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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-05-23 · Heft 21 (23.5.1919) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 21 (23.5.1919)
Date
1919-05-23
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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SS. Jahrgang. Nr. 21 Berlin, 23. Mai itzlg Der Gemeindebote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums". LorrrsponLen?rn und Aachnchtrn. Lrutsliiiand. E. R. Berlin, 18. Mai. Tie heutige Sitzung der Repräsentantenversniuml'ung eröfsnete der Vorsitzende, Herr Geheimrat Tr. Mindere, mit folgender Rede: Meine sehr geehrten Herren! Ehe wir in unsere Tagesordnung eintreten, gestatten Sie mir, einige Worte vorauszuschicken. An allen Orten, an denen sich in diesen Tagen deutsche Männer zur Besprechung öffentlicher Angelegenheiten zusnnnnensinden, ist es ihnen nicht möglich, über das zu schweigen, was ihr Herz auf das tiefste bewegt. Während der Maimonat seine Reize über die deutschen Gaue ausschüttet, muß das deutsche Volk sich mit der seinen Vertretern in Versailles von seinen Feinden überreichten Schrift beschäftigen, ivelche sich zwar Friedensi n st r u m e n t benennt, aber eine Ausgeburt w i l d e st e r Selb st - f u ch t und t v d l i ch st e n M e n s ch e n h a s s e s ist. Tie Entrüstung, die alle deutschen Herzen durchzittert, wird selbstverständlich auch von der deutschen Judenheit geteilt. Aber können wir von unserem Standpunkt noch etwas anderes tun, als dieser Entrüstung Ausdruck zu geben * M. H.! Ter Präsident der Teutschen Nationalversammlung, der katholische Zentrumsabgeordnete Fehrenbach, hat in der Schlußrede bei dieser Beratung auch an die Neligionen appelliert und in tiefer Erregung gefragt: „Gibt es bei den uns feindlichen Nationen keine Bischöfe?" Sollen nicht auch wir in ähnlicher Weise fragen: „Gibt es bei unseren Feinden keine Bekenner der jüdischen Religion, ivelche doch als höchstes Ziel menschlichen Empfindens den B e r - | ö h 11 ungsta g eingesetzt hat?" -M. H.! Während des Krieges gibt eskeine Annäherung an die Glaubensgenossen im feindlichen Lager. Zeder kämpft für sein Vaterland, und daß die deutsche Zudenheit in dieser Hinsicht ihre Pflicht getan hat, dafür bürgen neben den vielen kriegerischen Ehren, die ihren Söhnen zuteil geworden sind, die unermeßlich zahlreichen blutigen Opfer, welche der Krieg uns gekostet hat. Wenn aber der Umstand, daß die Bekenner des Judentums in allen kämpfenden Nationen vertreten sind, dazu beitragen könnte, den W e l t f r i e d e n in einer Gestalt herbeizuführen, die f ü r all e Beteiligten e r t r ä g l i ch und e h r e n voll wäre, so wäre dies eine grobe Wohltat für. die Menschheit. Es würde eine Annäherung an das Prophetenwort bedeuten, daß dereinst die Schwerter in Pflugscharen mngefchmiedet werden sollen. Freilich — ein Mehre res als jolche Friedenswünsche zu hegen, können wir nicht tun. Wir deutsche. Inden teilen mit allen anderenDeutschen das gleicheSchickfal, daß unsere bestgemeintenHandlungen von bösartigenGegnern in ihr Gegenteil umgedeuret werden. Zch rann nicht verfchweigen, baß }\a) jetzt trauriger weile eine Richtung breit macht, ivelche versucht, die Bvlkswut gegen uns auszustacheln, uns als Blitzableiter gegen drohende Gewitter zu benutzen. Wir j'ino also von Jener prophetischen Zeit des allgemeinen Bölkersriedens noch weit entfernt. Was uns Jetzt von der Entente als „Völkerbund" vorgesetzt wird, das ist nichts als ein Bund v h n e und g e g e n T e u t s ch l a n 0. Aber auch an ihm wird ein altes Bibelwort in Erfüllung gehen: T er Stein, d e n die Baut e n t e v e r iv a r s e n , io i r 0 zu in E cf st e i n w erden so wird man einst von Deutschland und dem Völkerbund sagen. Zm Vertrauen und in der Hoffnung, daß jenseits des roten Blutmeeres, das die Menschheit jetzt ourchschritten hat, jenseits der faatenlosen Wüste, in der sie sich jetzt befindet, das gelobt e Land einer höheren Gesittung winkt, lassen Sie uns jetzt uns unseren Arbeiten zuwenden. (Lebhaftes Bravo!) — Folgende Zuwendungen wurden angenommen: 'Alfred Anders 5200 Mark, Eheleute Gumpertz 5000 Mark, Bernhard Eafparius 15 000 Mark, Frau Emilie Hartung geb. Steinthal 1000 Abart, Frau Rosa Seligsohn 10 000 Mark zur Errichtung einer Salomon-Seligjohn- Stis'tuug, für verschämte Arme. Benno- und Bertha Fuchs 2 000 Mark für die AlterversorgungsaiNstalt und 15 000 Abart für das 11. Waisenhaus. — Hierauf folgt eine Znterpellakion des Herrn Emil Pi neu s: Welche Maßnahmen gedenkt der Gemeindevorstand zu .ergreifen, tim, zu verhüten, daß die sich bei der diesjährigen Mazzotverteilung herausgestellten Mißstände, die allseitige Empörung hervorgernfen haben, nicht wiederholen? Zur Sache selbst bemerke ich, sagte Herr Pinous, daß im Fahre 1918 die Mazzotangelegenheik zu verhältnismäßig wenig Klagen Anlaß gegeben hakte, vermöge der damals obwaltenden Dezentralisation. Zn diesem Zahre aber, wo alles von der Oranienburger Straße in die Wege geleitet wurde, hat -der Apparat vollkommen versagt und sind mir von sehr vielen respektablen Familien, die ei-nen streng religiösen Haushalt führen, Klagen unterbreitet worden, daß sie, obwohl sie alle Formalitäten nach Vorschrift erfüllt und dafür ihre kostbare Zeit geopfert hatten, die zweite Hälfte -der ihnen zukommenden Mazzot überhaupt nicht erhalten haben. Ebenso waren unzählige Leute, die einen rituellen Hausstand führen, und die ihre Brotkarten vorschriftsmäßig gegen Mazzottarten abgegeben haben, in große Verlegenheit geraten, da sie weder die ihnen zustehende Mazzot bekamen, noch ihre Brotkarten zurückerhielten, so daß ihnen schließlich beides fehlte. Wie bekannt, haben manche Händler die Mazzot so spät erhalten, daß die Lieferung erst nach dem Sederabend geschehen konnte und Lenke, die das Gesetz strenge inne halten, ohne Mazzot blieben. Es dürfte dem Vorstand dagegen hinterbracht sein, daß der Schleichhandel in dev Gegend der Grenadierstraße in vollster Blüte stand, und daß das Pfund Mazzot für 12-15 Mart verkauft wurde, was natürlich das Aergernis noch erhöhte, Es ergiebt sich hieraus, wie sehr die ganzen Verhältnisse im argen lagen, und daß eine gründliche Abhilfe einzutreten hat, um so mehr, als -man immer wieder den Einwand zu hören betömmt, daß in der Adaß-Zisroel-Gemeinde sich alles in bester Weise abgewickelt hat. Tie Znterpellnkion wurde von Herrn Bad t beantwortet, der darauf hinwies, daß die Schwierigkeiten und Mängel, die nicht abgeleugnet werden sollen, in der Hauptsache darauf znrückzirführen sind, daß die Organisation in der Hauptsache nicht in den Händen der jüdischen Gemeinde, sondern in der Frankfurter Atazzot-Eentrale lag. Tie Gemeinde hat rechtzeitig verbucht, in den Besitz ausreichender Mengen von Mazzot zu gelangen, doch waren alle Bemühungen vergeblich. — Herr B e n a s L e v y bemerkte: „Alan müsse unbedingt zugeben, daß die Schwierig keilen in der Organisation lagen. Es müsse ein Beirat von Männern gewählt werden, die organisieren tön neu. Das müsse recht bald geschehen. Hoffentlich werde im nächsten Zahre alles geregelt sein." Herr Sanitätsral Tr. F e i l ch e n f e l d bemerkte: „Seit Zähren har der Vorstand im-mer wieder betont, daß es notwendig ist, einen streng konservativen Mann in den- Vorstand zu wählen, damit er dort alle Angelegenheiten, die für den streng konservativen Teil der Gemeinde in Betracht kommen, bearbeite. Obwohl der Gemeindevorstand sich stets als Vertreter der Gesamtgemeinde fühlt u.nd bemüht war, auch den streng rituell Lebenden, soweit es tu seiner Macht war, gerecht zu werden, so glaubt er doch, daß es wünschenswert sei, daß der Dezernent für diese Angelegenheit selbst der Richtung dieser Genteindeinitglieder angehöre und von dem vollen Vertrauen derselben getragen werde. Sodann fand die Einführung des zum höheren Verwaltungsbea mten gewählten Herrn Rechtsanwalt * Tr. B a n in statt, den Herr Geheimrat Tr. Stern m.it folgenden ehrenden Worten begrüßte: „Tie Wohlfahrtspflege sei jetzt in eine einheitliche Hand gelegt. Herr Tr. Baum habe sich wissenschaftlich auf sozialem Gebiet bewährt und werde das Wohl der Gemeinde fördern." Im. Namen des Repräsenkanten-Kollegiums sprach Herr Geheimrat Tr. Ali n den freundliche Worte des Willkommens. Er entrollte ein Bild aus der Vergangenheit jüdischer Wohltätigkeit u.nd verwies ans die veränderten. Verhälkrtisse der Gegenwart, denen Herr Banat vollkommen gewachsen sei. Tann folgte ein geheime Sitzung. Nach Herstellung der Oessentlichkeit wurde Herr Handelsrichter Marlin Lohse zum- Gent-eiude-Aeltesteu-Stellvertreter gewählt. Subventionen erhalten: Ouellbad 954,10 Mark, Krankenhaus 1100 Mark, Friedhof Weißensee 82 000 Mark, Krankenhaus zu Schwellenfundamenten des jextischen Operationsraums 2500 Mark, Verein Monte siore 300 Mark, Agudath Achim 4400 Mark, Ges.-Archiv der deutschen Inden 2500 Mark, Lehrerinnenheim Lichterfelde 200 Mark, Jedide Ilmim 500 Mark, Synagogen-Berein Hansabezirk 500 Mark, K urhospital Kolberg 800 Mark, Sportverein

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