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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-05-02 · Heft 18 (2.5.1919) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 18 (2.5.1919)
Date
1919-05-02
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 2 RslzlSlS Der Gmletndebo«. »tilajt zur „Allgrmelnrn Zeitung de- Judentum-". fiorrtfpontirn?tn und jßadjridjttn. Lrrttschland. Berlin, 29. April. Der „Z e n t r a l ve r e i n für die Interessen der Jü dischen Gemeinde zu Berlin" hielt eine gut besuchte Versammlung ab, die sich mit den bevorstehenden Repräsentantenwahlen beschäftigte. Magistratsrat Dr. Neu mann entwickelte das Wahlprogramm der Organisation. Die verschiedenen Richtungen in der Gemeinde werden durch vier Parteien vertreten, mit denen bei den Wahlen zu rechnen wäre. Gin Zusammengehen mit den Z i o n i st e n sei ausgeschlossen, weil 'diese fordern, daß ihre Kandidaten an erster Stelle der Liste stehen sollen, um der Liste den Namen zu geben. Dagegen wäre ein Paktieren mit dem Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums möglich; mit den Liberalen jedoch nur, wenn dem Zentralverein eine seiner Bedeutung entsprechende Zahl von Vertretern nach eigener Auswahl zugesichert würde. Ten Ausführungen des Redners folgte eine lebhafte Aussprache, in der Herr Lewitt ein Wahlbündnis mit den Zionisten und den anderen positiven jüdischen Parteien gegen die Liberalen forderte. Lehrer A u e r b a ch trat für die Errichtung jüdischer Schulen ein und widerlegte die Bedenken, die gegen die Schaffung jüdischer Schicken mit dem Hinweis auf das Fluktuieren der jüdischen Bevölkerung und ihr zerstreutes Wohnen in dem großen Gemeindebezirk begründet werden. Die Kritik eines Redners an dem Austritt der Vertreter des konservativen Judentums aus der Repräsentantenversammlung gab Herrn Lewinfti Gelegenheit zu kurzer Darstellung der damaligen Vorgänge, lieber die Taktik bei den Wahlen, über ein Zusammengehen der die verschiedenen Richtungen vertretenden Vereine kamen mehrere abweichende Meinungen zu Worte; überwiegend war die Ansicht, daß es zweckmäßig sei, wenn jede Richtung ihre eigene Liste den Wühlern präsentiert, um so einmal die zahlenmäßige Stärke, jeder Partei kennenzulernen. Lebhaften Beifall fand das Versprechen des Zentralvorstandes, daß für den Zentralverein bei Aufstellen seiner Kandidatenliste nicht Titel und Würden der Erwerber, sondern ausschließlich Fähigkeit und. Tüchtigkeit maßgebend sein werden. 2/D Berlin, 29. April. Der Verein „Jüdische Lesehalle und Bibliothek" (Oranienburger Straße 58) hielt am 10. d.M. seine 25. Generalversammlung ab. In Vertretung des abwesenden ersten Vorsitzenden, Dr«. Max Ginsberg, erösfnete der zweite Vorsitzende, Professor Dr. Moriz Schäfer, die Sitzung und erstattete folgenden Bericht: Die Jüdische Lesehalle und Bibliothek hat auch im abgelaufenen Jahre' 1918 sehr unter der Ungunst der Verhältnisse zu leiden gehabt. Die Folgen des unglückseligen Krieges machten sich, wie auf allen Gebieten, auch in dem Betrieb der Jüdischen Lesehalle geltend. Die schwierigen Verkehrsverhältnisse beschränkten den Besuch. Die Anzahl derjenigen, die in diesem Institut im vergangenen Jahre Belehrung und Fortbildung gesucht und gesunden haben, beläuft sich auf 7256 Personen. Der Bücherbestand umfaßt 9531 Bände, von denen im Berichtsjahre 1203 Bände verliehen und 297 Bände für den Lesesaal ausgegeben wurden. Der Vorsitzende gedachte sodann in tiefempfundenen Worten der schweren Verluste, die der Verein durch den Tod der Herren Louis Fo erster, Rabbiner Dr. Josef Stier und Geheimer, Regierungsrat Professor Dr. Ludwig Geiger erlitten hat, und drückte die Hoffnung aus, daß der Jüdischen Lesehalle auch in Zukunft die Männer nicht fehlen mögen, die ihr helfen, die Wissenschaft des Judentums in immer weitere Kreise zu tragen. Darauf erstattete der Schatzmeister, Herr Benas L e v y, den Kassenbericht, der in Einnahmen und Ausgaben mit 8930,06 Mark balanciert. Zum Schluß wurden die bisherigen Mitglieder des Verwaltungsausschusses einstimmig wiedergewählt. Kr. Berlin. 29. Avril. Am 11. d. M.. am Rüsttaae des Sabbat haggadol, wurde hier der im hohen Alter von zweiundachtzig Jahren dahingeschiedene Senior der Berliner Gemeindekantoren, Abraham Rosenthal, zu Grabe getragen. Der Verblichene, der bereits überein Jahrzehnt im Ruhestande lebte, gehörte zu den tüchtigsten Vertretern seines Standes. Er war in Suwalki (Russisch-Polen) geboren. Ursprünglich Kaufmann, wählte er später den Kantorenberuf, in welchem er sich durch seine markige, wohlkultivierte Baritonstimme und durch seinen temperamentvollen, dramatisch belebten Vortrag bald einen großen Ruf erwarb. — An der Beisetzung Rosenthals beteiligten sich fast sämtliche in Berlin amtierenden Kantoren. Herr Rabbiner Dr. Warschauer zeichnete in seiner Trauerrede ein scharf umrifsenes Eharakterbild des Verstorbenen, würdigte dessen berufliche Vorzüge und erwähnte auch das stets rege Standesinteresse und ausgeprägte Standesbewuhtsein Rosenthats. Der Dahingeschiedene sei eine Künstlernatur geivesen. Wie aber, nach dem Dichterwort, „die Nachwelt dem Künstler keine Kränze flicht", fo unterliege auch die Wirkfamkeit der Religionsdiene c in der Großgemeinde der Tragik, nach dem Ausscheiden aus dem Amte leider verhältnismäßig rasch vergessen zu werden. — Namens der „Hilfskasse für israelitische Kantoren" sowie oer Berliner Gemeindekantoren widmete Oberrantor Klein dem dahingeschiedenen Amtsbruder herzliche Abschiedsworte. Er habe zu den Begründern der „Hilfskasse" gehört und für deren Bestand und Gedeihen das Seimge beigelragen. „Roch, als bereits die Gebresten des hohen Alters auf ihm lasteten, erschien er zu den Mugneoerversämmlungen der Kasse uno oeteiligte sich an den Deoutten.' Das Ansehen seirus Sranoes, insbesondere die Sorge für die Hebung der Stellung ver Berliner Gememderanwren, habe ihm jederzeit am Herzen gelegen. Möge die Erinnerung an Adr. Rosenthal im Geiste aller, die ihn rannten, dauernd sortleben! W. Posen, im April. 75 Jahre sind seit der Gründung des Verems lunger Kaufteute ins Land gegangen. Von einer Feier des Geoenriages wuroe mir Rücksicht aus oen Ernst der Jeu Abstano genommen. Ter Besiand an auszervrdenrlichen Mitgliedern betrug im Berichtsjahre 19i3 -- 6oo, an oroenluchen 464, zusammen 1114; neu eingerreien sind 24 4- 23 52, ausgeschieden 0/ 4- 36 — 73. Am 1. ^anuar 1919 waren 637 4- 45 v, nn ganzen 1093 Mitglieder eingetragen. — Für Krantenpftege wuroen 2o9 Mark vei> uusgadi. Tas Lehrti.ngsye-i.ni. hat trotz mancher Störungen auch im Jahre 1913 seine Tätigkeit ausrechieryalten können. Tie Mi-o gliederzahl hielt sich mit durchjchnittlich 65 aus der Höhe des Borlahres. Tageswanderungen -uno Besichtigungen wurden abwechselnd unter großer Teilnahme ausgejührr. Tie mosten für die Anssluge uno Besichtigungen wurden durch Spenden der Herren Heinrich Perser un-o Kommerzienrat ^moirar Schnoert gedeckt, -rer Kassenbericht i>t» Leyriingshemis für lhi» Ge ^chas isla hr 1913 weist rn Eiunayme imo Ausgabe zusammengerech 1 wr r9o3,5v M. ans. -me ^assenveryalinisse ves Berenis gisi-aUeAi'. sich wie folgt: Gesanilemnaymen iino Ausgaben Ivo 9bo,04 lUt. In der Haupwersammlulig oes Vereins am 3. April 0. I. wuroeu me ausgeschieoenen Bvrslunosmitgia'oer, ine Herren Leo Eaivary, Tr. Hamburger, Arnold svatz uno Heinrich Pelser nur Lrumnenencherr wiedergewählt. Dem K ii r a t 0 r a u m gehören -die Herren Geheimer Komlnerzienrat Kantorowicz, Stadtrat 2 chle y e x uno 21001rat Elkeles an. — VLach kurze m schweren Leiden verschied m Posen der Generalagent Herr Siegfried G r u n w a l d im 63. Lebensjahre. Der Berstorvene har . sich namentlich aus dem Gebiete des Armenwesens rühmend hervorgetan. Herr Gemeinderabbiner Prosessor Dr. Bloch, der in A-nbetracht des Festesbeginns eine eigentliche Trauerrede nicht hielt, würdigte in einem warmempfundenen Gebet die Verdienste des Heimgegangenen und wies aus die starke Beteiligung bei der Beerdigung hin, die ein beredtes Zeugnis dafür ist, im welcher Wertschätzung der Verblichene der allen im Leben gestanden. — Der Tod des Herrn Grunwald hat in die Armenkommisston V eine fühlbare Lücke gerissen. Der menschenfreundliche Mann war den Armen und Waisen ein wohlwollender Heiser und Berater. Die schweren Pflichten seines Ehrenamtes hat er mit unermüdlichem Eifer und nie versagender Treue erfüllt. J. V. Breslau, 25. April. Am 13. d. M. beging der stellvertretende Vorsitzende der hiesigen Repräsentantenversammlung, Herr- Geheimer Sanitütsrat Tr. Earl Reich, seinen 70. Geburtstag. Wie

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