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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-06-06 · Heft 23 (6.6.1919) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 23 (6.6.1919)
Date
1919-06-06
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 und für die messianischen Ideale des Judentums. Nach einer Ansprache des zweiten Borsitzenden trug Oberkantor Wilhelm Friedin n n n von der Synagoge Lewetzowstraße einige Lieder vor. Besonders die feierlichen. Klänge des Largo von Händel übten eine tiefe , Wirkung auf die große Versammlung ans. Ter gemeinsame Gesang des „Niederländischen Dankgebets" beschloß die ernste Feier. E. M. Berlin, 3. Juni. D e r B e r e i n f ü r A r beit s - n a ch w eis, begründet von den Logen U. O. B. B., beschäftigt sich gemeinsam mit dem Ar bei ter fü r sorg eam te der jüdischen Organisationen mit dem schwierigen Probleme der ostjndischen Arbeiter, die während des Krieges znmngslveise nach Deutschland gebracht wurden. Die Lösung dieser Frage ist sehr schwierig; die Besuche, diese?lrbeiter, zu denen in der letzten Zeit noch weitere Flüchtlinge vor den polnischen Baribaren getreten sind, in der Landwirtschaft oder Volkswirtschaft zn beschäftigen, sind noch nicht abgeschlossen. Seit dem 1. Januar dieses Jahres wurde die bisher von der Kriegshilsskvm.inisfion der Jüdischen Gemeinde betriebene Nähstube vom Vereinfür Arbeitsnachweis übernommen und in neugemieteten Räumen untergebracht, die dem Vereinsbureau angegliedert sind. Tie Nähstube beschäftigt dauernd etwa 12 bis 15 Frauen in der Nähstnbe und etwa 35 bis 40 Frauen mit Heimarbeit. Ter bisherige Leiter, Herr Felix Fleischer, hat sich bereiterklärt, auch weiterhin seine Tätigkeit der Abteilung zur Verfügung zn stellen. Der Plan, für die schulentlassene jüdische Jugend in der Zeit zwischen Schulentlasiung und Eintritt in die Lehrstellen Ausbildungskurse in den Elementarfächern einzurichten, wurde nach eingehender Beratung mit berufenen Sachverständigen .deswegen aufgegeben, weil in den städtischen Wahlfortbildungsschulen schon genügend Gelegenheit gegeben ist, den gewünschten Zweck zu erreichen. Der Vorstand hat jedoch beschlossen, in geeigneten Fällen die nötigen Schulgelder zu bezahlen. Tie rührige Vereinsleitung hatte den Versuch gemacht, die A r b e i t e r k o l o n i e W e i ß e n - see zur Beschäftigung von ^Arbeitslosen zn verwenden, doch scheiterte der Versuch aus Mangel an sich lneldenden Arbeitern, die zum Teil infolge der Arbeitslosenunterstützung arbeitsunlustig waren. — Der Eifer und das soziale Verständnis, mit dem die Leitung des segensreich wirkenden Arbeitsnachweises ihr Ziel verfolgt, verdient die Förderung aller sozial denkenden Kreise im Judentum. H. P. Berlin, 3. Juni. Die schwere Kree, die das Deutschtum der Gegenwart bedroht, drängt zum festen Zusammenschluß auf einem Gebiete, auf dem das „Volk der Dichter und Denker" eine unantastbare Heimat hat. Sie heißt Literatur. — Wir müssen an alten Wunden rühren. Einem Sänger, dessen bloßer Namensklang uns Lieder und Melodien im Herzen wach werden läßt, so sicher und leicht, wie die Maiensonne den Frohsinn, einem Heine, unserem Heinrich Heine, hat eine Partei — die einst alles war — die übliche Ehrung vor der Oeffentlichkeit in Form eines Denkmals versagt, nur weil er, der „schlechte Patriot", sich mit der Virtuosität 'einer Feder am Militarismus vergriffen hatte; wei«l er vor ungefähr 70 Jahren das gewußt und das gesagt hatte, was wir seit dem 9. November v. I. alle wissen und alle sagen. Sollte es uns heute, nicht ein leichtes sein, auch hier den Rest einer Kette abzustreisen, die nicht minder beschämend war als alle anderen? Würde ein Denkmal Heines nicht auch ein Symbol der Parteienversöhnnng sein, ein kleines Gegengewicht zu den zahllosen Denkmälern der Schande, die seit Beginn dieses glorreichen Krieges wie Pilze aus der Erde schossen? - . Ein Komitee hat sich gebildet, das der Errichtung eines würdigen Heine-Denkmals in Berlin dienen wird. Zum völlig kostenlosen Beitritt dieser Vereinigung seien hiermit nicht nur Deutschlands Dichter, Journalisten, Bühnen- und andere Künstler gebeten, sondern alle Verehrer unb Anhänger des Dichters, ohne Unterschied des Alters und des Geschlechtes, die ihre persönliche Zustimmung zur Sache mitteilen wollen wnb ihre geistige Kraft in den Dienst derselben zn stellen bereit sind. Jeder Vorschlag zur künstlerischen wie praktischen Durchführung des Unternehmens wird dankbar in Erwägung gezogen, wobei der Grundgedanke hervorgehoben sei, daß Sinter Vermeidung übermäßiger Inanspruchnahme besonderer Kapitalquellen dem Volk Gelegenheit gegeben werden soll, seinem volkstümlichsten Lyriker und großen Demokraten, ans den geringen Eiuzelbeiträgen einer ungeheuren Anhäugerschast eine ihm bisher vvrenthaltene Ehrung bereiten zn können. Die aus den Zuschriften zu bildende Liste gelangt später zur Veröffentlichung und soll zunächst einen beiläufigen Ueberblick über den Umsang der Beteiligung geben. Nur in Füllen, wo eine sofortige Antwort oder Auskunft gewünscht wird, ist das Rückporto dem Schreiben gefälligst beizulegen. Die Zuschriften selbst sind zu richten an Herrn Heinrich Pekel, Schriftsteller und Mitglied des Wallner-Theaters, Berlin, Friedrichstraße 3 III. W. Posen, 29. Mai. In einer der letzten Stadtverordnetensitzungen wurde die Interpellation eines Stadtverordneten betreffend die Butterausgabe in unserer Stadt verhandelt. Redner teilte mit, daß in der Bevölkerung Meinungen laut geworden sind, die Verteilung der Butter werde in ungerechter Weise besorgt und die jüdischen Einwohner bevorzugt. Stadtverordneter, Rechtsanwalt Tr. Köllen scher gab zu, daß die rituell le ben de jüdische Bevölkerung etwas mehr Butter als die übrigen Bewohner erhalten habe, und Mar 75 Gramm pro Kopf, woraus jedoch der Allgemeinheit kein Nachteil erwachsen sei. Denn die Juden hätten lediglich aus Gewissenszwang darum gebeten, weil sie nach ihren Religionsvorschriften Speck und Fett nicht genießen dürfen. Redner verlangte Toleranz gegenüber der rituellen jüdischen Bevölkerung und bat, daß es bei dem gegenwärtigen Modus der Butterverteilung sein Bewenden behalten möge. Wenn inan mit' der G>leichberechtigung Ernst machen will, muß man doch auf dem! Gewissensgebiet anfangen. er. Breslau, 30. Mai. Ter am 23. März d. I. zu Breslau verstorbene Rittergutsbesitzer Tr. Ludwig Friedmann hat durch letztwillige Verfügung eine Stiftung von 3 Millionen Mark errichtet, die seinen Namen tragen soll und bezweckt, .unbemittelten Personen billige, gesunde Wohnungen 31t gewähren. Tie Aufnahme darf nur solchen Bewerbern ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses gewährt werden, die mindestens drei Jahre in Breslau gewohnt haben, die deutsche Rlluchsangehörigkeit besitzen, und von denen zu erwarten ist, daß sie mit Hilfe der Vergünstigung ihr angemessenes Auskommen finden loerden. Unter sonst gleichen geeigneten Bewerbern genießen Kriegsverletzte und solche Kriegsteilnehmer den Vorzug, die durch den Krieg ihren bisherigen Erwerb verloren haben. Gänzlich sieche und gänzlich erwerbsunfähige Personen bleiben von der Aufnahme in die Stiftung ausgeschlossen, deren Vorstand aus dem jeweiligen Oberbürgermeister der Stadt Breslau, dem Stadtverordnetenvorsteher und dem Vorsitzenden des Repräsentantenkellegiums der Synagogengemeinde Breslau, im Behinderungsfalle durch deren Stellvertreter, gebildet werden soll. 22 Tempelburg (Pommern), 30. Mai. Unserem Prediger Herrn L i 0 n W 0 l f f ist auf sein an das Deutsche Hilfswerk für die Kriegs- und Zivilgesangenen gerichtetes. Schreiben, das in Nr. 22 dieser Zeitung zum Abdruck gelangte, folgende Antwort ziegegangen: Sehr geehrter Herr Prediger! Ihr freundliches Schreiben vom 14.Mai d. I. haben wir erhalten und danken Ihnen recht herzlich für den versöhnlichen Geist, mit dem Sie Ihre Ausstellung machen. Sie haben vollständig recht, und wir selbst hatten die feste Absicht, den Gefühlen unserer jüdischen Mitbürger in jeder Weise Rechnung zu tragen, und deshalb hatten wir den Ihnen zugegangenen Aufruf, der nur für die Geistlichen und die religiösen Vereine bestimmt war, für die Israeliten mit einem Spruch aus dem Talmud „Tätige Mithilfe ist besser als Almosen geben" versehen lassen wollen. Leider ist es dann unterblieben, und als wir es ändern wollten, war der Druck bereits geschehen. Also Sie sehen, daß wir die feste Absicht hatten, die nur durch einen unglücklichen Zufall vereitelt wurde. Wir kennen die . Opferwilligkeit unserer jüdischen Mitbürger und wissen aus eigener Erfahrung, daß sie jedem Appell an ihre Hilfsbereitschaft gern und freudig entsprechen. Mit vorzüglicher Hochachtung sehr ergebenst Deutsches Hilsswerk für die Kriegs- und Zivilgefangenen. — Hamburg, 3 0. Mai. T ie ne u b e g r ü n d e t e B e r b i n - d u n g j ü d i sche r S t,u deuten „K a d i m a h" veranstaltete mit dem Bezirksverband Hamburg des Kartells Jüdischer Verbindungen (K. I. V.) am. 11. Mai eine außerordentlich stark besuchte akademische Eröffnungsfeier. Zahnarzt Alfred Unna begrüßte die Erschienenen und legte kurz die Aufgaben dar, die der V. I. St. Kadimah als einziger Vertretung der jüdischnationalen Studentenschaft an der hiesigen Universität harrten. Er gedachte auch der

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