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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-05-16 · Heft 20 (16.5.1919) · p. Seite 214

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 20 (16.5.1919)
Date
1919-05-16
Page
Seite 214 (sequence 10)
Language
German
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214 Liebe - zur Dichtung und Kunst, der lebhafte Wunsch, zu hübschem und noch besserem Verstände zu leiten, prägten stets feine Fachschriften, die ganz besonders wahrend der ersten Jahrzehnte zu den beachtetsten innerhalb unserer Preffewelt gehörten, was in der literarisch und historisch geschulten Kritik damals ziemlich selten war. Für die Nachwelt und wohl auch für die Zukunft die wicht'.gsten Arbeiten Marburgs sind indessen die literarwissenschaftlichen Arbeiten. Es gibt wohl kaum einen Teil der schwedischen Literaturgeschichte, als den von 1700 bis 1800, den er nicht einer grundlegenden Behandlung unterzogen hätte. Ueberhaupt hat er eine ganz -einfach großartige Kulturarbeit aus diesem Gebiete niedergelegt, die für alle Zeiten seinen Ranzen neben den -Gustav Ljunggrens und Henrik Schütz' befestigt. Er war vor allen Dingen Historiker. Und dies verlieh Ahm eine besondere Stärke bei der Durchführung seiner großen Aufgabe, der er sich unterzog. Kaum ein anderer als er hätte sich an das riesige Unternehmen machen können, die literarische Entwicklung der letzten zwei Jahrhunderte zu schildern, in der aufklärenden und interessanten Art, die sein größtes Merk auszeichnen, die letzten vier Bände der „Illustrierten schwedischen Literaturgeschichte". Er war kein Dogmatiker, kein Autorsitätsdespot, er srlchte nie seinem Werk einen Stil unfehlbaren Kanons zrl verleihen. Er war auch kein kaltblütiger Analytiker, sondern sachlich und geradezu!. Die Monographie nach dem Muster der englischen Life and - Bücher war im übrigen die Form, der sich Marburg am liebsten bediente. Er hat eine stattliche Reihe solcher Monographien hinterlassen, z. B. das mit dem großen Preise der schwedischen Akademie belohnte Buch über Olos Balin (1884) und die neue, umgearbeitete Auslage von „Annemarie Lennren", die er im vorigen Jahr herausgab. Da ist die große reiche Biographie von Viktor Rückberg und die kleinere bedeutendere über Earl Loelfky. Ein Buch über Liedner und eins über Earl August Ehrensvärd sowie die politisch-historische Zeichnung Johann Gabriel Riecherds. Eine Unzahl kleinerer Aufsätze und Artikel über spezielle Themata gehörte auch zu seinem imponierenden Werk und gleichwohl ist er von vielen Plänen und noch ungeschriebenen Werken fortgegangen. Trotz seines Pensionierungsalters und der vielen nach ungleichen Seiten ziehenden Beschäftigungen, die es bewirkten, daß er sich selten ungestört einer literarischen Ausgabe widmen konnte, war er immer eifrig von neuen Plänen in Anspruch genommen. Es ist ein wehmütlg.u Gedanke, daß dieser noch so starke Wirksamkeitstrieb, diese Tauer der jugendlichen Arbeitskraft vorbei sind. In den letzten Jahren erschien er indessen mehrmals sehr abgespannt und litt zuzeiten unter einer heftigen Depression. ck?r erholte fick, jedoch und war wiederum derselbe wie vorher. Seine Persönlichkeit wird nicht weniger entbehrt werden als seine Wirksamkeit. Es lag etwas Unkonventionelles und Frisches über seinem Wesen. Fast immer von tausend ungleichen Dingen in Anspruch genommen, die sich in den Gesprächen mit ihm ruckweise vordrängten, war. er meist zerstreut und noch immer lebhaft und interessiert. In dem außerordentlich zahlreichen Freundes- und Bekanntenkreise war er ebenfalls sehr beliebt, eines der erfrischenden Elemente, das so gut zu brauchen und so selte« zu finden ist. R a ch vo o r t v o n L u d w i g G e i g e r : Es gehört zu meinen schönsten Erinnerungen, wie Earl Marburg, den ich bisher gar nicht gekannt hatte, mich bei meinem Aufenthalt in Schweden bei Gelegenheit zweier Vorträge, des einen vor gemischtem Publikum über „Goethe und die Renaissance" und des anderen in einem jüdischen Kreise über „Goethe und die Inden", in der ihm unterstellten Röbel- Bibliothek herumführte und mir allster dem von mir herallsgegebenen Goethe-Jahrbuch die stattliche Reche meiner Schriften zeigte, und wie er mich einige Tage später in seinem gastlichen Heim mit einem köstlichen Diner bewirtete. Er hatte außer meinem Freunde Klein, der in Stockholm mein ständiger Begleiter war, lind der auch die beiden Vorträge vermittelt hatte, die hervorragendsten Professoren von Uppsala und Stockholm eingeladen, und ich denke noch, mit Stolz und doch mit-einer Art Wehmut der angenelMen Gespräche, die ich nvlt vielen der bedeutenden Männer, n. a. mit dem Literarhistoriker Schück und dem Archäologen Montelius geführt habe. Mit Stolz und Wehmut. Jener war begründet in der hohen Achtung, welche die ersten schwedischen Gelehrten einem Ausländer erwiesen; diese wird hervorgerusen durch die Empfindung, daß solche Zeiten für lange Jahre vorbei sind- Earl Marburg spielte den Wirt mit größter Anmut lind Liebenswürdigkeit. Ich habe ihn später bei mir und im Hause des Literarhistorikers R. M. Meyer wiedergesehen und gelegentlich briefliche Beziehungen mit dem trefflichen Manne unterhalten. Jedem das Semige. (Schluß.) Roman von M. Pulvermann. fpt öle Hingabe und hochherzige Selbstopferung, der Kern- Punkt desjüdischen Volkes!" murmelte er leise. Dieser Satz aus Klaßners Buch beherrschte seinen Geist. Es war der Schlußsatz, den er erst vorhin gelesen, und er hatte sich iet fest voraenommen. diesem Satz entsprechend sein aanzes. künftiges Leben zu gestalten. Dazu aber aab es keinen besseren Anfang als den. der sich ihm jetzt darbot. um alle Zweifel schwinden zu lassen. Hier bei diesem Mädchen sab er ia ein würdiges Vorbild für solche Hingabe, für solche Selbstovia'una. Ja, für diese Tugenden entwickelte dieses schwache Mädchen aorndenl eine erstaunliche Riesenkraft, daher >'war ße auch des Mannes würdig, der es mit fester und klarer Stimme ausgesprochen. daß Israel die verkörperte, ewig andauernde Opferfreudigkeit der Welt bedeutet. Aber er, Buraer, war dach auch e'ner vrm Israel! Sollt er sieb da schwach meinen? Rein, was dieses Mädchen kann, das bringt er ja spielend und leicht fertig. Ein scharfes Pochen an der Tür unterbrach seinen Gedankengana. ..Es ist Stella!" rief er, ungebalten über die Störung. Alice überlegte einen Anaenblick. ehe sie svrack: „Rein. Stella ist bei der Mutter." Plötzlich svrana sie schreckensbleich auf und ging voller Aufregung m Buraer hin, dem sie leiden-- schaftlich zurief: „Es ist Klaßner! Adolph, sage ihm, daß ich keinen Menschen sehen will! Sage ihm, daß du seine Worte der Teilnahme uns übermitteln wirst, denn ich nehme an, daß er nur deshalb jetzt kommt. Geh doch!" drängte sie ihn bebend. „Schicke ihn schnell fort. Adölvh. denn - . " „Du willst ihn nickst sehen? Wirklich, du willst ihn gar nickst sehen?" Seine Stimme steigerte sich, als er die Frage wiederholte. „Rein!" Sie rang verzweifelt die Hände. „Dir hast aber eine eigene Art, „Rein!" zu sagen, wenn du mit allen Fasern ..Ja!" sagen möchtest." bemerkte er mit einem schlauen. Lächeln, als er das Zimmer verließ. Er traf Klaßner im Nebenzimmer, der ihm hastig entgegenkam. „Es ist wirklich schrecklich," sprach Klaßner nach einer flüchtigen Begrüßung mit gedämpfter Stimme. „Ich fand seinen

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