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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-06-06 · Heft 23 (6.6.1919) · p. Seite 249

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 23 (6.6.1919)
Date
1919-06-06
Page
Seite 249 (sequence 9)
Language
German
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249 Direktor Orok. Dr. Ludwig Tschau geb. -S. 2. >858, gest. 17. S. ISIS. m Abend des 17. Mai d. I. ist der langjährige Direktor der Samsonschule zu Wolfenbüttel, Prof. Dr. 8. Tachan, plötzlich verschieden. Tief erschüttert steht seine Familie an der Bahre dieses herrlichen Mannes. Mit ihr vereinigen sich in aufrichtiger Trauer seine Mitarbeiter im Lehrerkollegium, mit dem ihn nicht bloß die gemeinsame Arbeit und die erzieherische Aufgabe, sondern vor allem auch eine aufrichtige Freundschaft verband. Tief ergriffen sind seine Freunde und Verehrer, besonders aber seine Schüler, die nach Jahrzehnten noch in Liebe an ihm hängen. Sein Heimgang wird eine tiefe und kaum auszufüllende Lücke reißen in dem Kreise seines Wirkens. Die Samsonschule hat ihm Unvergleichliches zu danken. In ihrer heutigen Gestalt ist sie seine ureigenste Schöpfung. ' Er hat sie in unermüdlicher Arbeit emporgeführt zu -der hohen Stufe, die sie heute einnimmt. Er schuf ihr Licht und Lust in ihrem imposanten Bau am Waldesrand, vor dem Tore der rüstig wachsenden Stadt, er rüstete sie mit allen modernen Bildungsmitteln aus, er hatte in der Auswahl seiner Mitarbeiter eine glückliche Hand und fand in diesen Männern treffliche Mitstreiter, die in fröhlichem Wetteifer sich -dafür einsetzten, die einmal gegebenen Aufgaben ihrer Lösung entgegenzuführen. In der Arbeit, in der Sorge für seine Anstalt, für die ihm anvertraute Jugend und in der Verantwortung für die gewissenhafte Erfüllung seiner Pflicht ist der Direktor Prof. Dr. Tachau aufgegangen. Er war ein ausgezeichneter Pädagoge, er war ein Genie der Arbeit, ein Mann von rührender Bescheidenheit und grundgütigem -Herzen. So selten ist die Vereinigung dieser Tugenden mit reichen Geistesgaben, daß wir darin das Geheimnis seiner reichen Erfolge zu suchen haben. Schlicht und anspruchslos war er in seiner Lebensweise, vorbildlich in seinem Wandel, das lebendige Beispiel seiner Schüler, gern bereit, bis zur Selbstentsagung seinem Amte zu dienen. Soweit seine zahlreichen Pflichten ihm Muße vevstatteten, hat er in Wort und Schrift sich betätigt und eine größere Reihe fachwissenfchaftlicher Arbeiten erscheinen lassen. Bei den Eltern seiner Schüler, bei den Behörden der Anstalt und des Staates genoß er unbegrenztes Vertrauen und höchste Wertschätzung. Vor der Zeit ist er feinen großen Wirkungskreisen entrissen worden. Allgemein ist die Klage über den Heimgang des verehrten Mannes. Bis zum letzten Augenblicke ist er rüstig tätig gewesen, seine starke Willenskraft half ihm die Leiden überwinden, die eigene Krankheit und der Schmerz um den Tod seines geliebten ältesten Sohnes ihm bereiteten. Die Schatten, die auf sein letztes Lebensjahr fielen, wurden gebannt durch das bräutliche Glück seines jüngsten Sohnes, das noch einmal seine Lebensfreude verjüngte. Nun vereinigen seine Kinder in Trauer sich mit der Gattin, die eine verständnisvolle und aufopfernde Gefährtin seines Weges gewesen ist, mit dem stattlichen Kreise der Verwandten und Freunde. Sie alle rühmen den Segen, der von seinem Hause ausgegangen ist. preisen die Gnade, -daß ihre Bahnen sich begegneten. Dieses Leben war in Wahrheit eine Verherrlichung und Heiligung des göttlichen Namens in der Welt. Es entsprach seinem bescheidenen Wesen, daß er an seinem Sarge keine Rede gewünscht -hatte. Indem Hause des Entschlafenen sprach Landesrabbiner Dr. R i eg e r - Braunschweig ein tief ergreifendes Gebet, dann geleitete eine große Schar Leidtragender den teuren Toten nach dem Friedhose, wo unter Gesang und Gebet dem Schoß der Erde anvertraut ward, was sterblich war an diesem edlen Manne. Rabbiner Dr. Behrens, Göttingen. Sven hrdin: sierulslem. Von Ludwig Geiger'). . (Schluß.) V^^a§ aber -das Schöne und Ergreifende an dem Bucht V v ausmacht, das ist einerseits das Bewußtsein, daß man hier auf kulturhistorischen Plätzen wandelt, die Unendliches für die Menschheit bedeuten, daß dem Leser die Geschichte des alten Judentums und des Urchristentums völlig klar wird, daß er mit den Menschen und der Vergangenheit wandelt, an ihren Ereignissen teilnimmt, und daß andererseits die augenblicklichen Wmhältnisse eines iLandes anschaulich vergegenwärtigt werden, das zu einer gewissen Rolle in Gegenwart und Zukunft bestimmt ist. Was uns Juden besonders an einer Schilderung Jerusalems und Palästinas interessiert, sind zwei Fragen: erstens die des Zionismus überhaupt, und zweitens die eines neuen Staates in Palästina. Es ist selbstverständlich, daß der Verfasser an beiden nicht vorbeigeht, wenn er sie auch nicht in den Vordergrund stellt. Im allgemeinen wird man mit dem. was der Verfasser darlegt, einverstanden sein können: er betrachtet den Zionismus als eine im ganzen heilsame Erweckung jüdischen- Bewußtseins, und er bewundert den Fleiß und die Tüchtigkeit der jüdischen Kolonisten-, deren Arbeit er mit ruhigem Blicke angeschau-t hat. Er gibt -deutlich zu verstehen, daß es unmöglich ist, in Palästina das jüdische Volk wieder zu vereinigen, weil -einerseits der Umfang des Landes viel zu klein ist, um sämtliche Juden aufzunehmen-; er würde höchstens dazu reichen, einem Sechstel Platz zu gewähren, und weil andererseits die klimatischen Verhältnisse, die übermäßige Hitze, die Heuschreck-engesahr, die Schakale und ferner die Gegnerschaft der Araber Hindernisse für den neuen Staat bilden würden. Auch geht aus manchen Andeutungen hervor, daß er, wie er von seinem christlichen Standpunkt aus dazu berechtigt ist, die heiligen Stätten Palästinas, nicht bloß Jerusalem selbst, sondern Bethlehem und viele andere, natürlich für die Christen gewahrt wissen will. Für den ruhigen- Betrachter liegt ja gerade darin eine Schwierigkeit, vor der die Zionisten entweder absichtlich die Augen verschließen oder über die sie schweigend hinweggehen. Die in Palästina wohnenden Christen zu entfernen, würde ja schon an sichnicht möglich sein-, auch in dem Falle nicht, daß Palästina von den Juden gewaltsam erobert würde. Dies ist völlig ausgeschlossen, wenn sich das neue Reich unter der Protektion eines sich so eminent christlich bewährenden Staates wie England begründete. Aber wie -denkt man sich nun, daß alljährlich zu Ostern und anderen christlichen Festen viele Tausende von christlichen Pilgern in ein jüdisches Reich wallfahrten würden? Mit solchen Fragen sich zu befassen, ist natürlich nicht Hauptabsicht -des neuen Buches. Dieses beschäftigt sich, wenn es auch vor der Zukunft nicht die Augen verschließt, doch im wesentlichen mit Vergangenheit und Gegenwart. Und wir stehen nicht an, trotz mancher Ausstellungen im -einzelnen diese neue Schilderung als eine kenntnisreiche, lebhaft und anziehend geschriebene und auch in ihrer Tendenz uns im wesentlichen sympathische zu begrüßen und sie unfern Lesern aufs beste zu empfehlen. *) Aus seinem Nachlaß. Tie für -diesen- Artikel ausgewühlten Illustrationen, sind mit ausdrücklicher Genehmigung der - Verlags- Handlung, dieser Anzeige heigefügt.

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