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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-05-09 · Heft 19 (9.5.1919) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 19 (9.5.1919)
Date
1919-05-09
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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i 2 E. M. Berlin, 6. Mai. Ten letzten spärtacistischen Unruhen ist der Schüler -der Jüdisehen Lehrerbiibuugsanstalt Ie a n Leidi nger zum Opfer gefallen. Der hochbegabte junge Mann, der erst vor kurzer Zeit aus dem Felde zurückgekehrt war und Samariterdienste leistete, war gerade auf dem Wege zum Unterricht begriffen, als am Hackeschen Ntarkt infolge der lfpartacistischen Schießereien Verwundete niedersielen. Er erbot sich freiwillig, die Verwundeten zu verbinden. Während seines Samariterdienstes, bei dem er den Kugelregen nicht achtete, traf ihn selbst ein Geschoß ins Bein. Nach wochenlangem Siechtum ist er nun seinem Leiden erlegen. Am Freitag, den 25. April, wurde er aus dem Gemeindefriedhofe in Weißensee zur letzten Ruhe bestattet. Seine Lehrer, Rabbiner Ga ns und Oberkantor D a v i dsoh n, erfüllten die letzte religiöse Liebespslicht an seiner Bahre, um die sich das Lehrerkollegium und die Schüler der Lehrerbildungsanstalt scharten, ebenso die Zöglinge des Reichenheimschen Waisenhauses mit Direktor F e i st, der ihm gleichfalls einen warmempfundenen Nachruf widmete. B. T. Berlin, 6. Mai. Der.Antisemitismus rührt sich wieder sehr eifrig. Ein „Ausschuß ftir Volksaustlärung" verbreitet in Berlin auf Schleichwegen einen „Weckruf", der so unglaublich böswillig und töricht ist, daß nur ihn. wenigstens im Auszuge, unseren Lesern nicht vorenthalteu möchten: Deutsche Mütter! Deutsche Väter! Deutsche Schwestern! Deutsche Brüder! „Ueber 200 Kinder allein tu Groß-Berlin vermißt", sagten mir die Beamten, als ich bei der Behörde bat, nach dem Verbleib meines Kindes zu forschen. So erzählte uns eine deutsche Mutter! „Ueber 100 Kinder sind aus Berlin als vermißt gemeldet", sagte ein Kriminalbeamter. Man hat bisher noch keine Spur von ihnen gefunden, und man vermutet, daß das Fleisch dieser unglücklichen Kinder in die Ziegenwurst verarbeitet worden ist.. Ist es denn unter solchen Umständen ausgeschlossen, daß Talk sende von Kindern noch weiter abgeschlachtet werden und schon geschlachtet sind? Seht ihr denn nicht, daß auch euren lieben Kindern das gleiche Los droht?! Wir wissen ja alle, daß bestimmte Sekten zur Auffrischung ihres minderwertigen Blutes aus rituellen Gründen ihren Opfern unter den grausamsten Ovalen das Blut abzapfen! Ist es nicht sonderbar, daß so viele Kinder zur Zeit der Ostern verschwanden. zur Zeit, da gerade die alten Opfer gefeiert wurden? Deutsche Väter! Wollt ihr euch und euren Kindern ein gleiches Schicksal bereiten? Rafft euch auf uitb schafft wieder Ordnung im Reiche! Vernichtet inib tötet alle, die sich gegen die göttliche Ordnung erheben! Es ist höchste Zeit! Fort mit den Verbrechern!" Das Flugblatt fordert also nicht nie.hr und nicht weniger als ein Pogrom gegen die jüdischen Staatsbürger. Tie Herren, die den Ausschuß für Volksaufklärnua (Berlin W 9, Köthener Straße 45. Hof I) leiten. scheinen in ihrem blutdürstigen, lichtscheuen Treiben nicht zu wissen, daß sie sich mit dieser kaum noch verhüllten Aufforderung zum Mord schwer strafbar gemacht haben. Derselbe „Ausschuß für Volksaufktärung" hat Plakate an verschiedenen Stellen der Stadt anheften lassen, in denen zur Bildung von antisemitischen Freiw i l l i g e n f o r m a t i o n e n aufgefordert wird, in denen weder „Juden, noch Halbjuden, noch Judengenossen" Aufnahme finden könnten. Wie von zuständiger Stelle dazu erklärt wird, handelt es sich hierbei um eine grobe, bewußte Irreführung. Vom Kriegsumufri'ViUTU nuo sofort Maßnahmen getroffen worden, um diesem Uruf., 7. wie man sich ausdrückt, zu steuern. Richtig ist, daß sich im Januar einer der Unterzeichner des Ausrufs, Potthof, an den damaligen Rat der Volksbeanftragten mit dem Ersuchen gewandt hat, ihn mit der Bildung eines Fre-iwilligenkorps zu beauftragen. Dieses Ersuchen ist vom Kriegsministerium aber abgelehnt worden, ebenso wie man die Gewährung von Geldmitteln zu Propagandazwecken verweigert hat. Tilsit, 2. Mai. Der hiesige Jugendverein, der während des Krieges seine Tätigkeit eingestellt hatte, wurde durch eine am 12. März stattgehabte große Versammlung, an der sich fast die ganze Gemeinde beteiligte, neubelebt. Nach einem Vortrag des bisherigen Vorsitzenden, Herrn Lehrer Süßkind, über die Notwendigkeit der Neubelebung des hiesigen- Jüdischen Jugendvereins, der großen Beifall fand, traten dem Verein etwa 100 aktive und inaktive Mitglieder bei. Durch reichliche Spenden wurde die materielle Existenz des Vereins verbürgt. Seitens der Gemeindeverwaltung wurden dem Verein Förderung und Unterstützung in Aussicht gestellt. Bei den darausfolgenden Wahlen wurde Rechtsanwalt Tr. Hugo Ehrlich zum ersten und Lehrer Süßkind zum zweiten Vorsitzenden gewühlt. Nach dem neuen Statut können auch Damen als ordentliche Mitglieder ausgenommen werden. Die Versammlung hat alle Teilnehmer befriedigt, und es eröffnensich für die Zukunft des Vereins die Vesten Aussichten für seine fernere Wirksamkeit. n. Bruthcrr O.-S., 2. Mai. Durch das am. 24. v. M. erfolgte Ableben des Herrn Justizrat und Stadtrat Ernst Ka iser hat unsere Gemeinde einen außerordentlichen Verlust erlitten. Ter Verstorbene, der ein Alter von 63 Jahren erreicht hat, hat dem Repräsentantenkollegimn unserer Gemeinde seit dem Jahre 1891 augehört und seit 1901 dessen Vorsitz geführt. Durch seine überaus große Anhänglichkeit an unsere Gtanbensgemeinschaft, seinen scharf ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, gepaart mit besonderer Friedsertigkeit, hat er nicht nur die Interessen unserer Gemeinde in segensreicher Weise gefördert, sondern sich auch die Liebe und Hochachtung aller Mitglieder der Gemeindeverwaltung -erworben. Der Verstorbene -war seit dem Jahre 1906 auch Mitglied des Vorstandes und stellvertretender Vorsitzender des Synagogengemeindenverbandes des Regierungsbezirkes Oppeln, an dessen Entwicklung und der Förderung seiner Einrichtung er regen Anteil genommen hat. Auch das Kuratorium des Israelitischen Altersheims widmet dem.Dahinge s-chiedenen einen ehrenden Nachruf: „Seit unserer Begründung war er der stellvertretende Vorsitzende und hat durch sein klares und besonnenes -Urteil sowie durch seine Liebe zu allen charitativen Bestrebungen außerordentlich znm Emporblühen unserer Anstalt beigetragen. Wir werden das Andenken des liebenswürdigen und treuen Mitarbeiters für alle Zeiten hoch in Ehren halten." -- Justizrat Kaiser, der auf ärztlichen Rat seinen Beruf als Rechtsanwalt und sein Amt als Notar am 1. April d. I. hatte niederlegen müssen, war auch viele Jahre Stadtverordneter, Vorstandsmitglied der Anwaltstammer und bekleidete noch andere Ehrenämter in vielen gemeinnützigen Vereinen. Durch seinen Tod verliert die Industrie einen gewissenhaften Rechtsberater. Als Anwalt und Notar war der Verblichene. weit über die Grenzen Oberschlesiens bekannt. Er war der Sohn des in Gleiwitz verstorbenen. Kaufmanns und Ziegeleibesitzers Löbel Kaiser. Der Verstorbene besuchte das Gymnasium seiner Gehn rtsstadt und studierte die Rechtswissenschaft in Breslau. Anwalt in Beuchen war er seit 1885. Er genoß als hervorragender Jurist nub vortrefflicher Mensch großes Ansehen, und sein mildtätiges Herz werden wohltätige Vereine schwer vermissen. Er war ein edler und überzeugnngstrener Jude. Ehre seinem Andenken. er. Posen, 2. Mai. Durch Bescheid vom 5. April d. I. hat die hiesige Negierung den Beschluß der Schuldeputation vom 8. März 1919, der sich gegen, die jüdische konfessionelle Schule wendet, als unzulässig aufgehoben. In dem Bescheid wird besonders das Recht der Juden auf eigene konfessionelle Schulen anerkannt. Zugleich hat die Regierung den Magistrat ersucht, sobald der Jüdische Voltsrat eine hinreichende Anzahl schulpflichtiger Kinder für eine jüdische Schule nachweist, die jüdische Schule mit Beginn des neuen Schuljahres zu eröffnen, auszustatten und zu unterhalten und mit ihrer Leitung den Lehrer Brzezins.tr zu betrauen. Ta eine ausreichende Anzahl von Schülern und Schülerinnen aus allen Schichten der Bevölkerung für die beiden untersten Klassen bereits gerne!det ist, wird die jüdische Schule mit diesen beiden Klassen zum Beginn des neuen Schuljahres mit Sicherheit eröffnet werden. J. C. (frone a. d. Br., 2. Mai. Am 31. März d. I. trat Herr Hauptlehrer F r a n k e n st e i n , der Leiter der hiesigen paritätischen Bürgerschule, der sich weit über seinen Wirkungskreis hinaus hohen Ansehens erfreut, nach 48jähriger Lehrtätigkeit in Erone a. d. Br. in den- Ruhestand. Aus diesem Anlaß veranstalteten der Lehrkörper und die Schüler der Bürgerschule dem Scheidenden zu Ehren eine ihm würdige Abschiedsfeier. Herr Kreisschulinspektor Gört ich, Herr Superintendent Tegner, ein Vertreter der Stadt und ein ehemaliger Schüler feierten in längeren Ausführungen die Verdienste des Herrn Hauptlehrer Frankenstein um die Erziehung einer überaus zahlreichen Schülerschar und widmeten ihm. herzliche Abschiedsworte. Herr Frankenstein erteilte seit Jahrzehnten gemeinsam mit einem zweiten Lehrer den R-eligions- und hebräischen Unterricht an der hiesigen Bürgerschule. <V2 Kolbcrg, 2. Mai. Das I ü d i f ch e K u r Hospital z n K"o l b e r g , welches in jedem Sommer ungefähr 500 Kranke aus

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