30. Mai. Anfang dieses Monats wurde hier, 2. Bezirk, Obere Donaustraße 91 (Jüdisches Jugendheim), ein jüdisch-pädagogisches Archiv eröffnet. Dasselbe hat es sich zur Ausgabe gestellt, der Erforschung und Förderung des jüdischen Erziehungswesens zu dienen. Das Archiv ist als Vorbereitungsstelle für jüdisch-pädagogische Institute gedacht. Die Grundlage des Archivbestandes bildet eitze Sammlung von Materialien über alle auf das jüdische Erziehnngswesen bezüglichen Angelegenheiten, als da sind: Jüdische Erziehnngsgeschichte, Wesen und Ziele -der jüdischen Erziehung, Methodik des jüdischen Unterrichtes usw. Die Bücherei des Archives enthält u. a. den Beginn einer Lehrbttchersanunlung in allen Sprachen, insbesondere für Hebräisch und Jüdisch, die für das Pädagogium zu Jerusalem bestimmt ist. — Den Plan zur Begründung des Archives faßte Supplent Dr. Heinrich G l a n z gelegentlich seiner Wirksamkeit