Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1919)
- Date
- 1919-05-02
- Page
- Seite 188 (sequence 8)
- Language
- German
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-188 Glaubensgenossen hat, denen es in der -Ferne noch schlechter geht und die noch härter nur die Existenz zu-, kämpfen haben als er selbst. Der Schatzmeister i. E., Herr Bankdirektor Kurt Sobernheim, erstattet den- Finanzbericht. Darauf wird dem Vorstand einstimmig Entlastung erteilt. Es folgt, die Wiederwahl der Kassenrevisoren, der Herren Kommerzienrat Siegmund Pin-cus und Georg Tietz. Der Vorsitzende teilt zum Schluß noch mit, daß in der borangehenden Sitzung des Zentralkomitees in dasselbe kooptiert wurden die Herren Michael Nußbaum (München), Rabbiner Dr. Winter (Homburg v. d. H.), und in den geschäftsführenden Ausschuß: Frau Henriette May, Oskar Lesser (Dresden) und Rabbiner Tr. Leo Baerwald (München). Die Chors im Lichte der pgads. Von Albert Katz. III. >-^enesis K. 2. „Dieses ist die Entstehungsgeschichte 'des Vf? -Simmels und der Erde, da sie erschaffen wurden." Ueberall in der Heiligen Schrift, wo das Wort Toldot— das Entstehungsgeschichte, Geschlechtssolge, Geschlechtsregister oder Geschichte schlechthin bedeutet --vorkommt, wird es ohne i, nur. hier und im Buche Ruth 4.18, wo das Keichlechtsregister des Verez, des Ahnherrn Davids, aufgeführt ist, wird es mit einem i auch zum Schluß, geschrieben. Dieses die Zahl sechs darstellende „Waw" weist darauf hin, daß die Menschheit, die infolge der adamitischen Sünde sechs der herrlichsten Gaben eingebüßt hat, diese nach dem Erscheinen eines Sprosses aus dem Hause Verez, des Messias,. wieder erhalten39) und so die urspüngliche Vollkommenheit erlangen wird49). „Am Tage, als Gott der Herr Erde und Himmel erschaffen hatte." Hier wird zum erstenmal neben dem Gottesnamen Elohim der auszusprechen verbotene, das Tetragram, genannt. Die Erklärung hierfür ist: Elohim involviert das Prinzip des strengen Rechts, das Tetragram das der Gnade, des Erbarmens. Als der Allmächtige die Welt erschuf, sprach er: Wenn ich die Welt auf das Recht allein errichte, wird sie nicht lanae bestehen, und wenn ich sie auf die Barmherzigkeit allein erballe, wird die Menschheit, meine Langmut mißbrauchend, dem bösen Triebe ihres Herzens folgen und den ul ihrem Untergang führenden Weg des Lasters 'beschreiten. Ich will darum die Welt auf Recht und Gnade gemeinsam gründen und hege den Wllnsch, daß sie so von Bestand sein möge4') ..Roch hatte Gott der Herr nicht regnen lassen auf die Erde." Auch hier geht dem Gottesnamen Elohim das .Tetraaram vorall. Denn wie der Himmel und die Erde ist der Regen ein ewiger Zeuge, daß Recht und Erbarmen die Grundpfeiler der göttlichen Weltregierung bilden4"). Drei Dinge, von denen jedes aus drei Buchstaben zusammengesetzt. gibt es. die in innigem Zusammenhang stehen und in ihrer Bedelltllna für den Fortbestand der Welt einander gleichen: Der Mensch STKdie Erde ^8, der Regen Der Regen ist von der Erde, die Erde ist vom Regen lind der Mensch, zur Arbeit und Mühe geboren, ist von beiden abhängig43). Der Tag des Regens ist darum so hoch wie derjenige einzuschätzen, an dem Himmel und Erde erschaffen wurden. Wenn Gott die Erde mit Regen tränkt, offenbart er sich der Menschheit wie am Tage der Gesetzgebung am ™) Jalkut Schimoni, Wreschit. ’") Enibin isb. rrn Sinn Torr ji*nn chk 4I) Jalkut Schimoni, B'reschit. Ibid. 43) Ibid. Sinai wtb bekundet seine Größe und Allmacht in noch höherem Maße als durch die Wiederbelebung der Toten; denn diese ist nur den Frommen und Gerechten verheißen, die Götteskraft aber, die sich im Regen äußert, belebt und richtet auf ohne Unterschied gute und böse Menschen wie auch alle anderen Geschöpfe44). Ein Heide sagte einst zu Rabbi Josua ben Karcha: „Ihr habt Feiertage und wir haben Feiertage, ihr zu festgesetzten Zeiten und wir zu festgesetzten Zeiten. Welchen Tag aber. begehen wir festlich und fröhlich zusammen?" „Es ist der Tag" — erwiderte der An geredete—, „an dem Gott Regen auf die Erde kommen läßt, 'besten Segen allen Menschen in gleicher Weise zuteil wird."") „Und Gott der Herr bildete den Menschen aus Stäub von dem Erdboden." Das hier angewendete Wort enthält ein doppeltes und deutet somit an. daß der Mensch aus zwei Elementen, einem irdischen und einem himmlischen, gebildet wurde. Denn wäre der Mensch aus einem höheren, dem himmlischen Element, allein aeschaffen, würde er ewig leben; wäre er bloß aus einem niederen, der Erde, geformt, würde er gleich nach der Geburt sterben. Gott aber schuf den Menschen aus himmlischem und irdischem Stoffe gemeinsam und überließ ihm selber tue Wahl zwischen Leben und Tod: Der Mensch lebt, wenn er höheren Idealen, der Weisung des Himmels. nach<reht: er stirbt, wenn er dem Gemeinen, nur seinen! irdischen Instinkten, folgt. Das zweite 7 im Worte weist aber auch daraus bin, daß zwei Triebe, ein auter und ein böser, .im Menschen leben und um die Herrschaft über ihn miteinander rinnen. Der eine führt ihn auf-, der andere abwärts: iener kündet ihm die Macht und die Herrlichkeit des Himmels, dieser zeigt ihm die Genüsse und Freuden der Erde. Der Mensch aber, der das eine erlangen, auf das andere aber nicht verzichten möchte, spricht: Webe mir? Wie ich mich auch verhalte, welchen Weg ich auch wähle ich bin und bleibe der leidtragende Teil49). Erst in der kümtiaen Welt, wenn Gott den Genius des Bösen zur Rechenschaft aezoaen haben wird, werden die Menschen, die Frommen wie die Frevler, die wahre Gestalt des sie veinigenden bösen Triebes erkennen und ein harmonisches Leben führen. Den Frommen wird der Genius des Bösen wie ein gewaltig hoher Berg, den Frevlern * wi e ein dünner Haarfaden erscheinen. Die Frommen werden weinen vor Freude, daß es ihnen gelungen war. so einen Bergriesen zu bewältigen; die Frevler werden unter Tränen beschämt ausrufen: Wie oroß war doch unsere Schwäche, daß wir einen so dünnen Taden nicht zerreißen konnten, und auch Gott der Herr wird sprechen: Was euch io wunderbar erscheint, ist auch in meinen Augen wunderbar4'). „Und er (Gott) hauchte dem Menschen einen Odem des Lebens, eine Seele, ein, die in ihm zu einem geistigen, svrechenden Wesen ward"49) „Ein Lichtstrahl Gottes, ein Abglanz seiner Majestät ist die Seele des Menschen" „Pror. 20. 27). Wie Gott das All. so erfüllt die Seele den menschlichen Körper; wie er sieht und nicht gesehen wird, sieht auch die Seele und wird nicht gesehen; wie Gott die ganze Welt, speist die Seele den ganzen Körper; sie ist rein, wie Gott rein ist, und thront auch gleich ihm im Verborgenen49). „Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden und 44) Taanit 7b. 4r’) Genesis rabba K. 13. ") Jalkut, Schimoni, B'reschit; stehe auch B'rachot 61a: — nstvö ’S 'im '“i2t'ö ’S ’iu 47) Sukka 52a. 48) Onkeles »berscht n’fi £’BjS mit tfSSött riTlS 49) Wrachot 10a.