Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1919)
- Date
- 1919-05-30
- Page
- Seite 231 (sequence 3)
- Language
- German
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231 eines sittlichen Gemeinschaftslebens auf und erschließt uns nicht mir «die Urworte der Frömmigkeit, sondern reichstes persönliches Leben in den großen religiösen Genies; sie offenbart Seele und Gemüt in der rein aufs Aenßerliche und Technische gerichteten ägyptischen und babylonischen Kultur. Woher kommt nun die Verkennung der Bibeln Warum finden so viele nicht die rechte Freude an ihren Worten? Weil man die Bibel nicht richtig zu lesen versteht. -Es hibt für moderne Menschen nur eine Art, welche unmittelbar au den die Blätter der Schrift durchgehenden Gottesgeist heranführt: Man muß sich sagen, ich will zu dem frommen Erleben Vordringen, ails dem die Bibelmorte, die ich gerade lese, geboren sind. Dann wird Leben zu Leben und Seele zu Seele sprechen. Dann werden wir Leser werden, die die Worte der Men beherzigen: „Du nrußt dich selber an den Sinai vor des Ewigen leuchtendes Angesicht gestellt sehen und die nie veraltete, ewig junge Botschaft deines Gottes in deine Seele nehmen," Dann werden auch wir wie die Väter sagen: „Wir wollen tun und hören." Sir Wochr. B e v l i n , 2(>. Mni. ie der deutschen Delegation in Versailles bei der Ueberreichung des Friede nsveirtrages am 7. Mai gestattete Frist,waram 22. Mai 3 Uhr nachmittags abgelaufen. Auf Ersuchen der deutschen Delegierten ist ihnen für die Vorlegung ihrer Gegenvorschläge eine Verlängerung der Frist bis zum 29. d. M. gewährt worden. Ein Telegramm des W. T. B., Versailles, 21. Mai lautet: Dem Vorsitzenden der deutschen Friebeusdelegation in Versailles, Reichsminister Grafen Frvckdorff-R'antzan, ist hellte folgende weitere Note Etemenceaus zug.egan.gen: Paris, den 21. Mar. 1919. Herr Präsident! Ich habe die Ehre, Ihnen den Empfang Ihres Brieses vorn 20. Mai .gl bestätigen. Sie hatten die Güte, mich darauf hinznweisen, die Fragen, über welche die deutsche Delegation Bernerkungen vorznlegen wünsche,' seien so verloickelt, das; die Denkschriften der deutschen Delegation in der Ihnen am 7. d. M. gelvährten 15 tägigen Frist nicht fertig sein könnten. Sie fordern infolgedessen eine Verlängerung dieser Frist. In Erwiderung hierauf habe ich die Ehre, Eller Erzellenz mitzuteilen, daß die alliierten lnld assoziierten Reglernlrgerr einverstanden sind, die Frist bis Donnerstag, den 29. d. M.. zu verlängern. Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Verficherlmg meiner allsgezeichneten Hochachtung. gez. Elemenceau. Das „Berliner Tageblatt" schließt daran folgende vor optimistischer Auffassung der Lage warnende Bemerkung: Die Alliierten haben eine Woche zugelegt, und die deutschen Delegierten und ihre Sachverständigen 'werden sich natürlich bemühen, die Gegenvorschläge und begründenden Denkschriften bis zum 29. Mai fertigzustellen. Man muß indessen dem deutschen Publikum dr i n g e n d r a t e n , in diesem Zugeständnisse nicht ein Zeichen dafür zu sehen, daß die Entente uns bereits aitcF) in irgendwelchen Hauptpunkten des Vertrages mehr oder minder erhebliche Zugeständnisse machen wolle. Das ist offenbar nicht der Fall. Es zeigt sich nur die Neigung, über gewisse wirtschaftliche Fragen mit Deutschland noch zu verhandeln, und auf diesem Gebiete weicht man auf der Ententeseite einer Allssprache mit' Vertretern der deutschen Interessen nicht völlig alls. Irgendeine Bereitwilligkeit, allch in Verhandlungen über territoriale Fragen einzutreten, hat sich aber bisher nicht gezeigt. * Wir haben in der vorigen Nummer einen längeren Artikel, betitelt „Der Versailler Entwurf und die Iudensrage", gebracht. Im Anschluß an diesen Artikel, schreibt die „K. f. d. möchten nur daraus Hinweisen, daß, wie uns von neutraler Seite mitgeteilt wird, in dem auf die Gestaltung der polnischen Verhältnisse sich beziehenden Teil des Friedellsvertrages allch die jüdische Frage berücksichtigt ist. An dieser Stelle des Vertragsentwurfes findet sich folgende Bestimmung: „Polen ist mit der Aufnahme des nachstehenden Beschlusses in den Frieder,svertrag einverstanden: Achtung der Anordnungen, die von den Mächten für den Schutz der Bewohner Polens, die sich durch ihre Raffe, Sprache und Religion von der Mehrheit unterscheiden, für angebracht gehalten werden." Ueber den Eharakter lnld dos Allsmaß der im Vertrage vorgesehenen Rechte der jüdischen Minderheit, die in der gegenwärtigen Ansdehllung des Polnischen Reiches' 3 Millionen. Seebär zählt, ist bisher noch nichts Näheres bekannt. Das von den jüdischen Abordnungen in Poris ausgestellte Fvrdernngsprogramm erhebt den entschiedenen Anspruch auf n o t i o n o le Rechte für die Inden Polens, Mld es werden die erforderlichen Schritte nilternommen, mit diese Forderung dnrchznsetzen. Ueber die Arbeit der jüdischen Abordnungen geht lms nachstehender Pariser Bericht zu: Die Arbeit des von der Delegation der jüdischen Nativnalräte gebildeten Komitees wird mit Erfolg fortgesetzt. Die politische Kommission nlld die Kommission für die. Fertigstellung der Denkschriften Hot mit besonderem Eifer gearbeitet. Noch nnnnterbrochener dreiwöchiger Tätigkeit der DenkschriftenkonlUlission Hot dos Komitee in seinen Plenorsitznngen beschlossen, die formulierten Forderungen der Friedenskonferenz vorznlegen. Auf der Plenarsitzung vom 23. April nahm dos Komit-ee tm Prinzip eine Resolution oll, lmcf) welcher dos Sekretariat des Komitees ein permanentes Institut sei mld an den; Orte, all deill die Liga der Nationen ihren Sitz hoben wird, oder tu einem anderen Politischen Zentrum errichtet werden soll. Auf den letzteil Sitzungen der Vorsitzenden-Komlnission itnb auf der Plenarsitzung vom 2. Mai Hot man die Frage der Einberufung eilles allgemeinen jüdischell Kongresses eingehend diskutiert, Tos Komitee beschloß, sich mit ollell Organisationen, die an .dieser Frage interessiert sind, in Verbindung zu setzen, und wird uad) Einholung der notwendigen Informotioilen darüber entscheiden, ob diese Parole ansgegeben werden soll. * Düstere Schlaglichter auf das Anwachsen des Antisemitisnlils in Berlin wirft ein Bericht der „Freiheit" über die Berliner Sicherheits-Verhältnisse. Das Organ der Berliner „ilnabhängigen" schreibt: „In den Vierteln, wo hauptsächlich Inden wohnen, so z. B. in der Grenadierstraße, sind die jüdischen Mitbürger faitnt noch ihres Lebens sicher. Besonders unter den patrvnittierenden Rogiernngssoldaten, die kür Verheßnngen leicht empfänglich sind, haben sie viel zu leiden. Alle Augenblicke werden sie besonders! in den Abendstnndeu durch Schreckschüsse erschreckt, man dringt in ihre Wohnungen zu jeder Tages- und Nachtzeit, mn Haussuchungen abznhalten, ohne daß jemals eine Anzeige hinterher erfolgt. Selbst vor Mißhandlungen scheuen die Soldaten! nicht zilrück und drohen, die ganze Grenadierstraße in Schlltt und Asche umznwandeln und alle Juden mit Brandbomben zu bewerfen. Wie weit ab ist dieses Benehmen noch von einem Iudengemetzel? Jeder anständig denkende-Mensch, ailch wenn er manches gegen die Inden auszusetzen hat, wird empört sein, daß sich Sitten, die ehemals in ganz rückständigen Gegenden üblich waren, nun auch nach Berlin verpflanzen." * Unter der Ueberschrist „Tie Juden in Oberschlesien" veröffentlicht die Korrespondenz des Komitees für den Osten folgenden interessanten Artikel: lieber die Bedeutung der Indem in; Wirtschaftsleben ObcrschlesieltS und deren Anteil an der hohen industriellen Entwicklung des Landes sind amtliche oder sonst einwandfreie Private Ermittlungen nicht, vorhanden. In Anbetracht der Wichtigkeit derartiger Feststettnngen im gegewvärtigen Politischen Moment haben wir uns angelegen sein lassen, unsererseits Schritte in dieser Richtung, zu unternehmen.. Es ift uns zuverlässiges Material ans den "Archiven des Oberschlesischei; Berg- und Hüttemnännischen Vereins zur Verfügung gestellt worben,