Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1919)
- Date
- 1919-05-02
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Ten Neigen der DortragSabende erösfnete Herr Geh. Oberregierungsrat Dr. M n y e r alis Karlsruhe mit dem Thema „Das Judentum als Volk und- 3ie1igionsgemeinschast". Herr Rabbiner Tr. P in knß hat einen fortlaufenden Kursus über /.neuere jüdische Geschichte" übernomruen. Beka-nnte Männer uud Frauen sind für weitere Vorträge gewonnen. Löhmrn. Prag, im April. Unter der Ueberschrift „Etwas von den Mazzos" veröffentlicht die hier erscheinende „Selbstwehr" folgenden beachtenswerten Artikel: Es war Heuer in allen Gebieten der ehemaligen Zentralmächte sehr schwer, Mazzos zu beschaffen; die allenthalben herrschende große Knappheit an Edelgetreide machte es ganz verständlich, daß die Behörden dem. Ansuchen um Getreide für Mazzos von vornherein nicht sehr wohlwollend gegenüverstanden. Wenn es dennoch überall.letzten Endes gelungen ist, wenigstens eine kleine Quantität Mazzos (in Wien >2 Kilogramm pro Kops) zu verteilen, so sind die Beteilten allen denen zu besonderem Danke verpflichtet, welche sich für die Durchsetzung der Forderung nach Mazzos bei hohen und niederen Behörden eingesetzt haben. In der Tschechoslowakischen Republik war es vornehmlich der Jüdische Nationalrat, welcher in der Mazzossrage oie Initiative ergriff uno sich durch die erfolgreiche Durchführung derselben den Dank aller derjenigen erwarv, denen .ihr Judentum mehr ist als der bloße Di a me. Dieser Tank }e\ ihm hiermit öfsent- . lich abgestattet. Es war ailSfchließlich das Verdienst des Jüdischen ^earionalrats, daß die Zentralbehörden im Ernähruugswesen ihre Bewilligung sür Mazzosrnehl gaben: eine Forderung sehr wener kreise des Judentums, auch solcher, die sich sonst nicht zu den Orthodoxen zählen. Wenn einzelne örtliche Behörden trotz der von vven ergangenen Weisungen Schwierigkeiten machten, so netzen sich dieselben der richtigem, rattvollem Borgehen meistens beheben; tu e trugen Fallen ist es nicht gelungen, und doch sind viele jüdische 0'uunnell yeuer ohne Mazzos geonebeu; rrotz aner Bemuyungeri, trotz ces schließlich etngemtenelt Enigegenrouimens der Beyöroeu verinochren sich ganze jüdische wetnetrtoen re me Mazzos zu verschassen. Xmn utc sortgeseyrntenett, resormterten Hctupier vieler ts-emeinden, in ihrem Wedelt vourommen assunilierr nnu enljuoischi, harren aus eigenem ^urounreir beschlossen, heuer nu ytanicn vt*r gallzen von ihnen vertretenen Gemeinde aus ote Btazzos zu verzichten; memand harre riesen wemetnoeoorstnltoen oa» Recht au| eine oerarnge Berztcyneisiung etngcnmmi; sie seyien oa durch t)imoerre gamiNen m Berlegenyen, viele streng zromlne m yochnorpetn- Nche Gewtssensqualen. cxS wtro wohl, oato d:e ^runoe solcher <L»euieindevorsl'eyuugeri geschlagen yaven; denn dieselben müssen energisch oeleyrr werden, daß der juotsche ^leuerirager seine wemetnoesteuer nicht bloß Zur Schuldenn-lgung sür prunwolle, aber Uienschenleere ^yuagogenvauten hergwt, svnoern daß er das Recht yar, sur diese unnussleiier auch eine Befriedigung seiner tultuenen Bedürfnisse zu verlangen. Das Beispiel der wroßen fand bei vielen uleinen, vre sich gern groß dünken, bereitwillige ^eachahmung. Es beschloß eine ganze Reihe von Anstalten, Waisenhäusern, Freitischen der jüdisch,en Gemeinden, Heuer das „Brok des Elends" durch elendes Brot, zu ersetzen. Daß durch eine solche unverantivörtliche Handlungsweise alle Insassen dieser Anstalten, daß Kranke, Sieche, Waisenkinder, Schulkinder ufw. verhalten wurden, .ihrem religiösen Denken Zwang anzutun, daß viele, durch den inneren Zwiespalt angeregt, eine gar merkwürdige „Ma nischtaneh" fragten, daß sie die Unterschiede zwischen dieser traurigen Pessachnacht von allen bisherigen Pessachnächten hervorzuheben sich veranlaßt sahen, all das störte -die hohen Geister der großen und der kleinen Vorsteher nicht int geringsten. Es muß hier sehr gründliche Remedur geschaffen werden, wenn wir, .leschonoh habooh bene chorin, im nächsten Jahre allesamt freie Menschen sein wollen. Deutlch-Velterrejch. Z. Wien, im April. Am 13. d. M. fand die Generalversammlung des B e r e i. n s z u r Unterstützung armer, kranker Israeliten bei zahlreicher. Beteiligung unter Vorsitz des Obmanns Marcus Bonds statt. Herr Marcus Bondi begründete die Schwierigkeit der Abhaltung einer Generalversammlung.während.des Krieges und dankte den Mitgliedern und Gönnern des Vereins, speziell der Kultusgemeinde, die durch ihre werktätige Mithilfe es ermöglicht hat, den wesentlich gestiegenen Anforderungen uaclJntommen. Herr Frommer erteilte zum Rechenschastsbericht die notwendigen Aufklärungen und betonte die bedeutende Errungenschaft der Errichtung einer eigenen streng rituellen Küche im Wiener Allgemeinen Krankenhause. Dies beweist, daß die Tätigkeit des Vereins auch bei den hohen Behörden und der Krankenhausdirektion Würdigung und Anerkennung findet. Im Zusammenhänge damit ist dadurch auch eine erhebliche Verbesserung der Krankenverpflegung möglich. In den furchtbaren Kriegsjahren konnte der Verein nicht nur eine stets wachsende Zahl von Zivilpersonen, sondern auch eine große Zahl von kranken Soldaten mit ritueller Kost verpflegen. Die Tätigkett des Vereins erschöpft sich jedoch nicht mit der rituellen Verköstigung allein, sondern die Kranken werden auch besucht, deren Wünsche erfüllt, und so war der Vorstand allen Kranken auch Führer, Freund, Ratgeber, Ernährer und Tröster. Die Einnahmen des Vereins im letzten Berichtsjahre (1913) beliefen sich aus 19 000 Kronen, im abgelaufenen Jahre auf 73 000 Kronen. Die Mitgliederzahl ist dank der rührigen Tätigkeit des Vorstandes von 500 auf 900 gestiegen. Trotz dieser wesentlichen Steigerung der Einnahmen hat sich das Gebarungsdefizit wesentlich erhöht, da noch immer die enorme Teuerung es mir sich' bringt, daß die Ausgaben sich nicht mit dem Budget in Einklang bringen lassen. Der 3techenschastsbericht wird sodann einstimmig genehmigt.. Bei der Wahl wurden die bisherigen Borstandsmitglieoer einstimmig wiedergewählt. Auf Antrag eines Mitgliedes wurde aus der Versammlung ein Betrag von 7000 Kronen sür außerordentliche Erfordernisse gezeichnet. Die Versammlung begrüßte speziell den hochverdienten Vereinspräsidenten und Ehrenmitglied Herrn Marcus Bondi mit dem Wunsche, ihn noch viele Jahre an der Spitze des Vereins in voller Gesundheit und Rüstigkeit zu sehen.. — Ter Verein „3 u fünft", Verein zur Förderung schulentwachsener, verlassener Kinder, erössnete am 1. April d. I. in feinen Lokalitäten, 8. Bezirks Bennoplatz 1, ein Abendheim, welches bestimmt ist, aussichtslosen Lehrlingen oder anderen Jugendlichen über dem 14. Lebensjahre in den Feierstunden ein freundliches Asyl zu bieten. Diese Jugendlichen sind zweifellos den Gefahren der Straße ausgesetzt, wenn sich nicht hilfsbereite Hände ihrer annehmen. "Den Sinaoen wird in oiesem Avendheim, wo sie entsprechende Beaufsichtigung und Beschäftigung finden, auch eine Jause und das Abendbrot verabreicht. Der Verein „Zukunft" hofft, daß sich hilfsbereite und edle Menschen finden werden, welche seine sozialen und Humanitären Bestrebungen erkennen und durch Zuwendungen' jeder Art gern fordern werden. Schm eilen. §£jj> Stockholm, int April. Dem hiesigen Jüdischen Preszbureau wiro aus London gemeldet: Aus Anlaß der polnischen Judenpogrome fand am 9. 'April nt Qu eenshall m London eine von vielen Tausenden von Personen besuchte Protestversammlung statt. Lord Palmoor, der den Vorsitz führte, verdammte in seiner Eröffnungsrede die unmenschlichen polutscheu Exzesse und sagte, es sei die Pflicht der britischen Re-' gierung, dafür zu sorgen, daß der Völkerbund die Rechte der Juden sicherstelle und den Judenverfolgitngen Einhalt tue. Viele Zustimmungserklärungen von Bischöfen und Parlamentsmitgliedern sowie Arbeiterführern wurden verlesen. Die Parlainentsmitglieder der Arbeiterpartei Gran lind Warner erklärten in ihren Zuschriften, die britische Arbeiterschaft werde ihren ganzen Einfluß aufbieten, um den Exzessen Einhalt zu tun. Der Hauptredner der Versammlung var Israel Cohen, der im Austrage der englischen Zionisten eine Reise durch Polen und Galizien unternommen hatte, um die Wahrheit über die Pogrome zu erklinden. Cohen entwarf ein furchtbares Bild der Pogrombewegung in Galizien und Polen und wies auf Grund von zahlreichen Zeugenaussagen, Dokumenten und Unterredungen mit polnischen Führern die ungeheuere Schuld der polnischen- Führer und der Reg.ierlmgsbehörden nach. Tie Ausführungen Cohens gipfelten in den Worten, die polnische Regierung müsse dazu gezwungen werden, sofortige Schritte zu unter-