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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-05-16 · Heft 20 (16.5.1919) · p. Seite 210

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 20 (16.5.1919)
Date
1919-05-16
Page
Seite 210 (sequence 6)
Language
German
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bßrfeiten unterbleiben und in den Theatern nur solche Darstellungen zur Aufführung gelangen, die den: Ernste dieser schwersten Zeit entsprechen. Ein Aufruf an das deutsche Volk. Berlin, 8. Mai. (W. T. B.) Der Reichspräsident nnd die Reichsregierung wenden sich mit folgendem Aufruf an das deutsche Volk: „Ter ehrliche Friedenswille unseres schwer duldenden Volkes fand die erste Antwort in ungemein harten Waffenstillstandsbedingungen. Das deutsche Volk hat die Waffen niedergelegt und alle Verpflichtungen des Waffenstillstands, so schwer sie waren, ehrlich gehalten. Trotzdem setzten unsere Gegner sechs Monate lang den Krieg durch Aufrechterhaltung der Hungerblockade fort. Das deutsche Volk trug alle Lasten im Vertrauen aus die durch die Rote vom 5. November von den Alliierten gegebene Zusage, Saß der Friede ein Friede des Rechts auf der Grundlage der 14 Punkte Wilsons sein würde. Was uns statt dessen jetzt in den Friedensbedingungen geboten wird, ander spricht der gegebenen Zusage, ist für das deutsche Volk unerträglich und auch bei Aufbietung aller Kräfte unerfüllbar. Gewalt ohne Maß und Grenzen soll dem deutschen Volk angetan werden. Aus solchen: aufgezwungenen Frieden mühte neuer Haß zwischen den Völkern und im Verlauf der Geschichte neues Morden erwachsen. Die Welt mühte jede Hoffnung auf einen dse Völker befreienden und heilenden, den Frieden sichernden Völkerbund begraben. Zerstückelung und Zerreißung des deutschen Volkes, Auslieferung der deutscher: Arbeiterschaft an den fremden Kapitalismus zu menschenunwürdiger Lohnsklaverei, dauernde Fesselung der jungen deutschen Republik durch den Imperialismus der Entente ist das Ziel dieses Gewaltfriedens. Die deutsche Volksregierung wird den Friedensvorschlag der Vergewaltigung mit dem Vorschlag des Friedens des Rechts auf der Grundlage eines dauernden Völkerfriedens beantworten. Die tiefe Erregung, die alle deutschen Volkskreise ergriffen hat, legt Ze::gnis dafür ab, daß die deutsche Regierung den geschlossenen Willen des Volkes zum Ausdruck bringt. Die deutsche Regierung wird alle Kräfte anspannen, um für das deutsche Volk dieselbe natiormle Einheit und Unabhängigkeit und dieselbe Freiheit der Arbeit in Wirtschaft und Kultur zu erringen, welche die Alliierten alten Völkern Europas geben wollen, nur unserem Volke nicht. Unser Volk u:uf; sich durch eigenes Handeln retten. Angesichts dieser Gefahr der Vernichtung müssen das deutsche Volk und seine von ihm selbst gewählte Regierung zusammenstehen. Ohne Unterschied der Partei möge Deutschland sich zusammenschließen in dem einmütigen Witten, das deutsche Volkstum und die gewonnene Freiheit zu bewahren. Jeder Gedanke, der ganze Wille der Nafton gehört jetzt der Arbeit für die Erhaltung und Wiederaufrichtung unseres Vaterlandes. Die Negierung ruft alle Volksgenossen auf, in dieser schweren Stunde mit ihr auszuharren in wechselseitigem Vertrauen auf dem Wege der Pflicht und im Glauben an den Sieg 'der Vernunft und des Rechts. Der Reichspräsident: E b e r t. Tie Reichsregierung: S ch e i d e m a n n , T e r n b u r g , Bauer, Bell, David, E r z b e r g e r , G o t h e i n , Roste, P r e u h , Wissel l, S ch m i d t. * Ueber eine Kundgebung der Danziger Indenschaft gegen die polnische Gewaltpolitik wird aus Danzig, 5. Mai, folgendes gemeldet: Die D a n z i g e r I u d e u f ch a f t gegen die p o l n i s ch e G e rv a l t p v l i t i k. Ter Vorstand und die Vertreter der jüdischen Gemeinden Danzigs sowie der Ausschuß des Vorstandes der Westpreußischen S y n a g o g e n - G e m e i n d e n richteten folgende Entschließung an unsere Friedensabordn-nug: „Mit allen anderen Deutschen erheben auch die deutschen Juden in Danzig und Westpreußen in letzter Stunde ihre Stimme, um gegen jede Abtrennung deutschen Gebiets von unseren: Baterlande nachdrückliche Verwahrung einzulegeu. Unlöslich sind wir mit unseren: deutschen Baterlande verbünde::, sind deutsch und wollen es bleiben. Entgegen der haltlosen Behauptung der Polen, daß Danzi-ger. Inden den Anschl-uß an Polen wünschen, wehren wir uns mit unserer ganzen Kraft dagegen, daß auch nur ein deutscher Jude unter die Gewaltherrschaft der Polen kommt. Bis in die letzte Zeit haben diese bewiesen, daß sie weder nationale noch religiöse M i n d e r h eiten d u l d e n und achten. Bis in die letzte Zeit haben sie unter schmählicher Verleugnung' aller abgegebenen Zusicherungen und in einer jeder Menschlichkeit hohnsprechenden Weise gegen die Juden Pogrome veranstaltet, die den Abscheu der ganzen Kulturwelt erregen. Deshalb wehren sich die Juden der bedrohten Landesteile nicht nur gleich allen anderen Deutschen dagegen, ihr deutsches Volkstum aufzugeben, sondern müßten es als ein« b e s anders g r a u s a m es Ges ch i ck empfinden, polnischer Willkür und Unduldsamkeit ausgeliesiert zu werden. Wir wenden uns mit unseren: Notschrei an das Gewissen der Welt und rufen auch jetzt noch diejenigen an. in deren Händen die politische Gestaltung der Zukunft liegt, uns vor diesen: Schicksal zu bewahren." * Der Berliner „Vorwärts" vom 6. Mai enthält folgende bemerkenswerte.' Notiz: . Weiß b a s K r i e g s m i:: i st e r i u :n davon? Wie uns mitgeteilt wird, prangen neuerdings an: Hauptportal der Bibliothek. Unter den Linden, zwei Plakate, deren eines einen Werbeausruf für eine angebliche Freiwilligenfornmtion darstellt. In diesen: Plakat befinden sich wörtlich folgende Sätze: „Offiziere. Mannschaften, Techniker, Freiwillige aller Truppengattungen deutsch-germanischer Abstammung. die Wert darauf legen, bei Truppen einzutreten, bei denen weder Juden, noch Halbjuden, noch Judengenossen Aufnahme finden können, können sich in unseren: Werbebureau einschreiben lassen ... Die bei uns gebildeten Formationen können sich ihre Offiziere aus den bei uns anaemeldeten rein germanischen Offizieren wählen." Unterschrieben ist dieser Aufruf: Ausschuß für Volksanfklärung. Josef Petzer. Johannes Potthoff. Unter diesen Namen befindet sich der ausdrückliche Zusatz: „Die Genehungung zur Werbung von Truppe:: ist uns von: Kriegs::'inisterium erteilt." Das zweite Pl-akat stellt zwar keinen Werberuf dar, sondern wendet sich an die Allgemeinheit. Es klebt aber in nächster Nähe des ersten und ist von demselben „Ausschuß für Volksaufklärung" unterzeichnet. In diesen: Plakat wird gesagt, Anfang November 1918 hätte ein Jude Oskar Cohn zusammen mit Hacrs-e, Barth, Dittmann, Scheidemann ilsw. an Stelle des OrdnttN'gsstaates eine jüdische Wucher-, Schieber- und Mißwirtschaft gesetzt, usw. Wir erinnern uns, den Namen Pelzer schon öfter unter antisemitischen Flugblättern gelesen zu haben, die von einer Pogromhetze nicht weit entfernt waren. Wir können fürs erste nicht glauben, daß diesen Leuten wirklich eine Werbeerlaubnis erteilt worden sein sollte. Jedenfalls aber wird das Kriegsministerimn schleunigst zu der Angelegenheit Stellung zu nehmen haben. Daß eine derartige Werbung unter keinen Umständen geduldet werden kann, bedarf keiner Erläuterung. * 800 000 deutsche Männer in der Vollkraft ihrer Jahre halten unsere Feinde noch immer in der Gefangenschaft zurück. Da trauern hüben und drüben die Herzen und verzehren sich in Sehnsucht und Erwartung und Tag um Tag verrinnt, ohne daß ihr Sehnen Erfüllung wird. Wir aber wollen nicht nur um unsere „junge Mannschaft" mittrauern, sondern, wir haben eine höhere Pflicht: Wir sollen mithelfen! Das ist mehr! Sie haben für uns gekämpft, jetzt leiden sie für uns, und wir sollen und dürfen vor ihrer Not nicht das Herz verschließen. Darum gilt es zu Helsen, wo wir nur können, und dazu bietet sich in diesen Tagen eine schöne Gelegenheit in der Sammlung für die Kriegs-

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