Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1919)
- Date
- 1919-06-06
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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rnt den hebräischen Schulen in Jerusalem. Dort zeigte sich bei der Neubegründung des jüdischen Pädagogiums anläßlich eines Sprachenkampfes, daß für die jüdische Lehrerausbildung so gut wie alle wissenschaftlichen pädagogischen Grundlagen fehlen. Die Wiener Vorbereitungsstelle ist also nebst ihrer engeren Aufgabe in Deutschösterreich und in Mitteleuropa insbesondere dafür bestimmt, einem zentralen pädagogischen Institute in Palästina als Vorbereitung zu dienen. Die Leitung des Jerusalemer Pädagogiums erwartet sich von dem Gelingen der Unternehmung wer wolle Mithilfe für ihr eigenes Institut. Schon in der Zeit der Vorbereitung haben eine Reihe namhafter Fachgelehrten ihre Mitwirkung für Spezialgebiete zugesagt. Hierüber wird ein Memorandum der Institute demnächst referieren. Erwähnt sei insbesondere, daß Herr Dozent Dr. m-ed. und Phil. Siegmund K o r n f e l d ein Laboratorium für experimentelle Psychologie und Pädagogik 'dem Archive angegliedert hat. Das Archiv ist Montag und Donnerstag von 2—5 Uhr nachmittags geöffnet. In dieser Zeit steht die Bückzerei, die ältere und neue pädagogische und psychologische Werke sowie Zeitschriften, insbesondere viele hebräische Lehrbücher, Grammatiken und Chrestomathien enthält, der Bemchnng offen. Von Sah und Fern. — Ter Vorsitzende des Verbandes der deutschen Juden, Geheimer Justizrat Oskar C a s s e l, beging am 4. d. M. seinen siebzigsten Geburtstag. Seit dem 6. Januar 1888, also seit 31 Jahren, ist er ununterbrockM Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Auch dem Abgeordnetenhause gehörte Cassel mehrere Jahre an; zuletzt wurde er von den Deutschdemokraten in die preußische Landesversammlung gewählt. Zehn Jahre hindurch hat er als stellvertretender Stadtverordnetenvbrsteher im Berliner Nathause und als Vorsitzender der Fraktion der Linken gewirkt. In Anerkennung seiner Verdienste verliehen ihm die Berliner Gemeindebehörden im November 1913 die Ehrenbürgerrechte. — Geheimrat Professor Dr. Leopold Casper, der bekannte Berliner Urologe, feierte am 31. Mai seinen sechzigsten Geburtstag. Ein gebürtiger Berliner, studierte er bei Henry Thompson in London und Dittel und Huhon nt Wien und habilitierte sich 1892 an der Berliner Universität. Er ist mit Lohnstein Herausgeber der Monatsberichte über die Gesamt- Leistungen auf dem Gebiete der Krankheiten der Harn- und Sexualorgane. — Der Berliner jüdische Sportverein „Die Kameraden" veranstaltet neben den üblicheit Sonntagsausflügen für alle Abteilungen Pfingstsahrten v. 6. bis zum 10. Juni. Am Donnerstag, den 12. Juni, findet im Restaurant „Zum Heidelberger", Friedrichstraße 143—146 (Eingang Dorotheenstratze), ein Vortrag des Herrn Dr. I. L e h nt a n >n statt über das Thema „Nationales und universelles Judentum in der Bibel" mit anschließender Diskussion. Schriftstücke zu Händen des Herrn sttld. Martin Sobotker, Berlin NO 55, Winsstraße 31. — An Stelle des Herrn Arnold Merzbach, der Berlin verläßt, ist der bisherige zweite Vorsitzende der Berliner Jugendgruppen, Herr Siegmund Stein, einstimmig in den Vorstand der Agudas-Jisroel- Jugendorganisation gewählt worden. — Professor Dr. Hermann Oppenheim, der hochangesehene Berliner Nervenarzt, ist nach kurzen: Krankenlager an den Folgen eines Grippeanfalls im Alter von 62 Jahren gestorben. — Aus Jastrow wird uns geschrieben: In geheimer Stadtverordnetensitzung vom 20. Nkärz d. I. haben die städtischen Körperschaften dem Beigeordneten, Kommissionsrat Simon, wegen seiner großen Verdienste um die Stadt Jastrow das Ehrenbürgerrecht verliehen. Letzten Sonntag. abend wurde im Beisein aller Magistratsmitglieder und Stadtverordneten in dem mit Maiengrün geschmückten Rathaussaale der Ehrenbürgerbries an Herrn Simon überreicht. — An: 1. Mai wurde in Hamburg das Heim der Agudas-Jisroel-Jugendgruppen eröffnet. Bei dev Einweihungsfeier hielt Herr Katzen stein, der erste Vorsitzende der Hamburger Jugendgruppen, die Eröffnungsrede. Nach ihm sprachen Herr Oberrabbiner Dr. Spitzer, Herr Dr. L a n z k r o n , als Vorsitzender der Ortsgruppe, Herr Dr. H. H i r s ch als Vertreter des Delegiertenkollegsmms dies Deutsch-Jsraelitffchen Synagogenverblanpes. Zum Schluß wurden noch die zahlreich eingegangenen Begrüßungstelegramme verlesen. — Oberrabbiner Dr. M. Lern er in Altona beging am 3. Siwan (1. Juni) sein 25jähriges Amtsjubiläum. —- Jur Erricht« n g ei n e s j ü d i s ch e n K r itnfe n h n u se s in Leipzig ist dort eine Stiftung ins Leben gerufen worden, die vorläufig im Grundstück Kölug-Johann-Str. 19 ein Krankenheim eingerichtet hat. - ~ Vom 9. bis 11. Juni wird in Halberstadt ein Bundestag des Bundes jüdischer Akademiker abgehalten werden. Außer, wie bereits mitgetcilt, in Hamburg hat sich auch in Köln eine „Vereinigung jüdischer Akademiker" im B. I. W gebildet, sowie in Leipzig ein B.-J.-A.-Stammtisch, die bereits eine große Anzahl Mitglieder umfassen. — Am vorletzten Sonnabend waren es 25 Jahre, daß Bezirksrabbiner Tr. E i n st e i n sein Amt in Landau und im Bezirk übernahm. Atls diesem Anlaß überbrachten nach dem Festgottesdienst der Vorstand der Gemeinde und die Vorstände der Vereine dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche und sprachen ihm den Dank und die Anerkennung der Gemeinde und'des Bezirks für sein segensreiches Wirken aus. - Aus Wien wird geschrieben: Am Sonnabend, den 10. Mai, feierten der Chef der Firma Philipp Weisz und Söhne Herr Philipp Weisz und seine Gattin Berta das Fest der goldenen Hochzeit ttnd zugleich den 40jährigen Bestand ihres Großhandlnngs- und Fabrikhauses. Die Feier gestaltete sich zu einem Feste des Josefstädter Tempelvereines, dessen verdienstvolles Vorstandsmitglied Herr Weisz ist. Herr Rabbiner Dr. Bauer hielt an das Jubelpaar eine überaus herzliche Ansprache, in der er die Bedentlrng des so seltenen Festes auseinandersetzte, die schöne echtjüdische Wirksamkeit des Ehepaares schilderte und den Segen des Allmächtigen für dasselbe anflehte. Herr Gemeinderat Tr. Schwarz-Hiller üücrbrachte die Glückwünsche des Bürgermeisters, Herr Obmann Adolf Beck gratulierte im Namen der Vorstandskollegen. Herr Knltnsvorsteher S. Steiner beglücktvünschte das Jubelpaar namens des Kultusvorstaudes, Herr Dr. Mar Bernhard namens der jüdischnationalen Partei. - Durch den im 41. Lebensjahre erfolgten Tod des Gutsbesitzers David Lindenba tt nt in Budapest beklagt das gesetzestreue Judentum den Verlust eines seiner treuesten und eifrigsten Mitglieder. Als Ausschußmitglied des Vereins Tempelbau hat er sich bleibende Verdienste erworben. Nie versagte sein Wille und feilte Arbeitskraft, wenn es galt, jüdische Interessen wahrznnehmen. — In der letzten Konferenz der sozialdemokratischen Partei in Krakau wurde in -schärfster Weise gegen die Pogrome protestiert. Die antisemitische Agitation sei in Form von Judenschlägereien aufgetreten und in Judenpogrome ausgeartek. Die Untaten seien vorn Pöbel imd auch von Soldaten verübt worden. Im Namen der Arbeiterklasse von Stadt nnd Dorf drückt die 10. Konferenz der Polnischen sozialistischen Partei ihren schärfsten Protest und ihre Verachtung der anttfomikischen Agitation aus. — Agronom Aaronso h n , der durch die Entdeckung des Emer, des Urweizens, auf den Gefilden des Hermon weltbekannt gewordene Palästinapionier, 1913 Präsident des Internationalen Llgronomenkongresses, ist beim Fluge von Londort nach Paris abgestürzt. Die Postsäcke des Flugzeuges wurden bei Bonlogne ans Land gespült; vom Flugzeug und seinen Insassen sohlt jedoch jede Spur. — Die Organisation „Roter Magen David", die in Jaffa gegründet wurde, als die Einberufung von jungen Freiwilligen stattsaN'd, ist jetzt im. Begriff, sich aufs neue zu organisieren, und hofft, sich den Friedensverhältnissen anzupassen. Wegen Sprachschwierigkeiten und Mangel an Hebung wurde nur eine beschränkte Anzahl der jüdischen freiwilligen ttnd ausgebildeten Krankenschwestern von den Militärbehörden angestellt. Sie arbeiten in Hospitälern in Gaza und Haifa. Diese Freiwilligen tragen ein jüdisches Abzeichen, und ihr Kontrakt enthält die Verpflichtung, sich ausschließlich für Dienste in Palästina zu binden. — Für den Wiederaufbau Jerusalents hat der Oberingenieur des Stadtrates von Alexandrien einen Plan vorgelegt, der von General Allenby und dem Jerusalemer Stadtrat genehmigt worden ist. Aus Grund dieses Planes soll die Hauptstraße Jerusalems vom Jaffa-Tor nach dem Kloster Muslaba führen und 40 Meter breit sein. Eine andere Straße von 30 Meter Breite wird gleichfalls angelegt werden, und keine einzige Straße der Stadt soll in Zukunft weniger als 8 Meter Breite haben. In der Nähe des syrischen Waisenhauses wird ein großer Park und in der Nähe der Windmühle ein ausgedehnter Spielplatz angelegt. Verantwortlicher Redakteur: Albert Satz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Masse.