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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-06-06 · Heft 23 (6.6.1919) · p. Seite 250

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 23 (6.6.1919)
Date
1919-06-06
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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250 Das Ktsgist in der Wuffallung jüdischer Denker. Von Tr Max Steif (Nen-Ronßnitz). lSchluß.1 H Ordings fohlte es hier nicht an Ausnahmen, an eitleren Naturen, die ängstlich besorgt waren, daß ihr Name auch ans die Nachwelt gelange, wenn beispielsweise ein Laibbatai Donolo (geb. 013) in der Vorrede seines „Tachkemoni" jeden beschwört, der sein Werk ganz oder auch nur in einzelnen Abschnitten abschrieb, seinen Namen dabei ja nicht wegzulassen: „Legen und Tröstungen in reichster Fülle mögen demjenigen zukommen, der dieses Werk meines Studiums abschreibt, und Gott gewähre ihm hierbei seine Hilfe, wenn er dies tut \m Namen Sabbatais, ohne ausznlöschen meinen Namen. Sollte er aber sich darüber hinwegsetzen, dann möge der gerechte Richter meine Sache führen und Vergeltung üben an dem, der mir solche Kränkung bereitet." - Trotz all derartiger Vorsorge widerfuhr aber gerade ihm das gefürchtete Schicksal, zum Teil ohne Namensnennung ausgebeutet zu werden durch einen David Abudraham (1340), der bis auf einzelne, unwesentliche Verschiedenheiten die Schilderung von der zweckmäßigen Gestaltung der menschlichen Organe wörtlich der Einleitung zum Jezira - Kommentar Tonolos entnimmt, während ein andere^ Stück wieder von dem Verfasser des Sittenbuches „Orchaus Zadikim" ausgeschrieben wurde (Brüll, Jahrbücher M, 165). Auch den Umstand, daß manche Gelehrte jener Zeit aus allzu bescheidener Selbsteinschätzung es unterließen, ihre Geistesprodukte der Oeffentlichkeit zu übergeben, ja nicht selten in ihrem Testamente das ausdrückliche Verbot anssprachen, ihre Werke drucken zu lassen, wußte sich so mancher ihrer bedenkenfreieren Jünger zunutze zu machen, um etwas als Eigenprodukt auszugeben, das seinem Geiste nicht entsprungen. So wird von einem Schüler des Mahram Schiff (geb. 1605) erzählt, daß er, im Begriffe einen derartigen geistigen Diebstahl an seinem Lehrer zu begehen, von einer Ohnmacht befallen worden und hernach aus Gewissensbissen alles reumütig bekannt habe (vgl. „Ost und West" 1010). Im großen und ganzen dürfen aber jene widerrechtlichen Eingriffe in fremde iGeisteserzeugnisfe immerhin als Ausnahmserscheinungen betrachtet werden, verschwindend gegenüber der großen Mehrheit jener anderen jüdischen Denker und Schriftsteller, die es mit der Wahrung fremden, geistigen Eigentums jederzeit höchst gewissenhaft nehmen. Diesen strengeren Standpunkt kehrt schon frühzeitig ein Salomon ibn Gabirol (um 1040) hervor, der sich hierüber in seinem moralphilosophischen Werke folgendermaßen ansläßt: - „Gott lveiß es, daß ich bei Abfassung dieses Bilches keinerlei fremde' Ideen beniltzt ilnd mich darin nur dessen bedient, was meinem eigenen Gedanken entsprungen." Und freimütig gesteht er anderseits, daß er, uniseinem Werke die größmögliche Vollständigkeit zu geben, „auch einiges von den Werken anderer gelehrter Männer bringe, von dem, was die Morallehrer in ihren Versen und Weisheitssprüchen verfaßt haben"' (Kaufmann, ges. Schriften II. S. 18). Ebenso weiß eine bescheidene Natur wie Josef Ala'schkar (geb. um 1470) den Anteil, der ihm aus anderer Geist erflosfen, vollauf und offenherzig zu würdigen, wenn er diesen Umstand, hierin vielleicht ein wenig zu weit gehend, in die Worte saßt: „Und in Wahrheit ist dieses mein Buch ein Geisteskind der Weisen, und ich habe es mtr großgezogen. Darum, wenn sich darin eine gute Sache vorfindet, so ist es sicherlich etwas Gestohlenes und gebührt eigentlich einem anderen; findet man aber etwas Unvollkommenes darin, dann beweist schon dies, daß es von der Beschränktheit meines eigenen Geistes herrühre." (Ozar Nechmod III. S. 107). Auch ein Jakob Anatoli nimmt es in diesem Punkte sehr gewissenhaft und führt in seinem „Malmad hatalmidim" (1232) selbst die Ansichten christlicher Gelehrter, besonders des Scholastikers Michael Scotus, an, mit welch letzterem er auch befreundet war. Hierbei dürfte es nicht ohne Interesse sein zu erfahren, daß in dem genannten Werke sich auch die Ansicht seines hohen Gönners und Beschützers-, Kaiser Friedrichs II., vorfindet, weshalb die heilige Schrift als Opfer nur Haustiere, und nicht Tiere des Waldes erlaube. Solch strengere Auffassung kannte auch keine Schonung gegen jene, die sich nach dieser Richtung hin ein wenig gehen ließen. So kehrt sich ein Abraham ibn Esra (geb. 1092), der besonders gern Gebrechen sittlicher Natur mit der ätzenden Lauge seines Spottes übergoß, am Schlüsse seines Koheletkommentars gegen diejenigen, „die aus vielen Büchern ihren Stoff sammeln, um dann Werke abzufassen." Und ein impulsiver Denker und Talmudheros wie R. Salomo Lurja (geb. 1510) läßt einmal seinen ganzen Aerger gegen den Verfasser der Responsen „Benjamin Secco" los, daß das meiste darin Vorgebrachte „entwendet" und überdies von ihm nicht recht verstanden worden sei (Maharschal z. Baba kama Kap. 88). Und nicht minder tadelnde Worte findet R. Samuel b. Jsak di Oscida hierüber in seinem Kommentar zu den Sprüchen der Väter: „Wer gewöhnt ist, sich mit fremden Federn zu schmücken, aus dem wird niemals ein rechter Mann der Wissenschaft werden; denn da es ihm leicht wird, gelehrte Tinge in die Welt zu setzen, so wird ihn nie die redliche Mühe und der beharrliche Eifer erfüllen, selbst eigene Erzeugnisse zil bereiten." Jshak lbn Ibrahim, 66 jähriger Jude aus Nesibin, wohnhaft in Liberias. Au?: „Jerusalem^, von Sven Hedin. F. A. Brockhmis .Leipzig. 1918

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