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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-05-23 · Heft 21 (23.5.1919) · p. Seite 220

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 21 (23.5.1919)
Date
1919-05-23
Page
Seite 220 (sequence 4)
Language
German
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220 iWirfniffc fein Nlensch R'ücksicht nimmt und desien Ansprüche man mit der Hoiwbcnveglmg wegstreicht-. „Tenlschlenw verpflichtet sich, keiner der alliierten und assoziierten Regierungen direkt oder indirekt irgendwelche Geldfvrdernngeu für irgendwelches Ereignis, das vor die Inkraftsetzung dieses Vertrages fällt, vvrzulegcu." Das sind einige Beispiele der Vertragsbestimmungen, bei deren Festsetzung, wie Herr Elemenceau gestern unserer Delegation mitteilte, „die Entente sich ständig von den Grundsätzen habe leiten lassen, nach denen der Waffenstillstand und die Friedensverhandlnngen vorgeschlagen worden sind." m eine Damen n n d He r r e n! W i r h n b e n Gegenv v r s ch lüge ge m a ch t. W i r werden n o ch weitere machen. Wir sehen, mit Ihrem Einverständnis, unsere heilige Aufgabe darin, 3 it Berhandlnnge;t zu fomiiicn. Dies e r Vertrag ist nach Auffassung der R e i ch s r e g i e r u n g n n a n n e h m b a r , so n n n n n c h m - bar, daß ich noch nicht z u glaub c n v e r m a g , die Erde t ö n n e s 0 l ch e i n B n ch ertragen, 0 h n e d a si a u s Mil - l i 0 n e n n n b aber Bl illi 0 nen Kehl e n , a u s a l l e n Ländern ohne Unterschied der Partei der Ruf e r.- s ch a l l t: W e g mit diese m M 0 r d p l a n W i r k e n n e n it n s c r cn Weg. Uebe r di e s e B e d i n - g n n g e n darf e r nicht f ü h r e n! E s hieß e nicht a n Deutschlands Z n fünft zweifeln, s 0 n d e r n d i e s e Zukunft opfern, wenn wir anders denken und s ü h l e n w 0 l l t e n. 3 t e I) e n Sie n n s b ei b e i d e r A n b a h n n ne] d e r Ber - h a n d l n n g cn! L asse n S i e nie m a n d in der Welt d a r ü b e r i n Z w eifel, daß Sie eins mit uns sind, daß da s ganze V 0 l f e i n W ü ch t e r vor der Z u k n n f t u n f e r e r S\ inder n n d K i n d e ö k i n d e r. Ein einiges V 0 l k v e r m a g viel, g a n z besonders, lv cmi e s , m i e m i r heute, nicht nur f n r n n s fei b st, s 0 nd e r u f ü r die G e feit s ch a ft d e r N a t i 0 n c it dagegen P r 0 - t e st i e r cn, daß H a ß v crcnugt, d a ß F l u ch f ü r i m m e r v e r a n k e r t w erde! I h neu, den Mitgliedern de r Deutsch e n 9t a t i v n a l v e r s a mm l u n g, gilt heute d a s W 0 r t: Der Bl e u s ch heit W ü r d e i st i n E n r e H and g e g e b e n! Be w a h r et s i e! W i r d dieser Vertrag w i r k l i ch nute r s ch r i e b e n, s 0 i st nicht Deutschlands Leiche allein, die auf de m Schlachtfeld v 0 n Versailles liegen bleibt. Dali e b e n w e r d e n als e b e it f 0 edle L e i ch cn l i e g e il d a s S e l b st b e ft i m m u n g s r e ch t der V ö l k e r , die H n a b - h ä n g i g k e i t frei e r N a k i 0 n e n , d e r G l a n b e a n a l l die f ch v ne n I deale, unter der e n B a nne r d i e Entente zu fechten vorgab, il n d vor allem der G taube an d i e V e r t r a g S t r e il e Eine Verwilderung der sittlichen und moralischen Begriffe ohnegleichen, das wäre die Folge eines solchen Vertrages von Versailles, das Signal für den Anbrilch einer Zeit, in der wieder, wie vier Jahre lang, mir heimtückischer, grausamer, feiger, die Nation das mörderische Opfer der Nation, der Mensch des Vien scheu Wolf wäre! Wir wissen es lind wollen es ehrlich tragen, daß dieser kollunende Friede für inis eine Marter fein wird. Wir weichen nicht nm Fadens' breite voll dem zurück, was unsere Pflicht ist, ivas wir zugesagt habeli, was ivir ertragen müssen! Aber nur ein Vertrag, der gehalten lverdeli kann, eilt Vertrag, der mis am Leben läßt, der uns das Leben, als unser eiliziges Kapital zur Arbeit uub Wiedergutmachung läßt, nur ein solcher Vertrag kann die Welt lvieder aufbauen! Solcheiii Vertrag - - iuisere Unterschrift: feinen Bestimmungen unsere Dreue: seinen Aiiflageu - all Misere Kraft iind Arbeit! Nicht der Krieg sondern dieser harte, kasteiende Arbeitsfriede wird das Stahlbad für unser auf tiefste geschwächtes Volk [ein! Der Arbeitsfriede ist unser Ziel und Misere Hoffnung! Durch ihli können ivir den berechtigten Forderungen imserer Gegner gerecht werden, durch ihn allein aber auch unser Volk wieder zur völligen Gesimdillig führeli. Wir iiiüssen von der Niederlage lind den Krankheiten der Niederlage gesunden ebenso ivie imsere Gegiier von deli Krankheiten des Sieges! -Heute sieht es fast so aiis, als sei das blutige Schlachtfeld vvli der Nordsee bis 311 v Schweizer Grenze noch einmal in Versailles lebendig geworden, als käuipfkeii Gespenster über all den Leichenhügeln noch einen letzten Kampf des Hasses und der Verzweiflung! Wir käuipfeu liicht uiehr, wir wollen den Friedeii. Wir sehen mit Grailseii am Beispiel unserer Gegiier, welche Verzerrungen Gewaltpolitik und brutaler Militarismus Hervorbringen. Wir wenden uns schaudernd von dem jahrelangen Morde. Gewiß: Wehe denen, die den Krieg heraufbeschworen haben! Aber dreiuial Wehe über die, welche heute einen wahrhaften Frieden verzögern, mich nur um einen Dag! Preußischer Ministerpräsident Hirsch: Iiii Allftrage der Negierungen sämtlicher deutschen Freistaaten habe ich folgende Erklärung abzugeben: In allen Gauen Deutschlands lodert in diesen dunkelsten Tagen unseres Volkes die Erbitterimg auf über den Friedensvorschlag unserer Feinde. Sie haben im Herbst vorigen Jahres ieierlich den Nechtsfrieden versprochen. Aiif dieses Versprechen hin legten ivir die Waffen nieder. Nun bieten sie den Wehrlosen einen Frieden der Gewalt. Heute ist es klar, was die Feinde mit uns Vorhaben. Sie wollen itn§ für alle Zeiten ans der Reihe der Kultnrstaaten der Welt streichen und wieder wie einst zur völligen Ohnmacht verdammen. Sie wollen das arbeitsfrendige deutsche Volk 311 einem Knechtsvolk machen. Demgegenüber erklären wir, die Vertreter aller deutschen Freistaaten, vor aller Welt: Lieber tot als Sklav! l Beifall.) Tie Bedingungen, die dieser Friedensvorschlag uns auferlegen will, sind selbst von dem entsagungsbereitesten Volke nicht j zu tragen. Tie Anssührnng ist eine Unmöglichkeit, d a r u m i st dieser F r i e d e n s v 0 r s ch l n g it n a n n e h m b a r. (Lebhafter Beifall.) Wir sind in diesem Urteil einig mit der R e i ch s r e g i e r n n g (Beifall), w i r st e h e n einig u n d g e - s ch l v s s e u h i u t e r i h r. (Beifall.) W i r s p r e ch e n ihr i u dieser Stunde n n s er volles B c x t r a 11 e n a n s. Die Reichsregierlmg hat unsere Zustimmung zu dem Entschluß, diesem Friedcrnsenlwnrf der Gewalt einen solchen des Rechts, der Wiedergutmachung und der Bölterverföhnnng entgegenzustellen. Unsere Feinde urögeu sich hüten, auf irgendeine Uneinigkeit der deutschen Stämme zu rechnen. (Lebhafter Beifall.) In der bittersten und furchtbarsten Not, die unser Volk jetzt heimsncht, stehen wir alle in unerschütterlicher Dreue zum großen deutschen Vaterlande. (Lebhafter Beifall.) Das Deutschland von 1010 ist ein anderes als das von 1014, es ist ein neues, freies, demokratisches Deutschland. (Beifall.) Das freie Volk wird auch ans diesem llnglück einen Aufstieg finden, der alle Volker der Welk mit emporhebt. (Lebhafter Beifall.) * D e r Verband der deutschen Juden hat in der Sitzung seines Gesamtausschusses am 11. d. M. an den Reichspräsidenten folgendes Telegramm gerichtet: Angesichts der unserem deutschen Vaterlande von seinen Gegnern zugemnteten Bedingungen eines das deutsche Volt vernichtenden Friedens rlchrer oer Verband der deutschen Inden an den Herrn Reichspräsidenten ans dem Empfinden bitteren Schmerzes und tiefster Empörung die Versicherung, daß auch in den uns drohenden Zeiten schwerster Not die deutsche Indenheit in unverbrüchlicher Treue mit unerschütterlich festem Willen zu ihrem Varerlande steht, entschlossen, in ihm und mit ihm das Bitterste zu tragen, aber auch in der Zuversicht, daß es der Regierung und der deutschen Volksvertretung gelingen möge, einen Frieden zu erreichen, der auf den Weg zur Völkerversöhnung und damit zu den Menschheitsidealen führt, die das Buch der Bücher, die Bibel, gewiesen hat. Verband der deutsche n Jude n. (gez.) E a s s e l, Geheimer Justizrat, Vorsitzender. * Tie deutsche Gesellschaft für staatsbürgerliche Erziehung (Berlin-Halenfee, Lützowstraße 0) sendet uns eine Denkschrift, die in englischer Uebersetzung durch Vermittelung einer neutralen Beacht an den Präsidenten Wilson gesandt wurde. Die Schrift ist auch in französischer Sprache erschienen und hat in der internationalen Welt große Verbreitung gesunden. In diesen Tagen, wo der Tert der Friedensbedingungen zur öffent-

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