Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1919)
- Date
- 1919-05-02
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 mtv wenige hat der Jubilar es verstanden, sich Ansehen im Kreise der Ntitbürger und seiner Kollegen zu verschaffen: seit vielen Jahren gehörte er dis in die jüngste Zeit der Breslauer Stadtverordnetenversammlung an, und von seinen Kollegen wurde er dauernd' in die Votstände der ärztlichen Vereine und als ihr Vertreter zu säst allen Aerztetagen gewählt. Seine Haupttätigkeit aber entfaltete er auf jüdischem Gebiete. Den Liberalen Verein der Synagogengemeinde Breslau, zu dessen Mitbegründern er gehört, leitet er als Vorsitzender; der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat ihn zu seinem Ehrenvorsitzenden ernannt. Seine Haupttätigkeit liegt auch in der Verwaltung der Breslauer Synagogengemeinde. Seit vielen Jahren ist er Mitglied der Nepräsentantenversammlung, der Kultustvmmissivn il für die Neue Synagoge und seit 30 Jahren der Bibliothekskvmmission; dem Kuratorium der Dr.-Elias-Henschel- Stistung, der Mora-Salomon-Leipziger-Stistung und der Dr.- Michael-Munk-Stiftung gehört er als Mitglied an. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch viele Jahre in Gesundheit und Rüstigkeit stir unsere Gemeinde und die Interessen des Judentums in unserer Stadt und im Reiche tätig zu sein. — Hamburg, 25. April. Die „Deutsche Levante-Zeitung" bringt in ihrer April-Nummer einen Aufsatz des Professors Tr. W. E. Br u ck zur Frage der ji:Dijd;cu An sied langen in Palästina. Professor Bruck hat während des Krieges eine Studienreise durch die asiatische Türkei gemacht, um besonders die Bedingungen der Baunuv oll Wirtschaft zu erforschen. Er spricht sich in seiner Arbeit mit großer Anerkennung | über die Leistungen der jüdischen Kolonisten in Palästina aus. „Mein Eindruck von den Leistungen dieser Einwanderer war der, daß ihre Siedlungen, ebenso wie jene der zagewanderten Templer, wie grüne Lasen in.der Steppe erschienen. Tenn was sonst in der Nachbarschaft vorhanden war, war eine herabgetommene Fellacheruoirtschast." Heber die Eignung des Jlcken zlnn Bauern schrewt Bruck: „lleberall dort, wo es sich um gärtnerische und intensivere Handelssruchttulturen handelt, sind glänzende Erfolge erzielt lvorden. Tie Wein- und Lrangeukulturen leger: davon ein beredtes Zeugnis ab. Gerade der tausmännifche Geist ist hier ein großer Erleichterer und Fortschrittbringer in der Arbeit. Bei Großtülturen aber, iiisbesondere Feldtiilturen, liegen die Verhältnisse schon anders. Hier ist zu unterscheiden der Jude als „Manager" uiid der Jude als Arbeiter. In oer ersteren Eigenschast habe ich ganz hervorragende Vertreter tennengelernt, arid zwar in Fällen, ui denen es sich joivohl um Eigenbesitz als um Leitung einer Farm handelt. Männer, die am Tiverassee ihre Güter leiteten, sind als hervorragende Landwirte anzusehen, die jedem großen Gute in Deutschland Ehre machen würden. — Als Feldarbeiter aber Ntenschen benutzen zil ivolleii, die seit Generationen mehr geistigen Berufen obliegen, erfcheint als ent Rückschritt in der menschlichen Entwicklung. Uns scheint, es ist leichter, vom Bauern zum Gelehrten sortzuschreiten, als nrngelehrt von: Rlenschen höherer Bildungsstufe zum Bauern, geschweige denn znm Knecht. Wie eine Art Salontirolertum mutet es uns an, eine russische Studentin mit Knrzhaar und goldener Brille eine Kuh melken zir sehen, ein Buch, einen französischen Roman, ans dem Schoß. Und das war dort nichts Seltenes. Großkulturen verlangen aber Knechte, Menschen mit geringen: Horizont und geringer Kulturstufe. Wie kann man kritisch veranlagte und geschulte Individuen zu solcher Sttlfe herabstoßen§ Rur ein mit sich selbst unzufriedenes Element wird, damit großgezogen." Bei diesem Urteil des Verfassers wird allerdings der Eindruck erweckt, als ob nur Angehörige intellektueller Berufe sich in Palästina der Landwirtschaft widmen wollen, und jene große Schar von Menschen, die aus den Kreisen der Handwerker und Gewerbetreibenden hervorgehen, um in Palästina Bauern zu werden, wird vergessen. er. Bad Kisstngen, 25. April. T re Israelitische K i n d e r h e i l st ä t te hat im letzten Betriebsjahre 215 Kinder ans allen Teilen Deutschlands (117 Mädchen, 98 Knaben), zumeist Kriegerkinder, darunter wie alljährlich auch solche anderer Konfessionen, znm größten Teile unentgeltlich ausgenommen. Diese 215 Kinder stammen aus 51 Orten des Deutschen Reiches. Die Kinder zeigten im allgemeinen bei ihrer Ankunft einen schlechteren Ernährungszustand als in früheren Jahren. Es ist klar, daß auch die Gewichtszunahme der Pfleglinge kein so günstiges Bild bot wie in Fricdeaszeiten. Trotzdem kann festgestellt, werden, daß die Anstaltsbehandlung recht erfreuliche Resultate aufwies. Der Gesundheitszustand der Kinder war, abgesehen von» der Grippe, die im August etwa 15 Pfleglinge ergriff, ohne freilich ernstliche Schädigungen hervorzurufen, reck)t befriedigend. Der 1917 gefaßte Beschluß/ eine Genesungsstätte für türbedürftige erwachsene Mädchen, insbesondere für solche, die im Berufe stehen, der Anstalt anzugliedern, fand allerseits freundliche Ausnah nie und lebhaftes Interesse. Ejne größere Zahl von Beiträgen wurde für den Gründungssonds gestiftet. Obwohl diese Beiträge nicht zur Errichtung der Mädchengenesungsstätte ausreichen, wird beabsichtigt, schon in dieser Saison im Berufe stehende erwachsene Mädchen derart zu unterstützen, baß ihnen ein Kuraufenthalt in Bad Kissingen ermöglicht wirb. Die zeitgemäße. Ausdehnung ihres Wirkungsgebietes wird der gutgeleiteten Anstalt sicher neue Freunde zusühren. Die Anstalt hat seit ihrer im Jahre 1905 erfolgten Begründung bereits 2215 arme und kranke jüdische Kinder aus allen Teilen Deutschlands ausgenommen. Die Zahl von 3000 beitragenden Mitgliedern beweist, daß der Segen, der von der Israelitischen Kinderheilstätte ausgeht, allgemeine Anerkennung findet. — Köln, 25. April. Hier fand kürzlich die feierliche Einweihung der neuen Synagoge des Bereins Machstke Tauroh in dem Hause Bayardsgasse 26 statt. In dem hellen freundlichen Raume versammelten sich der ganze Verein und eine Reihe Gäste aus unserer Synagogengemeinde und der Gemeinde Abaß Jeschurun. , Mit einen: Ma tauwu des Herrn Kantors (Lohn und des Synagogenchores lviirde die Feier eröffnet. Nachdem dann in feierlichem Zuge die Thorarollen hereingebracht worden waren, gab Herr M. Goldreich der Freude Ausdruck, die bei der Einweihung des neuen Gotteshauses im Kreise des Bereins herrsche, obwohl an sich die heutige Zeit znm Jubel und zur Freude wahrlich keinen Anlaß biete. Die eigentliche Weiherede hielt Herr Rabbiner Dr. Han oder. In packender Weise wies er darauf hin, wie nur die jüdische Tradition,, die bei unseren Brüdern aus dem Osten noch so stark and wirksam sei, das Judentum erhalten habe und erhalten werde. Er schilderte, wie Gotteshaus und Lehrhaus nicht voneinander zu trennen seien. Tie Reihe der Glückwünsche eröffnete namens des Gemeindevorstandes Herr Siegfried Simon; ihm folgten in tiefempfundenen Reden die Herren Rabbiner Dr. R o s e n t h a l, Tr. Kober, Tr. Caro und Tr. Car leb ach,, jeder von seinem Standpunkte aus das neue Gotteshaus warm begrüßend. Ein schöner Chorgesang schloß die erhebende Feier. — Mannheim, 25. April. Ein zahlreiches Publikum hatte sich kürzlich eingefunden, um dem Schauturnen beizuwohnen, das der Jüdische Turn- und Sportvere i n Nt a n n h e i m (Vorsitzender Dr. Katzen stein) im großen Saal der August - Lamey- Loge veranstaltete. Dieser Verein, der sich die körperliche und geistige Ausbildung artbewußter Inden und Jüdinnen widmet, wurde während der schwierigsten Kriegsverhältnisse gegründet und und hat so große Anziehungskraft ausgeübt, baß er selbst während der „Flieger"zeiten seinen Betrieb aasrechterhalten konnte, weil seine Garde getreulich zu den Veranstaltungen erschien. Jetzt galt es zu zeigen, was man turnerisch gelernt hat, und Neuanmeldungen waren das Ergebnis dieser Schau. Für den künstlerischen Teil waren Schauspieler Max Grünberg für Rezitation sowie Rudolf und Franz Hirschler gewonnen worden, die Violin- und Klavierstücke vortrugen. Lebhafter Beifall dankte ihnen. In den heiteren Teil leiteten Vorträge zur Zupfgeige von Willi H i r s ch und Kläre L e v i über. Heidelberg, 25. April. Die hiesige jüdische Jugend schloß sich kürzlich aufs neue zu einer Vereinigung unter dem Namen „A r b e i t s g e m e i n s ch a s t der jüdischen Jugend" zusammen. Der Zweck des Jugendvereines ist, durch Vertiefung des Wissens vom Judentum die Jugend zu aufrechten, ehrbewußten Juden heranzuziehen, ausgehend von dem Gedanken der Abwehr .des Antisemitismus das Verständnis von der Bedeutung des Judentums zu wecken und zu fördern. In den Vorstand wurden gewählt: Herr Alfons Schönemann, Gerichtsassessor Hugo Marx, Frl. Frieda Marx, Fritz KI estadt und Kurt G o l d s ch e i b e r. Die Gemeinde Heidelberg unterstützt die Bestrebungen des jungen Vereins in jeder Weise und.reichliche Spenden (weit über. 2000 Mark) gingen bereits der Kasse zu. Der Verein selbst zählt heute schon über 150 Mitglieder.