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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-05-16 · Heft 20 (16.5.1919) · p. Seite 213

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 20 (16.5.1919)
Date
1919-05-16
Page
Seite 213 (sequence 9)
Language
German
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213 Bund mit den weltlichen Fächern eine Wiedergeburt und Erneuerung unserer Jugend, d. h. unserer Zukunft, herarn- Zufuhren. Nützen wir die Stunde! Es ist ein denkwürdiger Moment nicht nur in der Weltgeschichte, mehr noch in unserer eigenen eingetreten! Erringen wir die jüdische Einheitsschule! Carl Johann Marburg". Lebenswerk, dem der Tod jetzt ein so unerwartetes xLJ und vorzeitiges Ziel gesetzt hat, war ein im seltenen Maße umfassendes, vielseitiges und bedeutungsvolles. Die schwedische Humanistische Vereinigung, die schwedische Schriftstellerwelt und die schwedische Journalistik erleiden durch das Hinscheiden Earl Marburgs einen..sehr ernsthaften, zurzeit unersetzlichen Verluste 1; £> Vielseitig in seinem Können, unermüdlich in der Arbeit, allseitig in seinem Interesse, war der Entschlafene eine der stets wirksamen, stets wohlwollenden und fördernden, nie negativen Naturen, deren Freude darin besteht, etwas auszurichten, bei allem, was geschieht, mit dabei zu sein. Niemals lau, niemals gleichgültig, immer Feuer und Flamme, sich keiner Anstrengung und Mühe entziehend, wieder einer der nicht zu vielen, die niemals altern, nicht erschlaffen, nicht blasiert werden. Er gab sich dem, was ihn beschäftigte, vollständig hin; er gönnte sich keine Ruhe, ehe er gewirkt hatte, was er seiner Ansicht nach wirken mußte. Er war warm und gutherzig. Er war in seinem Gemüt und äußeren Auftreten kein gewöhnlicher Mensch, und er war nie bestrebt, sich zur herkömmlichen Steifheit und Schablone zu erziehen. Er war eine Individualität, die eine sehr fühlbare Lücke in dem Teil unserer wissenschaftlichen Welt hinterläßt, die sich nicht in eine Spezialität einschachtelt, sondern mit wachen Augen und eifriger Teilnahme sich unter die Arbeiter des Tages mischt. Earl Marburg wurde am 23. November 1852 in Göteborg geboren, wo er auchauswuchs. Die Studienjahre verlebte er in Uppsala. Es war eine schnelle und glückliche akademische Laufbahn. Schon 1877 war er Dr. phil. und war schon im vorhergehenden Jahre an Stelle Nyblons Dozent der Literaturgeschichte geworden. Zum näheren Kameradenkreise in Uppsala gehörte u. a. auch Strindberg, der späterhin in Marburg während langer Jahve einen bewundernden und treu helfenden Freund besaß, bis das Verhältnis sich endlich auflöste. Lange ehe Marburg seine Universitätsstudien abgeschlossen hatte, schon 1872 hatte er begonnen an der „Göteborger Handelsgeitung" mitzuarbeiten, deren fester Mitarbeiter er nach fünf Jahren wurde. Während seines ganzen Lebens betätigte er sich ans den verschiedensten Gebieten journalistisch, Prof. Dr. warburg (Stockholm) ’) Nach einem Artikel von Rüben Gerson Berg in „Svenska Dagbladet". Warburg ist am 18. September 1918 gestorben. wie er sich von Anfang an in Literatur, Kunst nnd Theaterkritik, sowie dem sozialen Leben, d. h. Humanitären, politischen und kommunalen Fragen, widmete. Während seiner Göteborger Zeit schloß er enge Freundschaft mit einem Kollegen von der Handelszeitung, Viktor Rückberg. Warburg — und Niels Linder — widmete Rückberg seinen „Waffenschmied", als einen Ausdruck dieses langjährigen intimen Vertrauens. Das genügte indessen dem tüchtigen jungen Literarhistoriker nicht. 1870 bis 1890 bekleidete er auch den Posten eines Bibliothekars am Museum in Göteborg und betrieb während der Jett auch eine fleißige und erfolgreiche wissenschaftliche Schriftstellerei. Diese war sogar so bedeutend, daß, als die junge Hochschule in Göteborg eine Professur in Aesthetik, Kunst und Literaturgeschichte erhielt, Wdrburg, der selbstverständlich Anwärter darauf war, auf Empfchlimg von Gustav Ljunggren und Viktor Rttckberg ihr erster Inhaber wurde. In dieser Eigenschaft wirkte er nur ein Jahrzehnts der Tod eines lieben Angehörigen veranlaßt? ihn, von Göteborg fortzuziehcn, nnd so nahm er das Anerbieten an, die schwedische akademische N o b el-Biblio th ek zu errichten und zu leiten. Der plötzliche Tod Levertins veranlagte ihn noch einmal, eine Professur in Literaturgeschichte anzunehmen, und zwar an der Stockholmer Hochschule, deren Berufung er 1909 nach einigen Zweifeln zögernd annahm. Im vorigen Jahre, bei Eintritt der Pensionsberechtigung, legte er diese Stellung nieder, tat aber seinen Dienst, bis der Nachfolger gewählt war. Außer diesen Aemtern hatte er eine große Anzahl von Aufträgen und Arbeiten zu erledigen: so war er Vorstandsmitglied oder Präsident mehrerer Institutionen und Gesellschaften und war 1905 bis 1908 Mitglied der Zweiten Kammer des Reichstages nnd viele Jahre lang Stadtverordneter in Stockholm. Konnte er mit Römer sagen: null» cli«8 sine linea, so konnte er auch trotzdem Anspruch dararif machen, seine Energie und seine Kenntnisse tausendfach verschiedenen Unternehmungen und Aufgaben zur Verfügung gestellt zn haben. Hier sei nur besonders an eine einzige all dieser Vertrauenskommissionen erinnert, die er übernahm und eifrig ausführte, den Vorsitz des Schwedischen Schriftstellervereins. Hierbei entfaltete er eine unermüdliche, schließlich sieggekrönte Arbeit, um den Anschluß seines Landes an die Berner Konvention zu bewerkstelligen. Die Schriftstellergruppe des Jahves 1880 hat reiche Veranlassung, ihm für das Verständnis und die Sympathie, die er ihr entgegenbrachte, zu danken. Er suchte die Erscheinungen gerecht und objektiv einzuschätzen und hat manches Wort kluger Einsicht nnd gesunden Verständnisses gesprochen. Jnr großen ganzen besaß er einen bvn sens, um den ihn mancher äschetische Feinschmecker beneidete, war aber kein Führer oder Bahnbrecher nnd wollte es auch nicht sein. Warme

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