Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1919)
- Date
- 1919-05-16
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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könne. Je meh,r für bie liberale Ausgestaltung bei1 J-udeutumrs get.ati werde, desto mehr nähere mun sich dein echten, dem prokheti'- icheu Juöentume. A.us diesen Grundsätzen« leitete der. Rose reut öle einzelnen. Aufgaben des liberalen Judentums für Schule, Got^tesdienft, Familie rund Jat-geudip.flege ab. Mit. einem, h>offN'U.ng!s'f'rohen Ausblicke in .die Z'U.kunft -der jüdischen Religion- 'sowie der. Menfchhei'ts>v'erstiän>d'i!gun!g schloß der Redner seine Ausführungen, d,ie durch ihre Wärme und Klarheit eine starke Wirkung auf die Versammlung nusübten. — Herr Rechtsanwalt Dr. John W e r t h e i m behandelte in seiner Rede die Auf-gaben. und präzi-sierte insbesondere die Stellung des Liberalen Vereins dem Rationaljn.dent-nini gegenüber. Wenn auch die Liberalen für Dcmotr.mie feien und Dutbung in weitestem Urn,fange -übten, io dürsten sie doch nicht dem Kampfe iiu§ dem Wege gehen, wenn es sich um den For.tbestan.d-der jüdii-schen- Ne>l-igion handle. Es seiein Ruhmes-blat-t in. der Geschichte der Berliner Repräsentantenveriain-inlung, dast ihre lib.ralen Mitglieder trotz ihrer Zahlennrä.stiigen lieberlegr.n.hei-t doch stets allen religiösen Richtungen^ gerech-t w-urd«eu. 'Aber gegenüber dem gefährlichen Treiben, der R-ationalj-uden, die ohne Rücksicht aatf die Anschauungen rmd Enlp:find.u.n-g.en der R-ichtzi'on.isten die jüdischen Religionsgemeinden in Bolksgemeinden und die jüdische Religionsgi0M't'i-n.scha'st m Teu-t-schLmrd in eine V'0'l't>s.g,emei-n^,chas!ti tmu-waudeln wollen, müsse die Duldung aushören und der Kamps beginnen. Bei.den bevorstehenden Repr-üsen-tan1enw.ah'len handle es sich um dt? En-lsche ivung, ob die jüdische G.l.aubensgemeiuschaft als fo.lche we.iiterbestehien oder ob die Jarden als Angehörige eines fremden Volkes behändel.t werden '«ollen. Ter Redner wies >a-n der Hand der von den. ^dationaljudon aufgestellten Thesen nach, welche unerträglichen Folgert der ei nein Siege der Zionisten iw der Ha-n.ptgeme.inoe Deutschland* für das ganze derltsche Judentum eintreten müßten. Mit einem rvarrnen Appell, dein Liberalen Verein beizutreten und dadurch dem. Liberalismus zum Siege zu verhelfen., schloß der rltedner seine Anssührungen, die einmütige Zustimm-ttug u-nö reichen Beifall fanden. — Hierauf nahm Frau Herrriette M a y das Wort zu ihrem Vorträge: „Das liberale Frauenprogramm". Tie Redner in beha-ndel-te in. tief durchd,a«chter und warm empfundener R«ede die Aufgaben der Frau, der AbuAer und oer Erzieherin, vm neuen Deutschland. In überzeugender Weife era-l sie für die Gleichberechtigung der Frau, im jüdi-fchen Gemeindolebeu -ein und wies nach, daß die Tätigkeit der Frau -in der Ge-mcin-dostube, in der J.ugendpf.lege unö im sozialen soivie gottesdienstlichen Leben der Genie i n de unenibehrlich und von größtem Segen sein werde. Besonders werde die Frau das religiöse Empfinden der Jugend stärken, wenn sie im Geiste des Liberalismus, im Einklänge mit den Forderungen «der Zeit -ihre Wirksam kei-t aus übe. Ter Muttermund, der das Kind die Muttersprache lehrte, werde es >a«iich verstehen, der Iiigen-d heilsauien Rat bet den gropen Leiden der Zeit zu erteilen u-nd Jünglinge und J.ungfraiien vor rllbir-rungen zu bewahren, ivie sie in den Reden des 'Abends zum Ausdruck gekommen seien. — An die Referate ichloß sich eine lebhafte 'Aussprache, an der sich besonders die Herren Dr. Salomo nfki, Tr. Wertheim, Seminar lehrer Falkenberg und Zahnarzt Lipschitz beteiligten.. A-uch die Gegner kamen zu Worte. Von der konservativen Partei sprach Herr Last, der s-ei'Ne Zustimmung zu den Bestrebungen des Ltbera.leu Vereins ausdrückte. m* bednu-re das ungerechte Urteil, das in -der Gemeinde zum Teil über Herrn Dr. Kelürmann Platz gegriffen habe. Er hätte gewünscht, daß die Anssührungen des Herrn Dr. Kellermann von recht vielen seiner Gegner gehört worden wären. Sie würden an deni heutigen Vi-bend eruos Besseren belehrt worden sein, wie dies auch schon zu einem f.hr großen, Teile durch die autzerordeutlich lehrreichen Vorträge des Herrn Dr. Nellermnnn, die er in der Synagoge Levetzowfrraße haue, geschehen sei. Die Bersammlung, die ü-veraus stark besticht war, siührre dem Liberalen Verein eine Anzahl Mitglieder zu. 22 Berlin, 13. Mai. Der R a b b i n e r v e r b a n d für Deutschland führt in einem Rundschreiben an die Vorstände der Synagogengemeinden Deutschlands aus: „Die Reugestaltung der politischen Verhältnisse in unserem Vaterlande wird auch weitgreisende Veränderungen in der Organisation der jüdischen Gemeinden Hervorrufen. Welchen Einfluß die in dieser oder jener Form zu erwartende „Trennung voii Staat und Kirche" auf das Schicksal und die Lebenskraft iinserer Gemeinden ausüben wird, ist mit Sicherheit noch nicht zu erkennen. Eins steht fest: Die Heranziehung und Zusamuiensafsttng aller verfügbaren Kräfte wird jetzt dringendstes Erfordernis. Vor allem wird der Rabbiner nach der Trennung von Staat und Kirche als der Vertreter der Religion in das Lebeuszentrum der entpolitisierten Religionsgemeinden gestellt werden müssen. Don seinem Wirken wird in vielen Füllen noch weit mehr als bisher geradezu der Bestand der Gemeinden abhängig sein. Daher muß er auch im dringendsten Interesse unserer heiligen Sache an alleil Angelegenheiten des Gemeindelebens und zumal an der Leitung und Verwaltung derselben teilnehmen. Zur unerläßlichen Durchführung dieser Forderung muß dem Rabbiner die Stellung eingeräumt lverden, die ihm ein solches Arbeiten ermöglicht. Dem Rabbiner muß im neuen Gemeiudestatut Sitz und S t i m in e in B v r st a n d eingerämut werden. Ein verehrlicher Gomeindevorstand wird darum gebeten, bei der berorstehenden notwendigen Neuorganisation dieser sachlichen Forderung zu ihrem Rechte zu verhelfen and zunächst Sorge zu 'tragen, daß der zuständige Rabbiner (gegebenenfalls der dienst-älteste vder zur Vertretung beider Richtungen die beiden dienstältesten) Mitglied -der dortigen vorbereitenden Organisationskommission werde. In verschiedenen Gemeinden sind diese Bestrebungen bereits -in die Wege geleitet, zu einem Teil auch schon erfüllt lvorden." A. F. Berlin, 13. Mai. Bor einem zahlreich im Schiller-Saal (Eharlottenburg) erschienenen Publikum ließ sich Oberkantor Singer (Kattowitz) am 5. d. M. in einem Konzert hören, in dem er ernste und heitere von ihm komponierte Gettolieder vvrtrug. Als Einleitung spielte er seine Kol-Ridre-Klavierphantasie, in der er die alte traditionelle Melodie mit harmonischen Reizen würzte und die ganze Piece mit geistreichen Imitationen und charakteristischen Figuren uuuvob. Dann folgten Gettolieder und Balladen ernsten Gehalts, die Herr Singer mit seiner Empfindung und mit uwhlgebildeter voluminöser Stimme zu Gehör brachte und damit rauschenden Beifall erntete. Wie Herr Singer im ersten Teil es meisterhaft verstanden hat, synagogale Gesangsweisen zu Veriverteu, jo ist ihm der heitere Stil für den zweiten Teil des Programms ebenso güt geglückt. Auch hier löste die Kompositionen sowohl als der Vortrag derselben die beste Wirkung bei der Zuhörerschaft aus. Herr Oberkantor Singer hat sich mit seinem Liederabend als Komponist, Klaviervirtnose und Sänger aufs vorteilhafteste beim Berliner Publikum eingeführt. 2/D Berlin, 13. Mai. Die ordentliche Telegiertentagung des Verbandes de r j ü d i sch em I u g e n d v e r e i n e T e utschlands, die ursprünglich für Pfingsten d. I. vorgesiehen mar, ist mit Rücksicht auf die zu erwartenden Einschränkrlngen des Eisenbahnverkehrs uut eine Woche verlegt lvorden und findet nunmehr endgültig am 1 5. und 16. Juni 1919 statt. Die Tagung wird in Berlin abgehalten lverden. Tie Delegierkentagung lvird mit einer Gedenkfeier für die im Kriege gefallenen Verbandsmitglieder eingeleitet. Die weitere Tagesordnung ist wie folgt festgesetzt: Sonntag, den 1 5. I u n t 19 19: 1. Bericht des Verbandsvorsitzenden. 2. Generaldebatte (insbesondere Aussprache über Neutralität, Kongreß, Palästinasrage und über die besonderen Ausgaben der jüdischen Jugend beim Wiederaufbau Deutschlands). Montag, den 16. Juni 1919: Referate über: 1. „Wie fördern wir den religiösen Sinn der jüdischen Jttgeud^" 2. „Frühehe, Mischehe, sexualethische Fragen und die soziale Umschichtung der Jugend im neuen Deutschland/ 3. „Die Bekämpfung des Antisemitismus." 4. Satzungsänderungen. 5. Festsetztm-g des Verbandsbeitrages. 6. Wahlen. 7. Anträge, d. Verschiedenes. er. Königsberg i. Pr., 9. Mai. Das 40jährige Jubiläum unseres O b e r k a n t o r s Bi r n b a u m gestaltete sich zu einer wirtlichen Gemeindefeier, an der alle Kreise und Parteien in unserer Gemeinde herzlichen Anteil nahmen. Vertreter zahlreicher Körperschaften hatten sich in der Wohnung des Jubilars eingefunden, um dem weit über die Grenzen unserer Provinz geschätzten und geachteten Manne Glückwünsche zu seinem Ehrentage darzubringen. Die Feier wurde durch einen Gesang des Synagogenchors eingeleitet. Es folgte eine Reihe von Ansprachen, in denen die Verdienste gefeiert wurden, die sich. Oberkantor Birnbaum im Lause seiner langjährigen Tätigkeit als Oberkautor rnn die hiesige Gemeinde erworben hat. Jtlstizrat Holz überbrachte die Glückwünsche des Vorstandes der S y n a g o g e n g e m e i n d e, Professor Dr. Rudolf Cohn die der R e p r ä s e n t a n t e n v e r s a m m l u n g. Herr S\ asso w s t i sprach als Synagogenvorsteher, Rabbiner Dr. Vogel-