Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1919)
- Date
- 1919-05-09
- Page
- Seite 198 (sequence 6)
- Language
- German
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‘ 198 fast ausschließlich seinen religiösen Reformbestrebungen widmete. So kam es, daß etwa im Jahre 1370 Syrien und Palästina nur dem Namen nach noch unter ägyptischer Herrschaft standen. Daran konnte auch der tüchtige Haremheb, noch weniger sein altersschwacher Sohn Ramses I. (1315—1313) etwas ändern. Auch der tüchtige Sethos I. (1313—1292) vermochte trotz mehrerer Kriegszüge Syrien nicht unter seine Botmäßigkeit zu bringen. Das Amoriterreich blieb ' selbständig, mit den Heistern mußte er einen Vertrag schließen. Es gelang ihm lediglich, die Chabiru aufs Haupt zu schlagen und so von allen Eroberungen Tutmosis' III. Palästina allein zu behalten. Und auch dieses war nicht einmal ungestörter Besitz, ja cs bedurfte einer, wachsamen Grenzschutzpolitik, um das eigentliche Aegypten vor einem abermaligen Eindringen fremder Völker zu bewahren. Hier setzt die Geschichts - ' erzählllng der Bibel ein. Im Zusammenhang mit der G renzp o l i ti k nämlich wurde die Unterdrückung der Israeliten für notwendig gehalten. Als Rassen- und Stammverwandte der Hhksos und Chabiru waren die Israeliten gewiß schon den früheren Pharaonen politisch verdächtig und galten als Grenzbewohner zudem der Beeinflussung durch das Ausland am' meisten ausgesetzt. Scharfe Maßregeln gegen sie sind daher schon von den älteren Pharaonen, besonders den siegreichen, gegen sie ergriffen worden, wie wir aus ägyptischen Inschriften genau wissen. Der Hhksosbefreier Amosts verschickte sie, um sie unschädlich zu machen, zu FestungSarbeiten in die entlegensten Teile des Landes. Unter dem großen Tut-' luvfis III. und seinem Sohne Amenhotep II. nahm der Druck außerordentlich zu, so daß zu dieser Zeit „Ebräer" fast gleichbedeutend mit „Ziegelstreicher" und „Steinbrecher" wird. Nicht minder wird sie Sethos I. mit feindlichen Blicken betrachtet haben. Nach feinem Tode war die Furcht vor den Israeliten aufs höchste gestiegen, denn die Grenze Aegyptens fiel nun etwa mit der Grenze Palästinas zusammen, wo Israels Stammverwandte saßen. Um so notwendiger wurden die schärfsten Maßnahmen zur Abwehr der Feinde. Regierten bis dahin die Pharaonen von der mittelägyptischen Stadt Theben aus, so verlegte Sethos' I. Nachfolger. Ramses II. (1292- 1225), feine Residenz, nur um das nahe Palästina halten zu können, nordwärts nach Tanis (Zoan), in daS Delta, also in die Gegend von Gosen. Nun lebte er in der Grenzprovinz inmitten der semitischen Bewohner, die er gleich seinen Vorgängern durch persönliche Berührung gewiß nicht sehr genau kannte. Durchaus im Rahmen der Geschichte sagt daher die Schrift: »Es stand ein neuer König auf über Aegypten, der Josef nicht kannte. (II. B. M. 1, 8.) - Die Furcht vor einer Verstärkung der feindlichen Macht d u r ch die Verbindung mit Israel war, wie wir gesehen haben, beim Regierungsantritt des Ramses aufs höchste gestiegen. Jeden Tag konnte er den Feind vor den Toren Aegyptens erwarten. Tatsächlich brach unter seiner Regierung ein allgemeiner Aufstand Syriens bis zum Süden Palästinas los. Der Kampf endete durchaus nicht mit einem Siege Rauches': er mußte vielmehr nach fünfzehnjährigem Ringen einen Vertrag mit den Heistern schließen. Daher setzte er die von seinen Vorgängern und ihm selbst geübte Unterdrückung der Israeliten fort, ja, er konnte sie von seiner neuen Residenz aus besser organisieren und überwachen. Die männlichen Neugeborenen ließ er ins Wasser werfen, die Männer suchte er durch unerträgliche Fronarbeiten zu zermürben. Diese Sklavenarbeiten standen zwar mit feiner -grandiosen Bautätigkeit im allgemeinen, insbesondere aber mit seinen Maßnahmen zur Abwehr des Feindes in Zusammenhang. Er ließ den großen Grenzwall gegen Asien renovieren und baute für die nach Asien einrückenden Heere die Ma ga zin stä d te Pitom u n d Ramses. Als Arbeiter waren ihm die politisch verdächtigen, in der Grenzprovinz wohnenden Israeliten sehr gelegen. ' Die Lage der Stadt Ramses ist heute noch nicht festgestellt. Dagegen sind gut erhaltene Reste der von unseren Vorfahren erbauten Stadt Pitom beim heutigen Tell-el-Maschuta aufgesunden worden. Die Geschichtlichkeit der geschilderten' Verhältnisse ist durch ägyptische Zeugnisse festgestellt, die ihrerseits eine Bestätigung der biblischen Ueberliefetung bedeuten: »Wohlan, lastet es uns überlisten, daß es sich nicht mehre und es sich, wenn ein Krieg ausbricht, nicht zu unseren Feinden schlage, gegen uns kämpfe und das Land verlasse." Und sie setzten über Israel Fronmeister, um es zu drücken durch ihre Lastarbeiten: und es baute Vorratsstädte für Pharao, Pitom und Ramses. Und er sprach: „Wenn ihr Hebräerinnen entbindet, so schauet auf den Kreisstuhl. Wenn es ein Sohn ist. so tötet ihn . . ." (II. B. M. 1. 10. 11, 16.) ' Ramses regierte 67 Jahre Diese lange Dauer seiner Herrschaft kommt auch in der Bibel zum Ausdruck: »E s w a r i n jener langen Zeit, d a starb der König von Aegypten . . ." (II. B. 2, 23.) Ihm folgte sein Sohn Menephta (1225 - 1215). Im dritten Jahre seiner Reaieruug erhob"sich die ganze asiatische Provinz gegen ihn. Da die Vettern Israels in Palästina — Moabiter. Ammoniter, Edomiter — seit langem die Rebellion geschürt und unterstützt hatten, verstärkten sich natürlich die ägyptischen Verdächtigungen gegen Israel. Menephtas Herz blieb verstockt und „die Kinder Israel seufzten limmer noch! unter der. Arbeit und sie schrien . . ." (II. B. M. 2, 23). Die Knechtschaft erreichte ihren Höhepunkt, aber auch ihr Ende. Im Jahre 1896 wurde bei Theben in den Ruinen von Menephtas 'Totentempel das große Denkmal dieses Königs gefunden, Es wird Israel-Stele genannt, hmil auf ihr, bisher zum ersten Male, der Name Israel außerhalb des Alten Testaments erwähnt wird. Die Inschrift berichtet über den Sieg, den Menephta im fünften Jahre seiner Regierung (1220) über die Seevölker, die Völker Kanaans und auch Israel, errungen hat. Der Sieg über Israel ist natürlich nichts anderes als der Auszug Israels aus Aegypten. Wenn dieser als ein Triumph des Pharao gerühmt wird, so liegt darin eine Uebertreibung in echt ägyptischer Weise, in welcher selbst demütigende Friedensschlüsse und Niederlagen als Siege hingestellt zu werden pflegten. Solche irreführende Berichterstattung soll auch bei sehr modernen Völkern üblich, sein. Wir besitzen jedenfalls in der Israel-Stele eine zeitgenössische und darum unumstößliche Bestätigung der biblischen Nachricht vom Auszuge Israels aus Aegypten. Er hat 1220 stattgefunden. Lin Ehekontrakt vor 100 Fahren. Von Jda Basch - Za ch a r t. Wvergilbte Papiere liegen vor mir, die dem Nachlasse meines im hohen Alter von 92 Jahren verstorbenen Vaters entstammen. Da ist zunächst der Bürgerbrief meines Großvaters ans dem Jahre 1815, welcher dem geborenen Hamburger das Heimatsrecht in Berlin gab. Dann aber der Ehekontrakt meiner Großeltern, der vor jetzt gerade einem Jahrhundert aufgesetzt wurde, aber so neuzeitlich anmutet, daß er wohl eines Abdrucks würdig erscheint: „Zwischen dem hiesigen Kaufmann Herrn Salomon Levin Zachart und der Demoiselle Röschen Borchardt im Beistand ihrer Mutter, der Frau Witwe Meyer Borchardt geborene Rahel Jacob, und des Herrn Michael Nathan allhier ist folgender Ehegelöbnis-Bertrag wohl bedächtig verabredet und abgeschlossen worden.