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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-05-09 · Heft 19 (9.5.1919) · p. Seite 204

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 19 (9.5.1919)
Date
1919-05-09
Page
Seite 204 (sequence 12)
Language
German
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204 Verfasser macht sich die Lache etwas leicht. Lein logischer Beweis von d-er Existenz Gottes kann nur diejenigen überzeugen, die schon vorher überzeugt waren. Die neue Theorie des Lebens gipfelt in den Worten, daß sich das Leben nicht aus der Materie entwickelt hcst, sondern daß es sich erst mit der Materie verbindet und sinnlich wahrnehmbar wird, wenn es auf einem geeigneten, in diesem Falle von der Natur entwickelten Apparat — das Gehirn — oder bei niedrigen Lebewesen auf entsprechende, das Gehirn vertretende Einrichtungen trifft. Das für uns wichtigste Kapitel, das denselben Titel führt wie das Buch selbst, enttäuscht auf das ärgste: Zwei Seiten von den vier, die ihm gewidmet sirch, wollen die Berechtigung des Gebotes über das Verhüllen des Kopfhaares bei einer verheirateten Frau -erweisen! 'Aber der Verfasser verdient wegen seines religiösen Eifers, in dein wir ihm freilich nicht zu folgen vermögen, gewiß der Ermunterung. Iohann Konrad Friedrich, ein v e r g e s sonor L ch r i f t st e l l e r. Bon Friedrich Clemens Ehrard und Louis Liebmann. Literarische Anstalt Nutten u. Lüning, Frankfurt a. M. Das vorliegende interessante Werk hat schon deswegen für uns Bedeutung, weil es Beziehungen Zwischen dem Helden des Werkes und Ludwig Börne, die nmrt bisher nicht kannte, enthüllt, weil es ferner L. 59 ff. ein bisher unbekanntes Gedicht Börnes mitteilt, und weil es L. 188 ff. eine recht interessante Würdigung Börnes enthält. Außerdem verdient eine Erwähnung, daß der Verfasser, der ein aroßer Vielschreiber war, 1889 ein Werk geschrieben hat: „Die heilige Geschickte von der Erschaffung der Welt bis ans die Zerstörung von Jerusalem durch Titus", das auch in einer französischen Ausgabe erschienen zu sein scheint. Man muß sagen „scheint", weil weder die deutsche noch die französische Ausgabe bisher auffindbar gewesen ist und die Titel beider Werke nur durch alte Bücherverzeichnisse festgestellt werden konnten. 7.. G. * ~ Dr. G a m o it t M ü n z e r, Universitätsprofeswr: ..Die bilden in der Geschichte." Nach einem am 23. Mai 1917 im Deutschen Verein für Volkskunde und Sprachwissenschaft in Prag gehaltenen Vortrage. 1918. Wien und Leipzig. Verlag Wilhelm Braumüller. Es ist eine längst bewiesene Tatsache, daß die Juden fast zuallen weiten und in allen Ländern eineil hervorragenden Anteil an der Fördernna der ' Wissenschaften, insbesondere der Medizin und der Naturwissenschaften, genommen haben. Zuerst bewiesen itnb in einer selten vorurteilslosen Art bekannt bat das der berühmte Botaniker M. I. Schleiden, der im Jahre 1877 eine Abhandlung über die Vedentnua der Juden für die Erbaltuna nnb Wiederbelebung der Wissenschaften im Mittelalter veröffentlichte, in der er „einen Teck des unsäglichen Unrechtes, welches die Christen an den Juden be- <>rme'CiT haben nieder autulacken wollte." (Indem ich daran erinnere. kann ich es nicht unterlassen, den Wunsch auszudrücken, daß Schleidens Abhandlung ebenso wie die desselben Verfassers über „Die Nomantik des Marthrinms bei den Juden" auch in den Kreisen der jüdischen Intelligenz Eingang finde.) Zwar nicht aus den gleichen, wohl aber ans ähnlichen Motiven heraus entstand der vorliegende Vortrag des als Internisten rühnilichst bekannten Prof. Münzer, der die Anregung hierzu, wie er selbst einleitend bemerkt, als Münzensammler und Arzt erhielt, der über seinen von sozialen Gesichtspunkten geleiteten Ltudien fand, daß vieles anders sei. als wir aus der Schulbank gelernt und als gesicherten Besitz unseres Denkens und Handelns in das Leben mitgenommen hatten. In drei Abschnitten führt uns Münzer in anregender, fesselnder Form durch die älteste Geschichte. Mittelalter und Neuzeit, mit besonderer Ausführlichkeit den Unterschied zwischen der Lehre Mosis und Hanunurabis hervorhebend und den unerreichten Lvzialprinzipien in der Lehre Mosis nachgehend. Im Mittelalter sind es naturgemäß die hervorragenden jüdischen Aerzte, die das Interesse anzogen. In seiner Betrachtung über die Neuzeit setzt er sich mit den nebelhaften Theorien des unrühmlichst bekannten Nassenfanatikers Chamberlain ausführlich auseinander, daneben auch mit P. Rohrbach, dessen Satz von der Beeinflussung der israelitischen Prophetie durch die Lehre des Zoroaster sich als unhaltbar erweist. Abgesehen von einzelnen Unstimmigkeiten (wie z. B. S. 12, wo 'Moses als Richter bezeichnet wird, und vor allem S. 34 und 35 über die Entstehung des Christentums), bildet der Vortrag eine sehr anregende und wertvolle Lektüre, die niemand — und ich wünsche ihr recht viele Leser! -- ohne Belehrung aus der. Hand legen wird. Als das Erfreulichste und Wesentlichste aber erscheint es mk, daß dieser Vortrag, der ein offenes Bekenntnis eines hervorragenden jüdischen Arztes zu seinem Stamm enthält, vor einem nichtjüdischen Publikum gehalten wurde und gewiß manchen der Zuhörer zu einer Revision seiner Beurteilung von Inden und Judentum veranlaßt hat. Bon welcher hohen Warte aus der Verfasser seine Stimme erhebt, davon zeugen die Schlußworte seines Vortrages, die hier stehen mögen: Jene, denen Zugehörigkeit zu einenr Volke gesteigertes Menschentum im Dienste dieses Volkes bedeutet und nicht gleichbedeutend ist mit Ueberschätzung seiner selbst und seiner Art, Geringschätzung der anderen, jene edelstrebenden Menschen bedurften der vorangehenden Auseinandersetzungen nicht. Sie wissen, -daß im Dasein der Menschheit jedes einzelne Glied, seiner Zeit angehörend und gehorchend, mitgearbeitet hat am Werden des Geschlechtes, daß kein Volk ohne das andere denkbar ist, daß es ebenso wie die Materie u n - zer st ö r b a r ist und nur ihre äußere Erscheinungsform wechselt, auch kein Gedanke, der je geäußert wurde, verlorengeht, denn d e r G e i st i st n n st e r b t i ch. A u s s i g (Deutsch-Böhmen). Prof. Dr. R o s e n zwei g. Sprrchlaal. An die jüdischen Gemeinden des Deutschen Reiches. Nachdem der Verfassungsallsschuß der Deutschen Nationalversammlung die Autonomie der Religionsgemeinschaften'grundsätzlich allsgesprochen und denselben die Rechte einer juristischen Person verliehen hat, wird auch die Zeit bald gekonnnen sein, wo durch laudesgesetzliche Bestimmung das Wesen dieser Religionsgemeinschaften endgültig beschrieben und lnngrenzt wird. Mit aller Wahrscheinlichkeit wird der demokratische Geist, der das neue Deutschland beherrscht, u. a. auch das Judengesetz oom 23. Jllti 1847 in der Bersenkling verschwinden lassen, um zlinächst gegenüber den: Verlangen nach Gleichberechtigung innerhalb unserer eigenen Reihen endlich einmal Gerechtigkeit zu üben. Dazu gehört aber auch die Beachtung eines Standes, der besonders in der Bewertung durch das preußische Jlldengesetz sowie in dem seinerzeit geplanten Lrganisationsgesetz für Preußen wie ein Stiefkind behandelt wurde, auch wenn es sich ilm Fragen des jüdischen Gemeindetebens handelte, die als fachmännische Fragen eigentlich nur voll einem Fachmann beantlvortet werden durften. Wer eine Rechtssache hat. wendet sich.an einen Juristen: so ist auch in demselben Maße der jüdische Kantor und Religionslehrer in erster Linie zuständig. lvelm Interessen seines Faches mtf dem Spiele stehen. Wenn! er es bisher nicht war, so ist das sehr zu bedauern: allein, was in der Vergangenheit verkehrt ilnd irrig war, soll für die Zukunft vermieden werden. Wir haben deshalb zu dem demokratischen Sinne, der nunmehr auch in unsere jüdischen Gemeinden einziehen wird, das Vertrauen: 1. daß alle Beamten das aktive und passive Wahlrecht b e k o m men: 2. daß er es für selbstverständlich hält, den Mitgliedern u n s e r e s Standes Gelegenheit z n geben, an d e m Wohl nnb Wehe der Gemeinde rr m itzuarbeiten; 3. daß z u d i e s e m Zweck, besonde r s zur W a h r * n e h nt u n g v o n fach m ä n n i s ch e n I n t e r e s s e n , il n s e r e m Sta n d e Sitz ll n d S t i m m e im G e - meindeverw altungskörper e i n g e r ä n m t w i r d. Um aber die Stellung des Beamten kraft seiner Bedeutung für das jüdische Gemeiudeleben voll und ganz zu heben, ist es dringend e r so r d e r l i ch, ihn unabhängig zu machen von den Launen des Tages und ihm das zu geben, was anderen Beamten längst gewährt wordenist, nämlich d i e A n st e l l u n g ir a ch' d e n fürStaats - u n d K o m m u n a t b e a m t e n geltende n G r n n d s ä tz e n. Der Ausschuß des Allgemeine'.; Deutschen Kantcrenverbandes: Nt. Heute (Hamburg), Vorsitzender: Heinrich Fa bi sch (Güttingen): Hermann Zivi (Elberfeld): I. V. Lcvy (Frankfurt a. M.): Siegfried Bellak (Zittau); M. David sohn (Berlin); I. Spandau (Nlhslowitz). tz

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