Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1919)
- Date
- 1919-05-16
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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ft c f lt als GerneiuderMsiner, Rabbiner Tr. Perles im Namen der Gemeindcbeamteu und' des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur. Konsul M i u f o tu s f i überbrachte dem Jubilar die Wünsche seiner persönlichen Freunde, Direktor P eritz die der Religionslehrer Ostpreußens, Rechtsanwalt Dr. L a z a r die des Jüdischen Gemeindevereins, Herr E. P i c ze n i t die.des Vorstandes der Alten Synagoge. Dr. Stein sprach für die Z i o n i st i s ch e Vereinigung und Herr Mendelsohn als ehemaliger^ Schüler des Oberkantors. Ten Abschluß der Feier bildete ein Psalm. Aus dem ganzen Reiche sind dem Oberkantor Birnbaum zahlreiche Glückwünsche und Aufmerksamkeiten erwiesen worden. Der Jubilar dankte mit sichtlicher Rührung für die herzlichen Kundgebungen. <20 Posen, 9. Mai. Den Bemühungen des Jüdischen Volksrats in Posen ist es gelungen, bei der Regierung die Gründung einer jüdischen Schule durchznsetzen. Die Jüdische Schule ist am 1. Mai d. I., vormittags 9 Uhr, in den Räumen Kl. Gerberstraße 11 mit den zwei untersten Klassen eröffnet worden. Zu genannter Zeit narren dort etwa 50 Kinder und eine große Anzahl von Eltern versammelt. Herr Lehrer Brzezinski eröffnete die Feier mit einer Ansprache, in der er seiner Freude über die Gründung-' einer jüdischen Schule in Posen Ausdruck verlieh und hervorhob, daß die Namen Tr. E a l v a r y , Dr. Galland und Dr. Köllen scher in der Geschichte der Schule unvergeßlich bleiben werden. Er dankte den Leitern des Jüdischen Volksrats für ihre Mühe und Ausdauer, den Eltern für das Vertrauen, das sie der Schule entgegenbringen. Darauf richtete Herr Gemeinderabbiner Dr. Frei in a n n einige herzliche Worte an Eltern und Kinder und wies besonders auf das religiöse Moment hin, das für den Geist dieser Schule so wichtig und kostbar ist. Herr Brzezinski sprach daraus noch einmal zu den Kindern, in dein er ihnen in Form eines Märchens ihre Pflichten klarlegte. Daraus bekam jedes Kind eine Tüte Bonbons. Tie Kinder der untersten Klassen tonnten nun nach Hause gehen, während die Kinder des zweiten Schuljahres zu einer kurzen Prüfung zurückblieben. Ter Schulunterricht begann am Freitag, den 2. d. M., um 9 Uhr vormittags, Tie Schule ist eine öffentliche städtische Schule und wird von der Stadt unterhalten. k>r. WÄrzburg, 9. Mai. Z u ein e r eindrucksvolle n Ehrung für den verstorbenen Tlstriktsrabbiuer Dr. Nathan Bamberger gestaltete sich der herzliche Nachruf, den Bürgermeister Gries er in der letzten Sitzung des Magistrats dem Heimgegangenen widmete. Der Bürgermeister ernmerte an die vielen Verdienste des Verlebten als Mitglied des Armenrats und hob dann besonders rühmend hervor, daß Rabbiner Bamberger eifrig und duldsam zugleich war, daß er als erfolgreicher Mitarbeiter an der geistigen und sittlichen Entwicklung unserer Stadt eine segensreiche Tätigkeit entfaltete, daß ihm, einem treuen Hüter des religiösen Friedens, einer ehrwürdigen Erscheinung, allzeit die Stadt ein ehrenvolles dankbares Andenken bewahren werde. Der Bürgermeister schloß, er werde am Grabe des Verstorbenen einen Kranz niederlegen. Das Kollegium erhob sich zu Ehren des Dahingeschiedenen von seinen Sitzen. - — Frankfurt a. M., 9. Mai. Am 27. v. M. fand im Parterresaal des Kaufmännischen Vereins die Generalversammlung (die erste seit Kriegsausbruch) des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe Frankfurt a. M., statt. Ter Vorsitzende Tr. M a i n z e r gedachte in warmen Worten der verstorbenen Vorstandsmitglieder Herrn Direktor Tr. Adler sowie Herrn Alfred Geiger und erstattete einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit der hiesigen Ortsgruppe im Rahmen des Zentralvereins während der Kriegszeit und insbesondere seit Ausbruch der Revolution. Dieselbe war rein passiver Natur und erschöpfte sich in der Abwehr von antisemitischen Angriffen und Maßnahmen, die überall in Stadt und Land zutage traten. Aus dem nächsten Delegiertentag werde man jedoch auch für die Schaffung eines positiven Programms ^orge tragen müssen. Betreffend die Kongreßfrage schilderte der Vor-- sitzende eingehend die ganze Entstehung der Kongreßbewegung in Deutschland und den Verlauf der wiederholt seitens des Geheimrats Fuchs mit den Zionisten in dieser Angelegenheit geführten Verhandlungen. Ter Zentralverein sei mit dem geplanten Kongreß sowie mit den für denselben von den Zionisten .ansgestellten drei Forderungen, insoweit sie die Anerkennung der Jndenheit als selbständiges Volk bezwecken, nicht einverstanden. Im gegenwärtigen Moment sei jedoch die Verhinderung desselben bereits unmöglich. Er empfehle daher, bt'n Zionisten nicht das Feld zu räinnen, sondern selbständig in den -Wahlkampf für einen jüdischen Kongreß einzutresten, da es für ihn sicher sei, daß man bei richtiger Aufklärung der jüdischen Bevölkerung den Zionisten eine große Niederlage wird bereiten tonnen. Nacheiner längeren Diskussion/ in der mehrere Redner für bzw. gegen die Beteiligung am Kongresse sprachen, wurde eine Abstimmung darüber vorgenommen, welche eine Mehrheit für die Teilnahme an einen: jüdischen Kongresse im angegebenen Sinne ergab. S£s> Stuttgart, 9. Mai. In Ergänzung des in der letzten Rümmer Ihres Blattes erschienenen Berichtes über das 25jährige Jubiläum unseres verehrten Herrn Rabbiners teile ich Ihnen folgendes mit: Am 12. v. M. waren 25 Jahre verflossen, seitdem Herr Oberkirchenrat Dr. K r o n e r das Amt des Ersten Rabbiners unserer Gemeinde übernahm. Reich an Erfolgen und Ehren war die Tätigkeit des heute noch überaus rührigen Mannes, den: die ganze Genwinde in Liebe anhängt. Dem Ernste der Zeit Rechnung tragend, wurde die Feier des Ehrentages auf Festgottesdienst und anschließende Beglückwünschung im lorbeergeschmückten Sitzungssaal der Gemeinde lwichränkt. Hierbei hob als Erster Präsident Dr. o. B ä l z in herzlichen Worten die Verdienste hervor, welche der Jubilar als theologisches Mitglied der Oberkirchenbehörde sich in hohem Maße erworben hat. Kirchenvorstehcr Schwabacher feierte unter Ueberreichung einer kunstvoll ausgestatteten Adresse den Meister der Beredsamkeit, den gütigen Seelsorger, den geistvollen Lehrer, den umsichtigen, stets sriedsertigen Borsitzenden des Kirchenvorsteheramtes. Rechtsanwalt Tr. G u nze n h a u s e r , welcher im Rainen der Vereine eine Adresse übergab, sprach den Dank aus für die ganz besonders hervorragende Wirksam keit des Jubilars zur Hebung des Vereinslebens und zur Förderung des Gemeinwohles. Das Kirchenvorsteheramt überreichte der Kirchenral-Dr.-Kroner-Stistung, welche den Namen seines allgemein verehrten Seelenhirten durch die Zeiten tragen wird, einen größeren Betrag, und auch aus der Nutte der Gemeinde erinnerte man sich dankbar der Liebe und des Trostes, die der Jubilar in langer ehrenvoller Laufbahn gespendet hat. lös hmen. zPrag, im Mai. In der Dschecho-Slowakei weilen zurzeit ungefähr 7000 jüdische Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina. Behufs Regelung ihres Aufenthaltes bis zur Heimbeförderung und Organisierung des Rücktransportes haben sich auf Auftrag der Delegation des Jüdischen Nationalrates für Lstgalizien Abgeordneter Heinrich R e : zes und Delegatioussekretür Leon W e ch s l e r am 10. d. M. nach Prag begeben, um im Einvernehmen mit dem Präsidium des Jüdischen Rationalrates für die Tschccho-Slo:oatei und mit dem dortigen Flüchtlingskomitee -diese Fragen zu listen. Rach vorhergegangenen Beratungen intervenierten im Laufe ihres viertägigen Aufenthaltes Abgeordneter Reizes,, Telegatioussekretär Wechsler, Präsident des tschecho-slowakischen Jüdischen Ralionalrates Dr. Singer lind Professor Tr. Engel in Flüchtlingssachen bei den: tschecho-slowakischen Minister des Innern, im Eisenbahn- und im Finanzministerium. Das Ministerium des Innern hat den Delegierten versprochen, für eine humane Behandlung der Flüchtlinge weiterhin zil sorgen. Das Eisenbahnministerium wird für die Flüchtlinge durchlausende, geichlossene Züge von den jetzigen Aufenthalts- bis zu den Heimatsorten zur Verfügung stellen und in den Militäreisenbahnverköstigung'sstationen ihre Verpflegung ermöglichen. Ebenso wurde von: Finanzministerium und vom Ministerium des Innern den Flüchtlingen die Mitnahme ihrer Habe und ihres Gutes än Rio biliar und an Geldwerten gestattet wie auch die weitestgehende Erleichterung bei der Beschaffung, von Reisepässen zugesichert. Die bis zur Heimbesörderung und für die Heimreise nötigen Geldmittel sind auf Intervention der Delegation des Jüdischen Rationalrates für Ostgalizien von der westukrainischen Regierung und dem amerikanischen „Joint Tistributions Committee" zur Verfügung gestellt worden. Sämtliche Zentralstellen und Behörden zeigten das weitestgehende Entgegenkommen, insbesondere wurde erklärt, daß eure zwangsweise Repatriierung angesichts der in den Heimatsorten der Flüchtlinge herrschenden Verhältnisse mcht in Erwägung gezogen wird. Flüchtlinge, die in der Kampfzone zwischen San und Bug ihre Wohnorte Haber:, rverden bis zur endgültigen Klärung der politischen