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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-05-09 · Heft 19 (9.5.1919) · p. Seite 202

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 19 (9.5.1919)
Date
1919-05-09
Page
Seite 202 (sequence 10)
Language
German
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bcvo gnädigsten Befehl depentire; Waß für Er. Kleidt betreffend ist solches in der Arbeit, wovon dieselben die zukommende Woche die Weste auf gnädigsten Befehl zu sehen bekommen können. Der Judt Aaron Micher May gehet mit mir nufer Maynz, haben sonst Euer khochgräfl. Er. noch etwas zu erinnern, erwarte gnädige Ordres, usw." I. B. M ü n z. Jedem Las Seimge. (40. Horts.) Ronran von M. P u rin a n n. aben Sie je versucht, mich und die Menschen meiner .Klasse zu verstehen, einen Einblick in unser Schaffen zu erlangen, da doch wir allein nur geschult und befähigt sind, den Wert jener Dinge, außer dem Golde, zu erkennen und die Vorgänge des Lebens richtig zu bewerten? Wer hat denn die Schätze der Natur Ihnen zugänglich gemacht, wer die Kraft der Elemente in Ihre Dienste gestellt? Wer hat neue Weltteile entdeckt und Ihnen den Weg zum Reichtum gezeigt? Sie. die Genußmenschen, oder wir, die Darbenden, die Denker und Forscher?" „Fahren Sie nur ruhig weiter fort," sprach Burger, sich vergnügt die Hände reibend: „Ihre Schwärmerei gefällt mir außerordentlich gut." Diese Worte brachten Klaßner wieder zu sich. Ruhig fuhr er fort: „Ich betone nochmals, daß ich jetzt nicht persönlich spreche. Ich halte Sie sogar auch für einen ehrlichen Menschen, den das Genußleben doch nicht vollauf befriedigt. Wo aber Alice Mahlow in Betracht kommt, da muß ich meine Person höher als die Ihrige bewerten, weil ich für Sie denke und meinen Geist anstrenae, während Sie auf Ihrem Geldsack ausruhen; ich enthülle für Sie die Zeichen des Himmels, während Sie Ihre Nase in den Staub vergraben." „Jedermann nach seinem Geschmack," erwiderte Burger achselzuckend. „Jawohl, und jede Frau ebenfalls, folglich auch Alice Mahlow nach ihrem Geschmack. Burger, bedenken Sie doch, an Ihrer Seite geht das Mädchen zugrunde, an meiner aber wird sie sich noch des Lebens erfreuen. Das aber gibt mir das volle Recht, die Forderung an Sie zu stellen: Geben Sie Alice frei, damit sie meine Frau werden kann!" Burger sprang mit einem lauten Aufruf auf, den man als ein tierisches Brüllen hatte bezeichnen können. „Ich Alice ausgeben! Da können Sie lange zappeln: Mann Gottes, was verlangen Sie von mir! Sie sind auf dem Holzwege, wenn Sie glauben, Adolph Burger mit solchen Narreteien nasführen und zudecken zu können! Ihre Zunge scheint auf gut geschmierten Rädchen zu laufen. Mich aber werden Sie doch nicht übertölpeln!" Er wurde etwas ruhiger und fuhr dann fort: „Es tut mir leid, Klaßner, daß wir beide so auseinanderkommen, aber es ist Ihre eigene Schuld. Sie sind jetzt aufgeregt. Soll ich Ihnen vielleicht eine Flasche Soda kommen lassen?" „Burger, geben Sie Alice frei. Geben Sie ihr ihr Wort zurück!" „Ich werde es bleiben lassen, unb sie muß ebenfalls ihr Wort halten." Ohne ihn noch anzublicken, verließ Klaßner das Zimmer, verschloß die Tür leise hinter sich, während Burger, er wußte selbst nicht, geschah es aus Abneigung oder Bestürzung, keinen Versuch machte, ihn zurückzuhalten. Auf der langen Heimfahrt hatte Klaßner Zeit genug, über das Resultat seiner Unterredung nachzudenken. Er hatte eigentlich nichts erreicht, ja, noch weniger als nichts. Er hatte alle seine Pfeile verschossen und war t waffenlos zurückgeblieben. Dennoch hatte er nicht das Empfinden eines Mißersolges, weil er doch schon das Resultat im voraus geahnt. Burgers Antwort entsprach ganz den Eigenschaften seines Eharakters: unerschütterliche Festigkeit. Alices Widerstreben, seine eigene Überredungskunst, das waren für Burger nur alltägliche, unbedeutende Hindernisse, die jener ohne große Schwierigkeiten überwinden konnte. Er wäre ja auch nicht Adolph Burger, wenn er vor solcher Kleinigkeit hätte zurückweichen sollen. Das war ja auch für Klaßner der Grund gewesen, die weitere Verhandlung abzubrechen, weil er wußte, daß er es mit einem Gegner zu tun hat, der entschlossen war das Feld zu behaupten und den Sieg davonzutragen. Das waren die Betrachtungen, die er ruhig und überlegt während der Fahrt anstellte. Seine wahre Empfindung ließ sich aber doch nicht beseitigen und war deutlich auf seinem Gesichte geschrieben, so daß er wieder den forschenden Blick der alten Mutter auf sich gerichtet sah, kaum daß er sein Haus betreten. Seit längerer Zeit hatte sie dieses nicht mehr für nötig gehalten, und da sie es jetzt wieder tat, konnte Klaßner entnehmen, mehr als aus allem anderen, daß er sich wieder in einer Krisis befand. „Awromele, mein Kind, hast du wieder so lange arbeiten müssen?" fragte sie besorgt. Diese Anrede kam ihm sehr gelegen. „Ja, Mutter." „Man bürdet dir aber doch zu viel auf. Ich hoffe, daß du wenigstens dafür entsprechend belohnt wirst!" „Heute hatte ich eine ganz eigenartige Arbeit, die nur nach dem Erfolg belohnt wird." „Wieviel denn ungefähr?" „Wenn es gelingt, ist man reich für das ganze Leben! Mutter, kannst du mir etwas Packpapier und Bindfaden besorgen?" In wenigen Minuten brachte sie ihm das Gewünschte, wobei sie aber doch vorsichtshalber den dünnsten und schwächsten Bindfaden ausgesucht hatte. Er packte sein Buch ein und schickte es an Alice. „An wen schickst du das?" fragte Ehaje Rachel gespannt, doch aber wieder beruhigt. „An einen guten Freund." Er ging bald wieder fort und ließ die Sendung in den Briefkasten fallen. Alice hatte ja gebeten, daß sie es gern schon morgen haben möchte, als seinen Abgesandten. Das Buch hatte also eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Aber es sollte nicht nur sein Abgesandter, sondern auch sein Helfer sein. Wenn sie Burgers Bescheid erfahrt und dadurch wieder schwankend werden sollte, dann wird bas Buch 31t ihr sprechen, wie er selbst nie zu ihr sprechen könnte, so daß es ihm noch einen weit größeren Gewinn verschaffen würde, als ein Verleger ihm je hätte bewilligen können. Das nächste Buch aber, nahm er sich vor, würde er Adolph Burger widmen, um ihm etwas mehr Wertschätzung für die Federfuchser einguflößen. Dieser Einsall sollte ironisch sein: aber er überzeugte sich bald, daß es gar nicht so lächerlich wäre, wie es ihm jetzt scheinen maa. 30. In ihrem Kampfe kam Alice ein unerwarteter Bundesgenosse: Gerade an dem Tage, da die Mutter der Tochter ihrenbestimmten Entschluß erklärt hatte, Iarvis zu heiraten.! und von ihr die schleunige Festsetzung des Hochzeitstages, der j sie mit Burger Vereinen sollte, verlangt hatte, kam die Nach- ' richt, daß Julius in Afrika gestorben sei. Bei dieser Kunde! brach Frau Mahlow völlig zusammen; sie, die eben erst Alice; zu einem unwillkommenen Ehebündnis zu zwingen versucht und die strenge Mutter gegen sie herausgekehrt hatte, sah nun

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