Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1919)
- Date
- 1919-05-09
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
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für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland mit dem hiesigen SanitätSrat Dr. Sch. *' und dem verstorbenen Rabbiner Dr. Baeck und Justizrat Nürnberg den Literaturverein, daun vor zirka 15 Jahren die Loge des U. O. B. B. — Fehlte es an einem Vaal T'silloh oder an einem Baal Tokeah, war er zur Aushilfe stets bereit. Er ist Mitglied deS Synagogen- und des Kultusvorstandes sowie des Vorstandes der Chewra Kaddischa. Seit 1911 gehört er dem Vorstände des Verbandes der Literaturvereine an. Auswärtige junge Leute, die das hiesige Gymnasium oder die Präparandie besuchten, fanden stets seine tatkräftige Unterstützung, wie auch die aus der Volksschule Entlassenen mit Hilfe des D. I. G. B. und der Loge wirksame Beihilfe erfuhren zum Besuche von Heilbädern rind zur Erlernung von Handwerken. * * * Israels pukmthalt in Pegypten (im kshmrn der iiqvptischen Geschichte). Von Rabbiner Dr. Zloci st i (Jnfterbg.). ic „voraussetzungslose" Wissenschaft hat einstmals die biblische Darstellung von dem Aufenthalt Israels in Aegypten und dem Auszüge in das Gebiet der Fabel gewiesen. Was sie an Behauptungen ausgestellt, weisen" herbeigebracht hat, ruht heute bereits in jenem Massengrab, das den Ergebnissen einer vorurteilsvollen Bibelforschung geschaufelt wird. Die Geschichte Israels in Aegypten - darüber sind sich alle Gelehrten einig ist nicht aus der Luft gegriffen: sie kann vielmehr ohne Zwang in den Rahmen der politischen Entwicklung hineingestellt werden. Zwar sind noch nicht alle Rätsel gelöst, besonders über die Chronologie der Ereignisse herrschen noch weitgehende Meinungsverschiedenheiten. So soll z. B. der Allszug nach einer Auffassung nicht lange vor oder kurz nach 1450 unter der Regierung Amenhotep ll. (1461—1436) stattgefunden haben, während nach anderer Auffassung das Jahr 1220 hierfür in Betracht kommen soll und die Regierungszeit Menepthas (1225—1215). Uebereinstlmmung herrscht indessen im.allgemeinen darüber, daß die Ereignisse selbst von der Bibel mit geschichtlicher Treue seftgchalten sind. Ein kurzer Ueberblick über die geschichtliche Entwicklung Aegyptens zu der in Frage kommenden Zeit wird die Leser von der Wahrheit des biblischen Berichts überzeugen. Aus Gründen, die die Darstellung aufzeigen wird, neigen wir hierbei der Meinung zu, daß der Auszug im Jahre 1220 stattgefunden hat. Um das Jahr 1680 traten die semitischen Hyksos, d. h. Hirtenfürsten, nach Aegypten über. Sie waren selbst wohl von einer gewaltigen Völkerwvge getrieben worden,, die aus den Gebieten östlich des Tigris — Einfall der Kassiten in Babylonien — sich immer lveiter nach Westen fortpflanzte. Bon der gewaltigen Völkerverschiebung wurden nicht minder die israelitischen Stämme Südpalästinas in Mitleidenschaft gezogen. Josef und später Jakob kamen in der Hyksosperiode nach Aegypten. Dazu Paßt die Angabe der Bibel, wonach Israels Aufenthalt m Aegypten 430 Jahre dauerte, Fand der Auszug 1220 statt, so begann die Einwanderung [1220 -h 430] im Jahre 1650, das ist die Hyksoszeit. Die stammverwandten Israeliten wurden gern aüfgenornMn, wie dies der biblische Bericht erkennen läßt. Pharao Apopi überließ ihnen als Nomaden die in der Nähe des heutigen Suezlanals liegende Landschaft Gosen mit ihren fetten t Weiderevieren, bot ihnen sogar die Obhut über seine eigenen. Herden an. (l. B. M. 47, 6.) Von der hohen Politik unberührt, in ihren Stammesgewohnheiten unbehelligt, führten sie als Hirten ein ungestörtes Leoben und wuchsen an Kraft und Zahl. Nur hundert Jahre indessen dauerte die Herrschaft der Hyksos im Nillande. Etwa um 1580 erhob sich Pharao Amosts der alten Dynastie von Theben in. Mittelägypten aus, wohin sic zurückgedrängt war, jagte die Eindringlinge aus Unterägypten hinaus und drängte ihnen siegreich immer weiter nördlich bis nach Südpälästina nach. Durch diese Siege über seine bisherige Sphäre hinauswurde Aegypten zur Teilnahme an der Weltpolitik erweckt. Es ivill Großmacht werden, d. h. Palästina und Syrien bis zu den Euphvatländern erobern. Alle Amenhotep 1. I., Tutmosis ll. - setzten ihre ganze Militärmacht sowie die Kraft des neuerwachten für dieses imperia- Die Hyksos wie die von ihnen begünstigten syrischen Völkerbündnisse machten ihnen die Aufgabe nicht leicht, während anderseits der Verfall der babylonischen Macht Aussicht auf Erfolg versprach. Als endgültiger Befreier Aegyptens galt Tutmosis Hl. Nach 17 glücklich verlaufenen Feldzügen hatte er Palästina und Syrien zu ägyptischen Provinzen gemacht (1459). Zur Beruhigung Syriens und der Euphratländer mußten freilich seine Nachfolger Amenhotep II. (1447) und Tutmosis IV. (1420 bis 1411) Feldzüge dorthin unternehmen, während Palästina sich offenbar nicht zu erheben wagte. Amenhotep III. (1411—1375) und Amenhotep IV. (1375—1358) regierten vollends den gesamten asiatischen Besitz von ihrer mittelägyptischen Hauptstadt Theben aus. Die Pharaonenmacht ist gesichert. Und doch ist die Ruhe nur eine scheinbare! Die berühmten, im Jahre 1887 in Tell-Amarna (südlichvon Kairo) gefundenen Tontafeln lassen zwar die weitausgebaute ägyptische Verwaltung in den eroberten Ländern unter den letztgenannten Herrschern erkennen, zugleich aber geben sie ein deutliches Bild von den Gefahren, die ihnen drohten — sei es von den Hetitern, die, ursprünglich in Kleinasien wohnhaft, nach vielen früheren Versuchen aufs neue nach dem syrischen und palästinensischen Süden vordrängen: sei es von den Ch.abi.ru, d en Hebräern im weiteren Sinne, die besonders das spätere Gebiet von Juda bedrohen; sei es von den Loslösungsbestrebnngen des Amoriterreichs in der Gegend des Libanon und Antilibanon öder schließlich von den Fehden der Beamten in Asien untereinander und den gemeinsamen Verschwörungen gegen den Oberherrn. Amenhotep UI., alt geworden und des Krieges entwöhnt, hielt: die Klagen treuer Beamten für übertrieben, während Amenhotep IV. sich an „Be- Nachfolgcr Ainvsis' I (um 1550), Tutmosis Nationalgefühls Wische Ziel ein. -Zauprlehrer a. D. A. gerbst in Liffa in P.